Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft

Nationalrat, XXV. GP
27. Jänner 2016
111. Sitzung / 1
21.41
Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Vizekanzler Dr.
Reinhold Mitterlehner: Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Was die Umsetzung dieser Richtlinie der EU anlangt: Sie wissen es und haben es
teilweise angesprochen, es ist die EU-Infrastrukturverordnung, die vorsieht, dass wir
zur Versorgungssicherheit, aber auch zur besseren internen Vernetzung in Europa
koordiniert vorgehen.
Herr Kollege Schellhorn, wenn der Anlass eine Richtlinie der EU ist, dann können wir
bei dem Gesetz wohl nicht von Anlassgesetzgebung sprechen. Es geht um die
koordinierte Umsetzung. Die prioritären Vorhaben in diesem Bereich sind ja auch
gemeinsam erarbeitet worden und stehen fest. Ich sage Ihnen, das sind Projekte wie
beispielsweise die Stromleitung zwischen Westtirol und Zell am Ziller und anderes
mehr. Wir haben es hier herinnen auch schon diskutiert. Also da jetzt überrascht zu
tun, dass das auf der Tagesordnung steht?
Frau Brunner, auch dasselbe: Ja, wir sind sehr interessiert – weil das eine ziemlich
komplizierte Materie ist, vor allem was die Kompetenzkompetenz der Länder
anbelangt, weil wir da im Energiebereich eine komplizierte Situation haben –, dass
entweder die Freiheitliche Partei oder die Grünen mitstimmen. Deshalb haben wir uns
auch bemüht. Nur: Das, was immer die Abwägung ist, ist dann offensichtlich das
Schwierige in der Umsetzung. Das Ganze zielt darauf ab, dass die Projekte
koordinierter und schneller unter Berücksichtigung des österreichischen Rechts und
auch der Bürgerinteressen durchgeführt werden.
Aber Sie ziehen es meiner Meinung nach etwas zu weit, genau in den Bereich hinein –
und das ist ja der Anlassfall dafür, dass wir entsprechend tätig sein müssen, dieser Fall
Gruber (Abg. Brunner: Das haben wir von Anfang an in unserem Verhandlungspaket
mit gehabt …!): Da hat eine Frau eben entsprechende Beschwerde erhoben. Da ist es
um eine Kapazitätserweiterung der FunderMax GmbH in St. Veit an der Glan sowie die
220-kV-Netzabstützung im Großraum Villach gegangen. (Zwischenruf der Abg.
Brunner.)
Das Problem dabei ist, dass es eine entsprechende EuGH-Entscheidung gibt. (Abg.
Brunner: Ich kenne das!) – Ja, aber ich komme jetzt genau auf den Punkt, den Sie
nicht kennen. – Wenn Sie jetzt damit anfangen, dass jeder, der dieses Projekt
genehmigt hat, auf einmal alles von heute auf morgen einstellen muss, dann haben Sie
überhaupt keine Konstanz mehr. (Abg. Brunner: Die Situation kennen wir seit Jahren!
Wir warnen seit Jahren …! – Gegenruf bei der ÖVP.)
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111. Sitzung / 2
Wissen Sie, ich verstehe nicht ganz die Emotionalität bei dem. (Beifall bei
Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Brunner: Es geht ja um etwas!) Wenn Sie mir
zuhören, dann sage ich Ihnen: Wir hätten sonst einfach einen Wirrwarr an gestoppten
Projekten, und kein Unternehmen würde mehr entsprechend etwas beantragen, wenn
man riskieren muss, dass, wenn man einen positiven Bescheid hat, das auf einmal von
heute auf morgen weg ist. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Brunner: Wir sagen seit
Jahren, dass man handeln muss!)
