Tipps rund um die Geburt

Gesundheitsgespräch
Von der Schwangerschaft zur Geburt – Tipps der Hebamme
Stand: 11.04.2015
Expertin: Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen
Landesverbandes e.V.
Autorin: Kathrin Hasselbeck
Guter Hoffnung sein: Schwangerschaft ist keine Krankheit
Heutzutage sind Schwangere medizinisch so intensiv betreut wie noch nie.
Dadurch können Probleme oder Krisen schnell entdeckt werden, gleichzeitig
führt dieses genaue Hinschauen aber auch zu Verunsicherung. Was steckt
hinter diesem oder jenen Unwohlsein? Ist es etwas Ernstes oder einfach eine
lästige, aber gewöhnliche Begleiterscheinung? Es besteht auch die Gefahr,
dass es zu Fehldiagnosen kommt, die die werdende Mutter unnötig
beunruhigen.
Grund für die Gründlichkeit: Haftung
Fachärzte und Hebammen werden heutzutage mehr zur Verantwortung
gezogen, wenn sie in der Schwangerschaft etwas übersehen oder eine falsche
Diagnose erstellen. Das ist ein Grund dafür, warum die engmaschige, intensive
Überwachung von Schwangeren so zugenommen hat. Bei all dem sollte aber
nicht übersehen werden: Schwangerschaft und Geburt sind natürliche
Vorgänge, auf die der weibliche Körper von sich aus perfekt eingestellt ist.
Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Zunächst einmal heißt es eigentlich
nur abwarten. Und ein paar einfache, allseits bekannte Regeln beachten: kein
Alkohol, keine Zigaretten, kein rohes Fleisch, keine Rohmilchprodukte. Aber bei
Blutungen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Astrid Giesen: „In der
ersten Schwangerschaftshälfte kann man bei starken Blutungen eigentlich nicht
viel machen. Wenn sich da ein Kind verabschiedet, dann geht es. Von daher
würde ich gar nicht zu viel machen, sondern einfach nur das Vertrauen haben:
Wenn das Kind gesund ist, dann geht es auch seinen Weg und bleibt.“
Kontakt zum Kind aufbauen
Etwa ab der 20. Woche spüren Schwangere ihr Baby im Bauch. Ab jetzt
können sie einen guten Kontakt zu ihrem Kind aufbauen: Die Hände auflegen
und spüren, wie es sich bewegt, und prüfen, wie es reagiert. So werden sie
auch bemerken, falls sich etwas verändert. Wenn beispielsweise Reaktionen
ausbleiben, sollte man sich untersuchen lassen.
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Begleitung durch die Schwangerschaft
Frauen sollen sich für die Schwangerschaft eine Begleitung suchen, die sie
möglichst die gesamte Zeit bis zur Geburt betreut. Das kann ein Facharzt
alleine oder in Kombination mit einer Hebamme sein. Alle vier, bzw. gegen
Ende alle zwei Wochen findet eine Untersuchung statt. Davon sind drei
Termine mit einem Ultraschall vorgesehen, die nur der Facharzt vornehmen
kann.
Ultraschall-Untersuchungen
Drei Ultraschalluntersuchungen sind die Regel:
1. Zu Beginn der Schwangerschaft, zwischen 5. und 7. Woche, um
nachzusehen, ob sich die befruchtete Eizelle tatsächlich in der
Gebärmutter eingenistet hat.
2. Zwischen der 14. und 19. Woche. Hier wird untersucht, ob es
Fehlbildungen gibt.
3. In der 33. Woche, um nachzusehen, wo die Plazenta liegt und wie groß
das Kind ist.
Alle weiteren Termine während der Schwangerschaft können laut Astrid Giesen
auch von einer Hebamme übernommen werden. Astrid Giesen: „Der
Unterschied zwischen Arzt und Hebamme liegt vor allem in der Zeit. Während
der Arzt in der Regel etwa eine Viertelstunde für die Frau hat, nimmt sich die
Hebamme etwa eine halbe Stunde Zeit. Außerdem untersuchen viele Ärzte
mehr über technische Geräte. Da die Hebamme diese nicht hat, nimmt sie mit
den Händen Kontakt auf: Sie tastet, wie die Gebärmutter gewachsen ist und
wie das Kind liegt und reagiert. Die Herztöne prüft sie über ein Hörrohr oder
über einen Ultraschall ohne Bild. Ansonsten kümmert sich die Hebamme auch
um die psychosozialen Aspekte einer Schwangerschaft: Sie spricht mit der
werdenden Mutter darüber, wie es ihr mit den Veränderungen ihres Körpers
geht.“
Ausnahme: Risikoschwangerschaft
Normalerweise ist eine Frau bestens dafür gerüstet, Mutter zu werden. In
Ausnahmefällen ist es angebracht, dass alle Untersuchungen von einem Arzt
durchgeführt werden – dann, wenn eine sogenannte Risikoschwangerschaft
vorliegt. Das betrifft zum Beispiel
- Frauen, die eine chronische Krankheit haben wie Diabetes oder Asthma,
- Frauen, die schon Fehlgeburten hatten,
- Frauen, die mit mehr als einem Kind schwanger sind.
