Predigt zum 2. Advent 2015 Jakobus 5, 7.8 von Prädikant Christian

Predigt zum 2. Advent 2015
Jakobus 5, 7.8
von Prädikant Christian Lange
7. So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der
Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie
empfange den Frühregen und Spätregen.
8. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn
ist nahe.
Ein Blick in das Wartezimmer eines Arztes: Alle zehn Stühle belegt, drei
Patienten haben Stehplatz. Stickige Luft und gereizte Atmosphäre. Ein Blick in
die Gesichter sagt viel. Einige blättern in den ausliegenden Zeitschriften, einer
guckt aus dem Fenster und trommelt unbewusst mit den Fingern auf der
Fensterbank. Zwei tauschen sich über ihre Fieberwerte aus, der Rest ist in
Teilnahmslosigkeit versunken.
Geduld ist gefragt.
Geduld, das ist Warten, das ist sich hinein fügen in das, was man nicht
beeinflussen, beschleunigen kann. Man ist gut beraten, wenn man eine Menge
davon hat: An der roten Ampel, bei den Behörden, in der Warteschlange im
Einkaufsmarkt.
Bei Jakobus lesen wir den Vergleich mit dem Bauern. Die Ernte ist für ihn
lebensnotwendig. Er hat alle Voraussetzungen erfüllt. Gepflügt, gedüngt, gesät.
Nun muss er warten. Geduld üben.
Überhaupt ist es bei Gott so erstaunlich eingerichtet, dass alle Dinge ihre Zeit
brauchen. Auch unser Leben, das so klein und zerbrechlich anfängt. Geduld
muss eine werdende Mutter haben, bis das Kind unter ihrem Herzen so fertig
ausgebildet ist, dass es das Licht der Welt erblicken kann.
Nur- ich habe keine Geduld. Ich bin äußerst ungeduldig. Mich regt es auf, wenn
die Ampel nur noch eine Farbe kennt: Rot.
Ja, und mich wundert es schon, wie lange sich denn die Wiederkunft Jesu noch
hinauszögern soll. Wie viele Kriege und Hungersnöte und Attentate soll es denn
noch geben? Warum ist es denn nicht endlich Zeit für Jesu Kommen?
Im Jakobusbrief werden wir zur Geduld gemahnt. Aber, warum sollen wir denn
geduldig sein?
Weil Geduld etwas in uns bewirkt. Nämlich eine innere Ruhe, die stark macht.
Schon im Buch Hiob (36,15.16)ist uns gesagt:
Aber den Elenden wird er durch sein Elend erretten und ihm das Ohr öffnen
durch Trübsal.
So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine
Bedrängnis mehr ist, und an deinem Tische voll von allem Guten, wirst du Ruhe
finden.
Hiob ist auch so einer, der viel Geduld haben musste. Nicht zuletzt auch mit
seinen Freunden, die ihm allerlei gut gemeinte Ratschläge zur Verbesserung
seiner schlimmen Lage gaben. Aber Hiob hat, obwohl er verzweifelt war, die
Nerven nicht verloren.
Als er gar soweit war, für seine Freunde zu beten, da geschah es (Hiob 42,
10):Und der Herr wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte
tat. Und der Herr gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte.
Ich weiß nicht, ob man Geduld lernen kann. Vielleicht. Ich denke da an einen
Angler, der stundenlang selbstvergessen dasitzt und wartet, dass mal ein Fisch
vorbeigeschwommen kommt. Aber diese Art Geduld ist es auch gar nicht,
worum es hier geht.
Hier geht es um Geduld im Hinblick auf Gott. In der Beziehung zu unserem
Herrn. Diese Geduld ist nämlich eine Frucht des Geistes. So lesen wir im
Galaterbrief 5,22: Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue.
Wir als Christen kennen aber oft genug das Gegenteil. Wir sind unruhig,
zweifelnd und angefochten. Es hilft einzig und allein das Gebet um Ruhe. Die
Bitte: Herr, schenke mir Geduld. Mach mich ruhig. Lass mich loslassen alle
Sorge.
Geduld ist eine innere Ruhe, die sehr stark macht. So wie Hiob, der in seiner
verzweifelten Lage sogar für seine Freunde betete.
Auch mit der Geduld ist Geduld gefragt. Ja, diese geistliche Frucht muss in uns
erst wachsen. Sie reift mit den Jahren, glaube ich. Sie wird genährt aus den
Erfahrungen mit Gott.
Psalm 126,5.6: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin
und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen
ihre Garben.
Die Adventszeit ist eine Wartezeit, eigentlich eine Fastenzeit vom heutigen
zweiten Advent bis Heilig Abend. Die alten Erzgebirgler schnitten den Stollen
deshalb auch erst in der Heiligen Nacht, genau um 24.00 Uhr an.
Dieses Warten in der Adventszeit ist für uns Christen nicht nur ein Hoffen auf
die schönen freien Tage, auf die schönen Weihnachtstraditionen. Unsere
Erwartung geht darüber hinaus. Wir warten auf die Verheißung. Auf die wir
geduldig zugehen:
Die Verheißung des ganz großen Christfestes, des großen Abendmahles bei
unserem Herrn. Dies leuchte als Stern über unserem ganzen Leben. Das ist
unser Licht, unser Ziel. Die Geduld in allem Leid und aller alltäglicher Mühe wird
einen großen Lohn haben.
Amen.