Übersetzen

Teorie a metodika překladu
I. Vorlesung
Marie Krappmann
Theorie und Methoden des Übersetzens und des Dolmetschens
Marie Krappmann
Übersetzen x Dolmetschen
Dolmetschen – die mündliche Übertragung gesprochener Sprache
Simultandolmetschen
Der gesprochene Text wird in relativ kurzen Sequenzen, zeitlich fast parallel,
aus der AS in die ZS übertragen. (Kabinendolmetschen)
Konsekutivdolmetschen
Der Dolmetscher behält längere Passagen mit Hilfe von bestimmten Notiztechniken, die er mit zeitlichem Abstand sinngemäß in der ZS reproduziert.
Verhandlungsdolmetschen
Man dolmetscht dialogisch hin und her zwischen kleineren Gruppen bei
Besprechungen oder Verhandlungen.
x
Übersetzen bezieht sich (heute!) ausschließlich auf die schriftliche Übertragung.
Historische Entwicklung der Begriffe „Übersetzen“ / „Dolmetschen“
Beispiele:
16. Jh.
Luther behandelt in seinem berühmten „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530)
die Probleme der schriftlichen Übersetzung.
(Dolmetschen wird hier in dem heutigen Sinn von „übersetzen“ gebraucht.)
19. Jh.
Schleiermacher bezeichnet mit dem Begriff „Dolmetschen“ die (auch schriftliche!)
mechanische Übertragung für den praktischen Bedarf (z. B. im Geschäftsleben).
Mit „übersetzen“ bezeichnet er nur die Prozesse, die im Bereich der Wissenschaft
und Kunst stattfinden.
21. Jh.
„Dolmetschen“ und „Übersetzen“ sind zwei relativ unabhängige Forschungsbereiche,
die mit unterschiedlichen methodologischen Zugangsweisen und theoretischen
Modellen arbeiten.
Definitionen des Begriffs „Übersetzung“
1) Linguistisch kann die Übersetzung als Umkodierung oder Substitution beschrieben
werden: Elemente a1, a2, a3…des Sprachinventars L1 werden durch Elemente
b1, b2, b3… des Sprachinventars L2 ersetzt.
Koller (1972): Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Heidelberg: Quelle & Meyer, S. 69.
2) Übersetzen ist eine Neugestaltung des Textes, entsprechend einer vorgegebenen
Situation, als Teil der Zielkultur.
Snell-Hornby (1986): „Übersetzen, Sprache, Kultur“. In: drs. (Hrsg.): Übersetzungswissenschaft – Eine Neuorientierung.
Zur Integrierung von Theorie und Praxis. Tübingen: Francke, S. 13.
3) Cílem překladatelovy práce je zachovat, vystihnout, sdělit původní dílo, nikoliv vytvořit
dílo nové, které by nemělo předchůdce; cíl překladu je reprodukční.
Levý, Jiří (2012): Umění překladu. Praha: Apostrof.
4) Alles Übersetzen scheint mir schlechterdings ein Versuch zur Auflösung einer unmöglichen Aufgabe. Denn jeder Übersetzer muss immer an einer der beiden Klippen scheitern,
sich entweder auf Kosten des Geschmacks und der Sprache seiner Nation zu genau an sein
Original oder auf Kosten seines Originals zu sehr an die Eigentümlichkeiten seiner Nation
zu halten. Das Mittel hierzwischen ist nicht bloß schwer, sondern geradezu unmöglich.
Wilhelm von Humboldt. Brief an A.W. Schlegel vom 23. Juli 1976. Zit. Nach Stolze, R. (2001): Übersetzungstheorien.
Tübingen: Narr Verlag, S. 28.
Die Frage nach der Äquivalenz
Was bedeutet dieser Begriff?
Wörtliche Übersetzung: Gleichwertigkeit.
Aber!
Eine völlige Parallelität zwischen dem Zieltext (Übersetzung) und dem Ausgangstext
(Original) ist eine unrealisierbare Idealvorstellung.
Hieronymus:
„Es ist schwierig, nicht irgend etwas einzubüßen, wenn man einem fremden Text Zeile für
Zeile folgt, und es ist schwer zu erreichen, dass ein gelungener Ausdruck in einer anderen
Sprache dieselbe Angemessenheit in der Übersetzung beibehält. Da ist etwas durch die besondere Bedeutung eines einzigen Wortes bezeichnet: in meiner Sprache habe ich aber keines,womit ich es ausdrücken könnte, und, während ich den Sinn zu treffen suche, muss ich
einen langen Umweg machen und lege kaum ein kurzes Wegstück zurück.“
Zitiert nach Störig, H. J. (Hrsg.) (1969): Das Problem des Übersetzens. Darmstadt, S. 2.
