der Presseaussendung

Presseinformation
ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN
12.05.2015
Zukunftstechnologien der Elektrizitätswirtschaft bewähren sich in der Praxis
Innovation und Forschung von Österreichs E-Wirtschaft in vielen Bereichen beispielgebend
Technologien der Energiewende in der Elektrizitätswirtschaft gehen weit über
Investitionen in Ökostromanlagen und neue Netze hinaus. „ Energiewende bedeutet
mehr als der Ersatz fossiler Brennstoffe durch Erneuerbare Energien. Energiewende
bedeutet einen Paradigmenwechsel“, erklärt Leonhard Schitter, Vorsitzender
Oesterreichs Energie Forschung und Innovation und Vorstand Salzburg AG für
Energie, Verkehr und Telekommunikation.
Viele Zukunftstechnologien der E-Wirtschaft haben den Praxistest bereits bestanden. Das
zeigen Anwendungsbeispiele des Energieunternehmens Mainova mit Sitz in Frankfurt/Main,
das schon seit längerem auf innovative Technologien setzt. „Unsere Erfahrungen mit den
eingesetzten Technologien sind sehr ermutigend“, erklärte Peter Birkner, der im Vorstand
des Unternehmens für die gesamte Technik und das Innovationsmanagement verantwortlich
ist. „Die Unternehmen der österreichischen E-Wirtschaft, die mit ihren Projekten auf
europäischem Top-Niveau agieren sind beispielgebend in vielen Bereichen“, stellte Barbara
Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, fest. Das gilt insbesondere für
Speichertechnologien und smarte Systeme, so Schmidt. Schitter und Schmidt betonten in
diesem Zusammenhang die Bedeutung des Erfahrungsaustauschs innerhalb der
E-Wirtschaft und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Innovationsbereich.
Österreichs E-Wirtschaft setzt auf Strom-Innovation
Österreichs E-Wirtschaft setzt seit langem auf innovative Technologien, die bei einer Reihe
von Unternehmen bereits im kommerziellen Einsatz oder zumindest in großen
Feldversuchen stehen. Schitter: „Österreichs E-Wirtschaft ist in wesentlichen Bereichen der
Energieforschung und bei innovativen Anwendungen Europaspitze und profitiert zudem von
der Vernetzung der Forschungstätigkeit im Rahmen von Oesterreichs Energie Forschung
und Innovation.“ Die gemeinsam finanzierten Projekte werden in enger Abstimmung
beschlossen und die Ergebnisse stehen allen Mitgliedern zur Verfügung. Zudem können
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über die Forschungsgemeinschaft große Vorhaben durchgeführt werden, die einzelne
Unternehmen überfordern würden.
„Die Energiewirtschaft wird sich in den kommenden Jahren durch die Trends zu
erneuerbarer Energie und Energieeffizienz, aber auch durch die IKT-Revolution und
Digitalisierung stark verändern“, so Schitter. Studien gingen davon aus, dass 2020 rund 50
Mrd. Gegenstände miteinander vernetzt sein werden. Das bedeute für die Energiewirtschaft
zum Beispiel, dass in Zukunft die Wärmepumpe in einem Haushalt in der Lage sein muss,
Informationen über den optimalen Einsatzzeitpunkt vom Netzbetreiber zu erhalten.
Die Versorgungssicherheit in Österreich muss in der Zukunft ebenfalls in diesem
Zusammenhang abgesichert werden. Schitter: „Themen sind die Verknüpfung von
intelligenter Vernetzung, optimaler Steuerung sowie leicht bedienbare Instrumente für
unsere Kunden.“ Mit verstärktem Einsatz muss die E-Wirtschaft jetzt und kontinuierlich
Smart Grid-Projekte weiterentwickeln. Für den Ausbau der Smart Grid-Technologie fordert
Schitter unter anderem verstärkte Anreize für Smart Grid-Investitionen und smarte
Dienstleistungen zu schaffen. Beispiele für Smart Grid-Projekte in Österreich sind unter
anderem die Vorarlberger Smart-Grid-Region „Großes Walsertal“ und die „Rosa ZukunftWohnanlage“ in Salzburg.
