Schattenblick Druckausgabe

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MA-Verlag
Kooperationspartner / IPS
S. 3 POLITIK - AUSLAND:
Nigeria - Breiter Unmut über
Verschiebung der Wahlen (IPS)
Elektronische Zeitung Schattenblick
Freitag, 13. Februar 2015
Syriens Rebellen geraten in die Defensive
Hisb Allah und Assads Truppen
setzen die Aufständischen unter Druck
S. 4 POLITIK - UNO:
(SB) ­ Im syrischen Bürgerkrieg,
Ex-Regierungs- und Staatschefs
der inzwischen fast vier Jahre anlegen der UN Empfehlungen vor dauert, die gesellschaftliche Infra(IPS)
struktur des Landes verwüstet,
mehr als 200.000 Menschen das LeS. 6 UMWELT ben gekostet und Millionen zu
INTERNATIONALES:
Flüchtlingen gemacht hat, befinden
Indien - 200.000 Waldbewohner von sich die verschiedenen RebellenStaudammprojekt am Godavari
gruppierungen auf dem Rückzug
bedroht (IPS)
und die regulären Streitkräfte von
Präsident Baschar Al Assad aufdem
Vormarsch. Die bisher schwerste
Niederlage der Aufständischen war
SPORT / BOXEN
die Vertreibung aus der Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei. Nach
Ein fadenscheiniges Ablenkungs- monatelangem Häuserkampf haben
die Freiwilligen der Kurdischen
manöver
Chavez schlägt Hopkins einen Volksverteidigungseinheiten
(YPG), des bewaffneten Arms der
Kampf gegen Golowkin vor
Partei der Demokratischen Union
(SB) - Was auf den ersten Blick wie (PYD), der Schwesterorganisation
das Konzept eines reizvollen Mini- der Arbeiterpartei Kurdistans
turniers im Supermittelgewicht an- (PKK) Abdullah Öcalans, am 26.
muten mag, erweist sich bei näherer Januar die Rückeroberung von KoBegutachtung als durchsichtiges Ab- bane und den Sieg über die Dschilenkungsmanöver des Mexikaners hadisten des Islamischen Staates
Julio Cesar Chavez. Dieser will im (IS) gemeldet. Inzwischen will die
Sommer mit Carl Froch in den Ring YPG mehr als 100 Dörfer im Bezirk
Ain Al-Arab, dessen Hauptstadt
steigen und ... (Seite 8)
Kobane ist, von den IS-EindringlinHungerkur statt Trainingslager? gen "befreit" haben. Auch in anderen Landesteilen scheint sich das
Das Duell zwischen Saul "Canelo" Blatt zugunsten der Armee der ZenAlvarez und James Kirkland, das tralregierung in Damaskus allmähvermutlich am 2. Mai im Alamodo- lich zu wenden.
me von San Antonio ausgetragen
wird, steht aus mehreren Gründen Seit Anfang Februar räumt der IS
unter einem schlechten Stern. Von eine ganze Reihe von Ortschaften
der terminlichen Kampfansage an nahe der Handelsmetropole Aleppo
bzw. tritt die Kontrolle darüber an
den ... (Seite 9)
lokale Rebellengruppen ab. Aleppo
liegt im Nordwesten Syriens und
bildet sozusagen den westlichsten
Einflußbereich des IS. Nach Monaten schwerer Luftangriffe durch
Flugzeuge der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition scheint
das Kalifat um Abu Bakr Al Baghdadi Probleme zu haben, seine Positionen in dieser Region zu halten,
und dabei zu sein, eine Art Frontbegradigung vorzunehmen, um seine
Kräfte im Osten Syriens zu konsolidieren. Doch selbst dort, in Grenznähe des Iraks, ist die Herrschaft
des IS auch nicht uneingeschränkt.
Anfang Februar ist eine mehrtägige
Offensive des IS, bei der ein nahe
Deir ez-Zor, der Hauptstadt des
gleichnamigen Gouvernements, gelegener Stützpunkt der syrischen
Streitkräfte erobert werden sollte,
gescheitert. Mittels einer Luftbrücke, erbitterten Widerstands und
Bombenangriffen der eigenen Luftwaffe gelang es Assads Truppen,
ihre letzte wichtige Stellung im Osten Syriens zu halten. Doch eine
baldige Behebung der Einkesselung
des Luftwaffenstützpunktes ist
nicht in Sicht.
Östlich von der syrischen Hauptstadt
liefern sich ehemalige Rebellen, die
vor rund drei Monaten mit der Zentralregierung ihren Frieden geschlossen und die Miliz Jaish alWafaa ("Armee der Treue") gebildet
haben, seit Tagen blutige Kämpfe
mit der sunnitisch-salafistischen
Elektronische Zeitung Schattenblick
Jaish al-Islam ("Armee des Islams"),
der angeblich stärksten Rebellengruppe in der Region um Damaskus. Dies berichtete die im Libanon
erscheinende Zeitung Al-Akhbar
am 9. Februar unter Berufung auf
Angaben sowohl der Nachrichtenagentur Agence France Presse als
auch der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle
für Menschenrechte. Mit Hilfe der
ehemaligen Rebellen will die syrische Armee die Jaish al-Islam aus
ihrer Hochburg Douma, etwa 20 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, verjagen. Ein wesentlicher
Faktor bei der Gründung von Jaish
al-Wafaa soll die Unzufriedenheit
einfacher Milizionäre mit dem Chef
der Jaish al-Islam, Zahran Alloush,
gewesen sein, von dem es im Bericht von Al-Akhbar hieß, er sei "für
seine Übergriffe berüchtigt".
Unterdessen haben die syrischen
Streitkräfte am 9. Februar im Süden
und Südwesten Syriens mit Hilfe
der schiitisch-libanesischen HisbAllah-Miliz offenbar eine Großoffensive gegen die dort tätigen Rebellengruppen, allen voran die AlNusra-Front, begonnen. Dies berichtete die in Beirut erscheinende
Zeitung Daily Star am 11. Februar
unter der Überschrift "Hezbollah
leads fight to retake Syria's south".
