Medienmitteilung ETH-Rat vom 22. Mai 2015

MEDIENMITTEILUNG
Sitzung des ETH-Rats vom 20./21. Mai 2015
Stipendienwesen: ETH-Rat unterstützt Harmonisierungsbestrebungen von Bund und Kantonen
Im Schweizer Stipendienwesen besteht Harmonisierungsbedarf. Der ETH-Rat unterstützt deshalb
die aktuellen Harmonisierungsbestrebungen von Bund und Kantonen. Er hat gleichzeitig
Verständnis für die Anliegen der Stipendieninitiative des Verbandes der Schweizer Studierenden
VSS. Angesichts der zu erwartenden Mehrkosten der Initiative zulasten der Bildungs- und
Forschungsbudgets überwiegen nach Auffassung des ETH-Rats jedoch die Nachteile der
Initiative. An seiner Sitzung hat sich der ETH-Rat des Weiteren mit ForschungsinfrastrukturProjekten von nationaler Bedeutung befasst und die Nachfolgeplanung für die Präsidentschaft
der EPFL weiter konkretisiert. Dr. Christian Zurbrügg wurde als neues Direktionsmitglied der
Eawag ernannt.
Bern/Zürich, 22. Mai 2015 – Der ETH-Rat hat sich wiederholt mit den Harmonisierungsbemühungen im
Schweizer Stipendienwesen auseinandergesetzt. Hinsichtlich der am 14. Juni 2015 zur Abstimmung
gelangenden Stipendieninitiative äussert der ETH-Rat Verständnis für das Anliegen der Initiantinnen und
Initianten, zumal auch aus Sicht des ETH-Rats Handlungsbedarf im Schweizer Stipendienwesen besteht.
Stipendieninitiative: Legitimes Anliegen, aber Nachteile überwiegen
Nach Auffassung des ETH-Rats überwiegen jedoch die Nachteile der Initiative gegenüber dem indirekten
Gegenvorschlag des Parlaments, welcher bei Ablehnung der Initiative in Kraft treten kann. Als kritisch
erachtet der ETH-Rat namentlich, dass gemäss Berechnungen des VSS eine Annahme der Initiative
jährlich Mehrkosten von über 500 Millionen Franken zur Folge haben könnte. Diese Mittel würden dann
an anderer Stelle im Bildungsbereich sowie bei anderen Aufgaben fehlen. Demgegenüber ist der
indirekte Gegenvorschlag des Parlaments ein Schritt in die richtige Richtung, und auch das erst kürzlich
in Kraft getretene kantonale Stipendienkonkordat soll sich nun bewähren. Gegenvorschlag und
Konkordat fördern die Harmonisierung zwischen den Kantonen und tragen zur Vereinheitlichung
gewisser Grundsätze im Stipendienwesen bei. Unterschiede bleiben jedoch bestehen. Deshalb sind
zusätzliche Harmonisierungsbemühungen bei der Stipendienhöhe und ein verstärktes finanzielles
Engagement des Bundes weiterhin erstrebenswert.
Initiative für Datenwissenschaften lanciert
Der ETH-Rat hat einen Grundsatzentscheid zum Aufbau eines nationalen Data Science Centers gefällt.
Zur wissenschaftlichen Nutzung und sicheren Handhabung von riesigen Datenmengen («Big Data») will
der ETH-Bereich die Verantwortung zum Aufbau eines solchen Data Science Center übernehmen. In der
Schweiz fehlen zunehmend die Kapazitäten, die Expertise und das geschulte Personal, um die in
Wissenschaft und Forschung rasant wachsenden Datenmengen wissenschaftlich auszuwerten und zu
nutzen. Das Data Science Center soll innerhalb der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL)
und der ETH Zürich aufgebaut werden. Es wird aus einem interdisziplinären Team von Daten- und
Computerwissenschaftlern bestehen und der gesamten Forschungsgemeinschaft in der Schweiz zur
Verfügung stehen.
Teil der vom ETH-Rat beschlossenen Initiative ist auch der Aufbau entsprechender Studiengänge in
Datenwissenschaften an der EPFL und der ETH Zürich. Die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung
dieser Initiative wird im Wesentlichen durch das Budget des ETH-Bereichs bestimmt, welches Bundesrat
und Parlament im kommenden Jahr für die Periode 2017-2020 festlegen.
