Prävention - Bayerischer Rundfunk

Gesundheitsgespräch
Prävention und Früherkennung
Sendedatum: 21.05.2016
Expertin:
Dr. Marianne Koch, Internistin und Gesundheitsexpertin des Bayerischen
Rundfunks
Autorin: Susanne Dietrich
Persönliche Verantwortung und medizinische Früherkennung
Prävention umfasst nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums alle
Aktivitäten und Maßnahmen, die Krankheiten oder gesundheitliche
Schädigungen vermeiden, Risiken minimieren oder ihr Auftreten zumindest
verzögern sollen. Sie liegt somit in der persönlichen Verantwortung des
Einzelnen. Früherkennung dagegen beinhaltet gezielte medizinische
Untersuchungen, die Krankheiten oder ihre Vorstufen entdecken sollen, bevor
sie Beschwerden verursachen. Die wesentlichen
Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen
übernommen und sollten vom Haus- bzw. Facharzt initiiert und durchgeführt
werden. Ein verantwortungsvolles Handeln des Einzelnen einerseits und eine
fundierte medizinischen Früherkennung andererseits bilden die Basis eines
vorausschauenden Umgangs mit der persönlichen Gesundheit.
Dem Text liegt ein Gespräch mit der Internistin und Gesundheitsexpertin des
Bayerischen Rundfunks, Dr. Marianne Koch, zugrunde.
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Prävention - Lebensstil und familiäre Vorbelastung
Prävention umfasst das ganze Leben - die Art, wie jemand mit seinem Körper
und seinem Geist umgeht. Eine wesentliche Grundlage ist es, persönliche
Vorlieben und Gewohnheiten zu hinterfragen und gesundheitliche Risiken
frühzeitig zu erkennen. Gefahren für die Gesundheit gilt es zu reduzieren oder
wenn möglich ganz zu vermeiden.
Für einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit ist es
notwendig, den eigenen Lebensstil und persönliche Risikofaktoren genau unter
die Lupe zu nehmen. Denn viele schädliche Verhaltensweisen hat man selbst in
der Hand.
„In erster Linie natürlich das Rauchen, aber selbstverständlich auch hohes
Übergewicht. Denn dann ist die Gefahr, dass man Diabetes bekommt, sehr viel
größer. Und auch: Schlafe ich genug? Eine weitere Bedrohung für die
Gesundheit ist dauerhafter, negativer Stress – also ein Stress, dem gegenüber
man sich ohnmächtig fühlt.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und BRGesundheitsexpertin
Schlechte Gewohnheiten lassen sich verändern!
Vermeidbare Risiken:
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•
•
•
Rauchen
Übergewicht
Bewegungsmangel
Wenig Schlaf
Negativer Stress
Hoher Blutdruck
Hohe Cholesterinwerte
Gesundheitsgefahren und ungünstige Verhaltensweisen sind den meisten
Menschen bekannt. Trotzdem ist es oft nicht leicht, die eigenen Gewohnheiten
zu verändern – sich etwa ausgewogener zu ernähren, regelmäßig Sport zu
treiben oder genug zu schlafen. Aber Vieles lässt sich umprogrammieren. Einen
aufmerksamen Umgang mit dem eigenen Körper kann man sich angewöhnen:
Für kürzere Wegstrecken kann man beispielsweise das Fahrrad nehmen oder
nach dem Duschen einmal im Monat die eigene Brust oder die Hoden abtasten.
Und fragen Sie in ihrem familiären Umfeld nach gesundheitlichen Risiken und
Krankheiten, die in mehreren Generationen aufgetreten sind.
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„Wenn der Vater oder die Mutter mit 50 Jahren einen Herzinfarkt hatte, kann es
sein, dass es Faktoren gibt, die sich weiter vererben, zum Beispiel hoher
Blutdruck, hohe Blutfette oder Ähnliches. Man sollte also in der
Familiengeschichte forschen, um dann entsprechend zu reagieren – weil wir
schließlich nicht die Sklaven unserer Gene sind.“ Dr. Marianne Koch
Blick auf genetische Risiken
Wer um familiäre Vorbelastungen weiß, kann führzeitig gegensteuern, seinen
Lebensstil anpassen und Früherkennungsuntersuchungen beim Arzt anstoßen.
Das gilt beispielsweise für Herzkreislauf-Erkrankungen, besonders aber für
bestimmte Krebsarten wie Brust- oder Darmkrebs.