Demnach toben recht heftige Gefechte in den Gouvernements
Quneitra, das unmittelbar an die
Golanhöhen und Südlibanon angrenzt, und Deraa, das im Süden an
Jordanien grenzt und in dessen
gleichnamiger Hauptstadt es 2011
zu ersten Protesten gegen das "Regime" Assads gekommen ist. Eine
genaue Einschätzung der militärischen Lage in Quneitra und Deraa
ist derzeit nicht möglich: zu widersprüchlich und unzuverlässig sind
die verschiedenen Meldungen.
kehrt. Das Aufkommen von IS und
Al Baghdadis Ausrufung des Kalifats am 29. Juni bei einem Auftritt
in der Großen Moschee von Al-Nuri
in Mossul haben viele Akteure im
Syrien-Konflikt zu einer Revidierung ihrer Position veranlaßt. Für
die USA ist das oberstes Ziel in der
Levante die Niederschlagung des IS
und nicht mehr ein "Regimewechsel" in Damaskus. Ob dies auch für
die Türkei Tayyip Recep Erdogans
zutrifft, ist eine andere Frage. Bisher sind die Türken in der Anti-ISKoalition vor allem durch Zurückhaltung aufgefallen. Jordanien und
die arabischen Golfstaaten, die lange Zeit die sunnitischen Mudschaheddin in Syrien finanziell und anderweitig unterstützt haben, geben
sich nun als die eifrigsten IS-Gegner. Doch die Herrscherhäuser in
Amman, Riad und anderswo müssen befürchten, durch eine zu prominente Rolle an der Seite der "ungläubigen" Amerikaner einen Aufstand von IS-Anhängern im eigenen
Land zu provozieren.
Eine Beilegung des ganzen Konflikts hängt nicht zuletzt davon ab,
ob es der schiitisch-dominierten
Regierung in Bagdad gelingt, sich
mit der sunnitischen Minderheit des
Iraks, die vor allem in der Mitte und
im Nordwesten des Zweistromlands
angesiedelt ist, zu versöhnen. Bei
den jüngsten Kämpfen gegen die
IS-Anhänger im Irak haben sich
nicht die staatlichen Streitkräfte,
sondern vor allem die schiitischen
Milizen, allen voran die Badr-Brigade, hervorgetan. Gleichzeitig gibt
es in diesem Zusammenhang immer
wieder Meldungen von Greueltaten
und Massakern der schiitischen Milizionäre in den von ihnen befreiten
Gebieten gegen sunnitische Zivilisten. Gelingt es nicht, die Spirale
sektiererischer Gewalt zu beenden,
kann der Krieg in Syrien und im
Eine Prognose, wie es in Syrien Irak noch lange dauern.
weitergeht, ist ebenfalls schwierig
http://www.schattenblick.de/
zu machen. Das liegt nicht zuletzt
infopool/politik/redakt/
daran, daß der Krieg in Syrien von
nhst1362.html
dem im Irak abhängt und umgeSeite 2
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SCHACH - SPHINX
Schnittpunkte einer
kontroversen Diskussion
(SB) ­ Die Frage nach den Bedingun-
gen, die vom alten zum neuen und
damit europäische Maßstäbe setzenden Schachspiel führten, ist immer
schon kontrovers diskutiert worden.
Verschiedenste Theorien beanspruchen auf diesem Feld für sich, dem
Wahrheitsgehalt bestmöglichst nahe
zu kommen. Ob man nun kulturumwälzende oder innere, dem Schachspiel selbst entströmende Beweggründe für diese Zäsur annimmt, einer Meinung ist man sich unter den
Fachleuten zumindest in der Frage
des Zeitraums für diesen Wandel.
Von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an dürfte mit immer stärker
werdendem Wellenschlag das
'Sturmschach' die europäischen Lande - mit zeitlichen Abstrichen natürlich - überschwemmt haben. Der
große Schachhistoriker des 19. Jahrhunderts, Thassilo von Heydebrandt
und der Lasa, schrieb dazu: "Über
die Umstände, unter denen sich der
Abgang vom alten Spiel vollzog, und
ob die Erweiterung für die Dame und
die Läufer gleichzeitig Aufnahme
fand, darüber gebricht es uns an
Nachrichten. Auch findet man nirgends eine bestimmte Äußerung, daß
man gerade zu jenen Zeiten mit den
alten Normen besonders unzufrieden
war. Anzeichen des Vorhandenseins
einer gewissen Mißstimmung haben
wir allerdings schon früher wahrgenommen, als die ganze Partie aufhörte, geschätzt zu werden. Damals
trat aber das Interesse für die Probleme in den Vordergrund, und das Wesen des Spieles an sich blieb noch
unberührt. Unterstützt wurde die damalige Geneigtheit für eine Änderung vermutlich durch das allgemeine Streben, welches gegen 1500 die
christliche Bevölkerung erfaßte und
zu Entdeckungen, sowie später zu
religiösen Bewegungen antrieb. Eine so gewaltige Aufregung hat wohl
zugleich auch eine starke Wirkung
Fr, 13. Februar 2015
Elektronische Zeitung Schattenblick
auf die geselligen Unterhaltungen
ausgeübt, zu denen das Schach mitgehörte. Die Neuerung war aber doch
sehr durchgreifend und mußte zugleich den Charakter der Beschäftigung mit dem Spiele ändern, da sie
ihn von den kurzen Aufgaben zur
umfassenden Partie zurückleitete,
was man noch dazu im wesentlichen
innerhalb ziemlich kurzer Zeit vollbracht haben muss. Man darf indes
doch wohl annehmen, daß die Erweiterung des Spieles zum 'Sturmschach'
einen intellektuellen Fortschritt bildete." Soweit von der Lasa, aber nun
zurück zum heutigen Rätsel der
Sphinx und damit zu einer hübschen
Gewinnpartie des deutschen Meisters
Carl Ahues, der mit den schwarzen
Steinen dem drohenden Matt seines
Kontrahenten Nedelsky mit einer eigenen schlagenden Mattkombination
zuvorkam. Nun, Wanderer, wie setzte Ahues dem Treiben ein Ende?
