als PDF - Universitätsklinikum Leipzig

Das GesunDheitsmaGazin Des universitätsklinikums leipziG
07/2015 | 02.04.2015
Chirurgisches
Training am UKL
Foto: Stefan Straube
Mehr als 80 Ärzte aus aller Welt
beim 10. Kurs zu Kopf-Hals-Tumoren
in Leipzig zu Gast
Unterstützung für Mitarbeiter
Phänomen Handynacken
UKL führt Betriebliche Sozialberatung ein
seite 3
UKL-Orthopäde empfiehlt vernünftigen Umgang mit Smartphones
seite 7
Historische Gäste
Beethoven und Carl Ludwig führen
durch Konzert am 20. April
seite 11
SEITE 2
n
Der Augenblick
Der Frühling ist da!
Foto: Stefan Straube
Tierische Besucher und bunte Blumen
schmücken in diesen Wochen das Atrium in der Frauen- und Kindermedizin.
Viel gibt es für die kleinen Besucher zu
entdecken – und zu zählen: Wie viele
Hasen hoppeln durch die Frühlingslandschaft? Wie viele Eier hängen am
Baum? Wer es genau wissen möchte,
sollte einfach mal in der Liebigstraße
20a (Haus 6) vorbeischauen.
Allergien auf dem Vormarsch
n
impressum
liebigstraße aktuell
Das gesundheitsmagazin des
universitätsklinikums leipzig
Herausgeber:
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Der Vorstand
Liebigstraße 18
04103 Leipzig
Telefon:
Telefax:
0341 - 97 109
0341 - 97 15 909
E-Mail: [email protected]
Redaktion:
Helena Reinhardt (v.i.S.d.P.),
Ines Christ, Frank Schmiedel
(Projektleiter LVZ,
Jenseits der Liebigstraße).
Universitätsklinikum, Leipzig AöR.
10. Jahrgang
In Kooperation mit der Redaktion der
LEIPZIGER VoLKSZEITUnG.
Druck:
Leipziger Verlags -und
Druckereigesellschaft mbH& Co. KG,
Peterssteinweg 19,
04107 Leipzig
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
|
n Wenn die Haut juckt, die nase läuft,
das Atmen schwerfällt, medikamente
oder nahrungsmittel nicht vertragen
werden, kann die ursache eine allergische reaktion sein. immer mehr menschen trifft diese entgleisung der immunabwehr – deshalb widmet sich die
öffentliche Vortragsreihe „medizin für
Jedermann“ an der universitätsklinik
leipzig (ukl) am 8. April dem Thema Allergien und informiert alle interessierten
über die ursachen und neue möglichkeiten der behandlung.
„Zwischen 30 und 50 Prozent der deutschen
Bevölkerung werden mittlerweile von allergischen Reaktionen geplagt. Meist beginnen sie
im Kindesalter, können aber auch ganz plötzlich im Erwachsenenalter auftreten“, erklärt
der Referent Prof. Jan-Christoph Simon, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
„Besonders oft sind die Haut, die Atemwege,
der Gastrointestinaltrakt und das Kreislaufsystem betroffen. Die quälenden Symptome
können wir durch fachübergreifende Zusammenarbeit gut behandeln – wenn die Patienten den Weg zu uns finden. Es gibt beispielsweise neue erfolgversprechende Ansätze in
der Hypersensibilisierung.“
Erst kürzlich wurde am UKL das Leipziger
Interdisziplinäre Centrum für Allergologie
Foto: Stefan Straube
„Medizin für Jedermann“ informiert am 8. April am UKL
Allergien stehen im Mittelpunkt der nächsten Veranstaltung in der Vortragsreihe „Medizin für Jedermann“ am 8. April.
(LICA) gegründet. Das neue Zentrum bündelt das Fachwissen von Allergologen aus der
Hautklinik, der HNO-Klinik und der Kindermedizin sowie der Labormedizin mit dem
Ziel, die Versorgung von Patienten mit Allergieerkrankungen zu verbessern und die wissenschaftliche Arbeit in der Erforschung von
Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
von Allergien weiter voranzutreiben. LICA ist
damit eines von wenigen Zentren dieser Art
in Deutschland und schließt eine Versor-
gungslücke für Patienten in Mitteldeutschland.
Die nächste Vorlesung der Reihe „Medizin für
Jedermann“ findet am 10. Juni 2015 statt und
widmet sich dem Thema Schmerztherapien bei
akutem und chronischem Rückenschmerz. SH
Medizin für Jedermann
Thema: Allergien
Mittwoch, 8. April 2015, 18.15 Uhr
Liebigstraße 20, Hörsaal im Haus 4
SEITE 3
Wenn private Probleme die Arbeit belasten
Uniklinikum Leipzig führt Betriebliche Sozialberatung ein
n Der Schuldenberg wird immer größer, die Ehefrau ist plötzlich pflegebedürftig, die Reha müsste dringend beantragt werden … private Sorgen und
Probleme können manchmal eine solche Last sein, dass sie die Gesundheit
und somit auch die Leistungsfähigkeit
von Mitarbeitern negativ beeinflussen.
Um dem entgegenzuwirken, hat das
Universitätsklinikum Leipzig jetzt die
Betriebliche Sozialberatung eingeführt: ein Hilfs- und Unterstützungsangebot für Mitarbeiter in kritischen sozialen Situationen.
Veränderte Familiensysteme, Rollenbilder
und Wertvorstellungen – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heutzutage
für viele eine große Herausforderung.
Auch wenn es gilt, persönliche Belange
und Ansprüche durchzusetzen, stellen
umfangreiche gesetzliche Bestimmungen,
fehlende Ansprechpartner oder undurchsichtige Zuständigkeiten, komplizierte
Antragsverfahren oder auch die eigene
Unwissenheit oft unüberwindbare Barrieren dar. „Solche mitunter harmlos anmutenden Probleme können einen Mitarbeiter stark belasten, kosten ihn viel
Zeit, Kraft und Energie. Über kurz oder
lang wirkt sich dieser enorme Druck auch
auf die Arbeit aus“, weiß Sozialarbeiterin
Cindy Müller.
Damit es nicht so weit kommt, haben
UKL-Mitarbeiter nun die Möglichkeit,
Sozialarbeiterin Cindy Müller (l.) führt an der Uniklinik Leipzig die Sozialberatung durch.
Foto: Stefan Straube
bei privaten Frage- und Problemstellungen die Betriebliche Sozialberatung in
Anspruch zu nehmen. „Ziel ist es, durch
Hilfe zur Selbsthilfe die soziale Situation
des Mitarbeiters zu stabilisieren und
gleichzeitig seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu fördern“, erklärt Müller,
die die Beratung am UKL durchführt.
„Wir unterstützen, begleiten und vermitteln bei familiären, wirtschaftlichen, verfahrensrechtlichen und gesundheitsbezogenen Fragen.“ Gemeinsam mit dem
Mitarbeiter werden dann neue Perspektiven entwickelt und Lösungsansätze erarbeitet.
Die inhaltlichen Schwerpunkte der Be-
trieblichen Sozialberatung am Universitätsklinikum Leipzig liegen bei den Themen Gesundheit, Familie, Sozialrecht
und Finanzen. Die jeweiligen Teilaspekte
sind breit gefächert. Mitarbeiter bekommen zum Beispiel Hilfe bei der Antragstellung von Rehabilitationsmaßnahmen,
werden bei der Organisation der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger unterstützt, zu Vorsorgemöglichkeiten aber
auch bei finanziellen Problemen beraten.
Alle Beratungen sind vertraulich und
unterliegen einer gesetzlichen Schweigepflicht.
Die Betriebliche Sozialberatung ergänzt
das Angebot des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) am Universitätsklinikum Leipzig. Das BGM umfasst
alle gemeinsamen Maßnahmen des Unternehmens, die zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit und des
Wohlbefindens der Mitarbeiter am Arbeitsplatz beitragen. Es gibt eine breite
Palette von Kursangeboten, die vom
hauseigenen Bildungszentrum organisiert und je nach Bedarf kontinuierlich
erweitert wird. Auf Wunsch der Mitarbeiter wurde jetzt zum Beispiel auch
Yoga ins Programm aufgenommen. Jährlich hat jeder UKL-Beschäftigte 180 Minuten während der Arbeitszeit für den
Besuch der Kurse zur Verfügung und
kann darüber hinaus nach Dienstschluss
auch noch weitere Angebote nutzen.
Kathrin Winkler
Jeder kindliche Hirntumor in Deutschland
wird in Leipzig begutachtet
Referenzzentrum für Strahlentherapie prüft jeden Behandlungsplan
n Jeder Gehirntumor bei einem Kind
ist in Deutschland ein Fall für die Experten des Netzwerkes HIT. In diesem
Forschungs- und Beratungsnetzwerk
haben sich hoch spezialisierte Fachärzte zusammengetan, um jeden einzelnen Fall kollektiv zu beraten und
ganz individuelle Therapieempfehlungen zu geben. In Leipzig befindet sich
das Referenzzentrum Strahlentherapie, das für jedes in Deutschland erkrankte Kind Behandlungsempfehlungen gibt und Protokolle führt. Die
jüngste Tagung des Netzwerkes fand
in Leipzig statt, zu der mehr als 200
Ärzte und Wissenschaftler begrüßt
werden konnten.
„Neben Erfahrungen bei der Behandlung
von kindlichen Hirntumoren fanden die
Zukunftsausblicke großes Interesse“, so
Prof. Dr. Rolf-Dieter Kortmann, Direktor
der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Leipzig
und wissenschaftlicher Leiter der Tagung.
„Bei der Chemotherapie wurden neue,
hoffnungsvolle Medikamente in Aussicht
gestellt. Mit Blick auf meine Domäne, die
Strahlentherapie, wird das web-basierte
Arbeiten eine neue Ebene der Qualitätssicherung bedeuten.“
Wie der Leiter des bundesweiten Studien-
und Referenzzentrums Strahlentherapie
erläutert, werden Befunde, Empfehlungen, Therapiepläne und Protokolle im
Netz gespeichert, sodass die behandelnden Ärzte und Wissenschaftler vor Ort
darauf zugreifen können. Zudem sind
Leipziger Forschungsprojekte – wie zu
den Reparaturkapazitäten von Nervenzellen – mit großen Erwartungen verknüpft. „Es geht ja immerhin darum, für
Kinder, die eine Bestrahlung erhalten,
Langzeitfolgen möglichst weit auszu-
Mehr als 200 Ärzte und Wissenschaftler waren zur Tagung des Netzwerks „Hirntumoren im Kindesalter“ im März nach Leipzig gekommen.
Foto: Walter Wilke
schließen“, so Prof. Kortmann. Zum
Glück seien Hirntumoren bei Kindern relativ selten. Zwei bis vier Fälle gebe es pro
Jahr in Leipzig.
Kommt ein kleiner Patient, stellt das Netzwerk HIT (Hirntumoren im Kindesalter)
dem behandelnden Arzt Expertenwissen
an die Seite. „Ob für die kleine Kinderklinik an der Nordsee oder die große am Bodensee: Für alle Tumorarten stehen Studienzentralen und Referenzzentren mit dem
deutschlandweit gesammelten Wissen zur
Verfügung“, erläutert der Leipziger Klinikdirektor. „Wir geben nicht nur bundesweit
Empfehlungen, sondern prüfen auch den
vor Ort erarbeiteten Bestrahlungsplan auf
Schlüssigkeit und Sicherheit.“
Dieses Netzwerk ist weltweit einzigartig.
Circa 95 Prozent aller Kinder in Deutschland, die an einem Gehirntumor erkranken, kommen in den Genuss des gesammelten Expertenwissens. Das wiederum
führt zum Erfolg: Bis zu 80 Prozent der
kleinen Patienten mit nicht-metastasiertem Medulloblastom werden geheilt. „Wir
reichen damit an die Ergebnisse großer
Kliniken in den USA heran, obwohl es bei
uns keine Vorauswahl von Patienten gibt.
Alles, was wir in Deutschland erreichen,
ist patientennahe Realität“, bekräftigt der
Leipziger Strahlentherapeut.
Uwe Niemann
|
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
seite 4
n
AUSBILdUnGS-TAGEBUcH
Am Ende war die Luft ein bisschen frischer
azubis der Medizinischen berufsfachschule am ukL lernen eine junge, krebskranke erwachsene kennen
chen Lächeln auf den Lippen. An diesem Tag
war sie eingeladen, über ihren Krebs zu sprechen. Ich glaube, keiner aus meiner Klasse
kann von sich behaupten, nicht berührt gewesen zu sein, als sie in ihrem Vorstellungsvideo über ihre Krankheit sprach, Bilder aus
ihrem Leben zeigte und uns einen Moment
an ihrer Welt teilhaben ließ.
Mit 22 Jahren erhielt sie die Diagnose Scheidenkrebs. Sie begann, mit Chemotherapie
gegen die Krankheit zu kämpfen, und zunächst sah es so aus, als sei ihr dies auch gelungen. Bis man vor Kurzem Lungenmetastasen entdeckte. Man könne nichts mehr tun,
hat man ihr gesagt. Jeder im Raum war fasziniert und gerührt. Fasziniert über die Stärke
und die unglaubliche Lebensfreude dieser
jungen Frau. Gerührt von dem unfassbaren
Schicksal.
Und wahrscheinlich war auch mancher so
geschockt über sich selbst, wie ich es war.
