Beitrag - Bundesvereinigung Lebenshilfe

Workshop
„Kultursensibilität als Haltung und wie man sie entwickelt“
Präsentation im Rahmen der Fachtagung
Migration und Behinderung: Zugangsbarrieren erkennen – Teilhabe ermöglichen
der Bundesvereinigung Lebenshilfe
Bild: von Kindern in Australien
Berlin, 29.09.2015 - Judy Gummich
Kultur / Werte / Normen
­ Definitionen ­
Kultur – eine Definition
ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Gemeinschaft,
Organisation und Gruppe sehr typisches
Orientierungssystem.
Es beeinflusst das
• Wahrnehmen,
• Denken,
• Werten
• und Handeln
aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren
Zugehörigkeit zur Gesellschaft / Gemeinschaft / Gruppe.
Kulturstandards
alle Arten des
•
•
•
•
Wahrnehmens,
Denkens,
Wertens
und Handelns,
die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten
Kultur für sich persönlich und andere
•
•
•
•
als normal,
selbstverständlich,
typisch
und verbindlich
angesehen werden
Soziale Werte
Werte, auch Wertvorstellungen genannt, sind
situationsübergreifende objektunspezifische
Orientierungsleitlinien (Zielvorstellungen) zentralen
Charakters.
Sie bezeichnen Eigenschaften oder Qualitäten von
Ideen, Vorstellungen, Handlungsmustern,
Sachverhalten oder Charaktereigenschaften, die als
moralisch gut bzw. erstrebenswert betrachtet
werden.
Werte
Wertesystem oder Wertordnung bezeichnet
das aus den Wertvorstellungen bzw. Werten
einer Gesellschaft geformte Gesamtgebilde.
Als Werte­Hierarchie wird das Geflecht
miteinander verknüpfter, aber unterschiedlich
gewichteter Werte bezeichnet.
Enthält eine Werteordnung einen alleinigen
Anspruch auf Wahrheit, ist sie das
Kennzeichen einer Ideologie.
Soziale Normen
sind „in bestimmten Gesellschaften geltende und
tatsächlich befolgte Verhaltensregeln, in Gruppen
anerkannter Handlungs- und Wertstandards in Form
von meist ungeschriebenen Vorschriften“ für das
soziale Handeln.
Sanktionen und Belohnungen aus Machtpositionen
heraus sollen die Einhaltung von Normen
durchsetzen und kontrollieren.
Soziale Normen und Werte
Werte sind ein zentraler Bestandteil vieler
Verhaltensvorschriften, jedoch sind sie nicht
selber Verhaltensvorschriften.
Werte sind attraktiv
(z.B. Achtung von Eigentum),
während Normen restriktiven Charakter
haben
(Zerstören fremden Eigentums ist verboten).
Diversity
­ Begriff und Verständnis ­
Zum Begriff Diversity
Vielfalt
Vielfältigkeit
Unterschiedlichkeit
Diversity umfasst
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Diversity
Der Begriff „Diversity“ greift Unterschiedlichkeit und Vielfalt als etwas
grundsätzlich Positives auf und erkennt
die Individualität jedes Menschen an.
Unterschiedliche individuelle Ausgangslagen werden als Potential / Ressource
gesehen.
Diversity­Ansatz
Grundlage für den Diversity-Ansatz ist
das Wahrnehmen,
das Achten,
die Anerkennung,
die Wertschätzung und
die Förderung
der menschlichen Vielfalt
Diversity ist …
eine Philosophie
eine Handlungsorientierung
ein Chancengleichheitskonzept
ein ganzheitlicher Prozess
ein Organisations­ und
Personalentwicklungsinstrument
….
Diversity­Ansatz
ist eine Philosophie,
die auf der Überzeugung basiert, dass die Entfaltung
des Menschen wie auch des gesellschaftlichen
Lebens durch die Einbeziehung und Gestaltung von
Vielfalt bereichert wird.
ist eine Handlungsorientierung,
die das Ziel hat, persönliche, gesellschaftliche und
institutionelle Barrieren zwischen verschiedenen
Gruppen zu entdecken und abzubauen.
Diversity
Der Diversity-Ansatz ist auch ein
Chancengleichheitskonzept das darauf abzielt
Diskriminierung entgegen zu wirken.
Diversity-Strategien können dabei
menschenrechtsorientiert oder ökonomisch basiert
sein.
Hierbei können auch Widersprüchlichkeiten auftreten.
Diversity
... steht für einen ganzheitlichen Prozess, der die
Unterschiedlichkeit ALLER an einer Gemeinschaft
beteiligten Menschen als Chance und Potenzial für
diese selbst und die Gemeinschaft, die Institution, die
Organisation, das Unternehmen, etc. versteht.