Nedelsky - Ahues
Fernpartie 1935
Auflösung letztes Sphinx­Rätsel:
Der schwarze König des englischen
Meisters Nigel Short stand auf verlorenem Posten, und als Maja Tschiburdanidse mit 1.Dd8-d2+ - nicht aber
1.Dd8-b6+ De5-b5+! - 1...Kb4-a3
2.Tb1xb2! die Schlußpointe setzte,
gab Short ganz 'shorty' auf, denn nach
2...De5xb2 wäre 3.Dd2- a5# gefolgt.
http://www.schattenblick.de/
infopool/schach/schach/
sph05383.html
Fr, 13. Februar 2015
POLITIK / AUSLAND / AFRIKA
Nigeria: Breiter Unmut über Verschiebung der Wahlen
IPS­Inter Press Service Deutschland GmbH
IPS­Tagesdienst vom 11. Februar 2015
von Lisa Vives
New York, 11. Februar (IPS) ­ Nige-
rianer im In- und Ausland, im Norden und im Süden des Landes, Muslime und Christen gleichermaßen,
fordern derzeit in den sozialen Netzwerken und aufden Straßen ihr Recht
aufAusübung ihres Wahlrechts ein,
nachdem die Präsidentschafts- und
Parlamentswahlen "aus Sicherheitsgründen" abgesagt wurden.
Der Urnengang wurde vom 14. Februar auf den 28. März verschoben.
Zur Begründung hieß es, dass die Armee zunächst die von Boko Haram
besetzten Gebiete zurückerobern
müsse. "Die Wahlkommission kann
nicht einfach den Rat der Sicherheitschefs des Landes ignorieren", so
Attahiru Jega, der Leiter der Wahlkommission, bei der Bekanntgabe
der Entscheidung. Dabei hatte er
noch in der ersten Februarwoche erklärt, dass man gut vorbereitet sei
und 68,8 Millionen Wähler registriert habe.
Durch die Terminänderung verschieben sich auch die Gouverneurs- und
Regionalwahlen, die für Ende Februar vorgesehen waren. Sie sollen nun
am 11. April stattfinden.
Viele führen die Verschiebung der
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen um sechs Wochen auf den
Stimmenzuwachs des Oppositionskandidaten zurück. Den Umfragen
zufolge steht dem westafrikanischen
Land ein Kopf-an-Kopf-Rennen
zwischen dem amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan und dessen Herausforderer Muhammadu
Buhari bevor.
www.schattenblick.de
Jibrin Ibrahim, politischer Analyst
des Nigerianischen Zentrums für
Demokratie und Entwicklung, wirft
den nigerianischen Sicherheitsbehörden vor, den Wahlkommissionschef Jega zur Verschiebung des
Wahltermins gezwungen zu haben.
Die Gründe seien vorgeschoben.
"Sie sagen, dass sie sechs Wochen
brauchen, um die seit sechs Jahren
vorrückende Boko Haram zu besiegen. Gelingt dies nicht, könnten sie
die Wahlen erneut verschieben und
damit die Demokratie in Nigeria zerstören."
Der prominente nigerianische Jurist
und Menschenrechtsaktivist Femi
Falana sprach gar von einem Putsch
gegen die Landesverfassung, für den
sich der Nationale Sicherheitsberater
(NSA) Sambo Dasuki und die Sicherheitschefs zu einem gegebenen
Zeitpunkt verantworten müssten.
Wie Joe Igbokwe von der Oppositionspartei 'All Progressvie Congress'
auf der Online-Plattform der 'SaharaReporters' schreibt, steht Nigeria
derzeit an einem Scheideweg. Unter
Berücksichtigung aller Indikatoren,
Blickwinkel und Berechnungen deute alles darauf hin, "dass die Titanic
namens Nigeria auf einen Eisberg
auflaufen wird, sollten wir Präsident
Jonathan behalten".
Wie er kritisierte, werde das politische, wirtschaftliche und soziale Leben von Korruption und Vetternwirtschaft bestimmt. "Investmentfonds
befinden sich in privater Hand, das
System funktioniert nicht und diejenigen, die sich durch nichts verdient
Seite 3
Elektronische Zeitung Schattenblick
gemacht haben, jagen uns zum Teu- Beitrag 'Niemand sollte Jonathan
fel."
wählen' schrieb er: "Die Kunst des
Regierens ist komplex und keine beDie Entführung von mehr als 250 neidenswerte Angelegenheit. Doch
Schulmädchen durch die islamisti- eine der Grundvoraussetzungen ist
schen Rebellen der Boko Haram vor die Fähigkeit zur Empathie." Bezugmehr als drei Monaten war ein wich- nehmend auf die Entführung der
tiges Wahlkampfthema. Dazu schrieb Schülerinnen stellte er die rhetoriMojubaolu Okome, Professorin am sche Frage: "Wenn Sie erfahren, dass
Brooklyn College in New York, auf ihre Tochter entführt wurde, wie lanihrer Facebook-Seite: "Heute sind ge würde es dauern, bis Sie aktiv
300 Tage seit den Entführungen in würden? Sofort? Einen Tag? Zwei
Chibok vergangen. Viele Mädchen, Tage? Drei? Eine Woche? Oder etwa
Frauen und Jungen und sogar Män- ZEHN Tage?"
ner wurden davor und danach verschleppt, viele Dörfer brutal ange- In der Zwischenzeit haben die Bogriffen und nicht von der nigeriani- ko-Haram-Kämpfer nicht geschlaschen Regierung geschützt. Und nun fen. Im Norden Kameruns griffen
will man uns weismachen, dass man sie ein Grenzdorf an und sollen
sich auf die Bekämpfung der Boko mindestens 18 Menschen, die in eiHaram konzentrieren will? Es fällt nem Bus unterwegs waren, entführt
schwer, dieser Logik zu folgen. Das haben. Auch sollen sie zum dritten
ist eine traurige Zeit für Nigeria."
Mal in vier Tagen im Niger, einem
weiteren Nachbarland, eingefallen
Der Nobelpreisträger Wole Soyinka sein - offenbar um Gefangene zu
ist der gleichen Meinung. In einem befreien.
