Leseprobe zum Titel: Handelsblatt (12.02.2015)

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Stand: 22h00
G 02531 NR. 30 / PREIS 2,60 €
DONNERSTAG, 12. FEBRUAR 2015
DEUTSCHLANDS WIRTSCHAFTS- UND FINANZZEITUNG
2
Flug nach nirgendwo
Themen des Tages
Die Piloten der Lufthansa-Gruppe scheinen nur noch eine Sprache
zu sprechen: Streik. Viele wünschen sich von Konzernchef Spohr einen
klaren Kurs und offene Worte. Bekommt der einstige Flugkapitän die Kurve?
David Cameron hat es ganz offen
zugegeben: Die britische Regierung spielt bereits Szenarien für einen Austritt Griechenlands aus
dem Euro durch. Der sogenannte
Grexit beschäftigt aber nicht nur
die europäische Politik. Auch internationale Banken und natürlich die
deutsche Industrie haben Pläne für
den Fall entworfen. Wie gut fühlen
sie sich gewappnet? Seite 8
Die Wirtschaft wappnet
sich für den Grexit
Jens Koenen
Frankfurt
RAG-Stiftung forciert
ihre Einkaufstour
Um genügend Vermögen für die
Abwicklung des Steinkohlenbergbaus aufzubauen, ist die RAG-Stiftung seit einiger Zeit auf Einkaufstour. Zugleich will sie die Abhängigkeit von ihrem größten Asset,
dem Chemiekonzern Evonik, verringern. Daher hat sie jetzt eine neue
Umtauschanleihe auf Evonik-Aktien
über 500 Millionen Euro aufgelegt.
Damit soll die zweite Stufe der Firmenzukäufe finanziert werden.
Trotz Nullkupons reißen sich Investoren um die Titel. Seite 16
ZB
Lufthansa-Chef
Carsten Spohr:
Die Zeit drängt,
der Druck steigt.
streckenjets von Lufthansa auf die
Tochter Cityline über tragen:
Kosteneffekt minus 20 Prozent.
Doch die Zukunft des größten
Sorgenkinds, des Passagiergeschäfts Marke „Lufthansa“, ist tat-
Britisches Vorbild
Operatives Ergebnis in Mio. Euro
2013
2014
Jan. bis Sept.
+201 %
+28 %
1 048
849
663
348
IAG
British Airways, Iberia u.a.
Lufthansa
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S
treik ist fast zur Routine
geworden bei den Piloten
der Lufthansa-Gruppe.
Schon zum elften Mal innerhalb eines knappen
Jahres legen sie im Streit um ihre Altersversorgung die Arbeit nieder.
An diesem Donnerstag und Freitag
sind es die Flugzeugführer der Lufthansa-Billigtochter Germanwings.
Es könnte noch schlimmer kommen – sollten die Piloten unbefristet
streiken. Die Gewerkschaft holt sich
derzeit Rückendeckung für den Arbeitskampf. Die Zustimmung sei
groß, berichten Insider. Zwar sehen
viele Piloten das Geschacher um eine recht komfortable Vorruhestandsregelung kritisch, doch sie alle eint der Frust über den Kurs von
Lufthansa-Chef Carsten Spohr.
Der einstige Pilot, seit Mai 2014
im Chefsessel, steht im Verdacht, einen Flug ins Nirgendwo zu verantworten. Den Kritikern fehlt eine
konkrete Ansage, wohin die Lufthansa mit ihrem Vorstandsbereich
Passage will – und wie viele Piloten
nötig sind. Bei British Airways dagegen kommunizierte die Führung,
500 Jobs seien zu viel. „Uns fehlt
das große Bild, die Vision, wo Herr
Spohr hinwill“, so ein Kapitän.
Lufthansa dementiert: Ihr Vorstandschef habe in seinen knapp
zehn Monaten in vielen Punkten radikal Position bezogen. So will er
unter dem Namen Eurowings eine
Billigplattform für Kurz- sowie ausgewählte Langstreckenflüge etablieren. Und unter dem Codenamen
„Jump“ werden acht Airbus-Lang-
sächlich noch ungewiss. „Man hat
uns zwar mitgeteilt, die Kernmarke
Lufthansa produziere 30 bis 40
Prozent zu teuer“, sagt Markus
Wahl von der Pilotengewerkschaft
Vereinigung Cockpit. „Aber auf unsere Frage, was man sich vorstelle,
hieß es: Das werde gerade erarbeitet.“ Am 19. Februar will das Passage-Management Genaueres sagen.