Diversity
Diversity ist auch …
• ein menschenrechtlich orientiertes Verständnis von
Vielfalt, das auf gleiche Rechte abzielt und dabei die
Vielfalt und Komplexität von Menschen und ihren
Lebenslagen berücksichtigt;
• ein Perspektivenwechsel vom problemzentrierten hin
zu einem ressourcenorientierten Verständnis von
Zielgruppen;
• ein Organisations­ und Personalentwicklungs­
instrument, das zu höherer Effizienz und Kreativität
in Arbeitsprozessen, besserer Kundenorientierung
und mehr sozialer Gerechtigkeit führt.
(Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
Diversity – Dimensionen
mit Organisationsebene
Funktion /
Einstufung
Arbeitsinhalte/
Feld
Geografische Lage
FamilienStand
Management
Status
Alter
Geschlecht
Staatsange Hautfarbe /
hörigkeit Ethnische
Herkunft
ElternGewerkschafts- schaft
zugehörigkeit
Sexuelle
Identität
Behinderung/
Befähigung
Religion /
Weltanschauung
GewohnheitenAbteilung
Einheit
Gruppe
Freizeitverhalten
Ausbildung
Auftreten
Berufserfahrung
können zu Ein- oder
Ausschluss führen
Sozialer Status
Arbeitsort
Dauer der
Zugehörigkeit
sind wahrnehmbar
oder auch nicht
Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung in Anlehnung an Gardenschwartz / Rowe (2003) und Loden /Rosener (1991)
Diversity
…bezieht sich auf wahrnehmbare und nicht
wahrnehmbare Persönlichkeitsaspekte,
die menschliche Sichtweisen, Perspektiven,
Einstellungen und damit das Handeln von Menschen
beeinflussen.
(in Anlehnung an Factbook Diversity – Charta der Vielfalt 03/2014)
Diversity
…Diversity umfasst die Vielfalt aller Menschen und
bezieht sich wesentlich auf die sechs im AGG*
berücksichtigten Merkmale Alter, Behinderung,
ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion/
Weltanschauung und sexuelle Identität.
(Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
*AGG = Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Diversity und AGG
AGG­Dimensionen / Kern­Dimensionen
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•
•
•
ethnische Herkunft / Hautfarbe
Geschlecht
Religion und Weltanschauung
Lebensalter
Behinderung
sexuelle Identität
• soziale Zugehörigkeit (nicht AGG)
Horizontaler Ansatz
­
keine Hierarchisierung
AGG : Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Diversity­Ansatz ­ Kernziele
•
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•
•
Sensibilisierung für Ungleichbehandlung
Bewusstwerden von Vorurteilen und Stereotypen
Abbau von Diskriminierung
Erkennen von Macht- und Dominanzstrukturen
Förderung der Wahrnehmung von Vielfältigkeit
Wertschätzung unterschiedlicher Identitäten und
Lebensformen
•
•
Aktive Förderung von Vielfalt: Gesellschaft spiegelt sich
in Strukturen wider
Schaffung von Angeboten für unterschiedliche Bedarfe

Gleichstellung / Chancengleichheit / Teilhabe
Grundlegend ist dabei auch die Überzeugung, dass wir nicht einer Form
der Diskriminierung allein erfolgreich entgegenwirken können.
Diversity­Ansatz berücksichtigt Mehrfachzugehörigkeiten
Sexuelle
Orientierung
Hautfarbe
Geschlecht
Gesundheitszustand
Behinderung
Lebensalter
Ethnische
Zugehörigkeit
Berufliche
Stellung
Regionale
Zugehörigkeit
Bildungsstand
Religion
Familienstand
Sprache
Weltanschauung
Sozialer
Status / Soz.
Herkunft
und ist Basis für die Berücksichtigung intersektionaler Aspekte
Diversity­Trainings
Warum Diversity Trainings?
• Diversity-Trainings bieten die Möglichkeit Vielfalt (besser) zu
erkennen, anzuerkennen und wertzuschätzen und einen
aktiven und kompetenten Umgang mit Differenz zu erlernen
bzw. zu erweitern .
Dazu gehören u.a.:
• Die Erweiterung der eigenen Diversity­Kompetenz auf den
drei Ebenen: Haltung, Wissen und Handlung
• Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebenslagen,
Bedarfen und Ressourcen von Menschen in einer
heterogenen Gesellschaft / Organisation
• Die Reflektion der eigenen Arbeits­ / Organisations­
strukturen im Hinblick auf Diversität, Nicht-Diskriminierung,
Chancengleichheit und Teilhabe
Schema Diversity­Kompetenz
Persönlichkeitsanteile:
(Sich)Selbstbewusstsein
Offenheit und Empathie
Perspektivenwechsel
Kooperationsfähigkeit
Verortung gesell. Strukturen
Selbstreflexion
Konfliktfähigkeit
Kritikfähigkeit Ambiguitätstoleranz
Rollenflexibilität
Lernbereitschaft
Kognitive Anteile:
Sprachwissen
Fachwissen
Soziokulturelles
Wissen
Gesellschaftliche
Strukturen
Ziel: Integration von Diversity-Perspektiven ins eigene Handeln
Interkulturelle / Diversity­Kompetenz
Interkulturelle Kompetenz ist eine um die interkulturelle
Komponente erweiterte Form der sozialen Kompetenz.