Für Prävention gibt es viele gute Gründe, allen voran das persönliche
Wohlbefinden und die Möglichkeit, vital, beschwerdefrei und mit Lebensqualität
älter zu werden. Aber auch das Gesundheitssystem profitiert von der
Prävention des Einzelnen.
„Unser Gesundheitssystem wird momentan extrem belastet durch sehr teure
Medikamente, vor allem Krebsmedikamente. Wenn die Menschen nicht klug
sind und selbst auf Prävention achten, wird das Gesundheitswesen nicht mehr
bezahlbar sein in Zukunft. Mit Prävention spart man nicht nur Geld, sondern
sich selbst auch sehr viel Leid und Verzweiflung.“ Dr. Marianne Koch
Früherkennung - Der allgemeine Gesundheits-Check-Up
Neben der Prävention des Einzelnen ist die Früherkennung möglicher
Gesundheitsgefahren oder bereits vorhandener Anzeichen einer Krankheit
durch einen Arzt von Bedeutung. Die wesentlichen
Früherkennungsuntersuchungen für Männer und Frauen werden von den
Krankenkassen übernommen.
Männer wie Frauen sollten ab dem Alter von 35 Jahren vom Hausarzt
regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen vornehmen lassen. Bei einem ersten
allgemeinen Check-Up führt der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese
durch, also eine Analyse der familiären Vorbelastungen und des persönlichen
Lebensstils in Form eines Gesprächs. Anschließend untersucht er den
gesamten Körper, um einen Ausgangsbefund für Folgeuntersuchungen zu
haben.
„Der Hausarzt wird beim allgemeinen Check-Up unter anderem Blut und Urin
einschicken, um beispielsweise herauszufinden: Sind die Cholesterin-Werte
erhöht? Arbeitet die Schilddrüse im Normbereich? Ist der Blutdruck erhöht?
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Wenn der Patient übergewichtig ist, wird der Arzt auch schon ab 35 Jahren
einen Test auf Diabetes machen.“ Dr. Marianne Koch
Regelmäßige Check-Ups ab 35 Jahren
Auch das Hautbild und den Zahnstatus wird der Arzt in diesem Rahmen
überprüfen. Je nachdem, welche Gefahren oder Schädigungen bei der ersten
allgemeinen Gesundheitsuntersuchung ans Licht kommen, sollten die FolgeCheck-Ups in kürzeren oder auch längeren Zeitabständen erfolgen. Die
Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel ab dem Alter von 35
Jahren alle zwei Jahre. Auch den Impfschutz sollte man regelmäßig überprüfen
lassen.
„Die Menschen werden älter und man weiß, dass viele Impfungen, die man als
Kind bekommen hat, nicht bis ins hohe Alter einen Schutz bieten. Tetanus
muss zum Beispiel alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Eine PneumokokkenImpfung hat man vielleicht als Kind noch gar nicht bekommen, weil es sie
damals noch nicht gegeben hat. Wichtig ist, gerade für ältere Leute, im Herbst
jährlich eine Influenza-Impfung.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und BRGesundheitsexpertin
Darmkrebsfrüherkennung: Stuhltest und Spiegelung
Die meisten Früherkennungsmaßnahmen, die von den Krankenkassen bezahlt
werden, dienen der Krebsvorsorge. Eine wesentliche Untersuchung für Männer
und Frauen ist die Darmkrebsfrüherkennung.
Die Früherkennung von Darmkrebs ist besonders sinnvoll und erfolgreich. Seit
der Einführung der von den Krankenkassen übernommenen VorsorgeDarmspiegelung im Jahr 2002 konnten nach Angaben des Deutschen
Krebsforschungszentrums in Heidelberg über 180.000 Fälle von Darmkrebs
verhindert werden. Allerdings haben sich bisher jeweils nur etwa 20 Prozent der
über 55-Jährigen untersuchen lassen. Das sind noch immer viel zu wenige. Ab
dem 50. Lebensjahr sollte man jährlich einen Stuhltest machen - und ab dem
55. Lebensjahr im Abstand von zehn Jahren eine Darmspiegelung durchführen
lassen, denn der langsam wachsende Darmkrebs entwickelt sich
durchschnittlich in diesem Zeitrahmen.
Immunologischen Test beantragen!
„Bei den Stuhltests sollte man unbedingt einen immunologischen Test
beantragen, weil dieser sehr viel genauer ist als die normalen Stuhltests. Bei
der frühen Darmspiegelung ab einem Alter von 55 Jahren kann man Vorstufen
von Krebs – zum Beispiel Polypen oder kleinere Adenome - erkennen und
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entfernen, bevor sie zum Risiko werden.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und
BR-Gesundheitsexpertin
Sonderfall genetische Vorbelastung
Darmkrebs in der Familie?
