KVB FORUM Ausgabe 1-2.2016 - Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

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KV B Int e r n
Noch mehr Land.in.Sicht
Das von der KVB geförderte Nachwuchsprogramm Land.in.Sicht, bei dem
Medizinstudierende aus ganz Deutschland in ländlichen Regionen Bayerns
erste Erfahrungen in der ambulanten medizinischen Versorgung in Form einer
Famulatur sammeln können, wird fortgeführt und ausgeweitet.
I
Ein Plakat, das
man nicht übersehen kann:
Mit einem Kuhfell werben die
Projektbeteiligten für das Förderprogramm
Land.in.Sicht.
m Rahmen des zunächst als
Pilotprojekt gestarteten Programms (wir berichteten), wurden in den vorlesungsfreien Zeiten
2014 und 2014/2015 alle 35 geförderten haus- und fachärztlichen
Famulaturplätze vermittelt. Die hohe Nachfrage durch die Studierenden bei der für die Platzvergabe
zuständigen Bundesvertretung der
Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) und die durchweg positiven Rückmeldungen der
freiwilligen Gastgeberpraxen haben gezeigt, dass das Konzept von
Land.in.Sicht eine wertvolle Bereicherung auf dem Gebiet der Nachwuchsförderung ist.
Hauptziel des Projektes ist es, Medizinstudierenden durch eigene,
von engagierten Landärzten begleitete Erfahrungen die positiven Seiten der ärztlichen Tätigkeit außerhalb der Ballungszentren aufzuzeigen und Vorurteilen entgegenzutreten.
Die abschließende Auswertung der
Pilotphase hat verdeutlicht, dass
sich 94,3 Prozent der Famuli nach
der Programmteilnahme „besser“
oder sogar „viel besser als zuvor“
vorstellen können, nach Abschluss
ihrer Ausbildung ambulant tätig zu
werden. Die Fachrichtung der Gastgeberpraxis zu wählen, können sich
88,6 Prozent der Teilnehmer „besser“ oder sogar „viel besser als
zuvor“ vorstellen. Alle Teilnehmer
gaben an, ihr medizinisches Wissen durch die Famulatur erweitert
zu haben. Bei den praktischen
Fertigkeiten gaben dies 94,3 Prozent an.
Das begeisterte Fazit der teilnehmenden Medizinstudenten spiegelt
sich insbesondere in den Evaluationsberichten wider, die auf der Internetseite der bvmd unter http://
landinsicht.nohl-deryk.de veröffentlicht wurden. Die Famulaturberichte sind nicht nur ein echtes
Kompliment an alle Gastgeberpraxen, sie vermitteln auch einen deutlichen Eindruck der gesammelten
Erfahrungen und mitunter veränderten Perspektiven der Famuli
zur Landarzttätigkeit.
Auch aufseiten der gastgebenden
Praxen ist die Meinung zu Land.
in.Sicht sehr gut. Alle Gastgeberpraxen zeigten sich mit dem Ablauf der Famulatur „zufrieden“,
94,1 Prozent waren sogar „sehr
zufrieden“. Zum gesamten Programm äußerten sich 88,2 Prozent
der Praxen mit „sehr zufrieden“,
5,9 Prozent mit „zufrieden“.
Im Studienjahr 2015/2016 wird
das Nachwuchsförderprogramm
Land.in.Sicht in Bayern fortgesetzt. Die Anzahl der geförderten
Plätze wird mit Hilfe einer finanziellen Beteiligung durch den Bayerischen Hausärzteverband von 35
auf 45 erhöht. Die KVen von Thüringen und Rheinland-Pfalz bieten
ab diesem Studienjahr im Rahmen
von Land.in.Sicht ebenfalls Famulaturplätze in ihren ländlichen Gebieten an. Finanzielle Unterstützung erhält die bvmd auch von der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Das auf Initiative von KVB und
bvmd gestartete Programm erweist sich somit als voller Erfolg.
Wir hoffen, dass dieser weiterhin
anhält und Land.in.Sicht auch in
weiteren Bundesländern Fuß fassen wird. Je erfolgreicher ein Nachwuchsprogramm mit diesem speziellen Fokus ist, desto deutlich
sichtbarer werden die schönen
Seiten der vertragsärztlichen Tätigkeit auf dem Land.