Strom-Innovationen sind Schlüsseltechnologien der Energiezukunft und von entscheidender
Bedeutung für die Sicherung des Industrie- und Wirtschaftsstandorts sowie die
Lebensqualität, denn mit dem Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien muss die
Effizienz des Endenergieeinsatzes verdoppelt werden. Oesterreichs Energie fordert daher
eine Zukunftsoffensive zur Intensivierung im Bereich der Energieforschung.
Rahmenbedingungen und Anreizsysteme verbessern
Um Zukunftsinvestitionen abzusichern sieht Schitter den Bedarf nach einer Verbesserung
der Rahmenbedingungen und Anreizsysteme: „Für mich ist Wasserkraft die wirtschaftlichste
Form der erneuerbaren Stromerzeugung über den gesamten Lebenszyklus. Dies wird
meines Erachtens auch so bleiben, nur leider lassen sich mit den aktuellen
Rahmenbedingungen Kraftwerksprojekte kaum wirtschaftlich darstellen. Beim Bau von
Wasserkraftprojekten werden dringend bundesweite Anreizsysteme benötigt um ein Projekt
in dieser Größenordnung und in dieser Bedeutung für Österreich überhaupt realisieren zu
können.“ Wie auch in Deutschland sollte eine temporäre Befreiung von
Systemnutzungsentgelten für alle Kraftwerke über 5 MW umgesetzt werden. Schitter: „Damit
fördern wir den Ausbau von Wasserkraftanlagen und können auch in Zukunft sauberen
Strom für die Österreicherinnen und Österreicher garantieren.“
Projektvielfalt in Österreichs Regionen
Kennzeichnend für Österreichs E-Wirtschaft ist die Projektvielfalt, die unter anderem durch
die verschiedenen Anforderungen in den einzelnen topografisch doch sehr unterschiedlichen
Regionen entsteht, erklärte Barbara Schmidt. Die Schwerpunkte des Jahres 2014 lagen im
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Bereich umweltfreundliche, treibhausgasreduzierende Energiesysteme, Energieeffizienz,
erneuerbare Energiequellen, ökonomische und ökologische Aspekte der Energienutzung,
Analyse des rechtlichen, ordnungspolitischen Rahmens und in der Weiterentwicklung der
Netzinfrastruktur hin zu smarten Systemen.
Herausragende Projekte von Oesterreichs Energie Forschung und Innovation in den
vergangenen Jahren waren Studien zum Thema Power-to-Gas, zu Fragen der IKTSicherheit und zu den wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen eines neuen
Treibhausgas-Ziel bis 2030. Thematisiert wurden hier insbesondere die Betroffenheit der
E-Wirtschaft, aber auch der Gesamtwirtschaft. Schmidt: „Darüber hinaus sind die rund 140
Mitgliedsunternehmen von Oesterreichs Energie in einem breiten Spektrum von Innovationsund Forschungsaktivitäten tätig.“
Steigende Ökostromerzeugung als Motor der Entwicklung
Der Bedarf an neuen Energietechnologien wird nicht nur durch die technologische
Entwicklung, sondern auch durch die Umwälzung des Systems der Stromversorgung durch
die Energiewende befeuert. Durch den raschen Ausbau der fluktuierenden erneuerbaren
Energien entstehen wachsende Herausforderungen für den Strommarkt und die Erhaltung
der Systemstabilität. Derzeit stammen in Deutschland 26 Prozent Strom aus Fotovoltaik und
Wind. Deutsche Marktexperten erwarten, dass die Preise und die verfügbaren Strommengen
immer stärker schwanken werden. Wenn in den kommenden Jahrzehnten aus diesen
fluktuierenden Quellen die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien die Höhe des
Verbrauchs erreichen wird, erwarten Experten an bis zu 3000 Stunden des Jahres einen
Strompreis von Null. Dann werde man die neuen Technologien unbedingt benötigen, um die
strukturelle Stabilität der Stromversorgung zu erhalten.