Bei familiärer Vorbelastung gilt für Darmspiegelungen eine Zehn-Jahres-Regel:
Wenn zum Beispiel beim Vater im Alter von 45 Jahren Krebs entdeckt wurde,
sollte der Sohn spätestens mit 35 Jahren mit Vorsorge-Spiegelungen beginnen.
Krebs ist keine eindeutige Erbkrankheit. Die größere Zahl der Darmkrebsfälle
entsteht spontan, aber es gibt auch eindeutig vererbungsbedingte Formen.
Menschen, in deren Familie Darmkrebs vorgekommen ist, womöglich ein oder
zwei Mal innerhalb von zwei Generationen, sollten bereits vor dem Alter von 55
Jahren Vorsorge-Darmspiegelungen vornehmen lassen. Es gibt zwei
vererbbare Darmkrebs-Arten, bei denen frühzeitige und engmaschige
Früherkennungsmaßnahmen notwendig sind.
Familiäre adenomatöse Polyposis
Bei dieser Darmkrebsart löst ein vererbbarer Gendefekt meist schon in sehr
jungen Jahren hunderte von Schleimhautwucherungen (Polypen) im Dickdarm
aus. Mehrere davon entarten mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit
in kurzer Zeit zu Krebs, wenn sie nicht rechtzeitig entfernt werden. Das betrifft
allerdings nur etwa ein Prozent der Darmkrebsfälle.
Erblicher nicht-polypöser Darmkrebs
Auch in diesem Fall sind Gen-Veränderungen Ursache für die Entstehung von
Darmkrebs. Sie zeigt sich zwar in der Regel erst in etwas später, aber fast
immer vor dem 45. Lebensjahr. Kinder von Betroffenen tragen ein 50prozentiges Risiko, ebenfalls das kranke Gen geerbt zu haben.
Das Hautkrebs-Screening
Der Körper braucht Sonnenlicht, um in der Haut das wichtige Vitamin D zu
bilden. Aber Sonnenbaden ohne Schutzmittel ist ein großes Risiko für die
Hautzellen, intensive UV-Strahlen können Gewebe zerstören. Veränderungen
des Hautbilds sollten deswegen genau beobachtet werden.
Statistiken zeigen, dass das gefährliche Maligne Melanom, der schwarze
Hautkrebs, in letzter Zeit zahlenmäßig zugenommen hat. Ein ausreichender
Schutz vor zu viel Sonne und besonders vor Sonnenbrand ist deshalb
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notwendig – etwa durch Sonnencremes oder leichte Baumwollhemden. Ein
Screening zur Hautkrebs-Früherkennung bezahlen die Krankenkassen ab
einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre. Zwingend notwendig ist ein solches
Screening allerdings nicht für alle Menschen.
„Ich denke, dass man selbst sehr gut erkennen kann, ob sich an der Haut etwas
befindet, das da absolut nicht hingehört – beispielsweise wenn ein Pickel
einfach nicht zuheilt. Schwierig ist es nur, wenn man alleine lebt und
niemanden hat, der Stellen wie den Rücken beurteilt. Dann halte ich ein
Hautkrebs-Screening für sinnvoll.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und BRGesundheitsexpertin
Erhöhte Hautkrebsgefahr bei heller Haut und Muttermalen
Allerdings: Menschen mit heller Haut und gutartigen Muttermalen sind
besonders gefährdet und sollten ein regelmäßiges Hautkrebs-Screening in
Anspruch nehmen. Wer sehr viele Muttermale hat, sollte sie jährlich vom
Hautarzt untersuchen lassen. Mit einem so genannten Auflichtmikroskop kann
er bösartige Veränderungen bereits in frühen Stadien erkennen. Und
grundsätzlich gilt: Wer eine Unregelmäßigkeit der Haut feststellt, die nicht
abheilt, sollte sofort einen Hautarzt aufsuchen.
Früherkennung bei Frauen - Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs
Frauen sollten bereits in jungen Jahren Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen
beim Gynäkologen vornehmen lassen. So können ungünstige Veränderungen
der Geschlechtsorgane rechtzeitig erkannt und im Zweifelsfall
Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Lange Jahre war Gebärmutterhals-Krebs eine der häufigsten Krebsarten bei
Frauen. Durch verbesserte Hygiene und Früherkennung ist das so genannte
Zervix-Karzinom deutlich seltener geworden. Ab dem Alter von 20 Jahren wird
von den Krankenkassen jährlich eine Krebsfrüherkennungs-Untersuchung beim
Gynäkologen bezahlt, die neben einer Untersuchung der inneren und äußeren
Geschlechtsorgane einen Abstrich des Gebärmutterhalses beinhaltet. Als
Schutz gegen Humane Papillom Viren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs
verursachen können, gibt es zudem seit über zehn Jahren die so genannte
HPV-Impfung. Sie wird Mädchen vor allem Mädchen zwischen zwölf und 17
Jahren vor dem ersten Sexualkontakt empfohlen.
