USA: Leitzinswende rückt wegen höherer Inflationsrate

Volkswirtschaft Aktuell
USA: PCE-Deflator, Privater Konsum
Montag, 30. März 2015
Makro Research
USA: Leitzinswende rückt wegen höherer Inflationsrate näher – Konsumdynamik weiterhin schwach
‡ Der PCE-Deflator in der Abgrenzung ohne Lebensmittel und Energie ist im Februar um 0,13 % gegenüber dem
Vormonat angestiegen. Die Inflationsrate nahm von 1,31 % auf 1,37 % marginal zu. Nach den jüngsten Äußerungen von Janet Yellen scheint diese Entwicklung weiterhin ausreichend für eine zeitnahe Leitzinswende zu
sein.
‡ Die persönlichen Einkommen nahmen um 0,4 % mom zu. Hingegen war der Anstieg der Konsumausgaben mit
0,1 % mom enttäuschend niedrig. Hintergrund hierfür ist eine weiterhin ansteigende Sparquote. Dies betrug im
Februar 5,8 % nach 5,5 % im Vormonat. Die Entwicklung der Sparquote stellt eine Belastung für das Bruttoinlandsprodukt dar. Vermutlich wird dieses nur ein mageres Plus im ersten Quartal aufweisen können.
1.
Wann kommt die Leitzinswende? Mit dem letzten Zinsentscheid der Fed Mitte dieses Monats wurde
deutlich, dass nur noch die Datenlage hierfür von Bedeutung ist. Mit Blick auf die Inflationszahlen konnte dem
Sitzungsprotokoll zum Zinsentscheid im Dezember vergangenen Jahres entnommen werden, dass nach Einschätzung der FOMC-Mitglieder die Höhe der Inflationsrate schon damals ausgereicht hätte, um die Leitzinsen anzuheben. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass aus Sicht der Fed der Deflator der privaten Konsumausgaben ohne Lebensmittel und Energie (PCE-Deflator, Kern) das wichtigste Inflationsmaß ist. Damals betrug diese Inflationsrate (letzter Datenmonat Oktober 2014) 1,5 %. Seither hat sich die Jahresteuerung des Deflators von dieser
„Wunschhöhe“ nach unten entfernt. Im Februar ist diese von 1,33 % auf 1,37 % marginal stärker als erwartet
angestiegen (Bloomberg-Umfrage und DekaBank: 1,3 %). Gegenüber dem Vormonat nahm der Deflator um
0,13 % zu (Bloomberg-Umfrage und DekaBank: 0,1 %). Dies war der stärkste Preisanstieg im Vormonatsvergleich seit Juni vergangenen Jahres.
PCE-Deflator (ex Lebensmittel u. Energie; mom in %)
PCE-Deflator (ex Lebensmittel u. Energie; yoy in %)
0,20
2,6
0,18
2,4
0,16
2,2
0,14
2,0
0,12
Prognose
1,8
0,10
1,6
0,08
0,06
1,4
0,04
1,2
0,02
1,0
0,00
Feb 14 Apr 14 Jun 14 Aug 14 Okt 14 Dez 14 Feb 15
Quellen: Bureau of Economic Analysis, DekaBank
2.
mittelfr. Inflationsziel
hinreichendes Niveau zur
Leitzinswende
0,8
07
08
09
10
11
12
13
14
15
Quellen: Bureau of Economic Analysis, Prpgnose DekaBank
In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate nicht die genannte „Wunschhöhe“ von
1,5 % erreichen. Janet Yellen machte allerdings in ihrer jüngsten Rede Ende vergangene Woche deutlich, dass
nur eine weiter fallende Inflationsrate den Beginn der Leitzinswende verzögern würde. Diese Entwicklung ist aus
unserer Sicht aufgrund von starken Basiseffekten nicht vollkommen auszuschließen und muss daher auch in den
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kommenden Monaten beobachtet werden. Somit kann trotz des heute berichteten leichten Inflationsanstiegs
noch nicht mit Gewissheit von einer Leitzinswende im Juni ausgegangen werden. Allerdings hat die Wahrscheinlichkeit dafür mit den heutigen Inflationszahlen weiter zugenommen.
