PDF downlaod - trigonale 2015 / festival der alten musik

Mittwoch, 09. September | 19 Uhr
Stiftskirche St. Georgen / Längsee
I
Airs de cour – airs de coeur
Wege zur amour parfait
Dennoch – ein Land bleibt geheimnisvoll, auch wenn es seit
Menschengedenken von jeder Frau, jedem Mann und jedem
Kind auf seinem Weg durch das Leben bereist, durchwandert
und erforscht wird: das Land der Liebe.
Wie also soll ein Liebender wissen, auf welchem Weg die
Gunst der Angebeteten errungen werden kann, welcher Pfad
zu ihrem Herzen führt? Was gibt ihm die Gewissheit, nicht
ziellos umherzuirren? Wie kann er die vollkommene Liebe
finden? Unbestritten Fragen von zeitloser Aktualität.
Uns Menschen des 21. Jahrhunderts sind alle Kontinente
bekannt, jeder Berg, Fluss und See trägt seinen Namen. In
Atlanten und auf Globen sind selbst viele Reliefs der Tiefsee
faszinierend genau dargestellt, das Internet und Dokumentationen im Fernsehen lassen uns glauben, es gäbe sie nicht
mehr: die weißen Flecken auf den Landkarten dieser Erde.
Auf der Suche nach Antworten entstand im Frankreich
des 17. Jahrhunderts die Carte de Tendre, eine allegorische
Landkarte des Reiches der Liebe, welche uns als Abbildung
in einem der zehn Bände des pseudohistorischen Romans
Clélie der schon zu Lebzeiten überaus populären französischen Schriftstellerin Madeleine de Scudéry (1607 - 1701)
überliefert ist. Auf dieser Landkarte der zärtlichen Empfindungen, die dem Liebenden bei der Suche nach der amour
parfait hilfreich sein soll, werden allen Schattierungen zwischenmenschlicher Gefühle geographische Positionen zugeordnet. So finden sich im von den Flüssen der Zuneigung,
der Dankbarkeit und der Wertschätzung durchflossenen Terrain Ortsbezeichnungen wie Ehrfurcht, Zärtlichkeit, Einfühlungsvermögen und Freundschaft, aber auch Treulosigkeit,
Indiskretion, Nachlässigkeit oder Leichtfertigkeit. Besondere
98 | Trigonale 2015 – Vorschau
Trigonale 2015 – Vorschau | 99
I
Vorsicht sei jedoch geboten, nähert man sich dem Meer der
Feindschaft oder dem See der Gleichgültigkeit ...
I
Claire Lefilliâtre begann im Alter
von sechzehn Jahren ihr Gesangsstudium
am Conservatoire National de Région de
Caen, wo sie ihr Abschlussexamen in Gesang und Musikgeschichte machte. Parallel zu einem Theater- und Filmstudium an
der Université de Caen nahm sie Unterricht bei Alain Buet
am ENM d'Alençon, der sie zur Alten Musik führte und für
ihre künstlerische, stilistische und pädagogische Ausrichtung
prägend wurde. Es folgten Studien bei Eugène Green und
Benjamin Lazar in Deklamation und barocker Gestik.
Seit einigen Jahren setzt sie ihr Studium bei Christine
Schweitzer fort. Ihre Vertrautheit mit dem barocken Repertoire ließ sie zur bevorzugten Interpretin zahlreicher
Ensembles werden und führte sie an viele französische und
ausländische Bühnen, darunter der Salle Gaveau, das Festival
de Beaune, die Opéra de Rouen, die Opéra d'Avignon, das
Festival in Utrecht, die Sankt Petersburger Philharmonie, der
Palau de la Mùsica in Barcelona, der Palais des Beaux Arts in
Budapest, das Festival Bozar in Brüssel, das Concertgebouw
in Amsterdam sowie Veranstalter in Tokio und Buenos Aires.