Dies wiederum veranlasste den nigerianischen Sicherheitsberater zu der
Ankündigung, alle bekannten BokoHaram-Lager zu beseitigen. Auf die
Frage, ob die Wahlen erneut verschoben würden, antwortete er, dass
dies nicht der Fall sein werde.
(Ende/IPS/kb/2015)
Link:
http://www.ipsnews.net/2015/02/
outrage-widens-in-nigeria-overpostponement-of-elections/
© IPS-Inter Press Service Deutschland GmbH
Quelle:
IPS-Tagesdienst vom 11. Februar
2015
http://www.schattenblick.de/
infopool/politik/ausland/
paaf1313.html
POLITIK / UNO / ORGANISATION
UN: Handlungsfähiger UN-Sicherheitsrat, unabhängiger UN-Chef - Ex-Regierungsund Staatschefs legen Empfehlungen vor
IPS­Inter Press Service Deutschland GmbH
IPS­Tagesdienst vom 11. Februar 2015
von Patrick Fernando
New York, 11. Februar (IPS) ­ Eine
Gruppe ehemaliger Staats- und Regierungschefs hat eine Reihe von
Empfehlungen vorgelegt, die den
UN-Sicherheitsrat im Sinne einer
ausgewogenen internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik handlungsfähiger machen und den künftigen UN-Generalsektären zu mehr
Unabhängigkeit verhelfen sollen.
Chefs aufsieben Jahre verlängert werden und die Möglichkeit einer zweiten
Kandidatur entfallen. Aufdiese Weise
könne der Druck auf den höchsten
Würdenträger der Weltorganisation,
sich mit Gefälligkeiten für die erhaltene politische Unterstützung revanchieren zu müssen, genommen werden, betonten sie. Denn Parteilichkeit sei mit
dem Geist der UN-Charta unvereinbar.
den. Ihr gehören Martti Ahtisaari,
Kofi Annan (Vorsitz), Ela Bhatt,
Lakhdar Brahimi, Gro Harlem
Brundtland (Vizevorsitz), Fernando
Henrique Cardoso, Jimmy Carter,
Hina Jilani, Graça Machel, Mary
Robinson und Ernesto Zedillo an.
Desmond Tutu ist Ehrenmitglied.
Die einstigen politischen Führer hatte die Münchener SicherheitskonfeDen sogenannten 'Älteren' zufolge Die Institution der Älteren war 2007 renz in der ersten Februarwoche gesollte die Amtszeit der künftigen UN- von Nelson Mandela gegründet wor- nutzt, um vier SchlüsselempfehlunSeite 4
www.schattenblick.de
Fr, 13. Februar 2015
Elektronische Zeitung Schattenblick
gen vorzustellen. Sie wiesen in einem gemeinsamen Statement darauf
hin, dass die UN vor 70 Jahren mit
dem Ziel gegründet worden sei, allen nachfolgenden Generationen die
Geißel des Krieges zu ersparen.
sens hinsichtlich der Frage des Veto- brauch machten, trieben Schindluder mit
rechts zu einigen, die Einführung ei- dem Privileg der ständigen Mitgliedschaft.
ner neuen Länderkategorie.
Den Älteren zufolge sollen die Staaten, die eine ständige Mitgliedschaft
im UN-Sicherheitsrat anstreben, länger als die zwei Jahre, die für die
Häufiges Versagen von
nichtständigen Mitglieder vorgeseUN-Sicherheitsrat
hen sind, im Sicherheitsrat bleiben
und bei Ablauf der Frist unverzügInzwischen sind jedoch sind ange- lich wiedergewählt werden dürfen.
sichts der vielen Krisenherde berechtigte Zweifel an der Fähigkeit der Das würde sie de facto zu ständigen
Weltorganisation aufgekommen, den Mitgliedern machen. Diese VerfahHerausforderungen des 21. Jahrhun- rensweise hätte den einstigen politidert gewachsen zu sein. Ob in Nige- schen Führern zufolge den Vorteil,
ria, Pakistan, Nahost oder anderen demokratischer zu sein, da es Sache
Teilen der Welt sorgen auch in diesem dieser de-facto-Mitglieder wäre, sich
Jahr bewaffnete Konflikte und Ge- das Vertrauen der anderen Mitgliedwalt für viel menschliches Leid. Dass staaten zu erwerben. Eine solche Deeinige der ständigen Mitglieder des mokratisierung des Sicherheitsrats
UN-Sicherheitsrates (P5) von ihrem würde dessen Legitimität und AutoVetorecht Gebrauch machten, hat den rität stärken.
Älteren zufolge militanten Gruppen
in die Hände gespielt und ihnen er- Die zweite Empfehlung der Älteren
laubt, weiter straffrei zu agieren.
ist im Grunde ein Appell an die P5,
sich insbesondere im Zusammenhang
Die Völker dieser Welt sehnten sich mit politischen Krisen, in denen
nach einer gerechteren und friedli- Menschen von Völkermord und/oder
cheren Welt, heißt es in der Mittei- anderen Kriegsverbrechen bedroht
lung. Damit dieser Wunsch Wirk- oder heimgesucht werden, stärker
lichkeit werden könne, müsse die und kompromissloser um eine geUN an Stärke und Beweglichkeit ge- meinsame Handlungsposition zu bewinnen. Die Menschen wollten nicht mühen. Denn nur ein geeinter Sichererleben, dass die UN wie schon der heitsrat sei handlungsfähig, um VerVölkerbund in den 1930er Jahren brechen wie den Holocaust, den Völ+++(hat)[an] Relevanz verliere.
kermord in Ruanda, das Massaker in
Srebrenica, den Giftgasangriff des
Den Älteren zufolge bedarf es zeit- Saddam-Hussein-Regimes auf die
naher Veränderungen in Bezug auf irakischen Kurden und die Massendie Zusammensetzung und die Ar- morde in Kambodscha zu verhindern.
beit des UN-Sicherheitsrats. Dieser
müsse demokratischer und repräsentativer werden. Es gelte die UN- Privilegienmissbrauch
Missionen effektiver zu machen, da- unterbinden
mit bewaffnete Konflikte verhindert
oder beendet werden könnten.
