Wie funktioniert ein Laser? - Schülerinnen- & Schüler-Uni - TU Berlin

TU Berlin • Fakultät II - Mathematik und Naturwissenschaften
Sekretariat MA 4-1 • Straße des 17. Juni • 10623 Berlin
Hochschultag
Wie funktioniert ein Laser?
Im Rahmen der Schülerinnen- und Schüler-Uni an der Fakultät II
der Technischen Universität Berlin
Marcel König, Filiz Büyükcaglar und Markus Rausch
3. Dezember 2009
Ansprechpartner
E-Mail
Markus Rausch
Web
[email protected]
www.schuluni.tu-berlin.de
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
1
2
Grundelemente der Atomphysik
2.1 Das Bohr’sche Atommodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.2 Quantensprünge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1
1
2
3
Das
3.1
3.2
3.3
Atom in der Quantenmechanik
Zustandsfunktion und Quantenzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schrödingergleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Das Wasserstoffproblem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3
4
4
5
4
Der
4.1
4.2
4.3
Laser
Aufbau eines Lasers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kurzer Einschub: stimulierte Emission . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Funktionsweise eines Lasers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7
7
7
8
5
Zusammenfassung
9
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6
Aufgaben
10
7
Lösungen
10
1
Einleitung
Wir wollen uns im Rahmen dieses Workshops mit der Funktionsweise eines Lasers beschäftigen. Zunächst
werden wir physikalische Grundlagen erarbeiten und sie dann später zum Verstehen eines Lasers benutzen.
Laser werden heutzutage in vielen Bereichen eingesetzt, angefangen natürlich in Forschung, weiter in der
Industrie, aber auch in der Medizin. Selbst in gebräuchlichen Alltagsgegenständen lassen sich Laser finden
(z.B. CD-Spieler, Messgeräte).
Die vorliegende Arbeit führt in die Grundelemente der Atomphysik ein, geht einen kleinen Umweg über die
Quantenmechanik und erklärt die Funktionsweise eines Lasers. Dabei ist zu beachten, dass das Niveau an
die Sekundarstufe II orientiert ist, die Atomphysik sich am Bohr’schen Atommodell bedient und der Laser in
eher gröberen Zügen besprochen wird. Das Kapitel über die quantenmechanische Beschreibung des Wsserstoffatoms enthält im Wesentlichen nur Ergebnisse, Rechungen werden nicht durchgeführt. Geneigte Leser
finden in der Fachliteratur mehr Informationen.
Auch wenn alles gründlich erarbeitet worden ist; Fehler lassen sich nicht vermeiden. Sollte ein Fehler
entdeckt worden sein, so bitte ich, mir diesen via E-Mail ([email protected]) mitzuteilen. Vielen
Dank im Voraus!
2
Grundelemente der Atomphysik
Unter dem Begriff “Atom” wollen wir die Grundeinheit von Materie verstehen, die aus einem Atomkern
und einer Atomhülle besteht. Der Atomkern setzt sich aus positiven und neutralen Ladungsträgern (Protonen, Neutronen) zusammen und stellt gleichzeitig den massereichen Mittelpunkt des Atoms dar. In der
Atomhülle wiederum befinden sich negative Ladungsträger (Elektronen). Die Beschreibung des Atoms mit
postiven Atomkern und negativer Atomhülle beherbergt einen Widerspruch in sich. Aus der Schulphysik ist
bekannt, dass sich gegensätzlich gepolte Ladungen anziehen, d.h. die negativen Elektronen würden in den
positiven Atomkern stürzen. Das Atom würde dann zerfallen. Dass dies jedoch nicht passiert, entnehmen
wir unmittelbar unserer Erfahrung - Materie bleibt (makroskopisch) stabil und fällt nicht einfach in sich
zusammen.