Seit 1999 ist Claire die zentrale Interpretin der Produktionen
von Le Poème Harmonique unter der Leitung von Vincent Dumestre. Ihre Konzerte und Aufnahmen mit diesem
Ensemble, seien es Werke von Etienne Moulinié, Pierre
Guédron, Antoine Boesset, Emilio de Cavalieri, Il Fasolo
oder französische Romanzen, werden einhellig von der Presse gewürdigt. Claire sang 2004 an der Opéra d'Avignon und
2005 am Théâtre Royal in Versailles die weibliche Rolle in
den Zwischenspielen von Le bourgeois gentilhomme von Lully
und Molière. 2006 verkörperte sie die Titelrolle in Marazzolis Oper La vita humana u.a. im Concertgebouw in Utrecht
und beim Festival in Ambronay. 2008 sang sie Hermione
in Cadmus et Hermione von Lully (Inszenierung: Benjamin
Lazar) an der Opéra Comique, dann am Théâtre des Arts in
Rouen. Ebenfalls 2008 sang sie den Annius in La clemenza di
Tito von Mozart (Inszenierung: Alain Garichot) am Théâtre
des Arts in Rouen.
100 | Trigonale 2015 – Vorschau
Trigonale 2015 – Vorschau | 101
Das Ensemble Stylus Phantasticus und die unvergleichliche
Claire Lefilliâtre begeben sich auf die Suche nach dem Weg
zur amour parfait – die Carte de Tendre möge auch ihnen
dabei als Orientierungshilfe dienen.
Claire Lefilliâtre – Sopran
Stylus Phantasticus
Gebhard David – Zink, Viola da gamba
Friederike Heumann – Viola da gamba & Leitung
Romina Lischka – Viola da gamba
Irene Klein – Viola da gamba
Frauke Hess – Viola da gamba
Evangelina Mascardi – Renaissancelaute
I
I
Gebhard David, geboren in Erlangen,
begann seine musikalische Ausbildung
auf der Blockflöte und der Viola da gamba. Im Alter von zwölf Jahren entdeckte
er den Zink, der von da an sein Hauptinstrument wurde. Er studierte an der
Schola Cantorum Basiliensis Alte Musik mit Hauptfach
Zink bei Bruce Dickey und erhielt 1997 sein Diplom. Im
selben Jahr gründete er zusammen mit Bork-Frithjof Smith
das Ensemble Les Cornets Noirs.
Gebhard spielt seit Jahren mit den bekanntesten Ensembles für Alte Musik wie Double Bande, Hesperion XX/XXI, Il
Giardino Armonico, Concerto Köln, La Petite Bande, Concerto
Palatino, La Fenice oder L'Arpeggiata und tritt mit ihnen bei
den bedeutendsten Festivals in ganz Europa auf. Außerdem
konzertierte er in Israel und Russland sowie in Nord- und
Südamerika. Mehr als 60 CD-Einspielungen bei verschiedensten Labels dokumentieren seine bisherige Laufbahn.
Für die Mitwirkung bei einer CD mit L'Arpeggiata erhielt er
2010 einen Echo, 2011 einen Grammy für eine CD-Einspielung mit Jordi Savall.
Von 2006 bis 2008 war Gebhard Dozent für Zink und
Diminution an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen. Seit 2009 ist er Lehrer an der Hochschule für Künste
in Bremen.
Romina Lischka begann mit sieben
Jahren Gitarre und mit dreizehn Jahren
Gambe an verschiedenen Musikschulen
in Wien zu lernen. Von 1999 bis 2002
studierte sie klassische Gitarre bei Prof.
Walter Würdinger an der Universität für
Musik, Wien. Ihr starkes Interesse für die Alte Musik führte
sie an die Schola Cantorum Basiliensis in Basel, wo sie ab
2002 Viola da gamba bei Paolo Pandolfo studierte und 2006
ihr Solistendiplom mit Auszeichnung bestand. Anschließend studierte sie mit Philippe Pierlot am Königlichen
Konservatorium Brüssel, wo sie 2008 einen Master mit
Auszeichnung machte. Seit 2008 arbeitet sie als freischaffende Gambistin mit Ensembles wie Collegium Vocale Gent,
Ricercar Consort, Les Flamboyants, Le Jardin Secret, Queens
Consort, B-Rock, Capilla Flamenca, Vlaamse Opera, Zefiro
Torna, Roza Enflorese u.a. Ihre Konzertaktivität führte sie
in den letzten Jahren zu Festivals und an Häuser wie: Early
Music Festival York, Brighton Early Music Festival, Züricher Tonhalle, Concertgebouw Amsterdam, Lincoln Center
NY, Festival d'Aix en Provence u.a. Romina hat bei CDAufnahmen für Labels wie Coro, Flora, Ricercar und Christophorus mitgewirkt.