Die P5 sollen sich im Grunde dazu verpflichten, in derartigen Krisensituationen
In diesem Sinne haben die ehemali- aufden Gebrauch ihres Vetorechts oder
gen Staats- und Regierungschefs vier dessen Androhung zu verzichten und sich
konkrete Empfehlungen unterbreitet. stattdessen klar und deutlich zu StrategiNummer eins beinhaltet angesichts en bekennen, die den Schutz der bedrohder schieren Unmöglichkeit, sich auf ten Bevölkerung zum Ziel haben. Die
neue Mitglieder des UN-Sicherheits- Staaten, die allein aus nationalen Interesrats geschweige denn auf einen Kon- sengründen von ihrem Vetorecht GeFr, 13. Februar 2015
www.schattenblick.de
Die ehemaligen Staats- und Regierungschefs kritisierten ferner die
Praxis der ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder, viel zu oft hinter
verschlossenen Türen zu verhandeln,
ohne die Stimmen derer zu berücksichtigen, die von ihren Entscheidung direkt betroffen sind. Auch sähen sich die übrigen Staaten häufig
mit vorgefertigten Resolutionen
konfrontiert, ohne dass Raum für
Diskussionen bleibe.
"Um Abhilfe zu schaffen, appellierten wir an alle Mitglieder des Sicherheitsrates, regelmäßiger und systematischer von der 'Arria-Formel'
(nach der es in den letzten beiden
Jahrzehnten zu Treffen zwischen
Mitgliedern des Sicherheitsrates und
unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen gekommen
ist) Gebrauch zu machen, um Gruppen, die die Menschen in Konfliktgebieten vertreten, die großmöglichste Gelegenheit zu bieten, die Sicherheitsratsmitglieder zu informieren und die Entscheidungen des Rates zu beeinflussen."
Bisher fänden sich auf den Treffen
weniger wichtige Beamte ein, deren
Berichte leicht ignoriert werden
könnten. In Zukunft sollten die Delegationsleiter der Sicherheitsratsmitglieder höchstpersönlich an den
Treffen teilnehmen.
Der vierte Vorschlag betrifft die Person des UN-Generalsekretärs/der
UN-Generalsekretärin, deren Aufgabe es ist, die Interessen aller Völker
der Welt gleichermaßen im Auge zu
behalten. Dieses hohe Amt erfordere
ein Höchstmaß an Führungsstärke,
wie die Älteren betonten.
Bisher werden UN-Chefs auf Vorschlag des Sicherheitsrates für fünf
Jahre von der Generalversammlung
ernannt. Eine zweite Amtszeit ist
möglich. In der Regel findet das AusSeite 5
Elektronische Zeitung Schattenblick
wahlverfahren durch den UN-Sicherheitsrat in aller Heimlichkeit statt, und
die Qualifizierungskriterien bleiben
dem Rest der Welt verborgen. Somit
sei nicht gewährleistet, dass der Posten mit dem fähigsten Kandidaten besetzt werde, kritisieren die früheren
Staats- und Regierungschefs.
Transparenz bei Wahl des
UN-Chefs gefordert
UMWELT / INTERNATIONALES / SOZIALES
Indien: Wenn Entwicklung Vertreibung bedeutet 200.000 Waldbewohner von Staudammprojekt
am Godavari bedroht
IPS­Inter Press Service Deutschland GmbH
IPS­Tagesdienst vom 12. Februar 2015
von Stella Paul
Aus diesem Grund rufen sie die UNVollversammlung dazu auf, dafür zu
sorgen, dass der UN-Sicherheitsrat
nach einem offenen und transparenten Auswahlverfahren mehrere Kandidaten präsentiert. Es gelte unter allen Kandidaten, unabhängig ihrer regionalen Herkunft oder ihres Geschlechts, die für das Amt am besten
qualifizierte Person auszuwählen.
"Wir schlagen vor, dass die künftige
UN-Generalsekretärin/der künftige
UN-Generalsekretär für eine einzige,
aufsieben Jahre befristete Amtszeit ernannt wird, damit ihre oder seine Unabhängigkeit gewahrt bleibt und nicht
der Eindruck entsteht, dass sie oder er
von wahltaktischen Überlegungen geleitet wird", betonten die Älteren.
"Diesem neuen Verfahren sollte unverzüglich zugestimmt werden, damit die Vereinten Nationen in die
Lage versetzt werden, das Amt im
Januar 2017 mit der geeignetsten
Person zu besetzen."
(Ende/IPS/kb/2015)
Indigene Waldbewohner im südwest­
indischen Bundesstaat Andhra Pra­
desh werden mit alternativen land­
wirtschaftlichen Techniken vertraut
gemacht
Bild: © Stella Paul/IPS
Narakonda sind gezählt, der Heimat
von Sitamma Rao und Sodi Bhimaiah.
Ist die 45 Meter hohe und 2,32 Kilometer breite Staumauer im Bezirk
West Godavari erst fertig gestellt,
Chintoor, Indien, 12. Februar (IPS) heißt es für sie vom Land ihrer Vor­ Im südwestindischen Bundesstaat väter Abschied zu nehmen. Dies
Andhra Pradesh steht fast 200.000 könnte bereits in drei Jahren Fall
Link:
http://www.ipsnews.net/2015/02/a- indigenen Waldbewohnern die Um- sein.
seven-year-one-term-for-u-n-chief/ siedlung bevor. Sie müssen einem
Megastaudamm am Godavari wei- Das Paar weiß, dass ihm harte Zei© IPS-Inter Press Service Deutsch- chen, dem zweitgrößten Fluss des ten bevorstehen. "Deshalb versusüdasiatischen Landes nach dem chen wir die verbleibende Zeit zu
land GmbH
Ganges.
nutzen, und uns die Kenntnisse
anzueignen, die wir brauchen, um
Quelle:
Insgesamt
werden
dem
Polavaramdie Produktivität weniger fruchtIPS-Tagesdienst vom 11. Februar
Damm, der in den Bezirken West- barer Böden zu steigern", sagt Sit2015
und Ost-Godavari als Teil eines amma Rao. In dem kleinen FamiMehrzweck-Bewässerungsprojektes liengarten können sie bereits eine
http://www.schattenblick.de/
entsteht, mindestens 276 indigene Vielfalt von Obst und Gemüse
infopool/politik/uno/
Dörfer geopfert. Auch die Tage von ernten.
punor541.html
Seite 6
www.schattenblick.de
Fr, 13. Februar 2015
Elektronische Zeitung Schattenblick
Die Regierung hat zwar versprochen,
alle Betroffenen angemessen zu entschädigen. Doch konkrete Zusagen
wurden nicht gemacht. Auch hat sich
bisher kein einziger Regierungsbeamter in den gefährdeten Dörfern
eingefunden, wo die Familien in aller Regel mit 30 Rupien (0,50 USDollar) pro Tag auskommen müssen.
