Menschenhandel und Prostitution – Moderne Sklaverei

Doris Fiala/ALDE Votum zu Menschenhandel und
Prostitution – Moderne Sklaverei
Herr Präsident, geschätzter Berichterstatter, meine Damen und Herren
José Mendes Bota hat einen wichtigen Bericht erstellt zu einem leider
sehr aktuellen Thema und im Namen der ALDE danke ich herzlich für die
gut recherchierte Arbeit.
Menschenhandel gehört zu jenen globalen Dramen und Risiken für
unsere Länder, die es gemeinsam zu bekämpfen gilt. Das Leid und die
Gefahren, die von Menschenhandel ausgehen sind vielfältig und
inakzeptabel. Zwangsarbeit, Organhandel und sexuelle Ausbeutung:
allesamt inakzeptable Menschenrechtsverletzungen und zu Recht auch
als moderne Sklaverei bezeichnet.
Der Bericht geht den verschiedenen Entwicklungen in mehreren
Europarats-Mitgliedländern nach und beschreibt Herausforderungen und
Fakten. Bedauerlicherweise sind noch immer nicht alle MitgliedLänder des Europarats Vertragspartei der Konvention des
Europarats gegen Menschenhandel, darunter Tschechien,
Lichtenstein, Monaco, Russland und die Türkei.
Dass der Studie zufolge die Legalisierung der Prostitution zwei
gegensätzliche Auswirkungen auf den Menschenhandel bewirken kann,
dokumentiert der Bericht.
Daten über 150 Länder kommen jedoch offenbar zum Schluss, dass die
Legalisierung der Prostitution eher zu einer Zunahme von
Menschenhandel führt.
Liberal Denkende mögen sich mit einem Prostitutionsverbot dennoch
aus Überzeugung schwer tun, auch, weil wir Liberalen der Meinung sind,
das Verbot und die Illegalität führe Prostituierte in ein noch tieferes Leid.
Was die Situation in meinem Heimatland betrifft, so ist sie aufgrund des
gelebten Föderalismus noch komplexer, weil kantonales Recht
unterschiedlich sein kann.
Ich sehe nach dem Bericht von Kollege Mendez Bota 3 realisierbare
Vorschläge
Erstens: Die Ratifizierung der Konvention gegen Menschenhandel, die
ich bereits erwähnt habe.
Was wir zweitens, aus allen politischen Lagern, gemeinsam umsetzen
könnten, ist der Forderung nach einem europaweiten
Datenerfassungssystem über Prostitution und Menschenhandel
Nachdruck zu verleihen. Es leuchtet ein, dass zutreffende Informationen
über die Problembereiche eine Voraussetzung für die Ausgestaltung
politischer Massnahmen und die Bewertung ihrer Wirksamkeit sind.
Und drittens gilt es den offenbar erfolgsversprechenden Ansatz des
sogenannten „SEX PURCHASE ACT“, welcher nicht das Anbieten von
sexuellen Dienstleistungen, sondern das Inanspruchnehmen derselben
verbietet, näher zu studieren. Dieser Ansatz soll die Frauen schützen
und bekämpft offenbar die Nachfrage nach Prostitution in Schweden
erfolgreich. Wo die Nachfrage geschwächt werden kann, wird auch die
Ausbeutung von Frauen und Mädchen geringer.
Das verdient, debattiert zu werden! Als Liberale erlaube ich mir trotz
allem, die Kriminalisierung der Inanspruchnahme von
Sexualdienstleistungen – nicht aber den Bericht als Ganzes – persönlich
in Frage zu stellen.
Im Namen der ALDE empfehle ich Ihnen aber den Bericht von José
Mendes Bota.
Besten Dank.