Neben ihrer Tätigkeit als Gambistin studierte sie ab 2006
klassischen nordindischen Gesang (Stil Dhrupad) am Konservatorium Rotterdam in Holland sowie bei Ustad Fariduddin Dagar und Uday Bhawalkar in Delhi und Pune (Indien).
2011 gründete sie ihr Hathor-Consort, mit dem sie sich dem
Consort-Repertoire der Renaissance und des Barock widmet.
102 | Trigonale 2015 – Vorschau
Trigonale 2015 – Vorschau | 103
I
I
Irene Klein studierte an der Schola
Cantorum Basiliensis bei Paolo Pandolfo
und in Mailand an der Civica Scuola di
Musica bei Roberto Gini. Sie war Preisträgerin beim 1. Internationalen BachAbel-Wettbewerb für Viola da gamba in
Köthen/Anhalt und bei mehreren internationalen Ensemblewettbewerben mit ihrem Gambenduo Musicke&Mirth, in
dem sie gemeinsam mit Jane Achtman musiziert. Verschiedenste Konzert- und Aufnahme-Projekte führten sie seither
durch viele Länder der Welt. Seit 2004 ist sie Dozentin für
Viola da gamba an der Leipziger Hochschule für Musik und
Theater Felix Mendelssohn Bartholdy.
Frauke Hess studierte zunächst in
Hamburg Musikwissenschaft, bevor sie
1999 ihr Gambenstudium bei Sarah
Cunningham und Hille Perl an der
Hochschule für Künste Bremen begann.
Sie ergänzte ihr Studium durch Besuche
verschiedener Meisterkurse, u.a. bei Jordi Savall, Wieland
Kuijken, Paolo Pandolfo und Vittorio Ghielmi. Seit 2000 tritt
sie als freischaffende Solistin auf den renommierten Festivals im In- und Ausland mit Gruppen wie Ensemble WeserRenaissance, Sirius Viols, Concerto Köln, Movimento, Deutsche
Kammerphilharmonie Bremen, Balthasar-Neumann-Ensemble, Cantus Cölln, Concerto Copenhagen, Freiburger Barock
Consort, Dresdner Kammerchor u.a. auf. Außerdem nahm sie
an zahlreichen CD- und Rundfunkproduktionen teil und
wirkte als Continuospielerin mit Gambe, Lirone und Violone
104 | Trigonale 2015 – Vorschau
bei Opernproduktionen mit Thomas Hengelbrock, Konrad
Junghänel, Lars-Ulrik Mortensen, Pablo Heras-Casado u.a.
mit. Sie ist Preisträgerin des 3. Internationalen TelemannWettbewerbs. 2007 schloss sie mit Auszeichnung ihre Ausbildung mit dem Konzertexamen an der Abteilung Alte
Musik Bremen bei Hille Perl ab, wo sie seitdem auch als
Lehrbeauftragte tätig ist. 2012 erschien ihre erste Solo-CD
mit Kammermusik von D. Buxtehude, C. PH. Erlebach, A.
Kühnel u.a. beim Label Coviello Classics.
Die 1977 in Buenos Aires geborene
studierte
in ihrer Heimatstadt Gitarre an der J. P.
Esnaola National School of Music bei Silvia Fernandez und Gabriel Schebor, bevor
sie 1997 in die Lautenklasse von Hopkinson Smith an der Schola Cantorum Basiliensis eintrat. Dort
erlangte sie 2001 ihr Solistendiplom. Als Solistin trat sie mit
großem Erfolg bei verschiedenen Festivals auf (u.a. Fringe
Barcelona, Junge Künstler Nürnberg, Concentus Berlin).
Evangelina spielt Continuo in verschiedenen Ensembles wie
dem Venice Baroque Orchestra, dem Ensemble Zefiro, Ensemble
415, Capriccio Basel, Ensemble Vocal de Lausanne u.a.
Auf CD hat Evangelina Musik von Silvius Leopold Weiss,
J. S. Bach und Bellerofonte Castaldi eingespielt, sowie jüngst
Musik für die jesuitische Barockharfe und Barockgitarre.
Evangelina unterrichtet Laute an der Hochschule für Musik
und Theater in München.
Evangelina Mascardi
Die Biografie von Friederike Heumann finden Sie auf Seite 73.
Trigonale 2015 – Vorschau | 105
I