Pressemitteilung WV Stahl vom 16.03.2016 () - stahl

16. März 2016
Stahlindustrie findet in Brüssel Gehör – jetzt sollten Taten folgen
„Die europäische Stahlindustrie steht vor extrem großen Herausforderungen. Das ist auch
bei der Europäischen Kommission offenbar angekommen. Jetzt sollten den Worten die
entsprechenden Taten folgen“, so Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der
Wirtschaftsvereinigung Stahl, zu der am 16. März 2016 veröffentlichten Mitteilung der EUKommission. Es sei gut, dass damit die bedrohliche Situation der Stahlindustrie aufgegriffen
und Einigkeit über den dringenden Handlungsbedarf insbesondere im Bereich der
Außenhandelspolitik bestehe. Die EU-Kommission habe vorgeschlagen, die „Lesser Duty
Rule“1 auszusetzen. „Das ist zwar ein richtiger Schritt“, so Kerkhoff, „doch es ist ebenso
wichtig, dass die Europäische Kommission nun zeitnah und wirkungsvoll im Rahmen der
bestehenden Handelsschutzinstrumente agiert.“ Im Stahlsektor könnte Dumping wirksamer
bekämpft werden als es gegenwärtig der Fall ist. Auch schnellere Ermittlungen und die
Wiedereinführung eines Frühwarnsystems für verdächtige Exportmengen seien laut
Kerkhoff zentrale Schritte. „Nun kommt es darauf an, dass diese Maßnahmen umgehend in
die Gesetzgebung einfließen. Dafür erhoffe ich mir die Unterstützung des Europäischen
Rates“, so der Verbandspräsident. Der Rat hat das Thema am 17. und 18. März auf seiner
Agenda.
Kerkhoff weist darauf hin, dass das Ziel dieser Maßnahmen nicht die Abschottung des EUStahlmarktes sei. Es gehe allein um die Abwehr unfairer Handelspraktiken im Rahmen
geltenden Rechts der Welthandelsorganisation WTO. Ein wirksamer Schutz gegen unfaire
Handelspraktiken wäre jedoch nur möglich, wenn die EU-Kommission China nicht vorzeitig
als Marktwirtschaft mit den entsprechenden Vorteilen anerkenne, plädiert Kerkhoff für mehr
Klarheit bei dieser Frage.
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1
In der EU gültige "Regel des geringsten Zolls“, durch die Schutzzölle in der EU niedriger sind als in anderen Ländern.
2
Auch in der Klimapolitik müsse mehr auf die Wettbewerbsfähigkeit der Branche Rücksicht
genommen werden. Die EU-Kommission räume zwar ein, dass es weiter das Risiko von
Wettbewerbsnachteilen für die Stahlindustrie gäbe. Ihr Vorschlag zur künftigen
Ausgestaltung des Emissionshandelssystems enthalte aber entgegen der Ankündigung
keine angemessene Zuteilungsregelung für die Stahlindustrie. Vielmehr drohten dieser
Branche gravierende Wettbewerbsnachteile. Daher müsse der Richtlinienvorschlag
dringend überarbeitet werden. Die Zuteilung sollte so bemessen werden, dass die 10
Prozent effizientesten Anlagen nicht durch den Kauf von Emissionsrechten oder
Strompreissteigerungen belastet würden. Auch bei den Energiekosten könne keinesfalls
Entwarnung gegeben werden. „Bisher ist die Kommission leider nicht bereit, ihren
fehlerhaften Vorschlag zum Emissionshandel vom Juli 2015 zu korrigieren“, so Kerkhoff.
Nun komme es auf die Mitgliedsstaaten an, eine Richtung vorzugeben, mit der eine
wettbewerbsfähige Stahlproduktion weiter möglich sei.