Britisches Pfund

Helaba Volkswirtschaft/Research
DEVISENFOKUS
22. März 2016
Britisches Pfund
AUTOR
Christian Apelt, CFA
Telefon: 0 69/91 32-47 26
[email protected]
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
REDAKTION
Claudia Windt
HERAUSGEBER
Dr. Gertrud R. Traud
Chefvolkswirt/Leitung
Research
Helaba
Landesbank
Hessen-Thüringen
MAIN TOWER
Neue Mainzer Str. 52-58
60311 Frankfurt am Main
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Telefax: 0 69/91 32-22 44
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Der US-Dollar verlor in den letzten Wochen leicht. Die Rohstoffwährungen zählten dagegen
zu den großen Gewinnern, vor allem der Russische Rubel und der Brasilianische Real.
Das Britische Pfund wertete 2016 angesichts des im Juni anstehenden EU-Referendums
merklich ab. Ein EU-Austritt hätte zumindest während der anschließenden Unsicherheitsphase deutlich negative Folgen für die britische Wirtschaft und das Pfund. Die langfristigen
Konsequenzen würden vom Ausgang der „Scheidungsverhandlungen“ mit der EU abhängen. Jedoch ist ein „Ja“ zur EU wahrscheinlicher. Daher dürfte sich das Pfund im zweiten
Halbjahr spürbar erholen, zumal sogar die Zinswende der Bank of England nicht vom Tisch
ist.
Helaba Währungsprognosen
Performance im Monatsvergleich
% gg. Euro im Vergleich zum Vormonat (vom 19.02. bis zum 21.03.2016)
US-Dollar
-1,0
Japanischer Yen
-0,4
Britisches Pfund
-1,2
Schweizer Franken
1,1
Kanadischer Dollar
4,0
Australischer Dollar
5,0
Neuseeland-Dollar
0,9
Schwedische Krone
1,5
Norwegische Krone
0,6
Tschechische Krone
0,0
Die Publikation ist mit größter
Sorgfalt bearbeitet worden.
Sie enthält jedoch lediglich
unverbindliche Analysen und
Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen
Marktverhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen,
die wir für zuverlässig halten,
für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir
aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in
dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht
als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.
Polnischer Zloty
2,7
Ungarischer Forint
-0,7
12,4
Russischer Rubel
Türkische Lira
2,1
Koreanischer Won
4,8
Chinesischer Yuan
-0,7
Indische Rupie
1,6
Südafrikanischer Rand
0,2
10,1
3,6
Brasilianischer Real
Mexikanischer Peso
■ Kernwährungen ■ Restliche G10 ■ Schwellenländerwährungen
Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research
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DEVISENF OKUS BRITISCHES PF UND
GBP: „Brexit“-Sorgen belasten
Pfund Sterling 2016 mit
deutlichen Verlusten
Das Britische Pfund gehörte 2016 zu den schwächsten Währungen. Der Euro-Pfund-Kurs kletterte
über 0,78. Damit gab die britische Währung sämtliche Vorjahresgewinne gegenüber dem Euro
wieder ab. Im Vergleich zum US-Dollar notierte das Pfund sogar zeitweise unter 1,40 und damit
auf dem tiefsten Stand seit 2009. Die fundamentale Entwicklung erklärt die Schwäche der Währung kaum. Vielmehr dürften Sorgen vor einem britischen EU-Austritt, dem „Brexit“, das Pfund unter Druck setzen.
Nachdem sich der britische Premierminister Cameron mit den Regierungen der EU im Februar auf
einen „Reform-Deal“ geeinigt hatte, kündigte er – wie versprochen – ein Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft für den 23. Juni 2016 an. Die Optionsmärkte signalisieren, dass sich viele
Marktteilnehmer gegen eine Pfund-Abwertung absichern. Dies belastete das Pfund, spricht aber
zunächst für eine Stabilisierung.
Bereits hohe Absicherungen gegen Pfund-Abwertung
Britisches Leistungsbilanzdefizit birgt Risiken
%
Saldo in % am BIP
USD
Quellen: Macrobond, Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research
Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research
Die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens wird schon seit vielen Jahren vor allem in Camerons eigener Konservativen Partei skeptisch betrachtet. Der Premier selbst zählt, wie die Mehrheit der Parteiführung, zu den EU-Befürwortern, ebenso wie die führenden Oppositionsparteien. Für den EUAustritt sprachen sich dagegen einige Minister der konservativen Regierung sowie der populäre
Londoner Bürgermeister Boris Johnson aus. Die Wahlumfragen ergeben derzeit kein klares Bild.
Unsicherheitsphase beim
„Brexit“ belastet Pfund
Sollten die Briten gegen die EU votieren, könnten die Folgen für die britische Volkswirtschaft gravierend sein. Mit einem Anteil von knapp 50 % ist die EU der wichtigste Handelspartner des Landes. Bei einem „Brexit“ wäre das Verhältnis von Großbritannien zur EU zunächst unklar. Die beiden müssten innerhalb von zwei Jahren einen „Scheidungsvertrag“ aushandeln. In dieser Phase
sollten in Großbritannien die Investitionen und damit das Wirtschaftswachstum unter der hohen
Unsicherheit leiden. Zudem benötigt das Land aufgrund seines signifikanten Leistungsbilanzdefizits einen hohen Kapitalzufluss aus dem Ausland. Das Britische Pfund dürfte zumindest in der unsicheren Übergangsphase unter Druck stehen.
