Mit 13 habe ich CDU-Flyer verteilt

P R E S S E M I T T E I L U N G vom 17. April 2016
Malu Dreyer bei HIT RADIO FFH:
„Mit 13 habe ich CDU-Flyer verteilt“
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (55, SPD), war heute
(17. April, 9 bis 12 Uhr) zu Gast in der HIT RADIO FFH-Sendung „Silvia am
Sonntag“. In der Talk-Show sprach sie mit Moderatorin Silvia Stenger darüber,
wie sie zu dem Namen Malu kam, dass „Personen in der Politik immer wichtiger werden“, dass ihr Vater CDU-Anhänger war und vieles mehr.
Malu Dreyer ist seit dem 16. Januar 2013 Ministerpräsidentin von RheinlandPfalz. Vorher war sie seit 2002 Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und
Demografie im Kabinett von Kurt Beck, von 1995 bis 1997 Bürgermeisterin
von Bad Kreuznach. Bei der Landtagswahl am 16. März erhielt die SPD, für
die Malu Dreyer erstmals als Spitzenkandidatin angetreten war, die meisten
Stimmen. Zu FFH sagte Malu Dreyer: „Die Koalitionsverhandlungen laufen, sie
sind die Grundlage für fünf Jahre Regierungsarbeit und das heißt, nach ein
paar Tagen Urlaub auf Lanzarote – war auch nötig – sind wir jetzt schon wieder gut dabei.“ Über den Wahlkampf sagte sie: „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was Adrenalin wirklich ausmacht. Ich bin wie auf Wolken geflogen und
war unglaublich fit, hochmotiviert. Es hat mich getragen, auch weil viele begeisterte Leute um mich waren. Es war wie ein Fieber die letzten Wochen.“
Nach der Wahl machte sie Urlaub: „Ich habe erst mal sehr viel geschlafen.
Mein Mann und ich fahren öfters mal nach Lanzarote. Das ist unsere Lieblingsinsel. Da ist immer gutes Klima, den Wind finde ich klasse, die Sonne.
Danach habe ich mich auch gesehnt, weil ich ja eigentlich nur noch drinnen
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war. Der Wahlkampf steckt aber schon noch in den Knochen, aber ich versuche, das peu à peu auszugleichen.“
Bei der Landtagswahl verloren die Grünen zehn Prozent der Stimmen, kamen
auf 5,3 Prozent, die AfD erreichte 12,6 Prozent. Über die Veränderungen in
der Parteienlandschaft sagte Malu Dreyer bei FFH: „Dass die AfD ziemlich
stark in den Landtag einzieht, gefällt mir gar nicht. Deshalb ist die übliche Parteienlandschaft durcheinander geraten. Das Positive ist, dass wir in Rheinland-Pfalz in einer Ampelkoalition auch wirklich Neues machen können. Die
Konstellation hätte man sich früher nicht vorstellen können. Ich bin froh, dass
sich die Partner auf die Gespräche eingelassen haben. Wir haben auch die
nächsten fünf Jahre die Aufgabe, die Menschen wieder zurückzugewinnen,
die AfD gewählt haben. Das ist auch ein großes Ziel.“ Dreyer weiter: „Wir haben nur zwei Regierungsoptionen hier im Land: die Ampel oder große Koalition. Wir sind optimistisch. Am 18. Mai konstituiert sich der Landtag. Es ist nicht
zwingend, dass eine Regierung vereidigt wird, aber es wäre sehr schön. Zeit
ist aber wichtig, denn die Konflikte müssen geklärt werden.“
„Die Person ist sehr wichtig, gerade bei herausgehobenen Ämtern“, so Malu
Dreyer zu FFH: „Die Person alleine wäre nichts ohne ein Programm, politische
Ziele und klare Vorstellungen und ein gutes Team.“ Auf die Frage, was ihr bei
engen Mitarbeitern wichtig sei, sagte sie: „Absolute Loyalität. Nur in ganz engen Kreisen kann man noch vertraulich sprechen. Sie müssen aber auch
selbstbewusst sein. Der Diskurs ist wichtig. Und politisches Gefühl und Verlässlichkeit. Das ist eigentlich wie mit besten Freundinnen, denen man etwas
anvertraut, so ähnlich ist es auch im politischen Geschäft. Man hat wenig geschützte Räume als Politiker und man braucht Gewissheit, dass man denen
vertrauen kann, mit denen man arbeitet.“
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Malu Dreyer sagte bei FFH: „Mein Papa war CDU-Anhänger. Mit 13 habe ich
noch Flyer für ihn verteilt. Mein Vater war für mich ein großes Vorbild, aber
irgendwann war mir klar, dass ich in der CDU nie eine Heimat finden werde.