„Die HPV-Impfung hat sich inzwischen als richtig erwiesen, weil man bei
Gebärmutterhalskrebs weiß, dass er sehr stark durch diesen Virus unterstützt
wird. Und wenn man diese Infektion von vornherein verhindert, sind schon
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einmal sehr große Risiken in Bezug auf das Zervix-Karzinom aus der Welt.“ Dr.
Marianne Koch, Internistin und BR-Gesundheitsexpertin
Brustkrebs-Früherkennung: Regelmäßiges Abtasten ist wesentlich
Der häufigste Krebs-Art bei Frauen ist der Brustkrebs. Ab dem 30. Lebensjahr
übernehmen die Krankenkassen die Früherkennungsuntersuchung, bei der der
Frauenarzt Brust und Achselhöhlen abtastet und sich in einem Gespräch nach
möglichen Veränderungen der Brust erkundigt. Empfehlenswert ist ein Abtasten
der eigenen Brust allerdings bereits vorher, da die intime Vertrautheit mit dem
eigenen Körper hilft, Unregelmäßigkeiten rechtzeitig zu entdecken. Ein Knoten
in der Brust ist jedoch noch lange kein Vorbote für einen Tumor. Es kann sich
um eine Zyste oder eine harmlose Verdichtung handeln. In jedem Fall wird der
Frauenarzt weitere Untersuchungen vornehmen, wenn er etwas
Ungewöhnliches getastet hat – zunächst mit Ultraschall, später möglicherweise
auch eine Mammografie.
„Auch beim Brustkrebs ist der Blick auf die Familiengeschichte wichtig. Wenn
mehr als zwei Frauen innerhalb von zwei Generationen erkrankt sind, sollte in
einer genetischen Untersuchung geprüft werden, ob man Trägerin des BRCA1- oder BRCA-2-Gens ist. Denn in diesem Fall ist das Brustkrebsrisiko deutlich
erhöht - frühere und häufigere Früherkennungsuntersuchungen sind dann
notwendig.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und BR-Gesundheitsexpertin
Abtasten der eigenen Brust
Es ist ratsam, die eigenen Brüste regelmäßig gründlich – aber vorsichtig - zu
befühlen, am besten jeweils nach der Menstruation, weil sich dann kleine
Knoten sicherer ertasten lassen.
Vorsicht vor Hormonbehandlungen
Die Ersatztherapie mit Östrogenen, die Frauen in den Wechseljahren
angeboten wird, erhöht eindeutig das Brustkrebs-Risiko. Beschwerden wie
Schlafstörungen oder Schwitzen lassen sich zumeist durch Sport und eine
positive Lebenseinstellung lindern.
Mammografie: Notwendig oder nicht?
Prinzipiell ist eine Mammografie, eine Röntgendarstellung der Brustdrüse, eine
sinnvolle Untersuchung, denn sie hat entscheidend dazu beigetragen, bereits
frühe Krebsstadien sichtbar zu machen. Die Mammografie wird Frauen
zwischen 50 und 69 Jahren von den Krankenkassen in einem Abstand von zwei
Jahren erstattet. Allerdings kann sie nicht allen Frauen uneingeschränkt
empfohlen werden. Vor allem im Rahmen von breit angelegten Reihen-
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Untersuchungen, zu denen sehr viele Frauen ganzer Jahrgänge eingeladen
werden, kann es zu Überdiagnostik und Übertherapie kommen.
Es kann also zum Beispiel sein, dass bei einer Frau wegen Verdachts auf
Brustkrebs eine Biopsie gemacht wird, und sich der Verdacht dann nicht
bestätigt. Die Betroffene ist mit unnötigen Ängsten und Unsicherheiten
konfrontiert. Daher sollte die Entscheidung für oder gegen eine Mammografie
am besten in einem vertrauensvollen Gespräch mit dem Frauenarzt getroffen
werden – je nach individuellem Gesundheitszustand und familiärer
Vorbelastung.