Denn wie wenig ist uns bewusst, was es heißt,
in diesem Alter an Krebs zu erkranken? So
gelingt es heute zwar, 75 Prozent der Erkrankten zu heilen, doch das Leben von vor
der Krankheit erhält man nicht zurück. Es
folgen jahrelange Betreuung und Nachsorge
– was den behandelnden Arzt vor völlig andere Problematiken stellt als zum Beispiel die
Begleitung eines 70-jährigen Patienten am
Lebensabend. Menschen im jungen Erwachsenenalter stehen ganz am Anfang ihres Lebens. Viele ihrer Lebensziele konnten sie
noch nicht in die Tat umsetzen. Sie haben
womöglich noch keinen Beruf erlernt, haben
Von einer Podiumsdiskussion, die sich mit Krebserkrankungen im jungen Erwachsenenalter beschäftigte, waren die Azubis der MBFS sehr beeindruckt.
Foto: MBFS
Wenn ich bislang an Menschen dachte, die an
Krebs erkrankt sind, kamen mir Frauen und
Männer in den Kopf, die meine Großeltern
sein könnten. Ich sah Menschen, die ihre Ziele erreicht haben und auf ein erfülltes Leben
zurückblicken können. Die, ihre Kinder um
sich, den Kampf gegen die Krankheit aufnehmen. Ihn gewinnen und einen wunderbaren Lebensabend erleben dürfen. Und
Menschen, die ihn verlieren, aber mit den
Worten gehen: „… ein erfülltes Leben hat
sich vollendet.“
In meiner Ausbildung zur Gesundheits- und
Krankenpflegerin sind mir bereits jetzt viele
dieser Schicksale begegnet. Und nicht, dass
das Sterben mit dem Alter leichter werden
würde …
Aber haben wir uns auch schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, genau
JETZT mit der Diagnose Krebs konfrontiert
zu werden? Gäbe es dafür überhaupt einen
Platz in unserem Leben? Ich bin 21 und muss
gestehen, das hielt ich bis jetzt für sehr weit
weg. Weit weg von meinem eigenen Leben,
weit weg von den Plänen, die ich für meine
Zukunft habe und weit entfernt von meiner
bloßen Vorstellungskraft.
Als ich auf der Leipziger Buchmesse während
einer Podiumsdiskussion der Universität
Leipzig zum Thema „Fuck you Cancer –
Krebs im jungen Erwachsenenalter“ Luise
kennenlernte, änderten sich meine Gedanken
in Bezug auf diese Krankheit nahezu völlig.
Luise, eine junge Frau von 26 Jahren, mit
blonden, kurzen Haaren und einem freundli-
Foto: MBFS
n An der Medizinischen Berufsfachschule des Universitätsklinikums Leipzig lernen rund 750 junge Menschen
einen Gesundheitsberuf. Sie haben sich
für einen Beruf mit guten Zukunftsaussichten entschieden, der hohe Ansprüche an die fachliche und soziale Kompetenz jedes Einzelnen stellt. In der
Reihe „Ausbildungstagebuch“ geben
die Azubis verschiedener Fachrichtungen Einblicke in ihre Berufsausbildung.
Heute: ein emotionaler Besuch auf der
Leipziger Buchmesse.
Mediziner diskutierten bei der Veranstaltung
gemeinsam mit Krebspatientin Luise.
noch keine Kinder, haben ihr Leben bis dahin
noch gar nicht richtig leben können. Dinge,
die nun in einer Studie an der Universität
Leipzig thematisiert, erfragt und so auch verbessert werden sollen.
Gerade der Austausch mit Gleichgesinnten
im gleichen Alter sei sehr wichtig, sagt Luise.
Sie hat zu diesem Zweck vor einigen Jahren
einen Blog eingerichtet. In „Chemoelefant
aka Klopsi gegen den Krebs“ berichtet sie
über ihren Kampf gegen die Krankheit, pos-
tet Bilder und teilt ihre Gefühle und Erlebnisse mit der Welt. „Ich habe mich mit der
Krankheit abgefunden und bin ja schließlich
immer noch hier“, sagt sie und lacht. Das
Publikum spendete Applaus und ich war gerührt.
Es waren zwei spannende Stunden, die mich
mehr bewegt haben, als ich es erwartet hätte.
Der Tag hat, glaube ich, nicht nur mich zum
Nachdenken angeregt. Denn im Grunde wissen wir es alle: Das Leben ist endlich. Es kann
uns so schnell genommen werden, auch wenn
wir meinen, all das sei noch Jahre von uns
entfernt. Wir sollten besser heute als morgen
anfangen, unser Glück in den kleinen Freuden des Alltags zu suchen. Und in unserem
Beruf auch den Menschen noch Hoffnung
geben, für die es augenscheinlich eigentlich
keine mehr gibt.
Als ich an diesem Tag nach Hause fuhr, war
die Sonne auf einmal ein bisschen strahlender als am Morgen. Das Gras war ein bisschen grüner und am Ende war die Luft ein
bisschen frischer.
Anna Mönnicke
1. Ausbildungsjahr Krankenpflege
Kinder, Katzen
und zwei Klarinetten
Das Duo Clarissima spielt im
atrium der Frauen- und kindermedizin
n Viele Kinder erkennen sofort
den Klang der Klarinette, denn sie
verbinden ihn mit der Melodie der
„Katze“ aus Sergei Prokofiews Kinderoper „Peter und der Wolf“. dort
miaut die Klarinette! Ein Instrument kann miauen? die Klarinette
schon! das zeigt das duo clarissima
am donnerstag, dem 16. April, im
Atrium der Frauen- und Kindermedizin (Liebigstraße 20a, Haus 6).
Und die Klarinette kann noch mehr.
Sie kann schreien und flüstern, singen
und lachen – wie ein Mensch. Ein
Liebigstrasse aktueLL
|
Dichter hat es einmal so ausgedrückt:
„Der Charakter der Klarinette ist in
Liebe zerflossenes Gefühl.“ Dieses besondere Instrument, schwarz und mit
vielen glänzenden Klappen versehen,
werden die zwei Klarinettistinnen
Anna Engster und Eva Kroll zeigen
und viele bekannte Melodien für Klarinette vorspielen. Natürlich auch die
„Katze“ aus „Peter und der Wolf“. Beginn ist um 10.30 Uhr.
Der Verein „Yehudi Menuhin Live Music Now Leipzig“ engagiert sich auch
in diesem Jahr wieder mit seinen
„Konzerten für Kinder in der Klinik“
für die kleinen und größeren Patienten der Universitätskinderklinik. Treffpunkt ist dabei immer der Lurch Fridolin. In direktem Kontakt mit jungen
Künstlern verschiedener Genres können die Kinder für eine Stunde die
Wirkung eines Konzertbesuchs erfahren: Gute Musik kann Stimmungen
verändern, Musik kann trösten, das
Herz öffnen und gute Laune schenken
– und die persönliche Zuwendung der
Musiker an jedes einzelne Kind im
Publikum ist immer ein ganz besonderes und oft auch nachhaltiges Erlebnis.
Babette Berg
Das Duo Clarissima musiziert bei Live Music Now im Atrium der
Frauen- und Kindermedizin des UKL. Foto: Richard Mourouvin
Seite 5
Mehr als 80 HNO-Experten trainierten am UKL
n Schon zum zehnten Mal ludt das Team
um Prof. Andreas Dietz von der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Leipzig zum
Kurs„Update Skills in Head and Neck Surgery and Oncology“ ein. In diesem Jahr
trainierten dabei mehr als 80 Ärzte aus
der ganzen Welt ihre chirurgischen Fertigkeiten im Fachbereich Kopf-Hals-Onkologie. Neben operativen Aspekten vermittelte der Kurs Ende März auch
tiefgreifende Anatomiekenntnisse und
den aktuellsten Stand zur medikamentösen und strahlentherapeutischen Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren. Neben
den HNO-Experten des UKL waren auch
die Fachbereiche Onkologie, Anatomie,
Pathologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie beteiligt.
„Ich freue mich besonders, dass sich in diesem
Jahr die Teilnehmerzahl unseres Kurses mehr
als verdoppelt hat. Das spricht für die hohe
Relevanz des Themas und die hohe Expertise
Foto: Stefan Straube
10. Kurs zur Chirurgie bei Kopf-Hals-tumoren am UKL mit teilnehmerrekord
Das Team um HNO-Mediziner Prof. Andreas Dietz hatte im März zum 10. Chirurgie-Kurs
eingeladen.
mit der wir die teilnehmenden Fachärzte anleiten und weiterbilden“, so Prof. Andreas
Dietz, Direktor der HNO-Klinik am UKL und
Leiter des Kurses. „Besonders wichtig war uns
die Darstellung neuer onkologischer Konzepte,
die in Leipzig entwickelt wurden und die sich
mit dem Erhalt der Kehlkopffunktion und damit dem Stimmerhalt beschäftigen. Zudem
haben wir auch die Therapieoptimierung
durch computergestützte Entscheidungsfindung thematisiert.“
Und auch in diesem Jahr gab es Live-Operationen, bei denen die Teilnehmer Professor Dietz
beim chirurgischen Eingriff mittels einer LiveÜbertragung in den Hörsaal direkt über die
Schulter schauen konnten. Der Operationskurs wurde von der Europäischen Schule für
Onkologie, der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft und dem Innovative Surgical Training Technologies (ISTT) der HTWK Leipzig
unterstützt. Ärzte aus Osteuropa erhielten von
der Europäischen Schule für Onkologie zudem
ein Teilnehmerstipendium.
Sandra Hasse
Die Nase lässt es sich schmecken
Leise-töne-Liedtheater lädt zu musikalischem Picknick ein
n „Essen ist mein Leibgericht“, heißt es
am Dienstag, dem 14. April, im Atrium
der Frauen- und Kindermedizin (Liebigstraße 20a, Haus 6), wenn Dirk Preusse
mit seinem Leise-Töne-Liedtheater zu
Gast ist. Er entführt seine kleinen und
großen Zuhörer zu einem leckeren Picknick – weil aber Geschmäcker recht verschieden sein können, beinhaltet der
Picknickkorb sehr viele abwechslungsreiche musikalische Gerichte.
Gesunde Ernährung und Tischsitten stehen im Mittelpunkt der Liedgeschichten
– aber natürlich klingt das alles viel lustiger, wenn Dirk Preusse musikalisch davon erzählt. So erfahren die Zuhörer, warum es sich unsere Nase wohlig
schmecken lässt, wenn unsere Sinnesorgane mitessen, wie man große und kleine
Köstlichkeiten ganz leicht selber machen
kann und er beantwortet die Frage, ob
Nahrung auch Medizin sein kann, wenn
Dr. Magen das Sagen hat. Außerdem
macht er Mut zum Kosten und Appetit
auf krumme Möhren – denn nicht nur er
hat festgestellt, dass im Supermarkt Obst
und Gemüse immer schön gerade und
richtig in Form ist.
Das Konzert mit dem Leise-Töne-Liedtheater beginnt um 10 Uhr. Alle großen
und kleinen Patienten und Besucher, die
Lust auf ein musikalisches Picknick haben,
sind herzlich ins Atrium eingeladen.
ic
Dirk Preusse ist mit seinem Liedtheater am
UKL zu Gast.
Foto: privat
600 x Blut – Ihre Spende zählt!
Medizinstudierende und Blutbank des UKL organisieren gemeinsames Projekt im Jubiläumsjahr
„Blutspende ist wichtig, denn 80 Prozent aller Menschen in Deutschland benötigen
einmal im Verlauf ihres Lebens Blut oder
Blutprodukte“, so Tim Vogel, Medizinstudent hier in Leipzig und Projektleiter von
„600 x Blut“. „Egal ob nach einem Autounfall, einer Krebsdiagnose oder anderen
schweren Erkrankungen, jede Blutspende
kann an der Rettung von Menschenleben
beteiligt sein.“
Das sieht nicht nur er so. Daher hat sich eine
Gruppe von Medizinstudierenden zusammengefunden, die an vier Aktionswochenenden, die sich über das ganze Jahr verteilen,
die Leipziger Bevölkerung zur Vollblutspende einladen. Die Studierenden arbeiten dabei mit dem Kinderhospiz „Bärenherz Leipzig e.V.“ zusammen. Alle finanziellen Erlöse
des Projektes gehen an diese Einrichtung,
Foto: privat
n Die Leipziger Universitätsmedizin
wird am 10. Juli 600 Jahre alt. Passend
zum runden Geburtstag organisieren
Medizinstudierende zusammen mit
dem Institut für Transfusionsmedizin
des Universitätsklinikums Leipzig das
Projekt „600 x Blut“. Ihr Ziel: Bis zum
Ende des Jahres wollen sie mit Hilfe der
Leipziger Bevölkerung insgesamt 600
Vollblutkonserven sammeln.
die schwerkranken Kindern und ihren Eltern hilft und sie bei der Bewältigung des
Alltags unterstützt.
Dass „600 x Blut“ ein wichtiges und förderungswürdiges Projekt ist, finden auch einige Prominente: So zählen zu den Schirmherren der Bundesgesundheitsminister
Hermann Gröhe (CDU), der Leipziger
Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD),
die Sportreporterin Kristin Otto und der
Fußballverein RB Leipzig.
Los geht es am Samstag, dem 11. April
2015: Von 12 bis 18 Uhr wird das Institut
für Transfusionsmedizin (Johannisallee 32,
Haus 8) seine Türen öffnen und die ersten
Spender zum „freiwilligen Aderlass“ einladen.
