Integration à la CSU ist zu wenig

Manuskript
Der Bayernkommentar
Integration à la CSU ist zu wenig
Ein bayerisches Integrationsgesetz muss von allen LandtagsParteien getragen werden
Von Nikolaus Neumaier
Redaktion Landespolitik
Samstag, 27. Februar 2016
11.50 Uhr in der Bayernchronik
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Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!
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Was hat eigentlich die CSU geritten, nun doch einen Alleingang beim Integrationsgesetz zu
unternehmen? Dass die Staatsregierung diese Woche ihren eigenen Gesetzentwurf auf den
Weg brachte, war so unnötig wie ein Kropf. Es kann eigentlich nur damit erklärt werden, dass
die CSU in der aufgeheizten Flüchtlingsdebatte und noch vor den wichtigen Landtagswahlen
in drei Bundesländern ein Signal an die konservativen Wähler schicken wollte. Die CSU steht
zwar nicht zur Wahl. Sie steht aber wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingspolitik bei den
Konservativen hoch im Kurs und so mancher CDU Wähler in Baden-Württemberg oder
Rheinland-Pfalz hofft wohl auch darauf, dass sich die CSU in Berlin noch stärker durchsetzt.
So liegt also jetzt ein Integrationsgesetz à la CSU auf dem Tisch. Die Opposition, der der
Ministerpräsident eine Beteiligung an diesem so wichtigen gesellschaftspolitischen Gesetz
versprochen hatte, blieb außen vor. Abgesehen von einer Besprechungsrunde mit dem
Ministerpräsidenten war die Meinung von SPD, Grünen und Freien Wählern nicht erwünscht.
Dass die Staatskanzlei jetzt der Opposition in Aussicht stellt, im Rahmen der
parlamentarischen Beratungen noch einmal mitzuwirken, ist der durchschaubare Versuch,
einem CSU-Gesetz vor Schlussabstimmung noch das Etikett „überparteilich“ aufzukleben.
Offenbar wollte die CSU nie eine gemeinschaftliche Initiative. Dabei ist die Vorstellung, die
die CSU von einer gelungenen Integration hat, durchaus nachvollziehbar. Die
Staatsregierung will Migranten nicht nur fördern, sondern auch fordern. Für manche in der
SPD und bei den Grünen ist das schon unanständig, doch man sollte sich einmal daran
erinnern, dass auch der SPD-Kanzler Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 genau
dieses Konzept des Förderns und des Forderns praktizierte. Schröder hat damit wichtige
Reformen möglich gemacht. Deutschland hat davon profitiert. Fördern und Fordern war
richtig und es ist auch bei der Integrationspolitik richtig. Mit freundlichen Angeboten allein
wird die Integration nämlich nicht gelingen. Die Menschen, die aus unterschiedlichsten
Kulturen, Rechts- und Werteordnungen zu uns kommen, müssen auch wissen, was von
ihnen erwartet wird, und mancher wird schmerzlich erfahren, dass bei Regelverstößen
Sanktionen erfolgen. Das ist unsere Rechtskultur und für die Betroffenen sind Kürzungen
staatlicher Leistungen für verweigerte Mitarbeit oder Bußgelder wegen Aufrufen, die
verfassungsmäßige Ordnung zu missachten, sicher kein Vergleich zu Willkür und
körperlicher Gewalt in etlichen Herkunftsländern. Vor Kurzem warnte der algerische
Schriftsteller Kamel Daoud in einem Aufsatz zu den Übergriffen von Köln vor der Naivität des
Westens. Im Westen, so die Ansicht des Dichters, würde vor allem der Status des
Flüchtlings und nicht seine Kultur gesehen und das gesellschaftliche Handeln werde vor
allem von Schuld- und Mitgefühlen bestimmt. Das wäre tatsächlich naiv, denn mit Mitgefühl
allein wird kaum ein Zuwanderer wirklich integriert. Wer Migranten fordert, nimmt sie ernst
und wer die geltenden Regeln akzeptiert, kann sich hier wirklich eine selbstbestimmte
Zukunft aufbauen. Dass diese dann immer an einer sogenannten Leitkultur ausgerichtet
wird, müsste aber nicht sein. In der Präambel des geplanten Integrationsgesetzes ist von
Menschenwürde, Selbstverantwortung, Solidarität mit Schwachen und Hilfsbedürftigen, von
der Akzeptanz für das gewachsene Brauchtum, von religiöser Toleranz, Meinungsfreiheit
oder Gleichberechtigung von Mann und Frau die Rede. Das sind die Kernaussagen unseres
Grundgesetzes. Da braucht es nicht den Holzschnittbegriff von der Leitkultur.
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