2.1
Das Bohr’sche Atommodell
Aus diesem Grund löste sich Niels Bohr1 teilweise von der Gültigkeit der klassischen Mechanik und postulierte
mit stabilen Umlaufbahnen von Elektronen um den Atomkern seine Vorstellung von Atomen. Die Existenz
von stabilen Bahnen ist dabei nur eines von insgesamt drei Postulaten, die wir jetzt besprechen wollen.
Eine kleine Anmerkung sei aber noch gestattet. Bis jetzt haben wir uns noch nicht gefragt, was “stabil”
im Sinne von Bohr bedeutet. Stabil bedeutet natürlich zunächst, dass das Elektron nicht in den Atomkern
stürzt. Es bedeutet aber auch, dass das Elektron bei der Bewegung auf dieser Bahn keine Energie in Form
von elektromagnetischer Strahlung abgibt. Diese Annahme ist keinesfalls selbstverständlich, wenn man
bedenkt, dass beschleunigte Ladungen elektromagnetische Strahlung emittieren. Kommen wir nun aber zu
den Bohr’schen Postulaten.
1. Elektronen bewegen sich strahlungsfrei auf stabilen Kreisbahnen um den Atomkern.
1
Niels Henrik David Bohr (∗ 7. Oktober 1885; † 18. November 1962) war ein dänischer Physiker
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2. Der Radius der Bahnen ändert sich nicht kontinuierlich, sondern sprunghaft. Der Wechsel (“Quantensprung”) von einer auf die andere Bahn ist durch Aufnahme bzw. Abgabe einer diskreten Energie
möglich, es gilt: hν = En − Em . Der Radius steht also für ein Energieniveau.
3. Die Bahnen sind nur dann stabil, wenn der Bahndrehimpuls der Elektronen ein ganzzahliges Vielfaches
des reduzierten Planck’schen Wirkungsquantums ist, also L = n mit n ∈ N.2
Abbildung 1: Schematische Darstellung des Bohr’schen Atommodells
Elektronen bewegen sich also nach der Vorstellung von Bohr auf stabilen, diskreten Bahnen um den Atomkern, ohne dabei Strahlung abzugeben3 . Die Bahnen haben dabei einen bestimmten Abstand von Atomkern
und entsprechen einer gewissen Energie EB , nämlich der Bindungsenergie des Elektrons, das sich auf dieser
Bahn bewegt. Dabei ist
EB =
Ze 2 1
,
4π 0 r
(2.1)
wobei Z der Kernladungszahl, e der Elementarladung, 0 der Dielektrizitätskonstante im Vakuum und r
dem Radius der Bahn entspricht.
Mit (2.1) können wir sofort feststellen: je näher die Bahn am Atomkern ist (r klein), desto größer ist
die Bindungsenergie EB des Elektrons und desto mehr Energie wird benötigt, um das Elektron aus dieser
Bindung zu lösen. Für größere Werte von r entspricht die Aussage dem Gegenteil.
2.2
Quantensprünge
Widmen wir uns jetzt den Übergängen der Elektronen von einer auf die andere Bahn, sog. Quantensprüngen.
Wir wissen bereits durch das 2. Bohr’sche Postulate, dass Übergänge zwischen stabilen Umlaufbahnen
stattfinden. Doch gehen die Elektronen von einer tieferen Bahn auf die nächsthöhere oder umgekehrt?
Beide Prozesse sind möglich. Betrachten wir zunächst den Fall, in dem ein Elektron von einer niedrigeren
Bahn auf die nächsthöhere springt. Wir erinnern daran, dass niedrigere Bahn bedeutet, dass das Elektron
auf dieser Bahn eine höhere Bindungsenergie besitzt. Frei nach dem Motto “Von nichts kommt nichts”,
2
3
Dieses Postulat wird häufig auch Auswahlbedingung genannt.
Die Quantenmechanik liefert, dass es Orbitale gibt, also Flächen gleicher Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte.