„Wenn der Frauenarzt einer 55-jährigen Patientin zu einer Mammografie rät, um
sich ein Bild vom aktuellen Zustand der Brust machen zu können, ist das
durchaus sinnvoll. Denn dann hat der Arzt einen Ausgangswert für künftige
Vergleichsuntersuchungen. Nur diese Massen-Screenings sind eher etwas
fragwürdig geworden.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und BRGesundheitsexpertin
Früherkennung bei Männern - Prostatakrebs
Männer sollten bereits in der Pubertät beginnen, die eigenen Hoden regelmäßig
abzutasten, um mögliche Verhärtungen rechtzeitig zu erkennen. In späteren
Jahren sind Tastuntersuchungen durch den Urologen sinnvoll.
Ab dem Alter von 45 Jahren übernehmen die Krankenkassen die vorsorgliche
Tastuntersuchung der Prostata. Denn das Risiko, an Prostatakrebs zu
erkranken nimmt spätestens bei 50- und 60-Jährigen deutlich zu.
„Die Prostata-Tastuntersuchung ist nicht hundertprozentig sicher. Wenn man
etwas tastet, weiß man zunächst nicht, ob es bösartig ist - es kann falsch
negative Ergebnisse geben. Aber dennoch: Die Untersuchung bei einem
Fachmann ist absolut richtig, denn man kann Prostatakrebs in frühen Stadien
sehr gut heilen beziehungsweise entfernen.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und
BR-Gesundheitsexpertin
Punktueller PSA-Test nicht zuverlässig
Noch vor zehn Jahren wurde zur Früherkennung von Prostatakrebs ein so
genannter PSA-Test gemacht. Dabei untersucht der Facharzt das Blut des
Patienten auf einen bestimmten Eiweißstoff, das prostataspezifische Antigen
(PSA). Dieses wird nur in der Prostata gebildet und dort vor allem von
Krebszellen. Ist der PSA-Wert erhöht, kann es sich um einen Hinweis auf einen
Krebstumor handeln – es muss aber nicht so sein. Denn der PSA-Wert an sich
ist noch nicht besonders aussagekräftig. Der Grund: Der PSA-Wert kann auch
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nach dem Geschlechtsverkehr oder einer Fahrradtour erhöht sein, selbst nach
einem heißen Bad.
„Der PSA-Wert hat nur dann eine Bedeutung, wenn er im Lauf von Monaten
langsam immer weiter ansteigt. Dann ist da eine Kontinuität da, die den Arzt
stutzig machen sollte. Dann sollte er weitere Untersuchungen vornehmen.“ Dr.
Marianne Koch
PSA-Test ja oder nein?
Mann sollte den PSA-Test durchaus machen lassen. Wenn der PSA-Wert
erhöht ist, sollte ihn der Arzt über mehrere Monate beobachten. Erst bei einem
Anstieg im Zeitverlauf kann es sich um einen Hinweis auf einen Tumor handeln.
Früherkennungsuntersuchungen - Kassenleistungen sind grundsätzlich
sinnvoll
Die Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit von Früherkennungsmaßnahmen in
Arztpraxen wird immer wieder in Frage gestellt. Aber das Gros der
Untersuchungen, die von den Krankenkassen übernommen werden, ist
durchaus sinnvoll, findet die BR-Gesundheitsexpertin Dr. Marianne Koch.
Der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
(IQWIG) Jürgen Windeler hat den Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen
bereits Ende 2013 kritisch bewertet. Nach wissenschaftlichen Kriterien seien
unter anderem die Tastuntersuchung nach Prostata-Krebs und das HautkrebsScreening fragwürdig. Vor- und Nachteile der Früherkennungsangebote lägen
oftmals dicht beieinander, es komme immer wieder zu Fehldiagnosen und
schlimmstenfalls zu unnötigen Operationen.
„Die allermeisten Früherkennungsuntersuchungen sind ziemlich sicher und
auch sinnvoll. Es gibt zwar beispielsweise bei einer Darmspiegelung eine
Komplikationsrate von ein bis zwei Fällen pro tausend Untersuchungen, in
denen es zu einer Blutung kommt. Auch bei einer Prostata-Biopsie kann einmal
etwas passieren. Aber der Nutzen der Früherkennungsuntersuchungen
überwiegt eindeutig.“ Dr. Marianne Koch, Internistin und BRGesundheitsexpertin
Begleitung durch einen kompetenten Fachmann
Nicht für jeden Patienten und jede Patientin sind alle
Früherkennungsuntersuchungen gleichermaßen notwendig – nicht jeder muss
beispielsweise ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre zum HautkrebsScreening und nicht bei jeder Frau ab 55 Jahren ist eine Mammografie
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angebracht. Es kann zu Überdiagnostik und Fehldiagnosen kommen. Aber die
meisten Untersuchungen, die von den Krankenkassen bezahlt werden, sind
empfehlenswert – selbstverständlich abhängig vom persönlichen
Gesundheitszustand, dem Lebensstil und der familiären Vorbelastung des
Patienten. Die individuelle Entscheidung sollte immer in vertrauensvoller
Absprache mit dem Haus- oder Facharzt getroffen werden.