Daher muss da eine vernünftige Vorgangsweise gewählt werden. Und beim Kollegen
Schellhorn ist es immer dasselbe, er geht heraus und sagt: Was ist mit dem
Masterplan? – Wir haben das dargestellt und gesagt, es macht sehr viel Sinn, die letzte
Klimakonferenz in Paris abzuwarten, weil sich dort bei den Zielsetzungen bei anderen
ja etwas Unterschiedliches ergeben kann, und das in eine Klima- und Energiestrategie,
die gesamthaft ausgerichtet wird und die in diesem Jahr fertig werden soll, auch
einzuarbeiten. Da geht alles strategisch in eine Richtung und es ist nichts
Unterschiedliches da. Ich weiß nicht, warum Sie das nicht sehen oder verstehen
wollen.
Was wir jetzt gemacht haben, ist, dass uns die Rechtsanwaltskanzlei Schönherr ein
Gutachten gemacht und gesagt hat, dass es bis auf wenige Punkte die Möglichkeit
gibt, das einfachgesetzlich umzusetzen. In diesem Fall ist das die zweitbeste Lösung,
lieber wäre uns auch die Lösung mit entsprechender Verfassungsmehrheit gewesen.
Was die Kerninhalte anbelangt, so glaube ich, dass dies schon sehr gelungen ist, und
das ist auch Inhalt des Gesetzes: Es gibt ein zweistufiges Genehmigungsverfahren mit
einer Gesamtverfahrensdauer von maximal dreieinhalb Jahren für Projekte. Das ist
positiv, weil einfach koordinierter gearbeitet wird.
Es wird auch, was diese Koordinierung anlangt, natürlich mit möglichst geringem
Kräfteaufwand, was neue Positionen hier bei uns im Haus anbelangt, wahrscheinlich
mit zwei bis drei Mitarbeitern das Auslangen gefunden werden können. Wenn wir jetzt
eine neue Stelle einrichten, mit weiß Gott wie vielen Beamten und Mitarbeitern, sind
Sie die Ersten, die mir vorwerfen, dass ich wieder Personal ausgeweitet habe. Also ich
glaube, man kann beides durchaus miteinander in Einklang bringen.
Wir haben auch eine koordinierte Vorgangsweise mit den Ländern abgesprochen. Und
natürlich ist es wegen des angesprochenen Falles auch notwendig, dass das UVPGesetz entsprechend novelliert wird. Die bestmögliche Transparenz durch frühzeitige
Einbindung der Öffentlichkeit – von der haben Sie geredet – ist auch enthalten. Es ist
ein weitgehender und sehr bürgerorientierter Ansatzpunkt.
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Aufgrund der vorgeschrittenen Zeit möchte ich Sie jetzt nicht strapazieren, aber all das,
was wir da haben, ist dem Grunde nach ja etwas Positives. (Abg. Brunner:
Unzureichend!) Die Projekte sind ja nicht willkürlich erfunden, sondern schon lange in
Vorbereitung. Sie werden unsere Versorgungssicherheit erhöhen. Sie reden auch
immer von Arbeitsplätzen und von Konjunktur: Wenn Sie sich das ansehen, erwarten
uns allein in Österreich 3,1 Milliarden € an Investitionen, die mit 40 000 Arbeitsplätzen
verbunden sind.
Also seien Sie konsequent, schauen Sie, dass Sie uns in dieser Weise bei der
Beschleunigung mit dem Gesamtziel unterstützen und dass Sie nicht in der Richtung
alles falsch verstehen! (Zwischenruf der Abg. Brunner.) Klimaschutz und Energie im
Bereich der Strategie kann nicht immer nur mehr Einschränkungen heißen. Deswegen
sind wir gerne offen für weitere Gespräche. Es gibt ja sowieso noch einige Materien,
die zur Umsetzung anstehen.
Ich bedanke mich für diesen ersten Schritt, der uns zumindest in der Praxis
weiterhelfen wird. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der
SPÖ.)
21.47
Präsidentin Doris Bures: Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Willi zu Wort. –
Bitte.
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