Diversifizierung der
Landwirtschaft
ten der Region weitgehend davon
gelebt, Früchte und Kräuter zu sammeln und Waldprodukte zu verkaufen. Damit konnten sie sich ein Zubrot von acht bis 24 Dollar im Monat verdienen.
niert die Behörde für indigene Angelegenheiten den Kauf von Pumpen,
doch kosten sie noch immer an die
2.000 Dollar. Für die marginalisierten Bauern ist das ein Betrag, den sie
nicht aufbringen können."
Laxamma Raju ist in Aligudem zu
Hause, einem weiteren vom Untergang bedrohten Dorf. Sie bewirtschaftet ein 0,2 Hektar großes
Grundstück. In sieben Reihen
wachsen Rettich, Okra, Auberginen, Möhren, Zwiebeln, Gurken,
Kürbisse, Kuhbohnen, Tomaten und
Chili. Apfelbäume und Bananenstauden sehen hier neben Mangound Zimtapfelbäumen. Dazwischen
gedeihen Sonnenblumen und Ringelblumen. "Die leuchtenden Blüten ziehen das Ungeziefer an", erläutert Satya Raju, Laxammas
Mann. "Sie fungieren als natürliche
Insektenfallen."
Und selbst denjenigen, denen es tatsächlich gelungen ist, sich eine
Pumpe zu beschaffen, fällt es
schwer, den dafür erforderlichen
Treibstoff zu kaufen. Laxamma zum
Beispiel gibt monatlich zehn Dollar
für Diesel aus.
Angesichts der bevorstehenden Vertreibung sehen sich die traditionellen
Jäger und Sammler nach alternativen
Überlebensmöglichkeiten um. In
Dutzenden Dörfern in der Nähe der
Baustelle, an den Ausläufern der Papi-Gebirgskette, lassen sich die Koya und Kondareddi, die von der indischen Regierung als besonders verletzliche Völker eingestuft werden,
von einer Nichtregierungsorganisation bei der Umstellung auf nachhalti- Der Gedanke, so viele unterschiedge Agraranbaumethoden helfen.
liche Feldfrüchte anzubauen und zu
essen, fasziniert die Bauern der ReSeit Generationalen leben die Ge- gion, hatten sie nie zuvor eine solche
meinschaften auf beiden Seiten der Vielfalt genossen. "Einst bauten wir
Godavari-Schlucht von der klein- in erster Linie Reis, ein bisschen
bäuerlichen Landwirtschaft und vom Hirse und Kichererbsen an", berichVerkauf von Waldprodukten auf den tet Laxamma im IPS-Gespräch.
nahegelegenen Märkten. Seit drei "Doch seit einem Jahr ernten wir jeJahren hilft die Kovel-Stiftung, eine de Woche körbeweise unterschiedlilokale Non-Profit-Organisation, den ches Gemüse." Ein Teil wird verWaldbewohnern im Rahmen eines kauft.
dreijährigen Projekts, sich alternative Möglichkeiten des Lebensunter- Ein verlässliches Zubrot von 20 Dolhalts zu erschließen.
lar im Monat ist den indigenen Waldbewohnern willkommen. Immerhin
2.000 Kleinbäuerinnen in 46 Dörfern leben 70 Prozent den offiziellen Anwerden zur Diversifizierung ihrer gaben zufolge unterhalb der ArmutsAgrarerzeugnisse angeleitet, mit grenze. Die Alphabetisierungsrate in
nachhaltigen Anbautechniken ver- den abgeschiedenen Indigenen-Getraut gemacht und mit Saatgut und fi- bieten von Andhra Pradesh wird mit
nanziellen Mitteln ausgestattet. Ur- 47 Prozent angegeben.
sprünglich war das Projekt von der
Zentralregierung entwickelt worden, Zu den größten Problemen der Menum ländlichen Frauen zu Ernäh- schen zählen fehlende Bewässerungssicherheit und einem Jahres- rungsmöglichkeiten, wie Beera Voieinkommen von 800 bis 1.600 Dol- na Murali, eine Angehörige der Kolar zu verhelfen.
ya und Ausbilderin bei der KovelStiftung erläutert. "Der MonsunreVor der Unterstützung durch die Ko- gen ist die einzige Bewässerungsvel-Stiftung hatten die Gemeinschaf- quelle", sagt sie. "Zwar subventioFr, 13. Februar 2015
www.schattenblick.de
Der Polavaram-Damm soll das Bewässerungsproblem von Landwirtschaft und Industrie lösen. Der der
Stausee wird den Plänen zufolge
551 Millionen Kubikmeter Wasser
fassen und die Bewässerung von gut
28.000 Hektar Land ermöglichen.
Doch diese 'Lösung' ist für die
200.000 Indigenen, die dem
Dammprojekt weichen müssen, eine Katastrophe.
Heute Felder ohne Wasser, morgen
Wasser ohne Felder
"Heute fehlt es uns an Wasser für unsere Felder. Morgen werden wir,
wenn das Wasser kommt, unser Zuhause verlieren", meint Edu Konda,
eine weitere Kovel-Ausbilderin, die
an den Protestaktionen gegen das
Vorhaben aktiv beteiligt ist.
Im letzten Jahr waren Vertreter der
Gemeinden nach Rampachodavaram gereist, um bei der Behörde für
indigene Angelegenheiten gegen
die Überflutungspläne zu protestieren. "Dort sagte man uns: 'Ihr
werdet in gute und fruchtbare Gegenden umgesiedelt'", erinnert sich
Konda. "Doch einen Monat später
hatte man den Beamten versetzt.