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können wir nicht davon ausgehen, dass das Elektron freiweillig seinen energetisch stärker gebundenen, also
günstigeren, Zustand gegen den eines energetisch schwächer gebundenen austauscht. Von außen muss
also Energie zugeführt werden, um das Elektron zu diesem Übergang zu bewegen. Dies kann in Form von
Licht einer bestimmten Frequenz ν oder durch schnelle Elektronen erfolgen. Wir betrachten hier nur die
Anregung durch Licht, also durch ein Photon. Dieses Photon hat über
E = hν
(2.2)
ein bestimmte Energie. Dabei ist h das Planck’sche Wirkungsquantum und ν die Frequenz, im weitesten
Sinne die Farbe des Lichts. Diese Energie muss exakt der Energiedifferenz der beiden Bahnen entsprechen.
Dann und genau dann kann das Elektron diesen Übergang vollführen. Abweichungen der Energie werden
nicht toleriert, das Elektron springt nur dann, wenn das Atom genau die Energiedifferenz der beiden Bahnen
aufnimmt4 .
Nun stellen wir uns die Frage, was mit dem Elektron auf dieser höheren Bahn passiert. Die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für diesen Zustand (also für das Elektron auf dieser Bahn) ist wesentlich geringer als auf
der niedrigeren. Die Verweildauer des Elektrons ist also kurz. Es fällt wieder auf die ursprüngliche Bahn
zurück und strahlt bei diesem Übergang wieder ein Photon ab, das die gleichen Eigenschaften wie jenes
besitzt, mit dem das Elektron auf die höhere Bahn gehoben wurde. Man nennt diese Vorgänge Absorption
und Emission. Das Atom absorbiert ein Photon und das Elektron wird auf die nächsthöhere Bahn gehoben.
Kurze Zeit später fällt das angehobene Elektron unter Emission eines Photons der gleichen Energie spontan
zurück ins Ausgangsniveau (vgl. Abb. 2).
Abbildung 2: Absorption und Emission
Nach der Vorstellung von Bohr hat Absorption und Emission also etwas mit Sprüngen der Elektronen auf
verschiedene Energieniveaus zu tun. Im nächsten Abschnitt werden wir das Modell von einem Atom in einer
etwas anderen Art und Weise betrachten, dazu benötigen wir die Quantenmechanik.
3
Das Atom in der Quantenmechanik
Die Bohr’schen Postulate mögen zwar sehr einleuchtend sein, sie können allerdings einige physikalische
Effekte nicht erklären. Als erster Punkt wäre zu nennen, dass diese Postulate nur dann gelten, wenn
4
Die Eigenschaft einer Größe nur in diskreten Werten vorkommen zu können (Quantisierung), ist der elementare Wesenszug
der Quantenmechanik.
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das Atom lediglich ein Elektron besitzt - das Wasserstoffatom. Mehrelektronen-Systeme können mit dem
Bohr’schen Atommodell nicht erfasst werden, damit verbunden, können chemische Bindungen ebenfalls
nicht erklärt werden.
Ein ganz wesentlicher Punkt ist die Tatsache, dass es aufgrund der 1927 von Werner Heisenberg formulierten
Unschärferelation keine festen Bahnen geben kann. Die Unschärferelation sagt aus, dass der Ort und der
Impuls eines Teilchens nicht gleichzeitig exakt gemessen werden können. Anders ausgedrückt gilt
∆x · ∆p ≥
,
(3.1)
2
das Produkt aus Orts- und Impulsunschärfe ist also größer oder gleich einer Naturkonstanten. Wenn wir
die Position (x) des Teilchens wissen, so können wir den Impuls (p) nicht beliebig genau messen - und
umgekehrt. Dieser Umstand trägt dafür Sorge, dass es keine festen Bahnen im Bohr’schen Sinne geben
kann.
