Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wende mich mit diesem

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich wende mich mit diesem Schreiben an Sie, da es heute eines schnellen und
unbürokratischen Handels bedarf, um eine akute Notsituation zu bewältigen.
Aufgrund einer deutlich angestiegenen Flüchtlingsanzahl gibt es bei der
medizinischen Versorgung der neu ankommenden Flüchtlinge in Berlin dramatische
Probleme. Asylsuchende Menschen können sich beim hierfür zuständigen Landesamt für
Gesundheit und Soziales (LaGeSo) über Tage nicht registrieren lassen. Dies führt dazu,
dass diese Menschen von staatlicher Seite nicht die notwendige Unterstützung erhalten und
meist in Obdachlosigkeit ohne adäquate medizinische Versorgung die Zeit bis zu ihrer
Registrierung verbringen müssen. Die hygienischen Bedingungen der zumeist in örtlicher
Nähe zum LaGeSo campierenden Flüchtlinge sind prekär und beispiellos. Es ist
insbesondere vielen ehrenamtlichen Helfern vor Ort zu verdanken, dass die humanitäre
Notlage der Asylsuchenden nicht noch größer ist.
Wir haben uns öffentlich über die Ärztekammer Berlin zu diesen unhaltbaren Zuständen
geäußert und gefordert, dass die staatlichen Institutionen endlich ihrer Aufgabe gerecht
werden, um allen Menschen in dieser Stadt ein würdevolles Leben zu gewährleisten. Die
letzte Woche hat allerdings gezeigt, dass insbesondere das LaGeSo aktuell zwar die
Problematik erkannt hat, aber nicht in der Lage ist, diese schnell in den Griff zu bekommen.
Wir haben daher nicht nur Forderungen aufgestellt sondern gleichzeitig unsere Hilfe
angeboten. Dieses Angebot wurde vom LaGeSo mit der Bitte angenommen, unmittelbar
zumindest eine ärztliche Grundversorgung für die um Asyl bittenden Menschen zu
gewährleisten. Wir haben vereinbart, dass die Organisation dieser ärztlichen Hilfe direkt
durch das LaGeSo unternommen wird, um eine effektive Planung sicher zu stellen.
Aus der Berliner Ärzteschaft haben sich bereits viele für eine schnelle und unbürokratische
Hilfe zur Verfügung gestellt. Ich möchte auch Sie bitten, sich in Anbetracht der unhaltbaren
Zustände als Teil der Berliner Ärzteschaft für die um Hilfe suchenden Menschen
einzusetzen. Jede Ärztin und jeder Arzt, gleich welcher Fachrichtung wird gesucht, um sich
ehrenamtlich ab Dienstag, den 25.08.2015, um die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge zu
kümmern.
Wenn Sie Hilfe leisten können, dann melden Sie sich bitte direkt per Mail an Frau Oehlert
([email protected]), die als Vertreterin des LaGeSo den Einsatz koordiniert
oder auch an die [email protected]. Bitte geben Sie in der E-Mail Ihre Fachrichtung,
vollständigen Kontaktdaten (unbedingt die Telefonnummer) und Ihre möglichen
Einsatzzeiten an. In Abstimmung mit dem LaGeSo ist vorgesehen, zunächst einen
Einsatzplan für die kommenden 14 Tage zu erstellen. Bringen Sie bei einem Einsatz bitte
Ihren Arztausweis mit!
Es ist jetzt an der Zeit, unkomplizierte Hilfe zu leisten. Die ärztliche Versorgung der
Asylsuchenden soll und kann nicht auf Dauer durch ehrenamtliche Helfer gewährleistet
werden. Wir müssen aber heute sicherstellen, dass bis zu der Zeit, in der die staatlichen
Institutionen wieder diese Aufgabe voll erfüllen, die um Hilfe bittenden Menschen nicht allein
gelassen werden.
Ich bitte Sie, mit Ihrer Hilfe und Unterstützung die dramatische Lage der Flüchtlinge in dieser
Stadt zu verbessern.
PD Dr. Peter Bobbert