Auch die anderen drei Termine stehen schon
fest. Am 10. und 11. Juli, 16. und 17. Oktober sowie am 11. und 12. Dezember werden
die Studierenden weiter sammeln, dann im
Neuen Seminargebäude am Campus Augustusplatz in der Universitätsstraße 1. „Vor allem auf den 10. Juli freuen wir uns schon
ganz besonders“, erzählt Tim Wenzel, ebenfalls Medizinstudent und Mitorganisator
von „600x Blut“. „An diesem Tag finden der
große Festakt und der Medizinparcours zum
600-jährigen Jubiläum der Universitätsmedizin Leipzig auf dem Augustusplatz statt –
und wir werden mit dabei sein.“ Zusätzlich
lockt alle teilnehmenden Spender ein Gewinnspiel, bei dem tolle Preise in Aussicht
gestellt werden. Erhöhen können die Teilnehmer dabei ihre Gewinnchancen durch
das Spenden an mehreren Terminen und
durch das Mitbringen von Neuspendern.
Dass das Projekt funktioniert, haben die
Studierenden übrigens 2009 schon einmal
bewiesen: Damals gab es „600 x Blut“ zum
ersten Mal, um den 600. Geburtstag der gesamten Universität Leipzig zu feiern. Dabei
kamen mehr als 650 Vollblutkonserven zusammen. Tim Vogel ist optimistisch, dass
die 600er-Marke auch dieses Jahr wieder geknackt wird: „Zusammen mit der Leipziger
Bevölkerung können wir das auch dieses
Jahr schaffen und dabei auch noch dem Bärenherz Leipzig e.V. helfen.“ Mit einer Spende im Rahmen dieser Aktion kann man also
gleich doppelt Gutes tun – Anreiz genug,
Teil dieses eindrucksvollen studentischen
Projektes zu werden.
Nicole Schreyer
Nähere Informationen und den aktuellen
Zählstand gibt es auf: www.600xBlut.de
|
LieBiGStRASSe AKtUeLL
seite 6
Selbsthilfegruppe zum Anfassen
n MeDIzIn A–z
D wie
Dekubitus
„Junge aphasiker Leipzig“ diskutieren mit Patienten
in der tagesklinik für kognitive Neurologie
Dekubitus (von lat. decubare = liegen) ist eine lokale
Hautschädigung, die bei
anhaltender Druckeinwirkung entsteht. Volkstümlich
heißt es „sich wund liegen“.
Dieses Wundliegen betrifft
zumeist Patienten, die lange
im Krankenhaus oder Pflegeheim liegen. Denn im
Liegen drückt das eigene
Körpergewicht auf Haut
und Gewebe, je nach Liegeposition an der Rückseite
des Körpers oder an den
Seiten. Der Druck unterbindet die Blutversorgung
des betroffenen Gebietes,
sodass ein Druckgeschwür
entsteht. In Krankenhäusern und Pflegeheimen
müssen unbewegliche Patienten deswegen regelmäßig umgelagert werden, damit es nicht zu einem
Dekubitus kommt.
UN
n Aphasiker, die einen Vortrag
halten und mit Patienten diskutieren? Das geht doch gar
nicht? Weit gefehlt! Das gab es
Anfang März in der Tagesklinik
für kognitive Neurologie des
Uniklinikums Leipzig.
Trotz ihrer mehr oder weniger
schwer ausgeprägten Sprachstörungen (zum Beispiel nach
Schlaganfall) waren Mitglieder
der Selbsthilfegruppe „Junge
Aphasiker Leipzig“ der Einladung
der Sprachtherapeuten in die Tagesklinik gefolgt und haben ihre
Gruppe den aktuellen Patienten
vorgestellt. Letztere hegen oft
Vorbehalte gegen Selbsthilfegruppen, weil sie befürchten, dass hier
Krankheit und Verlust von Fähigkeiten die Inhalte der Treffen prägen. Die „Jungen Aphasiker“ aus
Leipzig haben dieses Vorurteil beeindruckend widerlegt.
Georg Dörfler, der Leiter der
Gruppe, hat trotz seiner Schriftsprachestörung eine PowerPoint-Präsentation vorbereitet
und vorgetragen, die aufzeigte,
dass es vielmehr die Überwin-
dung von Sprachbarrieren, die
gegenseitige Hilfe der Mitglieder
im Alltag und ihre soziale Interaktion sind, die die Aktivitäten
der Gruppe ausmachen. Ihre regelmäßigen Treffen nutzen sie
für Kino- und Museumsbesuche,
für die Klärung sozialrechtlicher
Angelegenheiten wie das Verfassen von Anträgen, für Ausflüge
oder die Vorbereitung ihrer Teilnahme an den Würzburger
Aphasietagen.
Es ist nicht anders als mutig zu
nennen, wie sich weitere Mitglieder der Selbsthilfegruppe trotz
ihres sprachlichen Handicaps den
Fragen der Patienten und Therapeuten stellten, über ihre Erfahrungen berichteten und allen Anwesenden Mut zur Selbsthilfe mit
gleichsam Betroffenen machten.
Am Ende der Veranstaltung waren
selbst die Therapeuten überrascht: Aus den ehemals verunsicherten, hilfebedürftigen Patienten mit Aphasie sind nicht zuletzt
dank der Selbsthilfegruppe überaus selbstbewusste und aktive
„Junge Aphasiker“ geworden.
Simone Hartwig
Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Junge Aphasiker Leipzig“ stellten sich in
der Tagesklinik für kognitive Neurologie den Fragen von Patienten und Therapeuten.
Foto: Steffi Engel
stichwort: aphasie
aphasie ist eine erworbene
sprachstörung, die nach einer
schädigung des gehirns auftreten kann, zum beispiel
durch einen schlaganfall, eine
kopfverletzung, nach einem
unfall, durch einen tumor
oder durch entzündungen.
Menschen mit aphasie haben
unterschiedlich stark ausgeprägte schwierigkeiten beim
sprechen, Verstehen, Lesen,
schreiben und rechnen – je
nachdem, wo sich die Hirnschädigung befindet und deren ausmaß.
„Die Idee der Flüssigkeitsatmung
wird fortbestehen“
ukL-intensivmediziner Prof. udo X. kaisers erklärt die schwierigkeiten, die Lunge zur therapie mit einer
Flüssigkeit zu füllen
Das Atmungssystem des Menschen ist
auf einen Luftaustausch angelegt. Im
Gegensatz zu Fischen können wir also
Flüssigkeiten nicht einfach ein- und aussaugen. Trotzdem gibt es Ansätze, die
sogenannte Flüssigkeitsatmung bei der
Behandlung von Intensivpatienten einzusetzen. Prof. Udo X. Kaisers, Direktor der
Anästhesiologie und Intensivtherapie am
UKL, spricht im Interview über eine erste
Studie – und die Schwierigkeiten, die
Lunge mit einer Flüssigkeit zu füllen.
n Frage: Sie haben den ersten Patienten behandelt, bei dem in Deutschland die Flüssigkeitsatmung angewendet wurde. Sein Leben
wurde gerettet, die Therapie jedoch ist gestorben – warum?
Prof. Dr. Udo X. Kaisers: Gestorben ist die
Idee nicht. Denn das Konzept, die Lunge mit
einer Flüssigkeit zu füllen, hat nicht nur wissenschaftlich Charme, sondern auch klinisch
Riesenvorteile: Durch die Flüssigkeit können
geschädigte Lungenbläschen nicht zusammenfallen, ja es können sogar Lungenbläschen
wieder rekrutiert, also eröffnet werden. All das
macht die Flüssigkeitsatmung bei der Behandlung von Intensivpatienten mit Lungenversagen interessant. Und deshalb gab es eine internationale Studie mit der Flüssigkeit
Perfluorocarbon, an der meine Arbeitsgruppe
in Berlin seit Jahren forschte. Bis zum Sommer des Jahres 2000 aber nur im Labor. Dann
Liebigstrasse aktueLL
|
kam dieser Patient,
dessen Lunge schon
derart
geschädigt
war, dass eine herkömmliche maschinelle Beatmung nicht
ausgereicht hätte. Ich
entschloss mich, ihn
per partieller Flüssigkeitsatmung zu behandeln – mit Erfolg.
Allerdings
stoppte
die oberste Arzneimittelbehörde
der
USA die gesamte internationale Studie,
weil sie schließlich
keine Vorteile gegenüber konventionellen UKL-Intensivmediziner Udo X. Kaisers war an einer ersten internationaMethoden sah. Damit len Studie zur Flüssigkeitsatmung beteiligt.
war zugleich die Thewerden – sie ist ja bereits mit Flüssigkeit gerapie gestoppt, bei der
füllt. Das kann nicht nur Intensivpatienten
die Lunge teilweise mit Perfluorocarbon, wozugutekommen, sondern auch beispielsweise
rin Sauerstoff gelöst ist, gefüllt wird.
Tauchern. Sie könnten ganz tief absteigen,
n Also: Patient lebt, aber Therapie angeblich
ohne die Taucherkrankheit fürchten zu müserfolglos.
sen. Das ist doch der Traum vieler Taucher.
Auch wenn jetzt keiner mehr davon redet: Die
Idee der Flüssigkeitsatmung wird fortbestehen. Wenn der Gasaustausch in der Lunge
nicht wie üblich über Luft, sondern über eine
mit Sauerstoff angereicherte Flüssigkeit erfolgt, kann die Lunge nicht mehr komprimiert
n Wenn ich schon ein Schlückchen Kaffee in
die falsche Röhre bekomme, muss ich das heraushusten. Wie soll der Taucher oder der Intensivpatient es aushalten, wenn ihm die Lunge auch nur teilweise mit Flüssigkeit gefüllt
wird?
Ja, das ist ein Problem. Weil das gesamte Tracheobronchialsystem des Menschen, also Luftröhre und Luftröhrenäste, auf den Luftaustausch angelegt ist. Flüssigkeit können wir
Menschen – im Gegensatz zu den Kiemenatmern, den Fischen – nicht ein- und aussaugen. Deshalb funktioniert die Therapie der
partiellen Flüssigkeitsatmung nur, wenn der
Patient sediert ist.
n Die Taucher im Kultfilm „Abyss“, die die
Sauerstoff-Flüssigkeit hinunterwürgen und
diese dann wie die Fischlein ein- und ausatmen – das ist alles nur Quatsch?
Ganz abgesehen vom reflexhaften Verweigern
der Flüssigkeitsatmung: Für den Gasaustausch – vor allem, um das CO2 aus dem
Körper abzutransportieren – müsste die
Flüssigkeit im Taucheranzug ein- und ausgeatmet werden. Das ist nicht allein per Muskelkraft möglich, sondern nur mit einer
Pumpe. Erforscht werden müssten deshalb
Fließeigenschaften von Flüssigkeiten im
menschlichen Tracheobronchialsystem. Dazu
gibt es übrigens an der TU Chemnitz ein
ganz interessantes Projekt: Es wird nicht nur
die Sauerstoffverteilung in der Flüssigkeit
während des Atemvorganges untersucht,
sondern auch die Strömungsbedingungen in
den Atemwegen. Auf die Ergebnisse bin ich
gespannt. Und Sie sehen: Die Idee der Flüssigkeitsatmung lebt.
Interview: Uwe Niemann
SeiTe 7
Phänomen Handynacken: Weniger ist mehr
UKL-Orthopäde Prof. Heyde hält nichts von Verboten, rät aber zum vernünftigen Umgang mit Smartphones
und Tablets
n Mit dem ungebrochenen Siegeszug von Smartphones und TabletComputern in Büros, Cafés und Kinder- und Jugendzimmern hat seit
einiger Zeit auch ein neues Krankheitsbild Einzug gehalten: Der sogenannte „Handynacken” ereilt viele
Menschen, die es mit der Elektroniknutzung übertreiben. UKL-Wirbelsäulen-Experte Prof. Dr. Christoph-E.
Heyde hält nichts von Verboten, aber
viel von zeitlich begrenzter Nutzung
und körperlichem Ausgleich.
Verharrt der Kopf zu lange in einer falschen Position – wie hier beim Benutzen eines Smartphones –
können enorme zusätzliche Kräfte auf die Nacken- und Schultermuskulatur wirken. Foto: S. Straube
studien mit gewissen Vereinfachungen
Leipziger Wirbelsäulenspezialist vor allem
handelt”, sagt Prof. Christoph-E. Heyde,
eine Maßnahme an: Das Mobiltelefon
Leiter des Bereichs Wirbelsäueinfach mal ausschalten und
lenchirurgie der Klinik und
weglegen. „Zum einen befreit
Poliklinik für Orthopädie,
der Nutzer seinen Körper von
Unfallchirurgie und Plastische
der fortgesetzten Fehlhaltung,
Chirurgie am UKL. „Diese
zum anderen entgeht er auch
Form der Überbeanspruchung
der ständigen Reiz-Überflubekommen wir in der täglitung, die vor allem von der
chen Arbeit recht häufig zu
dauerhaften Benutzung der
sehen”, berichtet der UKLhandlichen
elektronischen
Mediziner. „Die Muskulatur
Geräte herrührt.”