„Die allermeisten Vorsorgeuntersuchungen, die absolut Sinn machen, werden
von den Kassen bezahlt. Ob zusätzliche Untersuchungen nötig sind, die der
Patient selbst bezahlen muss – so genannte IGeL-Leistungen – muss immer
individuell mit dem Arzt besprochen und abgeklärt werden. Wenn man einen
guten Hausarzt hat, wird er einen richtig beraten. Grundsätzlich gilt:
Früherkennung muss immer im Konsens mit einem kompetenten Arzt erfolgen.“
Dr. Marianne Koch, Internistin und BR-Gesundheitsexpertin
Sinnvolle Zusatz-Leistung
Immer wieder wird kritisiert, es gehe bei vielen Früherkennungsangeboten vor
allem um ökonomische Interessen der Ärzte. Eine Zusatzuntersuchung, die in
der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen wird, aber durchaus
sinnvoll sein kann, ist die Röntgenuntersuchung auf Osteoporose. Hier lohnt
sich ein Gespräch mit dem Facharzt.
Ein spezieller Fall - Der Mann beim Arzt
Experte: Prof. Thomas Ebert, Urologe und Vorstand des Vereins
Männergesundheit e.V. Nürnberg
Autorin: Monika Dollinger
Gesundheit Männer! – Der Mann beim Arzt
Männer haben Kraft. Männer sind stark. Männer bekommen jeden Korken aus
jeder Flasche, jeden Kühlschrank aus dem Haus und zur Not auch drei
Bierkästen auf einmal in den Keller.
Aber was, wenn der Körper nicht mehr mitmacht...? Böse Zungen sagen, alles
wäre wunderbar, wenn Männer sich um ihre Gesundheit ebenso kümmern
würden, wie um ihr Auto. Denn tatsächlich ignoriert das starke Geschlecht
seine gesundheitlichen Schwächen lieber, als ihnen auf den Grund zu gehen.
Wie ist es um die Gesundheit der Männer bestellt
Es gibt kein eindeutiges Gen, das festlegt, dass Männer gesünder oder kränker
sind als Frauen, auch wenn das männliche Hormon Testosteron Männer
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manchmal durchaus risikobereiter agieren lässt als Frauen. Männer und Frauen
haben jedoch bei einigen Erkrankungen ein unterschiedlich hohes Risiko:
Brustkrebs trifft wesentlich mehr Frauen als Männer. Männer hingegen
bekommen früher Herzinfarkt als Frauen (im Schnitt zehn Jahre). Viele der
geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Statistik der Krankheiten sind
hausgemacht, d.h. sie beruhen auf dem ungesünderen Lebensstil der Männer.
"Männer leben ein höheres Risiko. Sie schädigen sich auch mehr: Sie rauchen
und trinken mehr." Prof. Thomas Ebert, Vorstand des Vereins
Männergesundheit e.V. Nürnberg
Fakten
- Die Lebenserwartung von Männern ist durchschnittlich fünf Jahre niedriger
als die von Frauen. Experten führen dies vor allem auf Unterschiede im
Lebensstil zurück: Alkoholkonsum, Rauchen, Risikobereitschaft.
- Herz-Kreislauferkrankungen sind bei Männern häufiger:
Mehr als die Hälfte aller aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingten
stationären Behandlungsfällen in Bayern im Jahr 2013 betraf Männer.
- Herzinfarkt: Männer haben im Schnitt öfter und deutlich früher als Frauen
einen Herzinfarkt. 2013 sind 52.044 Menschen an einem akuten Myokardinfarkt
gestorben. Davon waren 55 Prozent Männer.
- Übergewicht: Männer neigen mehr zu Übergewicht als Frauen: 2013 waren
62 Prozent der Männer übergewichtig und 43 Prozent der Frauen
Rauchen 30 Prozent der Männer rauchen. Bei Frauen sind es 19 Prozent.