Fazit:
Die Übersetzung kann nie im vollen Maße die Form und die Aussage des AT vermitteln.
Dennoch haben die Übersetzer seit den Anfängen der Übersetzungsarbeit einen möglichst großen Äquivalenzgrad angestrebt.
Fünf Bezugsrahmen der Äquivalenz nach Werner Koller
In der Übersetzungspraxis kann der Begriff „Äquivalenz“ auf verschiedenen
Ebenen beschrieben werden.
1. Denotative Äquivalenz
Die Ebene des außersprachlichen Sachverhalts. Theoretischer Ausgangspunkt:
Mittels Begriffe werden bestimmte grundlegende Bedeutungen vermittelt.
In der Linguistik bezeichnet man diese Denotate.
2. Konnotative Ä.
In der Linguistik versteht man unter Konnotation eine zusätzliche Bedeutung, die
die Hauptbedeutung begleitet und die stilistisch, emotional oder irgendwie spezifisch
markiert ist.
Bsp. obličej / Gesicht; držka / die Fresse
3. Textnormative Ä.
An jede Textsorte binden sich in der jeweiligen Sprache bestimmte Spezifika, die
berücksichtigt werden müssen.
(Bei der Übersetzung von einem Antrag auf Scheidung wird mit anderen Stil- und Sprachmitteln gearbeitet als etwa bei der Übersetzung einer Gebrauchsanleitung.)
4. Pragmatische Ä.
Die Ebene der kommunikativen Funktion (des Empfängers). Es geht darum, dass der
AT und der ZT in möglichst gleicher Weise ihre kommunikative Funktion erfüllen sollten.
5. Formal-ästhetische Ä.
Diese Ebene ist insbesondere für literarische Texte, die bestimmte formal-ästhetische
Qualitäten aufweisen, konstitutiv.
Die immer wiederkehrenden grundlegenden Fragestellungen
Die ältesten Übersetzungen, die erhalten geblieben sind, reichen bis ins 3. Jahrtausend v. Ch.
Die ersten systematischen Übersetzungsstrategien
Die ersten systematischen Übersetzungsstrategien wurden in der griechisch-römischen
Periode entwickelt.
↓
Unklare Grenze zwischen Adaptation und Übersetzung.
Cicero (106-43 v. Ch.) prägte das Motto non ut interpres sed ut orator - Man orientiert
sich als Übersetzer nicht wie ein Interpretierender am genauen Wortlaut der Vorlage,
sondern man verhält sich wie ein Redner, der hauptsächlich an seine Hörer denkt.
Die antike Typologie der Übersetzungsschwierigkeiten entspricht im Groben den Fragestellungen der modernen Übersetzungswissenschaft und –praxis:
↓
- Lexikalische Lücken
- Semantische Ambivalenzen
- Divergierende Sprachsysteme
- Unübersetzbare idiomatische Wendungen
- Kulturell bedingte Lücken
u.ä.
Beispiel: Strategien zur Bekämpfung der lexikalischen Lücke
Nicht nur die Typologie der Schwierigkeiten entsprach ziemlich genau den Problemen, mit
denen der heutige Übersetzer zu kämpfen hat, sondern auch die verschiedenen Strategien
zu derer Bekämpfung wurden bereits in der griechisch-römischen Periode angedeutet.
Bsp. – wie kann ein in der ZS nicht existierendes Wort „ersetzt“ werden?
- Übersetzungslehnwort (Lehnübersetzung)
Skyscraper / gratte-ciel
- Bedeutungslehnwort (Lehnübertragung)
Skyscraper / Wolkenkratzer
- Fremdwort (Exotismus)
playboy / Playboy *Spieljunge
- Paraphrase
svíčková / Lendenbraten in Sahnesoße
Fazit: Die grundlegenden Probleme haben sich also seit den ersten Übersetzungen wohl
nur wenig geändert. Was im Laufe der Geschichte variierte, war die Vorstellung über die
Wechselbeziehung zwischen dem AT und dem ZT.
↓
Grundfrage: Wie weit und auf welche Art und Weise darf sich die Übersetzung vom Ausgangstext entfernen, um sie dem Leser des Zieltextes möglichst zugänglich zu machen?
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Und nun zur Übersetzungspraxis…