Wer das aus beruflichen Grünist ein lebendiges Gebilde.
den nicht könne, der sollte zuWird sie zu stark beansprucht,
mindest regelmäßige Pausen
kann sie durch die unphymachen, seine Haltung übersiologische Haltung leiden
Prof. Dr.
prüfen und korrigieren und
und für weitere Schmerzen
Christoph-E.Heyde
die Position des Mobiltelefons
oder Verspannungen sorwechseln. Wichtig seien auch
gen.”
körperliche Aktivität, ausgleichender
Aus der US-Studie geht hervor, dass die
Sport und Pausen, auch für den ganzen
Menschen der industrialisierten Welt je
Rücken. Denn je länger ein mobiles Gerät
nach Nutzungsverhalten rund 700 bis
genutzt wird und die Belastung des Na2000 Stunden pro Jahr in der Fehlhaltung
ckens und der Schulterpartie steigt, desto
verharren, um auf Smartphones zu schaumehr wird auch der gesamte Rücken been. Diese enorme Fehlbelastung kann die
lastet.
Nacken- und Schultermuskulatur auf
Das gelte aber nicht nur für Erwachsene
Dauer nur schwer kompensieren. Als ef– sondern im rasant steigenden Maße
fektivste Behandlungsmethode sieht der
Foto: Stefan Straube
Der ständige Blick nach unten auf Mobiltelefone, Laptops und Tablet-Computer
hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Massenphänomen entwickelt. Schnell
mal Facebook checken, eine WhatsAppNachricht beantworten oder das neue Video auf YouTube teilen – für eine immer
größer werdende Masse von Menschen
sind dies ganz alltägliche Tätigkeiten geworden.
Die mobilen Geräte sind Segen und Fluch
zugleich: Denn mit der zunehmenden
Nutzung der elektronischen Informationsmedien kann auch der „Handynacken”
einhergehen – durch eine dauerhafte, unnatürliche Körperhaltung im Nackenund Schulterbereich. Der US-Forscher
Kenneth K. Hansraj, Chef-Chirurg am
New Yorker Klinikum für Wirbelsäulenchirurgie und Rehabilitation, hat dies nun
in einer Studie nachgewiesen: Wird der
rund vier bis sechs Kilogramm schwere
Kopf eines Erwachsenen im Winkel von
15 Grad gesenkt, zum Beispiel um eine EMail auf dem Handy zu lesen, wirken
rund 13 Kilo zusätzlich auf die Wirbelsäule.
Je weiter der Kopf geneigt wird, desto höher sind die Kräfte, die auf das menschliche Rückgrat wirken. Ein 60-Grad-Winkel des Kopfes bewirkt eine erhöhte
Beanspruchung der Wirbelsäule von rund
30 Kilo. Die Folgen: Verspannungen,
frühzeitiger Verschleiß der Wirbel, Abnutzung – im schlimmsten Fall drohen
operative Eingriffe.
„Die Studienergebnisse sind für uns als
Praktiker nichts Neues, nun haben wir es
aber schwarz auf weiß. Allerdings muss
man diese Daten auch richtig einordnen,
da es sich um biomechanische Modell-
auch für Kinder und Jugendliche. Die resultierenden Probleme sind vielfältig. Neben der Gefahr des „Handynackens“
kommen unter anderem die Probleme
der oft mit ausgeprägter Mediennutzung
einhergehenden körperlichen Inaktivität
und eine resultierende Reizüberflutung,
gerade bei Kindern, dazu. Fast jeder junge Mensch in den Industriestaaten besitzt
mittlerweile ein mobiles Telefon, ein Tablet oder einen Laptop. Prof. Heyde sieht
bei der „außerklinischen” Behandlung des
Handynackens, die eher in der Prävention
zu sehen ist, vor allem einen erzieherischer Ansatz für diese Gruppe. Verbote
bringen gar nichts, ist sich der UKL-Mediziner sicher.
Stattdessen schlägt der Mediziner den Eltern vor, den Nachwuchs mit einem positiven und konstruktiven Gespräch über
die Folgen von zu starker Handynutzung
aufzuklären. „Meiner Meinung nach sollte es eher darum gehen, den Handynacken
und seine körperlichen Symptome von
vornherein zu verhindern, als ein generelles Nutzungsverbot zu verordnen.” Darüber hinaus seien hier vor allem die Eltern
als Vorbilder und Motivatoren gefragt,
meint Heyde: „Sieht das Kind oder der
Jugendliche, dass ein oder beide Elternteile ständig auf die Mobilgeräte schauen,
so erkennt es darin eine sinnvolle und
nachahmenswerte Angewohnheit. Und
ahmt dieses Verhalten falsch nach.“
Sollten die präventiven Maßnahmen nicht
fruchten, bietet die Klinik und Poliklinik
für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL eine spezielle
Wirbelsäulen-Sprechstunde an. In dieser
kümmern sich Prof. Heyde und seine
Kollegen um Patienten mit Beschwerden
im Hals-, Nacken- und Wirbelsäulenbereich. Natürlich auch um Betroffene des
Handynackens.
Frank Schmiedel
Wirbelsäulensprechstunde Erwachsene:
Dienstag: 9 bis 14 Uhr
Donnerstag: 9 bis 15 Uhr
Wirbelsäulensprechstunde Kinder:
Dienstag: 9 bis 15 Uhr
Terminvereinbarung:
0341 - 97 17 005
Terminvereinbarung Kinderorthopädie:
0341 - 97 26 226
(Mittwoch von 7 bis 15 Uhr)
Gottesdienste zu Ostern
an der Uniklinik
Am Karfreitag, dem 3. April, findet um 10
Uhr ein Gottesdienst im Raum der Stille
statt, ebenso am Ostersonntag, dem 5.
April.
Raum der Stille
Hier können sich Patienten, Besucher und
Mitarbeiter zurückziehen und auftanken
oder Abstand bekommen. Hier finden sie
Stille für Besinnung und Gebet oder können Gottesdienste feiern. Der Raum der
Stille im Übergang zwischen Haus 4 und
Haus 6 (Liebigstraße 20) ist ganztägig geöffnet.
Gottesdienste und Andachten
Im Raum der Stille (Liebigstraße 20) findet an jedem Sonntag um 10 Uhr ein Gottesdienst statt. Im Zentrum für Psychische
Gesundheit (Semmelweisstraße 12) wird
an jedem Dienstag um 17 Uhr zur Abendbesinnung eingeladen. ic, Foto: S. Straube
|
LiebigSTraSSe aKTUeLL
seite 8
n Zahl der WOChe
200 000
E-Mails
Anfragen, Rechnungen, Besprechungstermine – etwa 200 000 EMails erreichen täglich die Universitätsmedizin Leipzig. Geprüft
werden sie alle durch verschiedenste Erkennungssysteme, die
einen Großteil der unerwünschten
Spam-Mails herausfiltern. Nur 20
bis 30 Prozent der elektronischen
Post landen so tatsächlich in den
Mailpostfächern der Mitarbeiter.
Das sind immerhin noch bis zu
60 000 Mails – und das jeden Tag.
ukl
Praxisorientierte Diskussion der
Bildgebung
„radiologie aktuell“ 2015 zur Leber und zu gynäkologischen erkrankungen
n In guter Tradition hat die Klinik und
Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Leipzig Ende März ins Gewandhaus zu „Radiologie aktuell“ eingeladen.
Thematische Schwerpunkte der nunmehr
23. Jahresveranstaltung dieser Kongressreihe bildeten Erkrankungen von Leber
und Gallenwegen sowie gynäkologische
Erkrankungen.
„Wir konnten erneut auswärtige Fachexperten
wie auch Kollegen des Leipziger Universitätsklinikums als Referenten gewinnen“, so Prof.
Dr. Thomas Kahn, wissenschaftlicher Kongressleiter und Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie.
Unter anderem stellte Prof. Dr. Dr. Michael
Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik
Leipzig, moderne operative Therapiekonzepte
vor und formulierte Anforderungen an die
bildgebende Diagnostik.
„Bei Erkrankungen der Leber und der Gallenwege sowie bei gynäkologischen Erkrankungen sind in den vergangenen Jahren wesentliche Fortschritte in Diagnostik und Therapie
erzielt worden“, so Prof. Kahn. Deshalb wur-
Prof. Thomas Kahn, Direktor der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie am UKL, ist
wissenschaftlicher Kongressleiter von „Radiologie aktuell“.
Foto: Stefan Straube
den auf dem Kongress in bewährter interdisziplinärer Weise die aktuellen Standorte definiert und von ausgewiesenen Sachkennern
praxisorientiert dargestellt. Themen waren
unter anderem die Wertigkeit neuer Kontrastmittel für die MR-Diagnostik der Leber, die
Möglichkeiten der minimal-invasiven radiologischen Therapie von Lebertumoren und
erste Ergebnisse des Einsatzes des PET-MRT
bei gynäkologischen Tumoren. Es waren mehr
als 400 Teilnehmer aus dem gesamten BundesUwe Niemann
gebiet erwartet worden
Messgerät für Tumorzellen
Leipziger Forscher machen großen schritt auf dem Weg zur personalisierten krebstherapie
n Eine Neuentwicklung aus dem Biomedizinisch-Biotechnologischen Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig
könnte in Zukunft die Behandlung von
Krebspatienten revolutionieren. Die
Wissenschaftler um Prof. Dr. Andrea
Robitzki haben ein Messgerät entwickelt, mit dem bis zu 96 Proben gleichzeitig analysiert werden können.
„Wir können zum Beispiel zeitgleich an 96
Zellproben von einem Tumor die Wirkung
von unterschiedlichen Medikamenten testen,
aber auch die Wirkung eines Medikaments
auf 96 unterschiedliche Tumorzellen“, umreißt Robitzki zwei von zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten der Apparatur. Getestet
wurde die Technik unter anderem bereits an
Zellen, die aus Gehirntumoren entnommen
worden waren. Die Erkenntnisse des Medizinerteams wurden jetzt im renommierten
Fachmagazin „Biosensors and Bioelectronics“
veröffentlicht.
„Die große Flexibilität des Systems erlaubt es
natürlich auch, die 96 auf einer Platte angeordneten kleinen Behälter gruppenweise zu
bestücken“, berichtet Robitzki weiter. Anhand
der Messung des elektrischen Widerstandes
der Tumorzellen lässt sich deren Zustand permanent kontrollieren und dokumentieren,
wie sie auf die Medikamentengabe reagieren.
„Dabei interessiert uns: Wie viele Zellen werden angegriffen, welche Zellen sind eventuell
resistent, wann tritt der ‚programmierte Zelltod‘ ein? Denn wenn diese Fragen beantwortet werden können, sind eventuelle Rückschlüsse darüber möglich, mit welchen
Chemotherapeutika, vielleicht auch mit welchen Medikamentenkombinationen die Tumoren am besten bekämpft werden können“,
Liebigstrasse aktueLL
|
Wissenschaftler des Biomedizinisch-Biotechnologischen Zentrums haben mit einem neuen Analysegerät einen großen Schritt bei der Untersuchung von Tumorzellen gemacht.
Foto: dpa
sagt die Wissenschaftlerin. Denn durch die
Messungen sowohl an 2D-Modellen wie auch
an 3D-Modellen erhalten die Mediziner einen
„elektronischen Fingerabdruck“ der Zellen
und deren Reaktion auf die Behandlung.
Wesentlicher Vorteil ist nach Robitzkis Worten, dass alle Untersuchungen an lebenden
Zellen gemacht werden. „Denn es nützt natürlich nicht viel, wenn man Zellen untersucht, die bereits abgestorben sind, von denen
nicht bekannt ist, wie sie sich entwickelt haben und wie sie sich weiter entwickeln würden.“ Nun ist auch möglich, über längere
Zeiträume zu beobachten, wie sich die Behandlung auf die Tumorzellen auswirkt. „Mit
dem neuen Messsystem können die vitalen
Zellen innerhalb weniger Sekunden analysiert
werden. Da die Messung die Zellen nicht beeinflusst, ist es nun möglich, über mehrere
Tage zu beobachten, wie sich die Behandlung
auf die Tumorzellen auswirkt“, erklärt sie.
Und die BBZ-Mannschaft hat noch ein Feature
eingebaut, das die Funktionalität des Systems
um eine weitere Dimension erweitert: Die
Messfelder können auch mit Halbleiterelektroden ausgerüstet werden. „Da diese durchsichtig
sind, kann nicht nur elektrisch gemessen, sondern auch optisch überprüft werden, wie sich
die Zellen verhalten.“ So können verschiedene
Nachweismethoden parallel betrieben werden.
Die bereits angesprochene Revolution in der
Behandlung von Krebspatienten beschreibt
Robitzki sehr vorsichtig, denn noch sind zahlreiche Hürden zu nehmen. „Wir wissen der-
zeit noch nicht, ob sich der Tumor im Organismus tatsächlich so verhält, wie seine Zelle
in der Analyse“, gibt sie zu bedenken. Dennoch könnte durch das neue System unter
Umständen eine auf den einzelnen Patienten
maßgeschneiderte Therapie, eine „personalisierte Medizin“ ermöglicht werden. „Möglicherweise kann zum Beispiel auf eine Breitband-Gabe von Medikamenten verzichtet
werden, weil außerhalb des Körpers gezeigt
werden kann, wie die Tumorzellen auf ganz
bestimmte Arzneimittel reagieren.“ Dadurch
könnten unter Umständen unerwünschte
Nebenwirkungen von Chemotherapien auf
ein Mindestmaß reduziert werden. Des Weiteren können die neuen Erkenntnisse auch
dazu beitragen, in der Entwicklung von
Krebsmedikamenten voranzukommen.
