Abgeordneter Mag. Dr. Matthias Strolz (NEOS)

Nationalrat, XXV. GP
27. Jänner 2016
111. Sitzung / 1
16.32
Abgeordneter Mag. Dr. Matthias Strolz (NEOS): Frau Präsidentin! Geschätzte
Regierungsmitglieder! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger!
Wir nehmen die Debatte zur Besprechung der neuen Regierungsmitglieder wieder auf.
Natürlich wünschen wir ihnen alles Gute, ich glaube, alles andere wäre nicht kollegial,
wäre nicht fair – Herr Doskozil, Sie sind der, der hier neu einrückt; Ihnen besonders
alles Gute! –, aber ansonsten muss ich schon sagen – der Herr Bundeskanzler ist jetzt
nicht da (Zwischenruf des Abg. Hagen) –, das Ganze erinnert mich ein bisschen an
einen Kindergeburtstag.
Sie kennen vielleicht das Spiel „Reise nach Jerusalem“; das ist ein Stopptanz-Spiel
(Abg. Belakowitsch-Jenewein: Ja, das kennen wir eh!), da wird die Musik
eingeschaltet, und wenn sie ausgeschaltet wird, dann muss man sich eine neue
Position suchen. Der berühmt-berüchtigte Chef-DJ in Österreich für dieses Spiel ist
normalerweise Reinhold Lopatka: Wann immer er die Musik ausschaltet, setzen sich
allerdings Neue dazu, er hat die Spielregeln bei diesem Spiel geändert; aber
offensichtlich versucht sich jetzt auch der Bundeskanzler in diesem Spiel.
Ich halte dieses recht willkürlich erscheinende Wechseln von Ministerämtern für höchst
fragwürdig. Die Hütchen-Spieler sind ja in der Maria-Theresien-Straße zu Hause und
hoffentlich nicht in der Bundesregierung. Einfach über Nacht den Hut zu wechseln und
zu meinen, das habe Attraktivität, das halte ich, ehrlich gesagt, für schwierig, denn
wenn jeder alles kann, kann am Schluss niemand etwas richtig, hat man den Eindruck.
Ich glaube auch, dass es fragwürdig ist, wenn die Höhepunkte einer Bundesregierung
in gelegentlichen Ministerwechseln bestehen; das wirft schon ein schräges Licht auf
eine Bundesregierung.
Es wurde schon viel gewechselt, wenn ich auf die drei Ministerien schaue. Gabi Moser
hat mir gesagt, sie hat insgesamt schon zwölf Verkehrs-/Infrastrukturminister erlebt;
das heißt, dieses Ministerium ist ohnehin auf Autopilot, da kann offensichtlich nicht viel
passieren. Es passiert leider auch zu wenig für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Wichtig ist natürlich die Landesverteidigung. Ich würde mir wünschen, dass wir in der
Landesverteidigung in Österreich in einen echten sicherheitspolitischen Diskurs
kommen. Der einzige Beitrag dieser Regierung war ja zuletzt eine Volksbefragung, die
allerdings auch unter beklemmenden Umständen stattgefunden hat, von der
Sachdiskussion her.
Version vom 12. Mai 2016, 18:15
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Nationalrat, XXV. GP
27. Jänner 2016
111. Sitzung / 2
Dann schaue ich noch auf das Sozialressort: Da wünsche ich Herrn Stöger natürlich
alles Gute, denn das Thema Pensionen wird ein ganz zentrales sein. Und wenn ich
jetzt aus der Bundesregierung höre: Ah, wir haben Bundespräsidentenwahlen, wir
können da nichts Grobes an Reformen anstoßen, das kommt zur Unzeit!, wenn ich
höre, dass in der Bundesregierung jetzt schon diskutiert wird, die Pensionsreform
eventuell komplett auszutakten – weil Sie wissen, Sie bringen nichts zusammen –, und
wenn ich sehe, dass die ÖVP wieder zurück auf den unmutigen Spindelegger-Kurs
kippt, dass man zum Beispiel Themen wie den Pensionsautomatismus schon jetzt
aufgibt, weil man weiß, das kann man nicht durchbringen, und es nicht so wichtig ist,
dann sind das keine guten Vorzeichen, dann, glaube ich, werden gerade die Interessen
der nächsten Generation hier einmal mehr verraten.
Das Pensionssystem ist in dieser Form schrottreif, wir brauchen einen Modellwechsel,
wir brauchen hier ganz grundsätzlich neue Mechanismen. Ein enkelfittes
Flexipensionsmodell, wie wir es vorschlagen, Herr Stöger, sollte in Ihrem
Aufgabenbereich zur Umsetzung mit drinnen sein.
Ich glaube aber, es werden weiterhin nicht die Reformen die Höhepunkte dieser
Regierung sein, sondern wir werden in den nächsten Jahren wiederum den einen oder
anderen Ministerwechsel erleben. – Das ist zu wenig für dieses Land, das ist wirklich
zu wenig, aber Ihnen persönlich trotzdem alles Gute! (Beifall bei den NEOS.)
16.36
Präsidentin Doris Bures: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr
Abgeordneter Muchitsch. Ich stelle die Uhr auf 4 Minuten. – Bitte.
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