Energieforschung ist in Österreich nach wie vor zu gering dotiert. Die Ausgaben der
öffentlichen Hand für Energieforschung in Österreich lagen 2013 mit 124,6 Mio. Euro nur um
ca. 4,5 Mio. Euro über dem Betrag von 2012. Schwerpunktthemen der Energieforschung der
letzten Jahre waren Energieeffizienz, erneuerbare Energieträger sowie Übertragung und
Speicher. Etwa drei Viertel der Ausgaben stellten wie bisher direkte Finanzierungen durch
Förderstellen dar, den verbleibenden Anteil von rund einem Viertel machte die mit Bundesbzw. Landesmitteln grundfinanzierte Eigenforschung an Forschungseinrichtungen aus. Die
Forschungsausgaben im Rahmen von Oesterreichs Energie Forschung und Innovation
lagen 2014 bei rund 20 Millionen Euro, das entspricht etwa 20 Prozent der gesamten
Energieforschung in Österreich.
Zukunftstechnologien im Einsatz bei Mainova
Für die Verwendung von überschüssigem Strom bieten sich Technologien wie Power-toHeat und Power-to-Gas an. Mainova-Technikvorstand Birkner: „Erst vor wenigen Wochen
nahm Mainova im Frankfurter Heizkraftwerk Niederrad eine 1,2 Mio. € teure „Power-toHeat“-Anlage in Betrieb, die aus temporär überschüssigem Ökostrom wirtschaftlich
Fernwärme erzeugen kann.“ In dem Gerät wird Wasser mit einem Druck von bis zu 14 bar
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auf bis zu 130° C erhitzt und anschließend direkt ins Frankfurter Fernwärmenetz eingespeist.
Durch die zwei U-förmig angeordneten, etwa 7,5 m langen Rohre mit ihren 50 cm
Durchmesser fließen üblicherweise rund 200 bis 350 m3 Wasser pro Stunde. In den beiden
Rohren sind je zwei Heizeinsätze mit je rund 100 Heizstäben enthalten. Versorgt wird mit der
neuen Anlage primär der Flughafen Frankfurt. Während des Sommers kann sie dessen
Wärmebedarf zu etwa einem Drittel decken und damit die Verbrennung von rund 800 l
Heizöl pro Stunde samt den damit verbundenen CO2-Emissionen vermeiden. Die Anlage mit
einer (thermischen) Höchstleistung von acht MW kommt immer dann zum Einsatz, wenn
mehr Ökostrom in die deutschen Netze eingespeist wird, als gerade benötigt wird. Da die
Power-to-Heat-Anlage hochdynamisch ist, kann sie zudem Regelenergie bereitstellen. Damit
lässt sich sowohl das Stromnetz stabilisieren als auch die mit Förderungen auf Basis des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erzeugte Elektrizität sinnvoll nutzen. Birkner:
„Power-to-Heat ist eine ausgereifte Technologie, die als Ergänzung zur Kraft-WärmeKopplung eingesetzt wird, die Flexibilität der Stromerzeugung deutlich erhöht und zudem
den urbanen Raum zu einem Pufferspeicher der erneuerbaren Energien macht.“
Auch bei der Ökostromerzeugung geht die Mainova neue Wege. Bereits seit Oktober 2012
betreibt sie eine Versuchsanlage, in der organische Solarzellen zum Einsatz kommen.
Anders als kristalline Solarzellen auf Basis von Silizium können die organischen Materialien
auf Basis von Kohlenstoff auch aus diffusem Licht elektrische Energie produzieren. Auch
lassen sich die semi-transparenten Kunststofffolien baulich erheblich flexibler einsetzen als
die herkömmlichen starren Fotovoltaikmodule. In ihrer Pilotanlage hat die Mainova neun
rechteckige mit durchsichtiger Kunststofffolie bespannte Elemente eingesetzt. Bisher
werden die vom Hersteller zugesagten Parameter eingehalten und es treten keine
Degenerierungseffekte auf. Die Pilotanlage arbeitet mit einem Wirkungsgrad von etwa 3 %.