Auch wenn das noch Zukunftsmusik ist, ist
den Wissenschaftlern mit der Entwicklung
des durch das Sächsische Ministerium für
Wissenschaft und Kunst geförderte Projekt
ein ganz großer Schritt in der Tumorforschung gelungen. „Wir lernen durch die Untersuchungen sehr viel über das Verhalten von
Tumorzellen“, sagt Robitzki. Nachgewiesen
werden kann zum Beispiel, wie sich Tochtergeschwülste vom Ursprungstumor unterscheiden, wie sich sehr aggressive Tumoren
von weniger aggressiven unterscheiden, wann
möglicherweise ein chemotherapie-sensitiver
Tumor chemotherapie-resistent wird. Untersuchungen wurden dabei nicht nur an Zellen
von Hirntumoren gemacht, auch der gefürchtete Schwarze Hautkrebs, das Melanom, wurde in Kooperation mit der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des
Universitätsklinikums Leipzig unter Leitung
von Prof. Dr. Jan-Christoph Simon bereits
unter die Lupe genommen.
Jörg Aberger
seite 9
n
BLUMENSTRAUSS DER WoChE
Ein Dankeschön für Angelika Brock
Diesen Blumenstrauß der Woche übergab der Kaufmännische Vorstand des UKL, Ekkehard Zimmer (l.), persönlich:
als herzliches Dankeschön an Angelika Brock, die seit 35
Jahren als Physiotherapeutin am UKL tätig und immer für
die Patienten da ist – weit über das durchschnittliche Maß
hinaus. Vorgeschlagen wurde sie von Dominic Schwedt (r.),
dem Sprecher der Physikalischen Therapie und Rehabilitation am UKL. „Angelika Brock ist eine extrem engagierte
Kollegin, die trotz Stress immer ein Lächeln für alle übrig
hat und auch in ihrer Freizeit kranke Kinder in der Dritten
Welt physiotherapeutisch behandelt“, so Schwedt.
„Das ist eine Riesen-Überraschung und für mich eine tolle
Motivation“, freute sich Angelika Brock, die während einer
Besprechung mit dem Strauß überrascht wurde. „Ich arbeite wirklich praktisch jeden Tag gern hier, vor allem mit
den Kindern“, sagt die 57-jährige Physiotherapeutin, zu
deren Aufgaben die Behandlung von Patienten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Pädiatrie und der Gynäkologie gehören.
Das macht sie mit viel Herzblut und Einsatz – DANKE dafür im Namen des UKL!
Foto: Stefan Straube
Mit dem „Blumenstrauß der Woche“ möchten wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitätsmedizin „Danke“
sagen für ihre Arbeit und ihr Engagement. Wenn Sie jemanden kennen, der schon lange einen Blumenstrauß verdient hat
– sagen Sie es uns. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge, bitte
per Mail an [email protected] oder per Telefon
0341 - 97 15 905.
Das Team der „Liebigstraße aktuell“
Neues Gen für frühkindliche Epilepsie entdeckt
Veränderungen stören das elektrische gleichgewicht im gehirn
Die Funktionsfähigkeit des Gehirns beruht unter anderem auf dem Zusammenspiel vieler verschiedener Ionenkanäle,
welche eine überschießende Ausbreitung
elektrischer Aktivität durch ein sensibles
Gleichgewicht zwischen hemmenden und
fördernden Einflüssen verhindern. Sie
sitzen, gemeinsam mit vielen weiteren
Poren und Kanälen, in der Zellwand einer
Nervenzelle.
„Zu diesen zahlreichen Kanälen gehört
auch der Kaliumkanal KCNA2. Durch
Öffnen und Schließen bestimmt er den
Durchfluss von Kaliumionen und beeinflusst damit die elektrische Erregbarkeit
der Nervenzellen im Gehirn“, erklärt Professor Dr. Johannes Lemke, kommissari-
sie jedoch noch früher und blieb bis ins
scher Leiter des Instituts für HumangeneErwachsenenalter bestehen. Auch der
tik am Universitätsklinikum Leipzig.
Grad der geistigen Behinderung und weiMutationen in verschiedenen Ionenkanäterer Begleitprobleme war bei der zweiten
len sind eine wesentliche Ursache von
Gruppe stärker ausgeprägt.
Epilepsien. „Deshalb ist die Identifikation
Die durch die Störung des Kalium-Ionendes jeweils gestörten Ionenkanals wichtig
kanals ausgelösten frühkindlichen Epifür die Diagnose des individuellen Epilepsien bilden ein eigenständiges Kranklepsie-Syndroms und damit auch für desheitsspektrum innerhalb der sogenannten
sen Behandlung“, sagt Professor Dr. Holepileptischen Enzephalopathien, schwerger Lerche, Vorstand am Hertie-Institut
wiegenden Epilepsien mit Beginn im Kinfür klinische Hirnforschung (HIH) der
Universität Tübingen und
Ärztlicher Direktor der
Abteilung Neurologie mit
Schwerpunkt Epileptologie des Universitätsklinikums Tübingen.
Bei ihren Untersuchungen
stellten die Wissenschaftler
fest, dass die entdeckten
genetischen Mutationen
die Funktion des Kaliumkanals auf zwei Arten stört:
Bei einigen Patienten ist
der Kaliumfluss stark eingeschränkt, während er bei
anderen massiv erhöht ist.
Bei den Patienten mit eingeschränkter Funktion des
Kaliumkanals traten erste
epileptische Anfälle im Alter von etwa einem Jahr
auf und verloren sich im
Kindes- oder Jugendalter.
Prof. Johannes Lemke, kommissarischer Leiter des Instituts für
Bei Patienten mit gesteiHumangenetik, hat die Studie zur frühkindlichen Epilepsie mit
gerter Funktion desselben
Tübinger Kollegen geleitet.
Kanals begann die EpilepFoto: Stefan Straube
n Bestimmte Formen frühkindlicher
Epilepsien werden durch bislang unbekannte Mutationen eines KaliumIonenkanal-Gens (KCNA2) ausgelöst.
Die entdeckten Veränderungen stören auf zwei Arten das elektrische
Gleichgewicht im Gehirn: Bei einigen
Patienten ist der Kaliumfluss stark reduziert, während er bei anderen massiv erhöht ist. Beides kann zu schlecht
behandelbaren epileptischen Anfällen sowie zu einem Stillstand oder zu
Rückschritten in der geistigen und
motorischen Entwicklung führen. Das
zeigt die aktuelle „Nature Genetics“Publikation einer europäischen Arbeitsgruppe unter Leitung von
Wissenschaftlern der Universitäten
Leipzig und Tübingen.
desalter, die mit unterschiedlich stark
ausgeprägten Entwicklungsstörungen, Intelligenzminderungen und weiteren neuropsychiatrischen Symptomen – wie Autismus und Koordinationsstörungen
(Ataxie) – verbunden sind.
Für die Patienten, bei denen der Kaliumfluss erhöht wird, ergibt sich eine unmittelbare Behandlungsoption, da ein verfügbares und zugelassenes Medikament,
das 4-Aminopyridin, diesen Kanal spezifisch blockiert. Erste Patienten sollen jetzt
damit behandelt werden. Die Wissenschaftler und Ärzte hoffen auf eine Besserung der Anfälle aber auch der geistigen
Fähigkeiten.
Eine schwere Entwicklungsverzögerung,
die darauf beruht, dass sich während der
Hirnentwicklung ganz andere Verschaltungen ergeben haben oder Nervenzellen
gar nicht richtig ausgebildet wurden, wird
sich natürlich nicht zurückbilden können.
Deshalb ist es in der Zukunft so wichtig,
die Gendefekte möglichst früh zu erkennen, um Entwicklungsstörungen so weit
wie möglich zu vermeiden.
Auch bei den Patienten mit einem Funktionsverlust des Kaliumstroms wollen die
Wissenschaftler durch weitere Experimente herausfinden, wie die epileptischen
Anfälle genau entstehen, um daraus neue
Therapiemöglichkeiten abzuleiten. So
wären sie zumindest in der Lage, einem
kleinen Teil der Patienten mit epileptischen Enzephalopathien zu einer verbesserten und individualisierten Therapie zu
verhelfen.
MF
|
Liebigstrasse aktueLL
SEITE 10
Die Gleichung, die Grillen fliehen lässt
n Kämpfe unter Artgenossen sind
völlig normal. Um Futter oder Partner konkurrieren die Tiere eben.
Aber eine ernste Verletzung wollen
sie partout vermeiden. Kosten und
Nutzen einer Kampfhandlung sind
abzuschätzen. Aber wie soll das gehen, wenn kein rationales Denken
möglich ist? Für die besonders kampfeslustigen Grillen ist nun klar: Es
gibt einen Mechanismus. Dabei werden wichtige Informationen sozusagen addiert – ist das Maß voll, entscheiden sich die Grillen zur Flucht.
Kurios: Selbst der theoretisch starke
Gewinner ist anschließend vor allem
stark anfällig für negative Erfahrungen. Forscher um den Neurobiologen
Paul Stevenson von der Universität
Leipzig erklären diese Phänomene
mit der Freisetzung des natürlichen
Botenstoffs Stickoxid ins Gehirn. Ihre
Erkenntnisse haben sie in der OnlineFachzeitschrift "Science Advances"
veröffentlicht.
"Entscheidend für den Ausgang eines
Kampfes ist nicht unbedingt, ob eine
Grille wirklich stärker ist als ihr Kontrahent – sondern wie viel der bereit ist
einzustecken",
erläutert
Stevenson.
"Selbst eine Grille, die blind ist oder ihre
kräftigen Mandibeln, ihre Mundwerkzeuge, nicht benutzen kann, tritt zum
Kampf an. Und ihr scheinbar klar überlegener Gegner gibt oft auf, ohne ersichtlichen Grund."
Der Engländer glaubt, den Grund nun
zu kennen. "Auch die eigentlich unterlegene Grille teilt aus, mit Drohgebärden,
Geräuschen, Schlägen. Ihr Gegner addiert diese Informationen – bis zu einem
gewissen Punkt. Ist der erreicht, beendet
Foto: Dr. Jan Rillich / FU Berlin
Kämpfe zwischen Grillen: Forscher fanden heraus, warum der Stärkere nicht immer der Gewinner sein muss
Eine kampfbereite Grille: Wer mehr droht und sich aufplustert, der hat im Grillenreich eine gute
Chance, kampflos als Gewinner aus einem Konflikt hervorzugehen.
er den Kampf, gegebenenfalls als Verlierer." Im Grillenkörper werde bei jedem
Negativerlebnis ein Enzym aktiviert, das
wiederum ein Gas freisetze: Stickoxid.
"Dieser Botenstoff macht Tiere weniger
aggressiv, auch bei Säugetieren ist das so.
Die Gleichung ist einfach: Je mehr davon
zusammenkommt, desto höher die
Wahrscheinlichkeit der Flucht."
Die Wissenschaftler haben nun in ihren
Versuchen das Freisetzen des Stickoxids
bei je einer Grille blockiert. Mit der Blockade im Körper bleibt eine blinde Grille
lange aggressiv genug, um als Sieger aus
dem Kampf hervorgehen zu können –
und selbst eine Grille mit gelähmten
Mandibeln kann gewinnen. Die Treffer,
die sie einsteckt, können zahlreich sein –
aber beim Kontrahenten ist schneller der
Punkt erreicht, an dem er aufgibt.
Was macht der Gegner? Wie viel Stickoxid wird freigesetzt? Darum gehe es, so
der Leipziger Forscher. Doch in dem
Fachartikel, den Stevenson und sein CoAutor Dr. Jan Rillich von der Freien Universität Berlin verfasst haben, gibt es
noch ein zweites Thema: die Phase direkt
nach dem Grillenkampf. "Normalerweise
ist der Sieger besonders aggressiv und
geht sozusagen gestärkt aus dem Kampf
hervor", sagt Stevenson. "Aber nicht bei
einem direkten Folgekampf gegen einen
neuen Konkurrenten, dann gibt er
schnell auf." Die Gleichung aus Kampf
Nummer eins gelte noch immer, zumindest für eine kurze Zeit. "Die neuen Gegentreffer werden zu den bisherigen addiert." Die Aggression, die nötig sei, um
sich dem Kampf zu stellen, werde unterdrückt – es sei denn, eine Stickoxid-Blockade wirkt.
"Grillen haben also eine Strategie, der
aber keine höhere kognitive Leistung zugrunde liegt, sondern eine Addition gegnerischer Reize", fasst Paul Stevenson die
neuen Erkenntnisse zusammen. "Dieser
Mechanismus hat mit Stickoxid zu tun."
Nun ließe sich zum Beispiel fragen, wie
sich das bei anderen Tieren verhält, oder
auch bei Menschen. Ist eine Denkleistung entscheidend oder sind es vielleicht
auch solch simpel anmutenden Prozesse?
Denkbar sei, so Stevenson, dass Ergebnisse wie die jetzt präsentierten irgendwann zum Beispiel bei der Behandlung
posttraumatischer Belastungen eine RolCarsten Heckmann
le spielen können.
Gross wird Direktor des Dubnow-Instituts
n Prof. Dr. Raphael Gross ist seit dem
1. April 2015 Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte
und Kultur an der Universität Leipzig.
Er tritt dort die Nachfolge von Prof. Dr.
Dan Diner an und übernimmt gleichzeitig den Lehrstuhl für Jüdische Kultur
und Geschichte an der Universität Leipzig. Im Zuge dessen beendet er seine
Leitungstätigkeiten im Jüdischen Museum Frankfurt, am Fritz Bauer Institut
Frankfurt sowie am Leo Baeck Institut
London.
