Erfahrungsbericht 12-wöchiges Forschungspraktikum an der Universität Melbourne, Melbourne Graduate School of Education, Youth Research Centre (Australien) Schon zu Beginn meines Masterstudiums an der Uni Bremen (Fach Wirtschaftspsychologie) war für mich klar, dass ich noch einmal ins Ausland gehen möchte. Während meines Bachelors verbrachte ich bereits ein Erasmus-Semester in Finnland. Ich wusste auch, dass ich kein weiteres Studiensemester im Ausland verbringen möchte. Das hatte ich schon getan, es war eine gute Erfahrung aber nun wollte ich neue, andere Erfahrungen sammeln. Daher entschied ich mich für ein Praktikum oder Forschungspraktikum im Ausland. An einen Praktikumsplatz in einem Unternehmen im Ausland zu kommen, ist nicht ganz einfach. Viele meiner Bewerbungen scheiterten, auf andere habe ich noch immer keine Antwort erhalten. Von einer meiner Dozentinnen wurde meinem Fachsemester dann angeboten, dass jemand von uns für ein Forschungspraktikum an die Uni Melbourne gehen könnte. Ich tat mein Interesse daran kund und war dann diejenige, die den Platz bekam. (Vor allem, weil die anderen absagten.) Vor Antritt meines Forschungspraktikums an der Uni Melbourne wusste ich, dass ich an das Youth Research Centre gehen würde, welches Teil der Melbourne Graduate School of Education ist. Dieser Bereich hat nicht wirklich etwas mit meinem Studienfach zu tun, doch dorthin haben meine Dozenten eben Kontakt. Mir wurde in Aussicht gestellt, dass ich während meiner Zeit an der Uni Melbourne an meiner Masterthesis arbeiten könnte und dabei in allem sehr frei sein würde. Bevor ich nach Australien ging, formulierte ich grob das Thema meiner Masterarbeit. Meine Zeit in Melbourne begann dann damit, das Thema zu definieren und auszuarbeiten, Literaturrecherche zu betreiben und verschiedene Herangehensweisen an die Fragestellung zu finden. Das Thema meiner Masterarbeit hatte einen Bezug zu Australien, daher bot es sich an, Experteninterviews vor Ort zu führen. Die Vorbereitung dieser Interviews, Kontaktaufnahme zu Unternehmen, die Durchführung der Interviews und Nacharbeiten nahmen in der zweiten Hälfte meines Aufenthalts an der Uni Melbourne den größten Teil meiner Zeit in Anspruch. Am Youth Research Centre der Uni Melbourne stellte man mir einen eigenen Schreibtisch in einem Großraumbüro zur Verfügung. Ich hatte Internetzugang und konnte den Drucker und alle weiteren Einrichtungen nutzen. Auch die Bibliotheken standen mir offen. Meine Zeit konnte ich immer selbst einteilen. Mir wurde auch nicht vorgeschrieben, von wann bis wann ich im Büro zu sein hatte. Meine Betreuerin vor Ort war eine Forschungsmitarbeiterin des Youth Research Centre. Sie betreute meine Masterarbeit nicht inhaltlich, half mir jedoch bei organisatorischen Fragen und gab mir Hinweise auf möglicherweise passende Literatur oder Kontakte, soweit es ihr möglich war. Grundsätzlich hatte ich die Möglichkeit, Vorlesungen jeder Art der Uni Melbourne zu besuchen. Dies tat ich jedoch nicht. Insgesamt beurteile ich meine Zeit an der Uni Melbourne als erfolgreich und gut. Ich konnte gezielt an meiner Masterthesis arbeiten, ohne von anderen Dingen (wie Vorlesungen oder Nebenjob) abgelenkt zu werden. Mit meinen Ergebnissen dieser Zeit bin ich sehr zufrieden. Im Youth Research Centre herrschte eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Ich konnte jederzeit jeden um Hilfe bitte, egal worum es sich handelte. Immer war jemand da, mit dem ich Mittagessen und plaudern konnte. Dennoch war die Zeit an der Uni Melbourne auch anspruchsvoll. Dadurch, dass ich keine Vorgaben bekam, wann ich im Büro zu sein hatte und was für Ergebnisse ich nach zwölf Wochen vorzuweisen hatte, musste ich mich stark selbst organisieren und motivieren. Ich legte für mich fest, jeden Morgen um 9 Uhr ins Büro zu gehen und mindestens bis 15 Uhr zu bleiben. (Wenn ich nicht Interviews führte oder ähnliches.) Meine Forschungsergebnisse präsentierte ich am Ende der zwölf Wochen einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern des Youth Research Centres, die Zeit hatten und sich für meine Arbeit interessierten. Kontakt zu Australiern oder anderen Leuten allgemein aufzubauen, war nicht immer einfach. Klar, man kann rausgehen und einfach jemanden ansprechen. Aber das macht man ja eher selten. Auf die Mitarbeiter im Youth Research Centre musste ich aktiv zugehen, wenn ich mich mal unterhalten wollte. Engere Kontakte sind mit ihnen jedoch nicht entstanden, da alle einige Jahre älter als ich waren und sich nicht wirklich Schnittpunkte ergeben haben. Da ich keine Vorlesungen an der Uni besuchte, hatte ich auch keinen Kontakt zu den anderen Studenten. Insgesamt hatte ich in Melbourne viel Kontakt mit anderen Deutschen. Um überhaupt Kontakte aufzubauen, musste ich aktiv vorgehen und mir Mühe geben. Melbourne selbst ist eine tolle Stadt und wird auch nach zwölf Wochen Aufenthalt nicht langweilig. Es gibt extrem viel zu sehen, auch wenn nichts los ist. Oft sind Festivals, Konzerte (open air und kostenlos) und andere Veranstaltungen. Neben meinem Forschungspraktikum blieb mir Zeit zum Reisen. Dies konnte ich auch während der zwölf Wochen an der Uni Melbourne machen. Ich reiste nach Tasmanien und ins Outback. Um Melbourne herum gibt es noch so viel mehr zu sehen, was ich leider alles nicht geschafft habe. Die Wohnungssuche in Melbourne hat sich für mich glücklicherweise recht einfach gestaltet. Ich habe vor meiner Abreise aus Deutschland über gumtree.com eine WG ganz in der Nähe der Uni und auch nicht weit vom CBD entfernt gefunden. Diese war zwar relativ teuer (für australische Verhältnisse aber normal) aber voll ausgestattet. Mit meiner Vermieterin habe ich über Skype telefoniert und den Rest per Mail geklärt. Rückblickend würde ich den Auslandsaufenthalt in Australien auf jeden Fall wiederholen. Es war eine anspruchsvolle aber sehr schöne und erfahrungsreiche Zeit. Ich habe viel über mich gelernt und mich weiterentwickelt.
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