Lebensstil
Männer führen ein riskanteres Leben: Sie sind viermal häufiger an Unfällen
beteiligt als Frauen. Auch beim Alkoholkonsum liegen die Männer vorne:
Laut WHO trinken Männer mehr als doppelt so viel wie Frauen. Von den gut
14.500 Alkohol-Toten des Jahre 2012 waren laut Statistischem Bundesamt fast
11.000 männlich.
Work-Life-Balance
Männer sind generell weniger bereit, etwas über gesunde Ernährung,
Stressreduktion und Entspannung zu lernen.2015 waren von den Teilnehmern
an Gesundheitskursen der BARMER GEK nur 15 Prozent Männer.
Vorurteile über Männergesundheit
Unter
http://www.maennergesundheitsportal.de/interaktives/quiz-maenner-undgesundheit/
kann man das Wissen über Männergesundheit in einem Quiz testen.
Hier ein paar Fakten daraus:
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Männer haben doppelt so häufig Probleme mit der Bandscheibe wie
Frauen
Dies betrifft Männer über 30. Ursachen sind Fehlbelastungen des Rückens, viel
Sitzen und auch starkes Übergewicht.
Männer über 65 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose
Bei Osteoporose steigt das Risiko eines Knochenbruchs. Es betrifft vor allem,
dünne Männer, die sich unausgewogen ernähren, wenig bewegen und rauchen.
"Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Schilddrüsenprobleme, ein
erhöhtes familiäres Risiko und eine längerfristige Kortisoneinnahme können
ebenfalls das Risiko erhöhen."
Kopfschmerzen sind kein reines Frauenproblem
Von Migräne sind nicht nur Frauen betroffen, sondern auch acht Prozent der
Männer. "Von sogenannten Cluster-Kopfschmerzen sind sogar zumeist Männer
betroffen. Das sind brennende oder stechende Schmerzen, die auf einer
Kopfseite um das Auge herum auftreten und zwischen 15 Minuten und drei
Stunden anhalten."
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Der kleine Unterschied
Nicht nur bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen die Männer vorne, auch die
nicht geschlechtsspezifischen Tumoren sind ungleich verteilt: Männer
bekommen häufiger Lungen- und Darmkrebs als Frauen. Männer sind
durchschnittlich nicht so gesund wie Frauen.
Selbst ist der Mann
Um auf die gesundheitliche Situation der Männer hinzuweisen, wurde 2006 der
Verein "Männergesundheit e.V." in Nürnberg gegründet. Das Ziel ist: Auf die
gesundheitlichen Risiken der Männer hinzuweisen, und sie anzuregen, sich um
ihre Gesundheit zu kümmern.
http://www.maennergesundheit.biz/
Warum sich Männer weniger um Gesundheit kümmern
Frauen sind es aufgrund des weiblichen Zyklus und Verhütungsfragen gewohnt
regelmäßig zum Arzt zu gehen. Männer haben keinen regelmäßigen Arzttermin
– im Gegenteil: Da sie nicht mehr zur Musterung bei der Bundeswehr müssen,
fällt inzwischen auch die Routine-Untersuchung mit 18 Jahren weg. Außerdem
gehen die meisten Männer erst zum Arzt, wenn sie größere Beschwerden
haben.
"Als Urologe erlebe ich ständig, wie sehr sich die Frauen um die Gesundheit
der Männer kümmern. Wenn ich frage: Warum kommen Sie? Dann antworten
viele, dass sie seit Jahren von ihrer Frau gedrängt werden, sich einmal
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durchchecken zu lassen. Viele kommen nur, weil sie dem Druck nachgeben."
Prof. Thomas Ebert, Urologe
Gesundheitsmanagerinnen der Familie
Männer setzen sich wenig mit dem Thema Gesundheit auseinander. Ein
Beispiel: Wenn ein Mann Vater wird, kümmert er sich nicht in dem Umfang um
das leibliche Wohl des Kindes wie die Frau. Meistens macht beispielsweise die
Frau die regelmäßigen Termine beim Kinderarzt aus und geht auch mit dem
Kind hin. Sie weiß deswegen nicht nur über die notwendigen Impfungen des
Kindes, sondern auch ihre eigenen Bescheid. Frauen geraten deswegen immer
mehr in die Rolle der Managerin der Gesundheit der ganzen Familie.
Sind Männer Hypochonder?
"Grundsätzlich glaube ich schon, dass Frauen mehr Schmerzen aushalten
können. Wenn bei Männern Beschwerden auftreten, gehen die meisten schon
sehr schnell zum Arzt und wollen alles sofort behoben haben. Aber das ist nicht
der einzige Weg, um gesund zu bleiben. Leider denken sich viele Männer: Ich
kann keinen Krebs haben, weil mir nichts wehtut" – so die Beobachtung von
Prof. Ebert.