Professor Gross wird diese Führungspositionen übergangsweise zur Sicherstellung der jeweiligen Nachfolge noch
wahrnehmen. Zwischen dem Jüdischen
Museum in Frankfurt am Main, das von
ihm noch bis zum 30. April 2016 geleitet
werden wird, und dem Simon-DubnowInstitut in Leipzig soll eine enge und
nachhaltige Kooperation entstehen.
Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange,
erklärt: "Ich freue mich sehr, dass wir mit
Herrn Professor Raphael Gross einen so
renommierten Wissenschaftler für das
Simon-Dubnow-Institut in Leipzig ge-
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
|
winnen konnten. Ich heiße ihn herzlich
in Sachsen willkommen und bin mir sicher, dass er die erfolgreiche Arbeit des
Instituts unter der Leitung von Prof. Dan
Diner weiter voranbringen wird. Er
kennt die Leipziger Einrichtung, war bereits Mitglied im wissenschaftlichen Beirat und wird mit seiner Internationalität
auch die Forschungszusammenarbeit
mit zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen in aller Welt stärken."
Die Rektorin der Universität Leipzig,
Prof. Dr. Beate A. Schücking, sagt: "Mit
Professor Raphael Gross ist es gelungen,
einen international wirkenden und renommierten Wissenschaftler zu gewinnen. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm und befinden uns
schon in intensiven Gesprächen, um die
Kooperation mit der Universität Leipzig
auf eine breitere Basis zu stellen."
Das Simon-Dubnow-Institut für jüdische
Geschichte und Kultur e.V. ist ein An-Institut der Universität Leipzig zur Erforschung der jüdischen Lebenswelten vornehmlich in Mittel-, Ostmittel-, Ost- und
Südosteuropa mit interdisziplinären Zugängen von der frühen Neuzeit bis in die
Moderne. Es beschäftigt derzeit mehr als
Foto: Swen Reichhold / Universität Leipzig
Wissenschaftler aus Frankfurt/Main tritt die Nachfolge von Prof. Dan Diner an
Prof. Dr. Raphael Gross wird neuer Direktor
des Simon-Dubnow-Instituts.
30 Personen auch in Drittmittelvorhaben
und ist international dicht vernetzt. Als
national und international anerkanntes
Forschungsinstitut im Bereich der jüdischen Studien strebt es eine Aufnahme in
die Bund-Länder-Finanzierung an.
Grundlegend für die Weiterentwicklung
der Institutsarbeit sind für Professor
Gross die transnationale Dimension jüdischer Geschichte und ihre Einbindung
in die allgemeine Geschichte vor und
nach dem Holocaust. "Das Simon-Dubnow-Institut hat in Leipzig eine eigene
Tradition jüdischer Geschichtsschreibung
begründet. Im Zentrum steht dabei das
komplizierte Wechsel- und Spannungsverhältnis zwischen jüdischer Geschichte
und allgemeiner Geschichte – und zwar
sowohl methodisch als auch inhaltlich.
Die bestehenden Schwerpunkte möchte
ich beibehalten und gleichzeitig fortentwickeln. Am Anfang werde ich mich besonders um Impulse zur 'Jewish Intellectual History in Context' bemühen.
Außerdem soll zusammen mit der Universität Leipzig ein neuer Studiengang
'Jewish Visual Cultures' eingerichtet werden. Auch als Konsequenz meiner bisherigen Forschung werde ich zudem großes
Gewicht auf die Geschichte jüdischer Juristen legen, ein für Vergangenheit und
Gegenwart deutscher juristischer Entwicklungen besonders wichtiges Forschungsfeld. Mein eigenes Forschungsprojekt über Hans Kelsen passt genau in
diesen Bereich."
CH
SEITE 11 Jenseits der LIEBIGSTRASSE
„Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen,
froh die Gaben schöner Kunst …“
Ludwig van Beethoven und Carl Ludwig persönlich führen durch das Konzert des Leipziger Ärzteorchesters
am 20. April
n Am 20. April findet im Großen Hörsaal im Studienzentrum (Liebigstraße
27, Haus E) ein vielversprechendes
Konzert statt: Erstmals wird ab 19.30
Uhr mit dem Leipziger Ärzteorchester
zusammen ein Chor auftreten, der
sich aus Mitarbeitern der Medizinischen Fakultät der Uni Leipzig zusammensetzt. Unterstützt wird dieser
Projektchor vom Medizinerchor Leipzig unter der Leitung von Maximilian
Raschke.
Kernstück des Konzerts ist Ludwig van
Beethovens berühmte und mitreißende
Chorfantasie für Soloklavier (Pianist: Augenarzt Christian Girbardt), großen Chor
und Orchester. Außerdem werden das
Jazzbasskonzert von Jeff Beal (Solist:
Thomas Stahr) und der bekannte Vals
triste von Jean Sibelius erklingen. Zu letzterem Stück hat die Konzert-Kastagnettenspielerin Friederike von Krosigk eine
Zusatzstimme auf ihrem Percussionsinstrument geschrieben, die sie auch selbst
uraufführen wird.
Ein zusätzliches Vergnügen wird sein,
dass Ludwig van Beethoven und Carl
Ludwig, ein Leipziger Arzt und Physiologe aus dem 19. Jahrhundert, persönlich
(!) das Konzert moderieren werden. Wie
das geht, schauen sich Besucher am besten selbst zum eintrittsfreien BenefizKonzert an. Es wird um eine Spende zugunsten des Cochlea-Implantat-Zentrums
Leipzig gebeten. Die musikalische Gesamtleitung liegt in den Händen von
Christiane Bräutigam.
Torsten Glas
Komponist Ludwig van Beethoven (Dr. Torsten Glas, l.) und der Leipziger Arzt Carl Ludwig (Prof.
Michael Fuchs) führen persönlich durch das Konzert am 20. April.
Foto: privat
Zweites Hörsaalkonzert. Leipziger Ärzteorchester, Mitarbeiter-Projektchor und
Medizinerchor Leipzig.
Es erklingen Stücke von Beethoven, Beal
und Sibelius.
20. April, 19.30 Uhr, Großer Hörsaal im
Studienzentrum, Liebigstraße 27, Haus E.
Mensch ist Mensch, und Liebe ist Liebe
Giorgio Madia Inszenierung von „La cage aux folles“ räumt in der Musikalischen Komödie ab
n Dani Maier, einst First Lady der Oper
Leipzig, bringt es zur Pause schon auf
den Punkt: „Er ist so rührend“, sagt sie,
„wie ein trauriges kleines Mädchen“. Ja,
das ist Patrick Rohbeck, wie er da als
Albin im Straßencafé sitzt und die Welt
nicht mehr versteht. Der Sohn seines
Lebensgefährten Georges will heiraten,
ausgerechnet Anne, die Tochter des politisierenden Moralapostels Dindon. Da
passt eine Transe als Schwiegermutter
nicht gut aufs Familienfoto. Also soll
Albin aus dem Haus. Vorübergehend
zwar nur, aber es trifft ihn mitten ins
Herz.
Die Geschichte kennen wir beinahe alle.
Aus dem komischen US-Kino, aus Frankreich mit Michel Serrault als Albin und
Ugo Tognazzi als Georges, der in Édouard
Molinaros filmischem Meisterwerk von
1978 Renato heißt. Und seit der Premiere
von „La cage aux folles“, die Ende März in
der gestopft vollen MuKo hemmungs- und
rückhaltlos bejubelt wurde, kennen wir sie
nun auch als Musical. Na ja: Die Songs von
Jerry Hermans Erfolgsstück von 1983 bleiben auf der Strecke. Weil die Eindeutschung von Erika Gesell und Christian Severin den Charme der Musik unbeholfen
zwischen hölzernen Reimen verkantet. Dabei hätte man Zeilen wie „I Am What I
Am“ gut auch englisch lassen können.
Aber so ist es halt in Leipzigs Musikalischer
Komödie und im konkreten Falle eigentlich egal. Denn „La cage aux folles“ in Lindenau ist eine fabelhafte Produktion, nicht
als Musical, sondern als Boulevard-Komödie mit Tiefgang, mit Botschaft gar. Vor
allem, weil Patrick Rohbeck so berührt.
Er ist nicht nur Albin, der Kapriziöse, der
Sensible. Er ist auch Zaza, die Herrliche,
die Exaltierte, der Star von Georges’ Transvestitenkabarett. Wie Rohbeck diese bei-
Patrick Rohbeck als Zaza, die Herrliche, mit den Cagelles.
den Seelen, ach, in einer Brust ausbalanciert, die glamouröse Rampensau gibt und
das verwundete Reh, das allein macht diese Produktion sehenswert. Keinen Millimeter dreht er die Schraube zu weit in
Richtung Karikatur. Albin und Zaza, sie
bleiben Mensch. Und weil die Würde dieses Menschen in keinem Augenblick in
Gefahr ist, darf und kann herzlich gelacht
werden über diese natürlich auch saukomische Inszenierung.
Auch Milko Milev stattet seinen Georges
mit Ernst aus und mit Tiefe. Ein Grandseigneur der Nacht, wenn er auf der Bühne
steht, ein liebender Gatte, wenn er mit seinem Albin in besseren Zeiten schwelgt, als
beide noch jung waren und die Welt ihnen
zu Füßen lag. Ein altes Ehepaar, eine herzerweichende Liebesgeschichte, für die es
gleichgültig ist, dass da zwei Männer füreinander da sind. Eigentlich ist in Jean
Portes Bühnenstück von 1973, das dem
Musical ebenso zu Grunde liegt wie den
Filmen, alles bereits gesagt, was heutzutage
Foto: Volkmar Heinz
in verquaster Gender-Folklore ertränkt
wird. Mensch ist Mensch, Liebe ist Liebe.
Und wenn ein Mensch oder eine Liebe der
Toleranz bedarf, ist schon etwas falsch.
Denn jeder Mensch und jede Liebe sollten
selbstverständlich sein, nicht tolerabel.
Das mag alles ein wenig pathetisch klingen
für eine Boulevard-Komödie im MusicalGewand. Aber Giorgio Madia, der auf der
dezent puffigen Bühne und in den hinreißenden Kostümen von Cordelia Matthes
die Inszenierung besorgte und die Choreografie, hat dieses Stück Theater so subtil auf die Bühne gestellt, so elegant und so
sinnlich, dass die Botschaft ankommt.
Eben weil er sie nicht mit großen Buchstaben über die Bühne schreibt. Nicht moralisiert, sondern mit leichter Hand unterschiebt.
Natürlich kommt auch sein „Käfig“ nicht
ohne Tunten-Klischees aus, nicht ohne
Transen-Ulk. Doch in diese grellen Farben
taucht er nicht die Liebenden, sondern das
Show-Personal. Vor allem die grandios
überkandidelten „Cagelles“, das hinreißend schräge übertuntete Tanz-Quartett
aus Yan Leiva, Luan Donato, Wanderson
Wanderley und Roberto Junior lässt er ungezügelt machen, auch Andreas Wolfram
als Zofen-Butler Jacob.
Jeffery Krueger gibt Sohnemann Jean-Michel als schwärmerischen Pubertanten, der
vor Wallung die Gefühle Zazas mit Füßen
tritt. Die Frage, warum er das tut, bleibt
ungeklärt. Verena Barth-Jurca jedenfalls
gibt als zwar vorzüglich tanzende, ansonsten aber vor allem pumpelmuntere Anne
keine überzeugende Antwort. Das bigotte
Ehepaar Dido schließlich zeichnen Michael
Raschle und Angela Mehling als tumbe
Bürgerfratzen, und wie Madia die Cagelles
und das MuKo-Ballett mit seinen rosa Puscheln durcheinanderwirbelt, bis alle Grenzen verschwimmen, das ist großes Kino.
Das ist auch das, was aus dem Graben
kommt. Stefan Diederich, der scheidende
musikalische Oberleiter des Hauses, geht
die Üppigkeit von Hermans filmreif süffiger Partitur mit großer Lässigkeit an. Und
je lasziver und schmissiger das Orchester
der Musikalischen Komödie in dieser herrlich nostalgischen, wenngleich sehr ökonomisch verbreiterten Musik schwelgt,
desto mehr wünschte man sich englische
Texte. Denn: Rohbeck und Milev und
Krueger und der Chor, sie können noch so
gekonnt singen, noch so schön – auf
Deutsch rasten sie einfach nicht ein, die
sinnlichen Linien Hermans. Der singende
Rest versucht meist gar nicht, einen überzeugenden Tonfall zu finden im untauglichen Idiom.
Aber diese Inszenierung verliert auf ihrem
Umweg über die Lachmuskeln das Herz
nie aus dem Blick. Das macht sie groß,
macht sie erfolgreich, sorgt am Ende sicher
für Bravi, Pfiffe, Getrampel.
Peter Korfmacher
|
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
SEITE 12
Zwei Bilder, eine Geschichte:
Uni präsentiert Tübke und Minkewitz
„Arbeiterklasse und Intelligenz“ und „Aufrecht stehen“: Mit Vernissage geht ein langer Streit zu Ende
Brigitte Tübke-Schellenberger vor dem Werk „Arbeiterklasse und Intelligenz“. Das von Werner Tübke von 1970 bis 1973 gemalte Bild zur Universitätsgeschichte ist jetzt im zweiten Stock des Hörsaalgebäudes der
Uni repräsentativ ausgestellt. Es kann wochentags bis abends sowie am Sonnabend bis 14.30 Uhr besichtigt werden.