Die Zeit drängt. Der Druck auf
Spohr steigt. Sogar das ein oder andere Aufsichtsratsmitglied wünscht
sich eine klarere Kommunikation.
„Herr Spohr hat die absolute Rückendeckung der Kapitalseite.
Aber er hält sich derzeit zu bedeckt, wenn es darum geht, den
Mitarbeitern reinen Wein einzuschenken“, erzählen Kenner des
Kontrollgremiums. Ähnlich sieht es
Berater Gerald Wissel von Airborne
Consulting: „Die Erfahrung zeigt,
dass es am besten ist, völlig offen
mit den Mitarbeitern zu kommunizieren, wie ihr Unternehmen in
fünf Jahren aussieht.“ Das belege
der Sanierungserfolg von British
Airways, heute mit Iberia fusioniert
in der International Airlines Group.
Derzeit entfernen sich Mitarbeiter
und Management bei Lufthansa immer weiter voneinander: LufthansaChefs spielen das Szenario unbefristeter Streik durch. „Im März könnte
das drohen“, sagt ein Manager. Die
Pilotengewerkschaft hält sich bedeckt. „Wir prüfen alle Optionen“,
sagt Vorstand Wahl. „Ein unbefristeter Streik zählt dazu.“
Unruhe bei Lufthansa Seiten 4 - 5
Merkels Friedensmission
Zum Vierer-Gipfel in Minsk reisen auch die prorussischen Separatistenführer an.
Mathias Brüggmann, Thomas Sigmund
Berlin
A
m späten Mittwochabend gab es in Minsk
erste vorsichtige Meldungen über eine
Annäherung im Ukraine-Streit. Nach
übereinstimmenden Erklärungen aus dem Lager des gastgebenden weißrussischen Staatschefs Alexander Lukaschenko und der ukrainischen Delegation zeichnete sich eine gemeinsame Erklärung der Teilnehmer ab.
Zuvor hatten Kanzlerin Angela Merkel,
Kremlchef Wladimir Putin, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der französische
Staatschef François Hollande in kleiner Runde
über eine Friedenslösung in der Ostukraine beraten. Später baten sie ihre Außenminister dazu.
Erwartet wurde, dass über eine Feuerpause und
den Rückzug schwerer Waffen aus dem Kriegsgebiet verhandelt wird. Poroschenko hatte zuvor
mit einer Verhängung des Kriegsrechts gedroht,
sollten die Minsker Gespräche scheitern.
Überraschend reisten auch die prorussischen
Separatistenführer Alexander Sachartschenko
und Igor Plotnizki nach Minsk. Welche Rolle sie
dort spielen würden, war zunächst unklar. Sollte es zu einem Verhandlungserfolg kommen,
seien die beiden zur Unterschrift eines Abkommens bereit, sagte Separatistensprecher Andrej
Purgin in Donezk. Die Führung in Kiew lehnt
direkte Gespräche mit den Aufständischen ab.
Bericht Seite 8
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Infineon: Gut, aber
nicht gut genug
Vor zweieinhalb Jahren hat Reinhard Ploss die Führung bei
Deutschlands größtem Chiphersteller übernommen. Er macht seine Sache gut, es geht aufwärts.
Doch nach wie vor rennt Infineon
den eigenen Renditezielen hinterher. Der Handelsblatt-Bilanzcheck
deckt einige Schwächen des Münchener Konzerns auf. Seite 20
Deutsche Banken
plagen neue Ängste
Kaum haben die europäischen
Geldhäuser den Stresstest der
Europäischen Zentralbank (EZB)
überstanden, geht das Zittern vor
den Aufsehern bereits in die
nächste Runde. Obwohl die
Anforderungen an die Kapitalpuffer der Banken für Notfälle bereits deutlich verschärft wurden,
gibt es in den Chefetagen neue
Bedenken, die Zügel würden weiter gestrafft. Seite 26
Der seltsame Fall
des Hauses Penell
Ein Kupferschatz, ein überforderter
Firmenchef und eine alte Dame,
die nicht loslassen kann: Was nach
den Zutaten für einen schlechten
Krimi klingt, soll zur Pleite des
Elektro-Großhändlers Penell geführt haben. Das lässt zumindest
ein interner Bericht vermuten. Eine
Spurensuche. Seite 28