Die SPD ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Mein Vater war überzeugter
CDU’ler, eigentlich die komplette Verwandtschaft, das komplette Umfeld. Ich
wollte nie Politikerin werden. Auch heute ist mein Verständnis von Politik, dass
man respektvoll miteinander umgeht, auch wenn man anders denkt.“ Moderatorin Silvia Stenger: „Da spürt man Parallelen zu Bundeskanzlerin Merkel.“
Malu Dreyer: „Ich bin überzeugt, dass wir als Frauen einen anderen Politikstil
haben. Inzwischen weiß ich aber nicht mehr, ob es nicht einfach eine Generationenfrage ist. Auch meine männlichen Kollegen haben mittlerweile eine andere Einstellung. Nicht mehr so hierarchisch. Wir sind viel teamorientierter,
kommunikativer. Kommunikation ist immer noch eine große Stärke von Frauen.“ Dreyer weiter: „Man muss, um Karriere zu machen, nicht über Leichen
gehen. Ein guter Chef, eine gute Chefin zu sein, ist sehr wichtig. Bei mir gibt‘s
auch Tage, an denen ich nicht gut drauf bin, aber insgesamt ist es mir immer
ein Anliegen gewesen, eine gute Chefin zu sein. Man muss sich immer wieder
reflektieren, sich fortbilden. Der Fisch stinkt vom Kopf, so sagt man so schön –
und es stimmt auch.“
„Unternehmerin zu werden, war nie ein Impuls“, sagte Malu Dreyer bei FFH.
„Komisch, wundert einen manchmal. Das war nie so meine Berufung. Ich war
Staatsanwältin, aber mich selbständig machen, kam mir nie in den Sinn. Mädchen trauen sich immer noch zu wenig in Jobs, in denen man richtig gut Karriere machen und Geld verdienen kann. Das ist ein bisschen schade, denn wir
brauchen in diesen Berufen unbedingt auch Frauen. Es würde mich freuen,
wenn wir es in den nächsten Jahren schaffen würden, dass die Mädchen da
mehr Mut haben, auch in sogenannte Männerberufe vorzudringen. Männer
und Frauen gemeinsam – das ist es doch.“
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Im Alter von 34 Jahren erfuhr Malu Dreyer, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt ist. Im FFH-Gespräch sagte sie: „So eine Diagnose war heftig. Es ist
eine echte Zäsur im Leben, das musste ich erst einmal verarbeiten. Ich konnte
den Schalter aber auch wieder umlegen. Ich habe einen Grundoptimismus in
meinem Leben. Ich habe mich entschieden, optimistisch weiter zu machen.
Ich bin in meiner Mobilität eingeschränkt, aber nicht mal so schlimm. Zu jedem
Schicksalsschlag muss man eine Haltung gewinnen und meine Haltung ist, sie
positiv aufzunehmen. Ich kämpfe nicht mehr gegen die Krankheit.“ Weiter sagte Malu Dreyer: „Kurt Beck hat Frauen immer gefördert, auch zu Erkrankungen
hatte er immer eine gute Einstellung. Er hat ein großes Bewusstsein für dieses
Thema. Das war ein großer Vertrauensbeweis von ihm, mich als Ministerin mit
einer chronischen Erkrankung zur Ministerpräsidentin zu machen. Das war
klasse.“
Maria Luise Anna „Malu“ Dreyer nennt sich, seit sie 13 Jahre alt ist, Malu, sagte zu FFH: „Ich war schon immer eine sehr eigenwillige Persönlichkeit. Schon
als Kind. Maria Luise war damals ein unglaublich konservativer Name und ich
habe dann mit meiner Lehrerin überlegt und dann kam Malu raus. Seitdem
heiße ich Malu. Meine Eltern waren ziemlich locker, nur mein Vater, wenn er
richtig sauer auf mich war, nannte mich dann Maria Luise!“
„Silvia am Sonntag – der Talk“: Sonntags spricht FFH-Moderatorin Silvia
Stenger zwischen 9 und 12 Uhr mit Promis. Infos auch auf www.FFH.de.
Rückfragen:
Dominik Kuhn T.: 06101-988330, 0171-47 26 393, [email protected]
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