Foto: Wolfgang Zeyen
n Wenn er von oben zugesehen hat,
dann dürfte er zufrieden gelächelt haben. Denn am 30. März erfüllte sich
posthum der letzte Wunsch des im
September 2013 im Alter von 87 Jahren aus dem Leben geschiedenen
Leipziger Schriftstellers Erich Loest.
„Aufrecht stehen“, dass bei seinem
Freund Reinhard Minkewitz (57) in
Auftrag gegebene Gemälde über den
studentischen Widerstand unter der
SED-Diktatur in den Fünfzigerjahren,
hängt nun genau dort, wo es Loest
immer sehen wollte – repräsentativ im
ersten Stock des Hörsaalgebäudes der
Universität Leipzig.
von „Aufrecht stehen“ gegeben hatte. Der
Leipziger Ehrenbürger war darüber bis zu
seinem Tod verärgert.
Dass es schließlich doch noch zu einer Einigung kam, war letzten Endes Schückings
Verhandlungsgeschick genauso zu verdanken wie der Beharrlichkeit von Loests Lebensgefährtin Linde Rotta und dem Einsatz der Stiftung Friedliche Revolution. Die
Stiftung kümmerte sich um die Finanzierung des Minkewitz-Gemäldes, die jetzt
über viele kleine Spenden und dank einer
großzügigen Gabe der Sparkasse auf sicheren Füßen steht. Über genaue Kosten der
zunächst über zehn Jahre vereinbarten
Leihgabe (mit Option auf weitere 20 Jahre)
Nicht als Einzelstück (2,60 mal 9,20 Meter),
sondern als historischer Gegenpol zum Panorama-Gemälde von Werner Tübke (19292004). Der hatte von 1970 bis 1973 das
DDR-Auftragswerk „Arbeiterklasse und Intelligenz“ (3,20 mal 14 Meter) gemalt. In
einem neuen 130 000 Euro teuren Glaskasten ist das lange Zeit im Depot lagernde
Monumentalgemälde nun erstmalig wieder
in seiner beeindruckenden Größe zu sehen.
Zwei Bilder, auf zwei Etagen, die sich der
jüngeren Geschichte der Universität annehmen. Ein Glücksfall für die Alma Mater und
das Ende des sich über neun Jahre hinziehenden Leipziger Bilderstreits. „Der Weg
war nicht einfach, aber jetzt sind wir stolz
darauf, diese zwei Werke so bei uns zu repräsentieren“, sagte Rektorin Beate Schücking zur Eröffnung. Eine dezente Anspielung darauf, dass es zwischen Loest und der
Uni keine Annäherung über die Hängung
Uni-Rektorin Beate Schücking und Künstler Reinhard Minkewitz vor dem Werk „Aufrecht stehen“, das
im Auftrag von Erich Loest entstand.
Foto: Jan Woitas
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
|
wurde Stillschweigen vereinbart, laut Stiftungsvorstand Michael Kölsch sind noch
40 000 Euro offen, die weiter über Spenden
eingeworben werden sollen. „Es steht der
Uni gut zu Gesicht, dass jetzt über beide
Bilder inhaltlich gestritten werden kann“,
sagte Kölsch in seiner Rede. Er machte klar,
dass seine Stiftung Minkewitz und Tübke
inhaltlich nicht gegeneinander ausspielen
wolle. „Beide Bilder ergeben zusammen ein
explosives Gemisch.“ Darauf verwies auch
Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).
„Die Universität ist der einzig richtige Ort
für beide Bilder“, sagte er. „Tübke gehört
elementar zur Leipziger Uni-Geschichte
und die Sicht von Minkewitz ist die histo-
rische Ergänzung.“ Der OBM bedankte
sich bei Rektorin Schücking für deren Vermittlung im Bilderstreit und wünschte sich
einen „lebendigen Diskurs mit den Werken“.
Der ließ dann nicht lange auf sich warten.
DDR-Bürgerrechtler und Grünen-Politiker
Werner Schulz schlug in seiner pointierten
Rede den weiten Bogen vom studentischen
Widerstand in SED-Zeiten bis zur Opposition in Russland. „Aufrecht stehen ist keine
Frage der Wirbelsäule, sondern des Rückgrats“, sagte er in Anspielung auf den BildTitel von Minkewitz/Loest.
Hart rechnete Schulz mit Tübke ab, dem er
zu große Nähe zur SED attestierte. „,Arbeiterklasse und Intelligenz‘ bleibt ein monströses Propaganda-Werk.“ Schulz’ Generalkritik an Tübke blieb nicht unwidersprochen.
„Das Tübke-Bild ist kein Propagandawerk,
sondern Kunst von internationalem Rang“,
stellte Frank Zöllner, Direktor des Instituts
für Kunstgeschichte, klar.
Später beim ersten Betrachten der beiden
Bilder ging die Debatte unter den rund 300
geladenen Gästen und Studenten weiter.
Folkert Ihmels (86), dessen Bruder Werner
1949 im „Gelben Elend“ in Bautzen starb
und der als Widerständler auf dem Minkewitz-Gemälde verewigt wurde, zeigte sich
angetan von der Schulz-Rede. Brigitte Tübke-Schellenberger reagierte gelassen. „Ich
freue mich, dass das Werk meines Mannes
jetzt sehr gut präsentiert wird“, sagte die
Tübke-Witwe. Und Reinhard Minkewitz
zog nach einem neunjährigen Kampf ein
zufriedenes Fazit. „Das Bild gehört jetzt zur
André Böhmer
Stadtgeschichte.“
SEITE 13 Jenseits der LIEBIGSTRASSE
Die Leipziger Vierlingsfamilie zieht ins
eigene Haus nach Beucha
Leipziger Spedition Gebauer übernimmt Umzug kostenlos / Freunde und Verwandte packen mit an
„So viel Kleinzeug und Spielsachen haben
wir sonst nicht“, sagt Detlef Nixdorf mit
vier Teddys im Arm und einer Spielzeugwaschmaschine in der Hand. Der 55-Jährige, der seit 31 Jahren bei der Spedition
Gebauer arbeitet, läuft gefühlt zum 100.
Mal die Treppen hoch und runter. „Das
ist was Reelles“, meint er, als er mit seinem
Kollegen eine Couch runter wuchtet. Inzwischen stehen Schrankteile, Fahrräder
und Grünpflanzen vor den zwei Lastern
der Spedition Gebauer, die den Transport
mit vier Leuten kostenlos übernimmt.
Berufskraftfahrer Falk Unger verstaut alles sicher auf der Ladefläche.
Als die Laster am Samstagmorgen 7.30
Uhr im Leipziger Südosten anrollten, war
noch alles zugeparkt. Und dass, obwohl
Halteverbotsschilder vor dem LWBMietshaus den Umzug ankündigten. Also
musste die Polizei erst einmal für den nötigen Freiraum sorgen.
Janett und Marcus Mehnert schauen sich
noch einmal um in der leeren Wohnung,
in der sie etliche Jahre gelebt haben, zuerst nur mit Lucas, ihrem Sohn, der neulich seinen neunten Geburtstag feierte.
Dann mit den Vierlingen, die im Januar
2012 als Frühchen zur Welt kamen. „Ich
habe vieles weggeworfen, aber der Gipsabdruck von meinem Vierlings-Schwangerschaftsbauch, der musste mit“, sagt die
junge Mutter. Beide freuen sich aufs neue
Zuhause mit ihren fünf Kindern.
Ein Häuschen im Grünen, wo die Kinder
unbesorgt draußen spielen können, das
war ihr Traum. Sie wären gern in Leipzig
geblieben, was auch Oberbürgermeister
Burkhard Jung gut gefallen hätte, der den
Vierlingen stets persönlich zum Geburtstag gratulierte. Doch Mehnerts fanden in
der Messestadt kein für sie bezahlbares
Haus. Nach längerem Suchen hatten sie
in Beucha, im Landkreis Leipzig, Glück,
stießen auf eine gebrauchte Immobilie
mit
überschaubarem
Grundstück.
Schließlich fanden sie auch eine Bank, die
ihnen den nötigen Kredit gewährte. „Bis
zu meinem 62. Lebensjahr zahlen wir den
Kredit nun ab“, sagt Vater Marcus, der im
Leipziger BMW-Werk als Monteur arbeitet.
Auch dank der zupackenden Freunde der
Mehnerts, Claudia, Anne und Christian,
ist um 11 Uhr alles verstaut. Ab geht’s nach
Beucha. Dort werkeln schon Opa, Schwager und Neffe. Alle laden mit aus. Speditionschef Peter Gebauer ist beeindruckt:
„Mehnerts haben nicht nur viele Kinder,
sondern auch viele Helfer. Sonst wären wir
Fotos: André Kempner
n „Also noch mal umziehen will ich
nicht“, sagt Marcus Mehnert (32), wischt
sich den Schweiß ab, stopft Puppen,
Bausteine und Spielzeugautos in seinen
schon vollen Kofferraum. Seine Frau
Janett (34) schleppt Taschen und Beutel
mit Puppensachen, Malzeug und Kinderbüchern an und drückt, damit alles
hinein passt. Es ist Samstagmorgen: Die
Vierlingsfamilie Mehnert zieht von
Leipzig nach Beucha. Wir sind bei den
in Deutschland einmaligen eineiigen
Schwestern Jasmin, Kim, Sophie und
Laura (3) an diesem besonderen Tag
dabei.
Gut gelaunt ins neue Heim: Die Leipziger Vierlingsfamilie zieht um – und die Spedition Gebauer hilft ihr dabei: Janett Mehnert, Peter Gebauer,
Marcus Mehnert (hinten, v.l.) und Sohn Lucas (vorn), die Schwestern Laura, Sophie, Kim und Jasmin (v.l.).
nicht so schnell fertig.“ Aber ohne die Profis hätten sie das nicht geschafft, meint
Janett dankbar. Die Firma hatte am Tag
zuvor schon die Küche aufgebaut.
Um 14 Uhr sind die Laster leer und rücken ab. Für Mehnerts und ihre Helfer ist
noch reichlich Arbeit da. Zuerst werden
die Bettchen für die Vierlinge aufgebaut.
Die Mädchen haben ein gemeinsames
Schlafzimmer und einen Raum zum Spielen.
Um das muntere Quartett kümmern sich
während des Umzugs die Großeltern. Die
andere Oma sitzt mit Lucas beim Kinder-
arzt, weil er plötzlich Fieber bekam. „Irgendwie kommt immer alles zusammen,
aber zum Glück können wir uns auf Familie und Freunde verlassen“, sagt Janett
Mehnert. „Das war ein Stress, der schon
an die Grenzen ging“, meint die zierliche
Frau und astet Kartons ins Kinderzimmer. Auch Marcus ist anzusehen, dass
wenig Zeit zum Schlafen blieb. Der
32-Jährige hat in seinem Urlaub Möbel
auseinandergenommen, Tapeten abgerissen, gemalert und Laminat verlegt. Das
Zimmer von Lucas ist schon fertig. Mehnerts sind den Kollegen vom BMW-Be-
triebsrat dankbar für einen Gutschein,
mit dem sie auch für den Jungen dringend benötigte Kindermöbel kaufen
konnten.
Mit Leipzig bleiben Mehnerts verbunden.
Die Mädchen gehen nach wie vor in die
Kita Tausendfüßler, auch Lucas besucht
seine Schule in der Messestadt. Mutter
Janett, die unglücklicherweise ihre Arbeit
als Friseurmeisterin in Leipzig verloren
hat, will allerdings nun beruflich von
Beucha aus neu starten. Jetzt freuen sich
Eltern und Kinder erst einmal auf ihr erstes Osterfest im neuen Heim. Anita Kecke
Die Vierlinge, die das Licht der Welt vor mehr als drei Jahren am UKL erblickten, entdecken auf spielerische Weise ihr neues Zuhause.
|
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
SEITE 14
n
RATGeBeR
Mit den richtigen Medikamenten
kopfschmerzen und Fieber leicht behandeln
UKL-Apotheker Dr. Roberto Frontini informiert in einer kleinen Schmerzfibel (Teil 1)
n Was sollte man generell über Schmerzmittel
wissen?
Als erstes ist zu sagen, dass viele aus der
Werbung bekannte Schmerzmittel aus
zwei oder mehreren Wirkstoffen zusammengesetzt sind. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten nie nachweisen, dass
diese Kombinationen besser als die Einzelstoffe sind. Im Gegenteil: Der Zusatz von
Koffein kann eine Gewöhnung auslösen,
die höchst gefährlich ist. Auch die Folgen
bei unsachgemäßem Gebrauch sind
schlimmer. Von solchen Kombinationen
ist also eher abzuraten.
n Was gilt es, bei der Einnahme
von ASS zu beachten?
Foto: ukl
Klassiker unter den Schmerzmitteln ist die Acetylsalicylsäure
(kurz ASS, bekannt unter anderem als Aspirin). Dieser sehr gut
wirksame Wirkstoff hilft in fast
allen Situationen vom Kater bis
zu Regelschmerzen und Fieber.