Krankheiten früh erkennen - Auch gesund zum Arzt
Es ist schwierig, gesunde Männer mit Präventionsinformationen und angeboten zu erreichen – so die Erfahrung vieler Urologen. Männer sehen oft
keinen Sinn darin, einen Arzt präventiv aufzusuchen. Frauen hingegen lernen
durch die regelmäßigen Besuche beim Gynäkologen und die UUntersuchungen der Kinder, dass man auch zum Arzt geht, wenn man gar
keine Probleme hat. Sie erleben, welchen Sinn Vorsorgeuntersuchungen
haben.
Wichtige Krebs-Prävention
Es gibt verschiedene Tumoren für die es keine sinnvolle
Vorsorgeuntersuchungen gibt, beispielsweise Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei
anderen aber ist eine Früherkennung sehr wichtig, da sie entscheidend ist für
die Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen.
• Prostatakarzinom
• Darmkrebs
• Blasenkrebs
Beispiel Blasenkrebs
Relativ unbekannt bei den Rauchern ist, dass sie mit jeder Zigarette auch das
Risiko eingehen, Blasenkrebs zu entwickeln. Denn die Schadstoffe werden
über die Lunge im Blut aufgenommen. Über die Niere gelangen sie in die Blase,
in der sie oft mehrere Stunden aufbewahrt werden. So können bei jahrelangem
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Rauchen die kanzerogenen Stoffe auf die Blasenschleimhaut einwirken und zu
Entartungen führen.
Vorsorge für Männer
Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll,
• wenn nachgewiesen ist, dass man damit Erkrankungen relativ sicher
feststellen oder ausschließen kann,
• wenn die Tests einfach sind,
• wenn sie (für das Gesundheitswesen) nicht zu teuer werden.
All diese Punkte treffen bei der Prostata-Vorsorgeuntersuchung und der
Darmspiegelung (Koloskopie) zu.
Prävention: Wie man lebt, um gesund zu bleiben
Bei der Prävention stellt sich immer die Frage: Was kann man unternehmen,
damit Krankheiten nicht entstehen oder ausbrechen? Angebote zur
Gesundheitsförderung wie Bewegung, gesunde Ernährung, Stressreduktion
nehmen Männer weniger in Anspruch als Frauen.
Ernährung
Mit der gesunden Ernährung kann man gar nicht früh genug anfangen. Wie weit
die Ernährung Entstehung von Krankheiten beeinflusst, ist wissenschaftlich im
Einzelfall schwer nachweisbar. Aber man kann sagen: Ernährung mit viel
Fleisch begünstigt Krebs. Durch die Auswahl der Nahrungsmittel lassen sich
auch Erkrankungen im Bereich Herz-Kreislauf beeinflussen.
Östrogene bei Männern
Im Körperfett wird Östrogen produziert - bei Männern ist das vor allem im
Bauchfett. Zu viele Östrogene können jedoch gefährlich werden, denn sie
erhöhen das Risiko, dass sich eine Arteriosklerose (bis hin zur
Thromboseneigung) entwickelt.
Beispiel Prostatakrebs
In Europa treten wesentlich öfter Prostatakarzinome auf als in Asien. Wenn
man aber 70-jährige Unfalltote in Japan untersucht, stellt man fest, dass sie
genauso häufig Prostatakarzinome in sich tragen, wie in der westlichen Welt –
sie wachsen nur nicht aus. Für die Wissenschaftler ist klar, dass dies auch mit
der Ernährung zusammenhängt - selbst wenn sich dies streng wissenschaftlich
nicht beweisen lässt, da man mindestens 100.000 betroffene Männer bräuchte
und viele andere Faktoren (wie z.B. Nichtraucher essen evtl. weniger Fleisch)
herausrechnen müsste.
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Tipp: Durchchecken lassen
Ein internistischer und ein urologischer Checkup alle ein bis zwei Jahre mit
einem Basis-Vorsorgeprogramm (Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchung,
Urinuntersuchung, Bestimmung von PSA, Cholesterin, Leberwerte) könnte
drohende Probleme entdecken, bevor sie zu irreparablen Schäden führen.
"Um die wichtigsten "Killer“ des Mannes frühzeitig zu erkennen und wirksam zu
bekämpfen, benötigt es wenig Zeitaufwand: An einem Vormittag oder in zwei
Mal zwei Stunden kann man die wichtigsten Dinge klären. Das ist kein
Zeitaufwand, der unmöglich ist." Prof. Thomas Ebert, Urologe
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