Manuel Friedenberger,
Lisa Huschke (beide KVB)
K V B F O R U M 1 -2/2016
K V B Int e r n
Von Bonn nach Krumbach und zurück
fern hatten einen festen Platz im
Praxisalltag und haben sich mit
dem regulären Sprechstundenablauf abgewechselt. Wie erwartet,
gab es einen sehr engen Kontakt
zwischen Ärzten und Patienten,
die ja in der Regel bereits über einen langen Zeitraum von der Praxis begleitet werden.
Pia Zapka studiert im siebten Fachsemester Medizin am Universitätsklinikum Bonn. Vor Kurzem hat die
28-Jährige im Rahmen des Projekts Land.in.Sicht eine Famulatur
in der Gemeinschaftspraxis von
Dr. med. Max Drexel, Dr. med.
Reiner Posch und Dr. med. Maximilian Sedlmeier in Krumbach absolviert. Nach ihrer Rückkehr in
die ehemalige Bundeshauptstadt
hat KVB FORUM nachgehakt.
Frau Zapka, wie haben Sie Ihre
Famulatur in der Krumbacher
Gemeinschaftspraxis Drs.
Drexel, Posch, Sedlmeier erlebt? Und hat der Aufenthalt Ihren Vorstellungen entsprochen?
Für mich war die Famulatur in dieser Praxis sehr bereichernd. Ich
habe meine Tätigkeit als äußerst
abwechslungsreich empfunden und
hatte viel Gelegenheit, eigenständig zu arbeiten.
Zuvor war das Landarztdasein in
meiner Vorstellung eng mit angestaubtem Arztkoffer und vielen
Hausbesuchen verbunden gewesen. Das mit den Hausbesuchen
stimmt, aber es hat sich herausgestellt, dass sich dies durchaus sehr
gut mit einer hochmodernen Gemeinschaftspraxis vereinbaren
lässt. Die Hausbesuche in Krumbach und den umliegenden Dör-
Was hat Ihnen im Rahmen der
Famulatur am besten gefallen?
Was hätten Sie sich anders gewünscht?
Am besten gefallen hat mir zum
einen der Umgang mit den Patienten, der davon geprägt war, dass
sich Ärzte und Patienten eben schon
jahrelang kennen. Und zum anderen der Einblick in das Leben der
Menschen, den ich durch die Hausbesuche bekommen habe.
Darüber hinaus hat es mir sehr viel
Spaß gemacht, mich jeden Tag in
Anamnese und körperlicher Untersuchung üben und zunehmend
mehr Verantwortung übernehmen
zu dürfen. Die Ärzte der Gemeinschaftspraxis waren durchweg
sehr engagiert und haben sich viel
Zeit für mich genommen. Ich hätte
mir für meine Landarztfamulatur
wirklich nichts anders gewünscht
– höchstens noch mehr Zeit!
Hat sich durch die Famulatur Ihre
Sichtweise bezüglich einer ambulanten Tätigkeit auf dem Land
geändert?
abwechslungsreiche Tätigkeit überzeugen mich und lassen diese Option jetzt nach der Famulatur noch
reizvoller erscheinen.
Gibt es für Sie trotzdem Argumente, die gegen eine Landarzttätigkeit sprechen?
Nein, eigentlich nicht. Einzige Bedingung wäre für mich möglicherweise, dass auch mein Partner einen
Job in der entsprechenden Gegend
findet und sich ein Leben in ländlicheren Gefilden vorstellen kann.
Können Sie anderen Medizinstudierenden eine Famulatur beim
Projekt Land.in.Sicht empfehlen?
Ja, und zwar uneingeschränkt! Für
mich war es eine sehr wertvolle
Erfahrung und ich denke, es bietet
eine ausgesprochen gute Gelegenheit, sich ein eigenes Bild vom Beruf
des Landarztes zu machen und eine Gegend kennenzulernen, in der
man vielleicht noch nie war, mögliche Vorurteile abzubauen und von
sehr motivierten Ärzten zu lernen.
Zudem ist die Famulatur gut organisiert und man kann sich jederzeit mit Fragen und Problemen an
das Team von Land.in.Sicht wenden.
Frau Zapka, vielen Dank für das
Gespräch!
Interview Manuel Friedenberger (KVB)
Ambulant tätig zu sein, konnte ich
mir schon vor der Famulatur vorstellen. Ausprobieren wollte ich allerdings gerne, ob ich mich dabei
in Zukunft in einer ländlichen Gegend sehe. Die Antwort darauf lautet: „Ja, das ist gut möglich.“ Die
hohe Lebensqualität auf dem Land,
die enge Patientenbindung und die
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