3. Im Februar nahmen der persönlichen Einkommen um 0,4 % gegenüber dem Vormonat zu (BloombergUmfrage: und DekaBank: 0,3 %). Hierbei war die Lohndynamik mit einem Zuwachs um 0,3 % mom etwas
schwächer als zuvor. Enttäuschend war hingegen der Zuwachs der privaten Konsumausgaben um 0,1 %
mom (Bloomberg-Umfrage: 0,2 %, DekaBank: 0,4 %). Die Sparquote erreichte deshalb mit 5,8 % ein verhältnismäßig hohes Niveau. In den vergangenen Monaten sorgten deutliche Energiepreisrückgänge für eine Verbesserung der Kaufkraft der privaten Haushalte. Allerdings scheint hierdurch nicht die Konsumdynamik der privaten
Haushalte beflügelt worden zu sein. Vielmehr wurde dieser Kaufkraftgewinn in die Ersparnis gesteckt. Bereinigt
man die Sparquote von den Energiepreisrückgängen der vergangenen Monate, dann ist zwar der Anstieg der
privaten Sparquote geringer. Die hohe Schwankungsanfälligkeit der Sparquote in den vergangenen Jahren liegt allerdings auch nach einer Bereinigung um die Energiepreise vor. Diese Schwankungsanfälligkeit
erschwert erheblich die Wachstumseinschätzung für den privaten Konsum und damit für das Bruttoinlandsprodukt für die kommenden Monate. Sollte die Sparquote wieder auf ein Niveau sinken, dass Ende 2013 bzw. Ende
2014 vorgelegen hat, würde dies (bei unveränderter Einkommensdynamik) die private Konsumdynamik kräftig
beflügeln. Umgekehrt wäre im Falle einer noch höheren Sparquote mit einer äußerst geringen Konsumdynamik
zu rechnen. In unseren Prognosen ist aufgrund des niedrigen Zinsumfelds eine leicht fallende Sparquote unterstellt. Für das erste Quartal stellt der starke Anstieg der Sparquote eine große Belastung dar. So könnte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in diesem Zeitraum sehr niedrig ausfallen. Sogar eine
Schrumpfung ist nicht vollkommen ausgeschlossen.
Private Konsumausgaben / persönliche Einkommen*
0,8
0,6
0,4
0,2
0,0
-0,2
-0,4
Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb
14 14 14 14 14 14 14 14 14 14 14 15 15
Ausgaben
*Veränderung ggü. Vormonat in %
Quellen: Bureau of Economic Analysis, DekaBank
Einnahmen
Sparquote der privaten Haushalte
6,0
5,8
5,6
5,4
5,2
5,0
4,8
4,6
4,4
4,2
4,0
3,8
13
14
offiziell
15
um Energiepreisschwankungen bereinigt
Quellen: Bureau of Economic Analysis, DekaBank
4. Ein zweites Phänomen der Konsumentwicklung lässt sich seit einiger Zeit beobachten. Lange Zeit
galten die Einzelhandelsumsätze als guter Frühindikator für die Konsumentwicklung insgesamt. Tatsächlich hat
aber sowohl die Güternachfrage als auch die Umsatzentwicklung der Einzelhändler spürbar an Gewicht verloren.
Gerade einmal 32 % der gesamten Konsumausgaben betreffen Güter. Zwar ist der Rückgang dieses Anteils
durch den Energiepreisverfall der vergangenen Monate nach unten verzerrt. Der Vergleich mit den Einzelhandelsumsätzen, die vom Bureau of Economic Analysis tatsächlich zur Konsumermittlung verwendet werden (sogenannte BEA-Abgrenzung; bspw. ohne Tankstellenbetreiber), bestätigt jedoch ebenfalls den Bedeutungsverlust.
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Demnach decken diese nur noch 24 % der Gesamtausgaben der privaten Haushalte ab. Der Vormarsch von
Dienstleistungen, der bereits im vergangenen Aufschwung zu beobachten gewesen war, scheint sich
seit 2012 wieder zu beschleunigen. Dies bedeutet, dass die Einzelhandelsumsätze nur noch bedingt als Frühindikator für den privaten Konsum Verwendung finden können.
Anteile am privaten Konsum in Prozent
35,5
25,0
35,0
24,8
34,5
24,6
34,0
24,4
33,5
24,2
33,0
32,5
24,0
32,0
23,8
31,5
23,6
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (l.S.)
Einzelhandelsumsätze (nach BEA-Abgrenzung*, r.S.)
*BEA-Abgrenzung: Enthält nur die Umsatzstatistiken, die in die Berechnung des privaten Konsums einfließen
Quellen: Bureau of Economic Analysis, Commerce Department, DekaBank
Autor:
Rudolf Besch
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