Somit können wir wieder bei null
anfangen."
Die Wiederansiedlung der Menschenmassen, die bereits solchen
'Entwicklungsprojekten' weichen
mussten, lässt zu wünschen übrig.
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Elektronische Zeitung Schattenblick
Der Sardar-Sarovar-Damm am
Narmada in Zentralindien hatte
2005 die Umsiedlung von 300.000
Menschen erforderlich gemacht.
Zehn Jahre später warten noch immer 40.000 darauf, angesiedelt beziehungsweise für den Verlust ihres
Landes entschädigt zu werden.
Eine ähnliche Kontroverse löste
der Hasdeo-Bango-Staudamm im
zentralen Bundesstaat Chhattisgarh aus. Die 1962 angelaufenen
Bauarbeiten wurden 2011 abgeschlossen und bedeuteten den Untergang von 52 mehrheitlich indigenen Dörfern. Den betroffenen
Menschen fehlt es bis heute an
grundlegenden Dienstleistungen.
Und die Einkommensmöglichkeiten haben sich sogar noch verschlechtert, wie offiziellen Quellen
zu entnehmen ist.
SPORT / BOXEN / MELDUNG
Ein fadenscheiniges Ablenkungsmanöver
Chavez schlägt Hopkins einen Kampf gegen Golowkin vor
(SB) ­ Was auf den ersten Blick wie
das Konzept eines reizvollen Miniturniers im Supermittelgewicht anmuten
mag, erweist sich bei näherer Begutachtung als durchsichtiges Ablenkungsmanöver des Mexikaners Julio
Cesar Chavez. Dieser will im Sommer mit Carl Froch in den Ring steigen und schlägt dem 50 Jahre alten
Halbschwergewichtler Bernard Hopkins vor, sich im Vorprogramm mit
Gennadi Golowkin zu messen, worauf dann im nächsten Schritt die Sieger gegeneinander antreten könnten.
Die aktuelle Vorgeschichte dieser
Einlassung begann mit einer Äußerung des Briten Carl Froch, er habe
kein Interesse an einem Kampf gegen Hopkins, weil er dabei nur verlieren könne. Besiege er den Amerikaner, würde man dies unter Verweis
auf das Alter des Gegners herunterspielen. Ziehe er den kürzeren, folgte die Häme auf dem Fuß, er könne
sich nicht einmal gegen einen 50jährigen durchsetzen. Diese Absage rief
Hopkins auf den Plan, der erbost erwiderte, Froch sei ein Schwindler
und versuche auf diese Weise zu vernebeln, daß er sich mit Chavez einen
Link:
http://www.ipsnews.net/2015/02/in- leichten Gegner ausgesucht habe.
the-shadow-of-displacement-forest- Das wiederum will der Mexikaner
tribes-look-to-sustainable-farming/ offenbar nicht unwidersprochen stehenlassen, weshalb er Hopkins das
© IPS-Inter Press Service Deutsch- eingangs skizzierte Turnierformat
vorschlägt.
land GmbH
Angesichts dieser Erfahrungen halten es viele der künftigen Polavaram-Damm-Opfer für sinnlos, sich
überhaupt mit alternativen Anbaumethoden vertraut zu machen. Die
große Mehrheit jedoch ist überzeugt,
von den neu erworbenen Kenntnissen zu profitieren - gerade weil sie
damit rechnen müssen, in weniger
produktive Regionen umgesiedelt zu
werden.
(Ende/IPS/kb/2015)
um so mehr auf verlorenem Posten.
Der ungeschlagene Kasache gilt als
bester Akteur seines Limits und ist
mit einer Bilanz von 31 Siegen der
Schrecken aller namhaften Konkurrenten, die ihm unter allerlei Vorwänden tunlichst aus dem Weg gehen. [1]
Gennadi Golowkin hat seit sieben
Jahren alle Gegner vorzeitig besiegt
und würde auch bei Hopkins kaum
eine Ausnahme machen. Daß der
US-Amerikaner seinem Alter Tribut
zollen muß, wenn er auf einen Widersacher trifft, der ständig Druck
machen und mit enormer Wirkung
zuschlagen kann, erwies sich bei seiner unerwartet deutlichen Punktniederlage gegen Sergej Kowaljow im
letzten November, dem er dabei die
Titel der WBA und IBF überlassen
mußte. Golowkin schlägt mit höherer Frequenz als der Russe und entfaltet dabei dieselbe Wucht, so daß
nicht abzusehen ist, wie Hopkins
solchen Angriffen standhalten sollte.
Was die Anregung des Mexikaners
vollends als scheinheiliges Manöver
entlarvt, ist der Umstand, daß er selber einen bereits angebahnten Kampf
gegen Golowkin ausgeschlagen hat.
Top Rank hatte seinerzeit großes Interesse an diesem Duell, doch Chavez ging nicht darauf ein, was Promoter Bob Arum als größte Dummheit geißelte, die sich je ein bei ihm
unter Vertrag stehender Boxer geleistet habe. Wie man hinzufügen
muß, waren die beiden schon damals
mehr oder minder zerstritten, und
diese Kontroverse wird inzwischen
vor den Schranken des Gerichts ausgetragen.