Bei einer einvernehmlichen Scheidung von der EU, nach der die Briten den weitgehenden Zugang
zum europäischen Binnenmarkt bewahren können, würde sich das Pfund wieder erholen. Wenn
jedoch, was nicht unmöglich ist, keine Einigung in der Frist erfolgt, dürfte die britische Wirtschaft
erheblich leiden. Die britischen Exporte – insbesondere auch die von Finanzdienstleistungen – in
die EU würden dann aufgrund von Handelsrestriktionen massiv zurückgehen. Das Pfund Sterling
müsste noch deutlicher abwerten.
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DEVISENF OKUS BRITISCHES PF UND
Umfragen unklar, Buchmacher sagen „Ja“ zur EU
Zinsentwicklung bietet Pfund Aufwertungschancen
Anteil* in %, implizite Wahrscheinlichkeiten** in %
GBP
100
90
Wettchancen "Ja"
80
70
90
80
70
Umfrage "Ja zur EU"
60
60
50
50
40
30
%-Punkte
100
40
Umfrage "Nein"
30
20
10
20
Wettchancen "Nein"
0
Jan 14 Apr 14 Jul 14 Okt 14 Jan 15 Apr 15 Jul 15 Okt 15 Jan 16
10
0
* Unentschiedene herausgerechnet; ** auf Basis von Ladbrokes-Quoten
Quellen: Wikipedia, Oddschecker, Helaba Volkswirtschaft/Research
„Ja“ zur EU wahrscheinlich,
Erholungspotenzial
für das Pfund
Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research
Diese Risiken erklären die Absicherungspositionen vieler Anleger. Wahrscheinlicher als diese
„Brexit“-Szenarien ist jedoch, dass sich die Briten für die EU entscheiden. Die in Großbritannien
hochentwickelten Wettmärkte deuten derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 % recht eindeutig auf einen Verbleib in der EU. Im Anschluss an das Referendum dürften die Währungsabsicherungen aufgelöst werden und sich das Pfund erholen. Zudem könnte dann eine Zinswende der
Bank of England wieder auf die Agenda rücken, nachdem im Zuge der „Brexit“-Sorgen sogar über
Zinssenkungen spekuliert wurde. Dabei wächst die britische Wirtschaft solide um 2 %. Sollte sich
die zurzeit sehr niedrige Inflation erhöhen und die Lohndynamik wieder beschleunigen, wird vermutlich die britischen Rendite bzw. der Zinsvorteil gegenüber dem Euro ansteigen. Der EuroPfund-Kurs dürfte auf 0,70 fallen. Ebenso sollte das Pfund gegenüber dem US-Dollar auf 1,50 zulegen können.
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DEVISENF OKUS BRITISCHES PF UND
Helaba Währungsprognosen
Veränderung seit
31.12.15
1 Monat
gg. Euro
aktueller
Stand*
Prognose Ende
Q1/2016
Q2/2016
Q3/2016
Q4/2016
(jew eils gg. Euro, %)
US-Dollar
-3,4
-1,0
1,12
1,10
1,15
1,10
1,05
Japanischer Yen
3,8
-0,4
126
129
129
130
131
Britisches Pfund
-5,8
-1,2
0,78
0,77
0,75
0,73
0,70
Schweizer Franken
-0,2
1,1
1,09
1,10
1,10
1,10
1,10
Kanadischer Dollar
2,1
4,0
1,47
1,51
1,56
1,45
1,41
Australischer Dollar
0,6
5,0
1,48
1,59
1,64
1,55
1,50
Schwedische Krone
-1,0
1,5
9,26
9,20
9,10
9,00
8,80
Norwegische Krone
1,5
0,6
9,46
9,40
9,30
9,00
8,70
Chinesischer Yuan
-2,9
-0,7
7,30
7,26
7,71
7,48
7,14
gg. US-Dollar
(jew eils gg. USD, %)
Japanischer Yen
7,4
0,6
112
117
112
118
125
Schweizer Franken
3,3
2,1
0,97
1,00
0,96
1,00
1,05
Kanadischer Dollar
5,6
5,1
1,31
1,37
1,36
1,32
1,34
Schwedische Krone
2,5
2,6
8,24
8,36
7,91
8,18
8,38
Norwegische Krone
5,0
1,7
8,42
8,55
8,09
8,18
8,29
Chinesischer Yuan
0,1
0,6
6,48 1,57
6,60
6,70
6,80
6,80
US-Dollar gg. …
(jew eils gg. USD, %)
Britisches Pfund
-2,5
-0,3
1,44
1,43
1,53
1,51
1,50
Australischer Dollar
4,0
6,0
0,76
0,69
0,70
0,71
0,70
*21.03.2016
Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research
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