Aufgrund dieser Probleme wollen wir in diesem Abschnitt ein paar Worte über die quantenmechanische
Beschreibung des Wasserstoffatoms verlieren. Dazu benötigen wir jedoch noch einige Begriffe, die in den
nächsten Abschnitten eingeführt werden.
3.1
Zustandsfunktion und Quantenzahlen
Im Vergleich zur Newton’schen Mechanik, wo der Zustand eines Körpers z.B. durch seinen Impuls p gegeben
ist, handelt es sich bei dem quantenmechanischen Zustand um einen abstrakteres Gebilde. In der Quantenmechanik wird der Zustand eines Quanteobjekts (in unserem Fall: Teilchen) durch eine Wellenfunktion ψ
beschrieben5 und ergibt mit
ρ = |ψ|2 = ψ ∗ ψ
(3.2)
die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte ρ des Teilchens, das durch diese Wellenfunktion beschrieben wird.
Mathematisch gesehen, ist die Wellenfunktion ein Element eines linearen Raums, darauf wollen wir hier aber
nicht weiter eingehen. Die Wellenfunktion wird durch sog. Quantenzahlen beschrieben. Es gibt vier Stück
an der Zahl, wir stellen sie gegenüber:
Hauptquantenzahl n
Nebenquantenzahl
Magnetquantenzahl m
Spinquantenzahl s
n ∈ {1, 2, 3...}
∈ {0, 1, 2, ..., n − 1}
m ∈ {− , − + 1, ..., − 1, }
s ∈ {− 12 , 12 }
Die Hauptquantenzahl n beschreibt im Schalenmodell die Schale des Atoms, auf der sich das Elektron
befindet, also das Energieniveau. Die Nebenquantenzahl kennzeichnet die Form des Orbitals (=Zustandsfunktion eines Einzelelektrons). Die Magnetquantenzahl gibt die Orientierung des Bahndrehimpulses an,
die Spinquantenzahl kennzeichnet die Ausrichtung des Spin. Die Spinquantenzahl wollen wir hier an dieser
Stelle nur erwähnt haben, wir werden nicht weiter darauf eingehen. Auch die Magnetquantenzahl wird hier
eine untergeordnete Rolle spielen. Mit diesen Quantenzahlen kann ein quantenmechanischer Zustand beschrieben werden. Wir wollen die Zustände der Elektronen im Wasserstoffatom berechnen, benötigen dazu
aber noch die
3.2
Schrödingergleichung
Die Schrödingergleichung wurde von Erwin Schrödinger6 im Jahre 1926 formuliert. Sie hat die Form
i
5
∂
ψ(x, t) =
∂t
−
2m
∆ + V (x, t) ψ(x, t),
(3.3)
im Ortsraum
Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger (∗ 12. August 1885; † 4. Januar 1961) war ein österreichischer Physiker und
Wissenschaftstheoretiker
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wobei m die Masse, t die Zeit und ∆ der Laplaceoperator ist. Der Term − 2m ∆ + V (r, t) stellt den
Hamiltonoperator Hˆ des Systems dar. Der Hamiltonoperator bestimmt in der Quantenmechanik die Zeitentwicklung und die möglichen Energiewerte des Systems. Unter dem Umstand, dass Hˆ unabhängig von
der Zeit ist, können wir die Schrödingergleichung vereinfachen und schreiben
ˆ = Eψ
Hψ
(3.4)
was ein sog. Eigenwertproblem darstellt. Mit dieser Gleichung können wir nun das “Wasserstoffproblem”
lösen, übrigens das einzige, was wirklich exakt berechnet werden kann. Natürlich müssen wir dem Umstand,
dass der Raum 3-dimensional ist, Rechnung tragen und die Schrödingergleichung nicht nur für x, sondern
auch für die anderen Raumrichtungen lösen.
