PRESSEMITTEILUNG - Universität Hohenheim

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04.04.2016
PRESSEMITTEILUNG
500 Jahre Reinheitsgebot:
Neuer Schwung für Bier, Brot & Co. aus Einkorn, Emmer &
Dinkel
Themen-Serie der Universität Hohenheim zu 500 Jahre Reinheitsgebot Teil 4/5:
Lebensmittel aus alten Weizensorten – eine attraktive Alternative
PRESSEFOTOS unter www.uni-hohenheim.de
Attraktive Biere aus attraktiven Rohstoffen: Bereits vor 10.000 Jahren brauten die
Mesopotamier ihr Bier aus der alten Weizenart Emmer. Und auch heute werden Produkte
aus Einkorn, Emmer oder Dinkel eine immer beliebtere und vor allem gesündere
Lebensmittel-Alternative. PD Dr. Friedrich Longin von der Universität Hohenheim forscht
an neuen Anbautechniken für diese alten Weizenarten und verrät, warum sie so gesund
sind – und wie ein Emmer-Bier eigentlich schmeckt.
Süß-malzig im Geschmack, bernsteinfarben im Aussehen: Emmer-Bier hebt sich optisch und
geschmacklich von herkömmlichen und bekannten Weizenbieren ab. Dennoch hat es das Bier
aus einer der ältesten Weizenarten noch nicht in die Massenproduktion geschafft.
„Emmer-Bier wird heutzutage hauptsächlich in kleinen Traditionsbrauereien gebraut“, sagt PD Dr.
Friedrich Longin von der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim. Der Grund: die
Herstellung. „Die Abfiltrierung ist schwieriger und das Brauen handwerklich aufwändiger. Auch ist
es zähflüssiger als andere Biere.“
Lutein in Einkorn, Emmer & Dinkel fördert die Sehkraft
Der Experte der Universität Hohenheim erforscht seit Jahren das Potenzial von Einkorn, Emmer
und Dinkel. „Diese alten Weizenarten bieten nicht nur geschmacklich eine Alternative zu
herkömmlichem Weizen“, so PD Dr. Longin. „Sie sind auch gesundheitlich wertvoll.“
Zum einen enthalten die alten Weizenarten eine bis zu zehnmal höhere Konzentration an
cholesterinsenkenden Sterylferulaten und Vitamin E als Brotweizen. Doch vor allem der
Augenschutzstoff Lutein sei der Grund, der die alten Weizenarten so attraktiv macht, sagt Jochen
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Ziegler vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität
Hohenheim.
„Lutein wird für den gelben Fleck im Auge benötigt, den Bereich des scharfen Sehens. Bei
regelmäßigem Konsum könnte so beispielsweise die altersbedingte Makuladegeneration (AMD),
also die Hauptursache für das Erblinden älterer Menschen, verhindert werden.“
Warum dies so wichtig ist, erklärt Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle, Lebensmitteltechnologe der
Universität Hohenheim. „Lutein kann vom Körper nicht produziert werden, wir müssen es über
unsere Nahrung aufnehmen. Zwar enthalten auch Lebensmittel wie Grünkohl und Spinat eine
hohe Menge an Lutein, aber nicht jeder isst täglich eine Portion Spinat. Dagegen nehmen wir bei
einem Prokopf-Verbrauch von 85 kg Backwaren fast täglich Brot und Brötchen zu uns.“
Einfach im Anbau, schwach im Ertrag
Um diese gesunden und schmackhaften Rohstoffe weiter zu verbreiten, forscht PD Dr. Longin an
Anbautechniken. Viele Vorteile haben sie schon. „Einkorn, Emmer und Dinkel sind im Prinzip
einfach anzubauen. Man muss sie kaum spritzen und sie wachsen quasi von selbst. Das belastet
natürlich auch die Umwelt weniger. Außerdem fördert der Anbau der alten Arten die Biodiversität,
ein wichtiges Ziel für zukunftsfähige Landwirtschaft.“
Dennoch haben die alten Weizensorten auch mit einigen Problemen zu kämpfen. „Ihr schnelles
und selbstständiges Wachstum macht den Anbau zwar einfacher, aber hier liegt auch ein großes
Problem, vor allem von Einkorn und Emmer“, so der Experte. „Da ihre Halme sehr lang werden,
muss darauf geachtet werden, dass sie nicht umkippen und die Ernte dadurch verloren geht.“
Ein weiteres Problem: der Ertrag. „Emmer erreicht lediglich 50 % des Ertrages von Brotweizen,
Einkorn sogar nur 25 %. Trotzdem ist die Nachfrage in den letzten Jahren nach diesen Produkten
gestiegen. Das macht sie natürlich viel teurer, und zu spüren bekommt das dann der
Verbraucher.“
Die Chance: regionale & einmalige Produkte
Selbst durch eine verbesserte Züchtung ließe sich der Ertrag nur bedingt steigern, so der
Experte. „Der Brotweizen wurde die letzten 100 Jahre intensiv züchterisch verbessert. Das kann
man beim Einkorn und Emmer so schnell nicht mehr aufholen.“
Trotz aller Probleme stellen die alten Weizenarten für regionale Bauern, Bäcker und Brauer
jedoch auch eine Chance dar, geschmacklich einmalige Produkte herzustellen, vom Gebäck bis
hin zum Bier. „Mit der Verwendung von alten Weizenarten kann etwas mehr Vielfalt in den
Lebensmittel- aber auch den Biermarkt gebracht werden“, so das Fazit von PD Dr. Longin.
Diese Vielfalt lässt sich auch bei einem Feld-Infotag der Landessaatzuchtanstalt zu Einkorn und
Emmer am 6. Juli 2016 erleben, wo es neben Brot und Anbau auch um Bier gehen wird.
Hintergrund: 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot
Zum 500. Jahrestag des deutschen Reinheitsgebots am 23. April 2016 präsentiert die Universität
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Hohenheim eine Serie rund ums Thema Bier.
Themenvorschau:
- Bier-Inhaltsstoffe und Gesundheit (voraussichtlich am11.4.2016)
Bereits erschienen:
- 500 Jahre Reinheitsgebot: Forschungsprojekt will Hopfenzucht modernisieren
https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?&tx_ttnews[tt_news]=31078&cHash=6b3fccdcc9d9423b8670e
- 500 Jahre Reinheitsgebot: Forscher bemängelt eingeschränkte Bier-Vielfalt
(https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?&tx_ttnews[tt_news]=31019&cHash=2ed77b842c)
- 500 Jahre Reinheitsgebot: Die Kelten kannten es nicht – und brauten trotzdem hochwertig (Link:
https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?&tx_ttnews[tt_news]=30259&cHash=97deed0ea8)
Expertenliste:
Weitere Experten zum Thema Bier und Reinheitsgebot siehe Expertenliste „500 Jahre deutsches
Reinheitsgebot (23. April 1516)“ (Link:
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https://www.uni-hohenheim.de/expertenliste-deutsches-reinheitsgebot )
Text: C. Schmid / Klebs
Kontakt für Medien:
PD Dr. Friedrich Longin, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt - Arbeitsgebiet Weizen
T 0711 459 23846, E [email protected]
Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle, Universität Hohenheim, LSt. Technologie und Analytik funktioneller Lebensmittel
T 0711 459 22314, E [email protected]
Dipl.-LM-Ing. Jochen Ziegler, Universität Hohenheim, LSt.. Technologie und Analytik funktioneller Lebensmittel
T 0711 459 24109, E [email protected]
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