Pressemitteilung WV Stahl vom 30.03.2016 () - Stahl

30. März 2016
EU-Vorschlag zu Emissionshandel bedroht hunderttausende
Arbeitsplätze
Die Wirtschaftsberatung Prognos hat untersucht, wie sich der europäische
Emissionsrechtehandel auf die Stahlindustrie und die mit ihr verbundenen
Wertschöpfungsketten in Deutschland insgesamt auswirken wird, wenn die Pläne der
EU-Kommission für die Zeit nach 2020 Realität werden. Prognos zufolge würde eine
massive Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche nach 2020 dazu
führen, dass die Investitionstätigkeit in der Stahlindustrie versiegen würde. Dies
wiederum hätte gravierende Konsequenzen: In der Stahlindustrie würden Produktion
und Beschäftigung bis 2030 um 60 Prozent gegenüber dem Niveau sinken, das sie
ohne zusätzliche Kosten durch den Emissionshandel halten könnte. Hinzu kämen
Beschäftigungsverluste in den vor- und nachgelagerten Branchen in Höhe von rund
380.000 Mitarbeitern. Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung fiele 2030 um
30 Milliarden Euro niedriger aus als in dem Referenzszenario.
Laut Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, unterstreicht
die Studie die hohen Kosten, die mit einer einseitig ausgerichteten Energie- und
Klimapolitik verbunden sind: „Der Stahlindustrie drohen durch den Kommissionsvorschlag in der vierten Handelsperiode ab 2021 Belastungen in Höhe von durchschnittlich
1 Milliarde Euro pro Jahr, die bis 2030 auf voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro ansteigen
werden“. Da die Unternehmen diese Kosten aufgrund des scharfen internationalen
Wettbewerbs nicht weitergeben können, würde es in wenigen Jahren zu einer rasch
voranschreitenden De-Industrialisierung in wichtigen Teilen der Wertschöpfungskette
kommen. „Ein Euro Belastung in der Stahlindustrie wäre in der Konsequenz mit 30 Euro
Verlust in der gesamten Volkswirtschaft verbunden“, so der Verbandspräsident.
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Der Kommissionsvorschlag ist zudem wirtschaftlich und ökologisch unvernünftig, weil
die Stahlindustrie grundsätzlich eine stabile Zukunft am Industriestandort Deutschland
hat. So kommt Prognos zu dem Ergebnis, dass die deutsche Wirtschaft auch in der Zukunft von industriellen Leitbranchen getragen werden wird, die zum großen Teil als
stahlintensiv eingestuft werden können. Daher sei auch mit einer stabilen langfristigen
Entwicklung der Stahlindustrie zu rechnen, sollten keine CO2-bedingten Kosten
anfallen. „Stattdessen werden wir künftig Stahl in immer größeren Mengen importieren
müssen, der das Klima mit deutlich mehr CO2-Emissionen belastet. Stahl „Made in
Germany“ im Sinne von nachhaltigen und leistungsfähigen Lösungen wäre damit am
Ende“, bewertet Kerkhoff die Ergebnisse der Prognos-Studie. Neben den rein
volkswirtschaftlichen Effekten wiege ebenso schwer der Verlust von Innovationskraft,
die gerade im industriellen Bereich weiter notwendig ist, um nachhaltig produzieren zu
können.
Unternehmen und Arbeitsplätze dürften im internationalen Wettbewerb nicht durch
übermäßige Kostenbelastung gefährdet werden. Die EU-Mitgliedsstaaten und das
Europäische Parlament müssen nun alles daran setzen, den industriefeindlichen
Vorschlag der EU-Kommission abzuwenden, fordert Kerkhoff.