3.3
Das Wasserstoffproblem
Wir lösen die Schrödingergleichung (etwas aufwendig) und bekommen als Lösung
ψn
m (r, ϑ, ϕ)
= Rn (r )Y
m (ϑ, ϕ)
(3.5)
Dabei ist
Rn (r ) =
2
na0
3
(n − − 1)! −ρ/2
e
ρ L2n−+1−1 (ρ)
2n[(n + )!]
(3.6)
Y
(3.7)
und
m (ϑ, ϕ)
die sog. Kugelflächenfunktion.
Mit dieser Formel haben wir einen Ausdruck für den Zustand ψn m des Elektrons gefunden. Wir können
ψn m auch als Orbital bezeichnen. Dieses hat, abhängig von den Quantenzahlen, eine besondere Form und
gibt die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte der Elektronen an. Im Falle (n m) = (100) kann man sich das
Orbital als Kugel vorstellen, in der Mitte der Atomkern. Die Elektronen haben in dieser Kugel die gleiche
Aufenthaltswahrscheinlichkeit, es gibt also keine bestimmte Bahn und keinen bestimmten Ort. Wir geben
ein Beispiel für ψ100 :
ψ100 =
4 −r /a0
e
·
a03
1
4π
(3.8)
Dabei ist a0 der Bohr’sche Radius, den wir später bei den Aufgaben noch berechnen werden. In Abb.
3 sehen wir, welche Gestalt diese Orbitale in Abhängigkeit von den einzelnen Quantenzahlen haben. So
kann sich die Verteilung des Elektrons um den Atomkern vorgestellt werden. Wir sehen ganz deutlich, dass
es keine festen Bahnen mehr gibt und das Elektron eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit hat. Nach diesem
kleinen Ausflug gehen wir jetzt über zum Laser.
Wie funktioniert ein Laser?
Abbildung 3: Orbitale in Abhängigkeit der Quantenzahlen n und
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Wie funktioniert ein Laser?
4
4.1
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Der Laser
Aufbau eines Lasers
Bevor wir uns mit der Funktionsweise eines Lasers beschäftigen, sollten wir klären, was ein Laser überhaupt
ist. Ein Laser (Abkürzung von engl. Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation, d. h.
Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung) ist eine künstliche Strahlungsquelle. Betrachten
wir die Elemente und den Aufbau eines Lasers. In Abb. 4 sehen wir den prinzipiellen Aufbau eines Lasers
und er besteht offensichtlich aus einem Lasermedium und einem Resonator.
Wir wollen diese beiden Begriffe noch etwas erläutern. Das Lasermedium besteht aus Atomen oder Molekülen eines Gases oder Festkörpers und kann bei einer externen Zuführung von Energie (Laserpumpen) Licht
einer bestimmten Frequenz erzeugen. (vgl. Abschnitt 2 auf Seite 1). Hinter dem Begriff des Resonators
verbirgt sich nicht mehr als ein System von zwei Spiegeln, das Licht hin und her refelektiert. Dabei weist
einer der beiden Spiegel eine Reflektivität von R = 100 % und der andere eine Reflektivität von R < 100 %
auf. Aus diesem Spiegel tritt dann auch die Strahlung, die wir als Laserlicht sehen werden. Damit ist der
Aufbau unseres Lasers festgelegt, wir können uns also nun mit der Funktionsweise beschäftigen.
Das Grundprinzip eines Lasers entnehmen wir bereits dem Aufbau. Wir stecken von außen Energie in das
Lasermedium, selbiges strahlt vor sich hin, der Resonator sorgt dann für die nötige Lichtverstärkung und
das Licht tritt aus einem der beiden Spiegel aus. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Es gibt
nämlich noch einen Begriff, den wir klären müssen. Dabei handelt es sich um den Begriff der “stimulierten
Emission”.
