Mittagsangebot

PiTa 25.10.2014
Millionen-Loch in Pinnebergs Haushalt 2015
Pinneberg
Pinneberg steckt tief in der Finanzklemme. Laut
Haushaltsentwurf rechnet die Stadtverwaltung für
2015 im laufenden Betrieb mit einem Fehlbedarf
von 6,4 Millionen Euro. Zudem müssen für Schulsanierungen und Bau der Westumgehung voraussichtlich 10,6 Millionen Euro an Krediten aufgenommen werden. Bürgermeisterin Urte Steinberg
hält die Investitionen für unerlässlich.
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Pinneberg droht 17-Millionen-Loch
Haushalt 2015: Bürgermeisterin Urte Steinberg
hält trotz kalkulierten Defizits an Westumgehung
und Schulsanierungen fest
Pinneberg
Die Pleitestadt Pinneberg rutscht immer tiefer in
die Miesen. Der Entwurf für den Haushalt 2015
weist im Ergebnisplan einen Fehlbedarf von 6,4
Millionen Euro aus. Zudem sind im investiven Bereich 10,6 Millionen Euro an neuen Krediten vorgesehen. Bürgermeisterin Urte Steinberg zeigte
sich angesichts dieses 17-Millionen-Euro-Lochs
gestern „betroffen“. Sie appelliert dennoch an die
Politik, am geplanten Bau der Westumgehung
festzuhalten. Auch die Sanierungen an Schulen
dürften keinesfalls dem Rotstift zum Opfer fallen.
Der Jahresfehlbetrag hat sich im Vergleich zum
Vorjahr annähernd verdoppelt. Steinberg spricht
dennoch von „einem Etat, bei dem wir uns auf das
Wesentliche konzentriert haben“. Notwendige
Sanierungen und der Bau der Umgehung seien
„wichtige Investitionen in die Zukunft“, so die
Rathauschefin. In anderen Bereichen, etwa bei
Straßensanierungen, sei gespart worden.
Steinberg hofft, noch im Dezember grünes Licht
von der Politik zu bekommen. Geht’s um die Genehmigung des Etats, muss Pinneberg zitternd
nach Kiel schauen. Weil die Stadt unter den finanzpolitischen Rettungsschirm des Landes geschlüpft ist, muss sie über jede Ausgabe Rechenschaft ablegen. Laut Konsolidierungsvertrag darf
die Stadt eigentlich nur 3,5 Millionen Euro an Krediten aufnehmen. Ein Rahmen, der 2015 gesprengt würde. Steinbergs Hoffnung auf Gnade
speist sich aus einem Gespräch im Innenministerium. Dort stellte sie ihre Finanzplanung Anfang Oktober vor: „Ich habe kein klares Nein gehört“, sagt
die Bürgermeisterin.
Bei den Schulsanierungen muss die Stadt im Vergleich zum ursprünglichen Plan etwa 1,5 Millionen
Euro draufsatteln. Die Westumgehung werde im
Vergleich zu ursprünglich veranschlagten 28,7 Millionen Euro voraussichtlich 31 Millionen Euro kosten. Das sei „Folge konkretisierter Planung“, so
Kämmerer Michael Artus. Ein von den Grünen geforderter Verzicht auf das Staßenbauprojekt ist für
die Stadtverwaltung kein Weg: „Wir haben bereits
Millionen investiert“, so Steinberg. Das Land hat
zugesagt, zwei Drittel der ursprünglich geplanten
Baukosten zu übernehmen – wenn die Umgehung
bis 2018 fertig gestellt ist.
Andreas Daebeler
Bürgermeisterin Urte Steinberg und Kämmerer
Michael Artus mit dem Haushaltsplan 2015. Im
November berät die Politik über das Zahlenwerk,
das Investitionen in Schulen und die Westumgehung vorsieht.
Foto: Daebeler
Kommentar
Finger weg von den Schulen!
Pinneberg steckt in der Schuldenfalle. Und das
keineswegs schuldlos! Erinnert sei daran, dass der
Landesrechnungshof vor Jahren anmahnte, die
Stadt investiere zu wenig in die Pflege ihrer Schulen. Heute ist klar, dass so städtisches Vermögen
vernichtet wurde. Das ist ein Skandal. Großspurige
Planungen für eine neue City nebst bebautem
Marktplatz und Straßenverschwenkungen – Luft-
schlösser. Teure Luftschlösser. Die Rechnung liegt
jetzt auf dem Tisch. Und diese Zeche muss bezahlt
werden. Wichtig ist, dass nicht die Unschuldigen
„bluten“. Kinder etwa, die ein Anrecht auf Bildung
in einem zeitgemäßen Umfeld haben. Also, liebe
Politiker: Finger weg von den Schulen! Deren Sanierung ist alternativlos.