Allerdings schädigt er die Magenschleimhaut und kann bei regelmäßigem Gebrauch bis zur Magenblutung führen. Patienten, die
andere Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen, müssen
hier extrem vorsichtig sein und unbedingt den
Apotheker oder den Arzt um Rat bitten. ASS
ist auch bei Gicht zu vermeiden und für Kinder nicht geeignet. Bei Schwangerschaft und
Stillzeit ist Vorsicht geboten, da die Resultate
von wissenschaftlichen Untersuchungen bis
jetzt keine eindeutige Sicherheit belegen
konnten. Es ist empfehlenswert, bei der Einnahme von ASS viel Flüssigkeit zu trinken
oder spezielle – und daher auch unnötigerweise teuere – magenschonende Medikamente
zu benutzen. ASS gibt es in vielen Dosierungen. Bei Schmerzen sollte die 500-Milligramm-Dosis gewählt und niemals mehr als
sechs Tabletten am Tag genommen werden.
Spenden Sie bei der BlutBank leipzig
und helfen Sie uns, leben zu retten!
Foto: dpa
Unter Schmerzen, wie sie
zum Beispiel bei Fieber oder
Entzündungen vorkommen,
muss man heute nicht mehr
leiden. Viele Arzneimittel bekommt man in dieser Situation frei verkäuflich – also
ohne Rezept – in der Apotheke. UKL-Krankenhausapotheker Dr. Roberto Frontini erklärt, worauf Patienten bei
den verschiedenen Wirkstoffen achten sollten. Teil 1:
Acetylsalicylsäure und PaDr. Roberto Frontini
racetamol.
n Wann ist Paracetamol die erste Wahl?
In Deutschland weniger geläufig, aber in
anderen Ländern sehr verbreitet ist Paracetamol. Anders als ASS ist dieser Wirkstoff in der gleichen Dosierung wesentlich
verträglicher und besonders ohne jegliche
Nebenwirkungen für den Magen und das
Blutsystem. Die Dosierung kann auf 4 x
1000 Milligramm (= 4 x 2 Tabletten) an
einem Tag gesteigert werden. Beliebt bei
der Erkrankung von Kindern wegen der
sehr guten fiebersenkenden Eigenschaften, ist Paracetamol für alle Schmerzen
ohne Entzündung als Mittel der ersten
Wahl zu empfehlen. Wechselwirkungen
mit anderen Medikamenten sind nicht zu
erwarten. Es ist also als das sicherste
Schmerzmittel einzustufen. Darüber hinaus ist Paracetamol sehr preisgünstig,
ohne deswegen billig zu sein.
Dr. Roberto Frontini,
Leiter der Krankenhausapotheke am UKL
Die bereits erschienenen Teile der Ratgeber Ernährung und Bewegung sowie alle
Apotheker-Tipps können Sie im OnlineArchiv der „Liebigstraße aktuell“ unter
www.uniklinikum-leipzig.de nachlesen.
„Gesichter“
in der Universitätszahnmedizin
Wann und wo?
Institut f. Transfusionsmedizin
jeden Mo. und Fr.
Di. bis Do.
Delitzscher Str. 135, 04129 Leipzig
Außenstelle Nord
Mo.
Mi.
Di., Do., Fr.
geschlossen
8:00 bis 14:00 Uhr
13:00 bis 19:00 Uhr
Gesundheitsamt Grünau
jeden Mo. und Do.
13:30 bis 18:30 Uhr
Gustav-Hertz-Gymnasium
jeden 2. und 4. Dienstag/Monat
14:00 bis 18:00 Uhr
Mi., 08.04.15
14:00 bis 19:30 Uhr
Mo., 13.04.15
10:30 bis 13:30 Uhr
Wohnungsgenossenschaft Wurzen eG* Mi., 15.04.15
Georg-Schumann-Str. 25
04808 Wurzen
* Dankeschön für Blutspender: ein Einkaufsgutschein.
14:00 bis 19:00 Uhr
Miltitzer Allee 36, 04205 Leipzig
Dachsstr. 5, 04329 Leipzig
DRK - Sozialstation Frohburg*
Bahnhofstraße 46, 04654 Frohburg
7:00 bis 19:00 Uhr
8:00 bis 20:00 Uhr
Gesundheitsamt der Stadt Leipzig*
Gustav-Mahler-Str. 3
04109 Leipzig
Für alle Blutspendewilligen, die mit einer guten Tat in ihr Wochenende starten möchten:
Jeden letzten Sonnabend im Monat lädt die Blutspendeeinrichtung auf dem Klinikgelände ein.
Blutspendeinstitut
Sa., 25.04.2015
Johannisallee 32, 04103 Leipzig
Weitere Informationen rund ums
Blutspenden finden Sie im Internet
unter: www.blutbank-leipzig.de
LIEBIGSTRASSE AKTUELL
|
9:00 bis 13:00 Uhr
Foto: Thomas Heymann
Johannisallee 32, Haus 8, 04103 Leipzig
Unter dem schlichten Titel„Gesichter“ steht eine Ausstellung in der Ebene 1 der Universitätszahnmedizin. In der Liebigstraße 12 sind eindrucksvolle Porträtaufnahmen von Thomas
Heymann zu sehen, der dafür vor allem Prominente fotografiert hat: den ehemaligen Gewandhauskapellmeister Kurt Masur beispielsweise oder den Politiker Hans-Dietrich Genscher.
Heymann, Mitglied im Deutschen Verband für Fotografie, wurde 1957 in Altenburg geboren
und studierte Gesang an der Musikhochschule Weimar. Seit 1987 ist er Mitglied des Opernchors der Leipziger Oper. Zahlreiche Ausstellungen und Veröffentlichungen gestaltet er mit
seinen Bildern, so hat er beispielsweise die fotografische Gestaltung des Programmheftes
für die Oper„Eugen Onegin“ an der Oper Leipzig und an der Königlichen Oper Kopenhagen
übernommen. Am UKL sind Heymanns Porträtfotografien bis zum 29. Mai zu sehen.
ic
Institut für Transfusionsmedizin
Gesichter. Fotografien von Thomas Heymann. Ebene 1 der Universitätszahnmedizin, Liebigstraße 12, Haus 1. Zu sehen bis 29. Mai.
seite 15
n
Kreuzworträtsel
3. Fall
der
Deklination
lodernde
Flamme
NeckarZufluss
zuvor,
zunächst
Strom in
Mitteleuropa
Wassertiefenmesser
Sportboot
nordamerik.
Indianerstamm
statist.
Hafen auf erhobene
Fehmarn Informationen
tschech.
Komponist
(Antonín)
† 1904
sich
täuschen
Einmannruderboot
die
Sonne
betreffend
Tubeninhalt
5
Flüssigkeitsmaß
strafen,
rächen
Normeninstitution
(Abk.)
dt. Schauspieler
(Horst)
† 2008
ugs.:
Lärm,
Aufheben
ugs.:
einfältiger
Mensch
Zerstäuberflüssigkeit
Kanton
der
Schweiz
3
4
7
6
9
9
Abk.: zu
Händen
Kurort
im
Tessin
(CH)
1
Völkergruppe
in der
Arktis
unterer
Gesichtsteil
Halbinsel
Ostasiens
ein
Bindewort
Salz-,
Pfeffergefäß
Kurzform
von
Assistent
Viereck
Toilette
Nachlass
empfangen
7
Hauptstadt
von
Lettland
arab.
Volksstamm
Cheruskerfürst
Säugetierordnung
Abk.:
extra
large
8
Stadt in
SchleswigHolstein
franz.:
Gesetz
Fußhebel
Abk.:
Maximum
Verbrauch
von
Speisen
lähmende
Furcht
Streifen,
dünnes
Blättchen
5
Ort in
Oberitalien
(See)
Abk.:
Saarländischer
Rundfunk
Gattin
Friedrich
Wilhelms
III.
3
Feigenkaktus
Stadt am
Niederrhein,
in NRW
großer
Greifvogel
Fruchtform
Wasserstandsmesser
Hast,
überstürztes
Drängen
Engherzigkeit,
Knauserei
blendend
hell
Prachtentfaltung
Westgermane
2
Abk.:
Winterschlussverkauf
Witterungsverhältnisse
Nutzland
lat.:
Erde
2
Stadt
in Thüringen
italienisch:
Liebe
Kehrgerät
Gebäck
aus
Aachen
Verwandter
1
Schwester
von Vater
oder
Mutter
RheinZufluss
Krimiserie
im ZDF
(2 Wörter)
nordspan.
Hafenstadt
weibl.
Vorname
starker
Wind
Abk.:
Seine
Exzellenz
Treibstoff
aufnehmen
Titelheldin
eines
Musicals
männliche
Katze
Rennbeginn
Fechtwaffe
Tierkreiszeichen
nicht
diese
oder
jene
Stadt in
Nordwestmecklenburg
Salzstange
Tatze,
Pranke
franz.
Mittelmeerhafen
Strom
durch
Köln
ungereinigte
Ölsäure
Handgriff
am
Pflug
ugs.:
Nichtskönner
äußerst
schöpferischer
Mensch
eine der
Westfries.
Inseln
Besatzschnur
feierl.
Amtstracht
(kirchl.)
Hunderasse
unparteiisch
6
Aussichtsturm
weibliches
Huftier
ugs.: Bewohner
der alten BRD
Lautsprecher
mit Gehäuse
gehärtetes
Eisen
Verbandmaterial
8
Augenblick,
Termin
ugs.:
Atem
ein
erhabenes
Gefühl
Fluss
zur
Havel
deshalb
4
persönl.
Fürwort,
2. Person
Plural
Opernsologesang
ugs.:
Polizei
Sammelstelle,
Lager
einstellige
Zahl
Währungseinheit
in
Marokko
int.
Renommee
(von ...)
zu
genießen,
nicht
verdorben
Leib,
Rumpf
Hansestadtbewohner
nun
Jugendliebe
Goethes
10
®
bunter
Papagei
Almhirt
s2519.5-34
10
Verlosung: drei Büchergutscheine
Die Lösung des Rätsels im Magazin 05/15 lautete: Baldrian. Über je einen Büchergutschein dürfen
sich Marie-Theres Godey (Leipzig), Gerold Seidl (Plettenberg) und Stefan Werdelmann (Bergheim)
freuen. Herzlichen Glückwunsch!
n
Bilderrätsel
n
Schreiben Sie die Lösung auf eine Postkarte mit dem Kennwort „Kreuzworträtsel“ und senden Sie
diese bis zum 15. April 2015 an unsere UKL-Redaktionsanschrift (UKL, Redaktion «Liebigstraße aktuell», Liebigstraße 18, 04103 Leipzig)) oder per eMail an: [email protected]. In eMails
bitte Adresse angeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
sudoKu
101-0129
leicht
Nur zwei von diesen Papageien sind
genau gleich. Welche sind das?
2 5 1
9
1
9 3
5
4
8
3
5
8
9 4
7
6
3
9 1
4
5
2
4
7
4
6 7
1
7
5 8 6
mittel
7
1
9 6
5
7
schwierig
6 4
8
5
4 3
4
7
1
6 2
1
1
4
6 5
2
9
1 5
1
3
8
7
8
6
3
6
8
6
1
2 5 7
4
4
3
5
6
4
8
1
9
4
2
|
3
5
1
Liebigstrasse aktueLL
(Lösung: Der Papagei in der zweiten Reihe links und der
Papagei in der dritten Reihe rechts sind gleich.)
n
Das uni-klinikum auf einen Blick
n
Wichtige servicenummern
ihre einwahl ins ukL:
(0341) 97 -
universitätsklinikum leipzig
Liebigstraße 18, 04103 Leipzig
telefon
- 109
internet
www.uniklinik-leipzig.de
e-Mail
[email protected]
Zentrale notaufnahme
Liebigstraße 20, 04103 Leipzig
- 17800
(Zufahrt über Paul-List-straße)
Öffnungszeit
24 stunden täglich
notaufnahme
für kinder und Jugendliche
Liebigstraße 20a, 04103 Leipzig
- 26242
Öffnungszeit
24 stunden täglich
Liebigstrasse aktueLL
|
kreißsaal der abteilung
für geburtsmedizin
Blutbank (blutspende)
Liebigstraße 20a, 04103 Leipzig
Öffnungszeit
24 stunden täglich
schwangerenambulanz
- 23494
infoabend für
werdende eltern
- 23611
Johannisallee 32, 04103 Leipzig
info-telefon
Weitere informationen finden sie
auf seite 14 sowie unter
www.blutbank-leipzig.de
eine anmeldung zur entbindung
ist nicht erforderlich.
ambulanzen und Zentren
Mehr informationen unter
www.geburtsmedizin-leipzig.de
Zentrale ambulanz innere Medizin
Zentrale ambulanz Chirurgie
Zentrale ambulanz kinderzentrum
universitätszahnmedizin
HNO-ambulanz
augenambulanz
Psychiatrische ambulanz
Zentraler empfang
Liebigstraße 20, 04103 Leipzig
- 17900
- 25410
- 12222
- 17004
- 26242
- 21104
- 21721
- 21486
- 24304
Psychosomatik-ambulanz
- 18858
tropenmedizinische ambulanz
- 12222
ambulanz krebszentrum uCCL
-17365
Neuro chirurgische ambulanz
-17510
Neurologische ambulanz
-24302
Dermatologische ambulanz
-18670
urologische ambulanz
- 17685
universitäres brustzentrum
- 23460
transplantationszentrum
- 17271
universitäres Darmzentrum
- 19967
Diabeteszentrum
- 12222
Med. Versorgungszentrum
- 12300
kliniksozialdienst
- 26206
seelsorge
- 15965 / - 15967 / - 26126
Psychosoz. beratungsstelle für tumorpatienten
Zentrales Patientenmanagement
-16645
informationen zu allen kliniken
und ambulanzen finden sie unter
www.uniklinik-leipzig.de