Interkulturelle Kompetenz ist ein Teil von Diversity-Kompetenz.
Diversity Kompetenz ist eine um Diversity-Komponenten erweiterte
Form der sozialen Kompetenz.
„Diversity Kompetenz ist ein Gefüge von Fähigkeiten und Fertigkeiten,
das es einer Person ermöglicht, in einer kulturellen
Überschneidungssituation unabhängig, flexibel, sensibel,
angemessen und damit wirkungsvoll zu handeln.“
Ziel: Interaktion zur wechselseitigen Zufriedenheit
Konzeptionelle Grundprinzipien
• Team-Teaching: Die Trainings finden grundsätzlich mit 2
Trainer*innen statt. Die Teilnehmenden können – im Sinne
von Diversity – von unterschiedlichem Wissen sowie
Erfahrungen und Hintergründen profitieren.
• Konkreter Bezug: Die Trainings beziehen sich auf den
individuellen Arbeits- und Lebenskontext und knüpfen an den
Fragen, Themen und Erwartungen der Teilnehmenden an.
• Prozessorientierung: Sowohl die individuellen Prozesse der
Einzelnen, als auch der Gruppenprozess stehen im Fokus.
Daher ist auch jedes Training anders.
• Freiwilligkeit: Die Übungen sind grundsätzlich als Angebote
für die Teilnehmenden zu verstehen (kein Muss).
Aufbau und Methoden von Diversity Trainings
Zu Beginn wird ein 2-tägiges Diversity-Baisis-Training
empfohlen, das je nach Bedarf mit 1-2-tägigen AufbauTrainings erweitert werden kann.
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In den Trainings werden vielfältige Methoden eingesetzt z.B.
selbstreflexive Übungen, die in Gesprächen ausgewertet
werden
Einzel- und Kleingruppenarbeit
Mini-Zukunftswerkstatt
Filme, Bilder
Rollenspiele
Fallanalysen
Thematische Inputs mit Diskussionen
(Einführung in Diversity, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Diversity in der Praxis, etc.)
jeweils bezogen auf den individuellen Lebens- und Arbeitskontext
Das Training
Inhaltliche Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
werden abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen
in einem Vorgespräch abgestimmt.
Das Training kann aus mehreren Modulen bestehen,
pro Modul mit meist folgenden Phasen
-
Einführung und Kennenlernen
Sensibilisierungs- / Reflexionsphase
Theorieteil / fachlicher Input
Handlungsorientierte Phase
Rückblick und Feedback
Anmerkung: Diversity-Trainings können konzeptionell und qualitativ sehr unterschiedlich sein. Dies steht unter
anderem in Zusammenhang mit der Organisation, die die Trainer*innen qualifiziert und der Ausrichtung der
beauftragenden Organisation (u.a. profit /non-profit). Die Bezeichnung „Diversity-Trainer*in“ ist nicht geschützt.
Inhalte des Trainings
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Identität(en), Zugehörigkeit(en), Prägungen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung
Empathie, Wertschätzung
Kommunikation / Sprache
Kulturelles Bewusstsein / (eigene) Sozialisation und
gesellschaftliche Positionierung
(eigene) Vorurteile, Stereotype, Normalitätsvorstellungen
und ihre Auswirkungen
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individuelle, strukturelle, institutionelle Diskriminierung
rechtliche Basis
Macht und Privilegien
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Potential- und Ressourcenorientierung
Entwicklung von Handlungsansätzen / Transfer in die Praxis
Thematische Schwerpunkte des Trainings
Orientierung am AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)
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kulturelle / religiöse / ethnische Identität
Geschlechter(-Rollen) / Gender
Migration / rassistische Diskriminierung
Menschen mit Behinderungen
Sexuelle Identität
Soziale Verortung (Herkunft, Zugehörigeit)
Intersektionalität und Mehrfachzugehörigkeiten /
-diskriminierung
Diversity-Implementierung in Organisationen
Chancengleichheit: Im Sinne einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie
alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!
(Traxler, 1975)
Bild: www.visuelles-denken.de
für Ihre Aufmerksamkeit
Judy Gummich
Trainerin und Beraterin für Menschenrechte, Inklusion und Diversity
[email protected]
Ausbildung zur Trainerin durch „Eine Welt der Vielfalt e.V.“