Grossprojekt SwissFEL auf Kurs
Mit Befriedigung hat der ETH-Rat den Fortschrittsbericht zum Bau der neuen Grossforschungsanlage
SwissFEL des PSI in Würenlingen zur Kenntnis genommen. Gemäss heutigem Stand kann das
technisch äusserst komplexe Projekt innerhalb des geplanten Budgetrahmens von CHF 275 Mio.
realisiert und Ende 2016 in Betrieb genommen werden. Mit dem SwissFEL steht in der Schweiz
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inskünftig der Forschungsgemeinschaft in Wissenschaft und Industrie eine Röntgenlichtquelle zur
Verfügung, wie sie in dieser Art weltweit derzeit nur gerade in zwei anderen Anlagen (USA und Japan)
vorhanden ist. Damit kann die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz nachhaltig
gestärkt werden.
Nachfolge EPFL-Präsident: Stellenausschreibung im Juni
Im Findungsverfahren für die Nachfolge des Ende 2016 abtretenden EPFL-Präsidenten Prof. Dr. Patrick
Aebischer hat der ETH-Rat seine Arbeiten aufgenommen. So hat der Präsident ETH-Rat aus dem Kreis
der EPFL-Professorenschaft Prof. Aude Billard und Prof. Thomas Rizzo als Beisitzende mit beratender
Stimme für das gesamte Findungsverfahren ernannt. Des Weiteren wurde das Anforderungsprofil der
neuen Präsidentin oder des neuen Präsidenten festgelegt, nachdem hierzu namentlich die Hochschulversammlung sowie die Professoren-Vereinigung APEL der EPFL konsultiert wurden. Die öffentliche
Ausschreibung der Stelle erfolgt Anfang Juni. Angestrebt wird ein Stellenantritt per 1. Januar 2017.
Christian Zurbrügg neues Direktionsmitglied Eawag
Auf Antrag der Direktorin der Eawag, Prof. Dr. Janet Hering, hat der ETH-Rat Dr. Christian Zurbrügg
(*1962) als neues Mitglied der Direktion ernannt. Christian Zurbrügg tritt per 1. August 2015 die
Nachfolge von Prof. Dr. Peter Reichert an, der sein Amt per Ende Juli 2015 abgibt. Christian Zurbrügg ist
Senior-Wissenschaftler der Eawag und seit 2004 Leiter der Abteilung Wasser und Siedlungshygiene in
Entwicklungsländern. Er ist Lehrbeauftragter an der ETH Zürich und unterstützt die Lehre an weiteren
Universitäten und an Fachhochschulen. An der EPFL koordiniert er die Massive Open Online CourseSerie der Eawag «WASH in Developing Countries». Christian Zurbrügg wird den für die Eawag wichtigen
Bereich der Entwicklungszusammenarbeit bezüglich Siedlungshygiene und Wasser in der Direktion
stärken.
Für die Wahlgeschäfte vgl. die separate Medienmitteilung des ETH-Rats
(Publikation 22. Mai 2015, ca. 14:00 Uhr).
Auskünfte
Alex Biscaro, Leiter Kommunikation
Telefon +41 (0)44 632 20 03
[email protected]
ETH-Rat, Häldeliweg 15, CH-8092 Zürich, www.ethrat.ch
Der ETH-Rat ist das strategische Führungs- und Aufsichtsorgan des ETH-Bereichs. Den ETH-Bereich bilden die beiden
Eidgenössischen Technischen Hochschulen ETH Zürich und EPFL sowie die vier Eidgenössischen Forschungsanstalten PSI, WSL,
Empa und Eawag. Die Mitglieder des ETH-Rats werden vom schweizerischen Bundesrat gewählt. Der ETH-Rat überwacht die
Entwicklungspläne der Institutionen, gestaltet das strategische Controlling und stellt die Koordination sicher. Er erstellt für den
Haushalt des ETH-Bereichs den Voranschlag und die Rechnung und koordiniert die Bewirtschaftung sowie die Wert- und
Funktionserhaltung der Grundstücke. Er ist Ernennungsbehörde und vertritt den ETH-Bereich gegenüber den Behörden des
Bundes. Ein Stab unterstützt den ETH-Rat bei der Vorbereitung und Umsetzung seiner Geschäfte.
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