Mittlerweile werden organische Solarzellen in Kleinserien mit einem Wirkungsgrad von 5 %
und einer Lebensdauer von 20 Jahren produziert. Das Potential dieser Technologie ist bei
weitem noch nicht ausgeschöpft.
Power-to-Gas-Anlage bewährt sich
Bereits seit etwa einem Jahr in Betrieb ist die Power-to-Gas-Versuchsanlage der Thüga,
München, die ebenso wie die Power-to-Heat- Anlage der (Öko-)Stromspeicherung dient. Sie
spaltet mittels Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff und wird von Mainova
betrieben. Der Wasserstoff wird ins Erdgasnetz eingespeist. Der maximale Anteil liegt bei
zwei Volumenprozenten. Nach Angaben der Mainova liegt der Wirkungsgrad bei bis zu 77
Prozent. Birkner: „Dies übertrifft unsere Erwartungen und ist für eine First-of-its-kind-Anlage
ein hervorragender Wert.“ Das Kernstück der Apparatur ist der mit Protonen-AustauschMembranen(PEM) ausgestattete Elektrolyseur, der mit (Öko)Strom das Wasser spaltet und
auf diese Weise nicht direkt speicherbare elektrische Energie in direkt speicherbare
chemisch gebundene Energie umwandelt. Pro Stunde erzeugt der Elektrolyseur etwa 60 m³
Wasserstoff. Das ermöglicht, bis zu 3 000 m³ mit Wasserstoff angereichertes Erdgas in das
Netz einzuspeisen. Aktuell wird geprüft, wie die Versuchsanlage künftig für die
Methanerzeugung erweitert werden kann.
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Laut Mainova könnte das deutsche Gasnetz bei einem Wasserstoffanteil von 5 % den
überschüssigen Windstrom Deutschlands von bis zu 30 Tagen speichern.
Neben der Stromerzeugung und -speicherung ist auch die zukunftsfähige Verteilung
elektrischer Energie ein wichtiges Thema für die Mainova. Seit 2012 läuft das Smart-GridProjekt „intelligentes Ortsnetzsystem“ (iNES). Bis Ende 2014 dienten die im Zuge des
Projekts installierten 15 Messstationen in zwei Netzgebieten ausschließlich dazu, das Netz
zu überwachen. In den vergangenen Monaten begann die Mainova, die iNES-Komponenten
auch für die autonome Netzsteuerung vor Ort zu nutzen. Dass dies prinzipiell möglich ist,
wies das Unternehmen in einem Belastungstest, in dem eine hohe regenerative Erzeugung
nachgebildet wurde, nach.
Mit den dargestellten Elementen, Power-to-Heat, Power-to-Gas sowie organischen Solarzellen
und der Smart Grid-Lösung iNES sind wichtige Elemente der technischen Umsetzung der
Energiewende in der Praxis angekommen.
Über Oesterreichs Energie
Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber
Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Als erste Anlaufstelle in Energiefragen arbeiten wir eng mit politischen Institutionen,
Behörden und Verbänden zusammen und informieren die Öffentlichkeit über Themen der Elektrizitätsbranche.
Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000 Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen
Stroms und betreiben die Transport- und Verteilnetze Österreichs. Die Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs
Energie erreichte 2013 rund 65 Milliarden Kilowattstunden, davon 65 Prozent aus nachhaltiger Wasserkraft.
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Rückfragehinweis
Ernst Brandstetter
Pressesprecher Oesterreichs Energie
Österreichs E-Wirtschaft
Brahmsplatz 3, A-1040 Wien
Tel.: +43 1 50198 260
Mobil: +43 676 845 019 260
E-Mail: [email protected]
www.oesterreichsenergie.at
Dr. Thomas Breuer
Leiter Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Mainova AG
Solmstraße 38, D-60623 Frankfurt
Tel.: +49 69 213 25491
Mobil: +49 151 122 95 469
E-Mail: [email protected]
www.mainova.de
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