Abbildung 4: schematischer Aufbau eines Lasers
4.2
Kurzer Einschub: stimulierte Emission
Regen wir ein Atom von außen an (z.B. mit einem Photon), so wird ein Elektron auf eine höhere Bahn
gehoben. Bis jetzt haben wir gesagt, dass selbiges spontan unter Abgabe eine Photons mit den gleichen Eigenschaften auf die ursprüngliche Bahn zurückfällt. Dies tut es auch immer noch, aber es gibt den Wunsch,
diese Emission (ähnlich wie die Absorption) mit einem Photon auszulösen. Dieser Wunsch kann durch die
stimulierte Emission erfüllt werden.
Wie funktioniert ein Laser?
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Abbildung 5: stimulierte Emission im Termschema
Dabei passiert Folgendes: trifft ein Photon auf ein Atom, so geht das Atom in einen angeregten Zustand
über, das Photon wird absorbiert. Trifft nun ein Photon, dessen Energie genau der Energiedifferenz zwischen
dem aktuellen Zustand und einem Energieniveau mit geringerer Energie entspricht, auf das angeregte Atom,
so kann das Atom in den Zustand niedriger Energie wechseln und die Energiedifferenz zusätzlich zu dem
eingefallenen Photon als ein weiteres Photon abstrahlen.7
Das neu erzeugte Photon hat die gleiche Energie und Frequenz wie das eingefallene Photon. Außerdem
bewegt sich das neue Photon in die gleiche Richtung und hat auch die gleiche Phasenlage, so dass es sich
gewissermaßen wie eine Kopie des ursprünglichen Photons verhält, was als Kohärenz bezeichnet wird. Die
stimulierte Emission ist unbedingte Voraussetzung für den Betrieb eines Lasers.
4.3
Funktionsweise eines Lasers
Kommen wir nun schlussendlich zur Funktionsweise eines Lasers. Von außen wird dem Lasermedium Energie
zugeführt (Laserpumpen). Durch das Laserpumpen werden die Atome im Lasermedium angeregt, d.h. die
Elektronen werden auf eine höhere Bahn gehoben. Durch nun einsetzende spontane Emission, d.h. zufällig, gehen die Atome vom angeregten Zustand wieder in den Grundzustand über. Dabei wird ein Photon
bestimmter Frequenz erzeugt, Emission und Richtung des Photons sind aber zunächst zufällig. Bei der
stimulierten Emission wird durch ein solches, bereits existierendes, Photon die Aussendung eines weiteren
Photons angeregt; dieses besitzt die gleichen Eigenschaften (Frequenz, Phase, Polarisation und Ausbreitungsrichtung). Es ergibt sich eine Verstärkung der Strahlung. Der Resonator sorgt dafür, dass diese
Verstärkung rückgekoppelt und in einer bevorzugten Richtung erfolgt. Diese Strahlung gelangt dann durch
den den lichtdurchlässigen Spiegel und wir nehmen sie als Laserlicht wahr. In Abb. 6 sieht man diese
Vorgänge noch mal in einem Termschema. Besonderheit hier: 3 Energieniveaus, Übergäge von E3 nach E2
können strahlungsfrei sein, wenn die Elektronen die überschüssige Energie in einer anderen Form loswerden
(z.B. Wärme, Bewegung). Der Übergang von E2 auf E1 ist dann der Übergang, der das eigentliche Laserlicht liefert.
Ein Laser kann praktisch erst ab einer Anzahl von 3 Energieniveaus funktionieren, da die Wahrscheinlichkeit,
dass Elektronen auf einem höheren Energieniveau spontan unter Abgabe eines Photons (also Absorption) für
2 Energieniveaus viel wahrscheinlicher ist. Die stimulierte Emission bleibt damit aus. Damit die Strahlung
verstärkt wird, muss dafür gesorgt werden, dass der höhere Energiezustand ständig oder zumindest kurzzeitig
stärker besetzt ist als der untere; dann sind stimulierte Emissionen häufiger als Absorptionen. Da dies im
thermischen Gleichgewicht nicht der Fall ist, spricht man von Besetzungsinversion - die Voraussetzung für
das letztendliche Funktionieren eines Lasers.