Die Idee des früheren WBC-WeltIPS-Tagesdienst vom 12. Februar meisters im Mittelgewicht ist schon
deshalb abwegig, weil Bernard Hop2015
kins sein Gewicht erheblich reduzieren müßte, um gegen Golowkin zu
http://www.schattenblick.de/
kämpfen, der selbst für einen Mittelinfopool/umwelt/internat/
gewichtler relativ leicht ist. Auch
uiso0070.html
wenn sich die beiden irgendwo in der Wenn Chavez nun vorschlägt, HopMitte träfen, stünde der 50jährige kins könne doch gegen Golowkin
nach einem solchen Gewichtsverlust antreten, fordert er den Amerikaner
Quelle:
Seite 8
www.schattenblick.de
Fr, 13. Februar 2015
Elektronische Zeitung Schattenblick
im Grunde auf, das zu erledigen, wovor er sich selbst gedrückt hat. Das
wirft zwangsläufig die Frage auf, ob
dem Mexikaner nicht klar sein müßte, wie ein solcher Winkelzug von
seiten seiner Fangemeinde wahrgenommen wird, die ohnehin im Laufe seiner langen Inaktivität erheblich
geschrumpft ist. Da er im Frühjahr
unter der Regie seines Beraters Al
Haymon einen Kampf bestreiten
will, wogegen Bob Arum Sturm
läuft, könnte Julio Cesar Chavez jeden erdenklichen Rückhalt gebrauchen. Den eigenen Ruf mit offensichtlichen Winkelzügen zu schädigen, ist in dieser Situation eine denkbar schlechte Wahl. [2]
Kampf mehr bestritten und währenddessen offenbar kräftig Gewicht zugelegt. Nach Aussage Dan Rafaels
von ESPN muß der US-Amerikaner
von geschätzten 90 kg auf etwa 70
kg herunterkommen, so daß seine
Vorbereitung eher einer Hungerkur
als einem regulären Trainingslager
gleichen dürfte. [3]
Anmerkungen:
[1] http://deportes.univision.com/boxeo/article/2015-0210/julio-cesar-chavez-jr-reto-a-bernard-hopkins.
[2] http://www.boxingnews24.com/2015/02/chavez-jrchallenges-hopkins-to-fight-golovWährend man Ann Wolfe noch am kin-on-his-chavez-jr-frochehesten zugetraut hätte, diese aus- card/#more-188097
sichtslos anmutende Klemme in den
Griff zu bekommen, sieht die Sache [3] http://www.boxingnews24.nun düster für James Kirkland aus. com/2015/02/kirkland-wont-be-traiWie es scheint, wird er außer seinem ned-by-wolfe-for-canelo-alvareznoch immer recht guten Namen und fight/#more-188126
einer beachtlichen Bilanz von 32 Siegen bei nur einer Niederlage wenig
http://www.schattenblick.de/
*
mitbringen, was Saul Alvarez fürchten
infopool/sport/boxen/
muß. Das spricht sich natürlich herum
sbxm1633.html
Hungerkur statt Trainingslager? und dürfte nicht dazu angetan an, dem
Mexikaner Vorteile im Fernvergleich
Das Duell zwischen Saul "Canelo" mit Floyd Mayweather zu verschaffen.
Alvarez und James Kirkland, das
vermutlich am 2. Mai im Alamodome von San Antonio ausgetragen
wird, steht aus mehreren Gründen
unter einem schlechten Stern. Von
der terminlichen Kampfansage an
den populäreren Floyd Mayweather
einmal abgesehen, drückt auch die
Nachricht auf die Stimmung, der 30
Meister, Mogler, Möchtegerne
Jahre alte Kirkland werde nicht von
seiner langjährigen Trainerin Ann
Vorschau auf ausgewählte Profikämpfe
Wolfe vorbereitet. Warum statt desder kommenden Wochen
sen Gerald Tucker diese Aufgabe zufällt, ist nicht bekannt.
Als James Kirkland im Jahr 2011
nach Verbüßung einer zweijährigen
Haftstrafe ohne Ann Wolfe in den
Ring zurückkehrte, war er körperlich
in derart schlechter Verfassung, daß
ihn der Japaner Nobuhiro Ishiada in
nur einer Runde besiegte. Als Kirkland daraufhin wieder mit seiner früheren Trainerin zusammenarbeitete,
kehrte auch der Erfolg zurück.
Wenngleich die Situation nach dem
damaligen Gefängnisaufenthalt nicht
ohne weiteres auf die aktuellen Verhältnisse zu übertragen ist, sticht
doch eine Parallele ins Auge. Kirkland hat seit dem Sieg gegen Glen
Tapia vor eineinhalb Jahren keinen
Fr, 13. Februar 2015
21. Februar: Gennadi Golowkin gegen Martin Murray
21. Februar: Hughie Fury gegen Andrej Rudenko
21. Februar: Arthur Abraham gegen Paul Smith
28. Februar: Tyson Fury gegen Christian Hammer
28. Februar: Eddie Chambers gegen Alexander Ustinow
7. März: Keith Thurman gegen Robert Guerrero
7. März: Adrien Broner gegen John Molina
13. März: Shawn Porter gegen Roberto Garcia
13. März: Andre Berto gegen Josesito Lopez
14. März: Sergej Kowaljow gegen Jean Pascal
14. März: Wjatscheslaw Hlaskow gegen Steve Cunningham
14. oder 21. März: Andy Lee gegen Patrick Nielsen
21. März: Jürgen Brähmer gegen Robin Krasniqi
http://www.schattenblick.de/infopool/
sport/boxen/sbxm1624.html
www.schattenblick.de
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Elektronische Zeitung Schattenblick
______I n h a l t_______________________________Ausgabe 1372 / Freitag, den 13. Februar 2015_______
1 POLITIK - REDAKTION: Syriens Rebellen geraten in die Defensive
2 SCHACH-SPHINX:
Schnittpunkte einer kontroversen Diskussion
3 POLITIK - AUSLAND: Nigeria - Breiter Unmut über Verschiebung der Wahlen (IPS)
4 POLITIK - UNO:
Ex-Regierungs- und Staatschefs legen der UN Empfehlungen vor (IPS)
6 UMWELT - INTERNATIONALES:
Indien - 200.000 Waldbewohner von Staudammprojekt am Godavari bedroht (IPS)
8 SPORT - BOXEN:
Ein fadenscheiniges Ablenkungsmanöver
9 SPORT - BOXEN:
Hungerkur statt Trainingslager?
10 DIENSTE - WETTER:
Und morgen, den 13. Februar 2015
DIENSTE / WETTER / AUSSICHTEN
Und morgen, den 13. Februar 2015
+++ Vorhersage für den 13.02.2015 bis zum 14.02.2015 +++
Sanft hebt sich die Temp'ratur
und mit ihr die Nebelschwaden,
so als riefe die Natur
Jean auf, heut' im Teich zu baden.
© 2014 by Schattenblick
IMPRESSUM
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Fr, 13. Februar 2015