7
Streng genommen müssten wir hier noch fordern, dass die Auswahlregeln einen bestimmten Übergang überhaupt erlauben.
Dies soll allerdings nicht Bestandteil dieses kleinen Exkurses sein.
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Abbildung 6: Funktionsweise eines Lasers im Termschema, Quelle: [WIKIPEDIA]
5
Zusammenfassung
Wir haben nun gesehen und (hoffentlich) verstanden, was ein Laser ist und wie er funktioniert. Auch hier gilt
wie immer: nach oben gibt es keine Grenzen, d.h. man kann einen Laser noch wesentlich komplizierter und
exakter beschreiben. Gleiches gilt für die Atomphysik. Das Bohr’sche Atommodell mag zwar einleuchtend
sein, gilt aber eigentlich nur für das Wasserstoff-Atom. Für Atome höherer Ordnungszahl stellt dann die
Quantenmechanik umfassende Mittel zur Beschreibung zur Verfügung. Auf diese können wir hier aber nicht
eingehen.
Literatur
[DEM]
W. Demtröder: Experimentalphysik 3 Atome, Moleküle und Festkörper, 3., überarbeitete
Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2005
[WIKIPEDIA]
http://de.wikipedia.org
Stand: 01.07.2009, Zugriffszeit: 18:37 Uhr
[SCHWABL]
W. Schwabl: Quantenmechanik (QM I), 7., überarbeitete Auflage, Springer-Verlag, Berlin
Heidelberg 2007
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Aufgaben
Aufgabe 1 Leite ausgehend von dem Ansatz
FCoulomb = FZentr if ugal
einen Ausdruck für die möglichen Radien im Bohr’schen Atommodell her! Wie groß ist der Bohr’sche Radius?
Tipp: Für die Geschwindigkeit v kann man mithilfe eines der Bohr’schen Postulate und der de-BroglieWellenlänge einen Ausdruck finden.
7
Lösungen
Lösung 1 Wir setzen die beiden Kräfte gleich und erhalten (Formeln im Tafelwerk nachschlagen)
1 Ze 2
µv 2
=
r
4π 0 r 2
µ ist nicht die Masse des Elektrons, sondern die sog. reduzierte Masse von Elektron und Atomkern (nachschlagen). Dieses Gleichnis stellen wir nun nach r um und erhalten
r=
Ze 2
4π 0 µv 2
Dieser Ausdruck bietet keine Einschränkung für den Radius der entsprechenden Bahn. Diese Einschränkung
sieht das Bohr’sche Atommodell aber mit dem 3. Bohr’schen Posutalat vor, der sog. Auswahlbedingung.
Dieses besagt, dass Bahnen nur dann stabil sind, wenn der Bahndrehimpuls L ein Vielfaches n des reduzierten
Planck’schen Wirkungsquantums entspricht. Oder anders gesprochen: wenn der Kreisumfang der Bahn
ein Vielfaches der de-Broglie-Wellenlänge λD des Elektrons entspricht, es muss also gelten:
2πr = n · λD
mi t
n∈N
Wir müssen nun einen Ausdruck für λD finden (im Tafelwerk nachschlagen). Wir erhalten:
λD =
h
h
=
p
µv
Daraus erhalten wir einen Ausdruck für die Geschwindigkeit v , die wir jetzt in unsere Gleichung für den
Radius setzen wollen. Wir erhalten dann
r=
n2 h2 0
n2 h2 0
n2
=
=
a0 ,
πµZe 2
Z πµe 2
Z
wobei a0 der Bohr’sche Radius ist. Dieser kann aus Naturkonstanten berechnet werden und ist somit
konstant. Nach einer kurzen Rechnung erhält man für den Bohr’schen Radius a0 = 5, 2917 · 10−11 m. Für
alle weiteren Bahnen müssen also lediglich die Werte für n und Z angepasst werden.