Astrid Giesen: „Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass die
Schwangerschaft keine Krankheit ist, aber schon eine stärkere Belastung für
den Körper. Man sagt, etwa 30 Prozent ist der Körper mehr belastet als ohne
Schwangerschaft. Es ist wichtig, dass die Schwangere ihre Grenzen
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respektiert, also dass sie dann, wenn der Körper ihr sagt, es ist genug, auch
wirklich pausiert. Und nicht wie wir das sonst immer machen, wenn wir noch
eins draufsetzen.“
Entscheidung: Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt?
Bei der Wahl, wo man sein Kind zur Welt bringen möchte, steht allem voran
eine Frage: Wie ist der Gesundheitszustand der Frau? Sind Vorerkrankungen
bekannt oder gab es Komplikationen in der Schwangerschaft, dann sollte sie ihr
Kind auf jeden Fall in der Klinik bekommen. Bei einer gesunden Frau spricht
nichts dagegen, wenn sie ihr Kind außerklinisch zur Welt bringt. Astrid Giesen:
„In anderen Ländern der EU wird die außerklinische Geburt viel mehr gefördert.
In der Klinik gibt es so viele Eingriffe, die auch wieder Folgeeingriffe mit sich
bringen können. Außerdem ist es ein Kostenfaktor.“
Unterschied Krankenhaus und Geburtshaus
In einem Geburtshaus gibt es keine Ärzte, es ist von Hebammen geführt.
Dementsprechend wird auch nicht medizinisch interveniert. Nur mit
naturheilkundlichen oder physiotherapeutischen Mitteln wird gearbeitet.
Meistens befinden sich Geburtshäuser in der Nähe einer Klinik, sodass im
Notfall schnell ein Arzt aufgesucht werden kann. Frauen mit einer
Krankenhausphobie werden sich hier wohlfühlen. Außerdem bietet das
Geburtshaus einen besseren Betreuungsschlüssel: Während im Krankenhaus
eine Hebamme für mehrere Geburten zuständig ist, kümmert sich im
Geburtshaus je eine Hebamme um eine Gebärende.
Hausgeburt
Entscheidet sich eine Frau dafür, ihr Kind zuhause zu bekommen, wird bei
einsetzenden Wehen die Hebamme gerufen. Sie begleitet die werdende Mutter
durch die Geburt – auch hier ohne Medikamente. Wenn bei der Frau
gesundheitlich alles in Ordnung ist, steht einer Hausgeburt auch nichts
entgegen.
Geburtsvorbereitung: Ruhe bewahren
Vierzehn Stunden Geburtsvorbereitungskurs bei einer Hebamme stehen jeder
Schwangeren zu – bezahlt von der Krankenkasse. Diese Kurse finden
entweder wöchentlich über einen längeren Zeitraum oder konzentriert an einem
Wochenende statt. Fast immer gibt es auch die Möglichkeit, den werdenden
Vater mit einzubinden. Astrid Giesen: „Das Wichtigste ist, der Frau mitzugeben,
dass eine Geburt etwas ganz Normales, Natürliches ist, und dass Millionen von
Frauen täglich ihre Kinder kriegen. Der Körper ist sehr gut darauf eingerichtet,
der kann das perfekt – wenn wir ihn lassen. Deswegen ist es wichtig, das
Vertrauen zum eigenen Körper aufzubauen.“
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Vertrauen zum eigenen Körper
Frauen sind es in der heutigen Zeit gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu
nehmen. Sie leben selbstbestimmt, haben die Kontrolle über ihre
Entscheidungen - eine Errungenschaft, keine Frage. Und doch bringt sie für die
Aufgabe des Kinderkriegens einen Nachteil mit sich: Schwangere sollten am
besten die Kontrolle über die Entwicklung ihres ungeborenen Kindes abgeben –
nicht an einen Arzt oder an eine Hebamme, sondern an ihren eigenen Körper.
Denn der weiß am besten, was zu tun ist. Das gilt auch für die Geburt.
Deswegen bemühen sich Hebammen darum, werdenden Müttern dieses
Vertrauen zum eigenen Körper nahezubringen.
Dreierlei Handwerkszeug für eine Geburt
1. Atmung
Das (richtige) Atmen der Schwangeren umfasst drei Komponenten:
- Zum einen versorgt es das Baby mit Sauerstoff. Das wird dann relevant,
wenn die Frau während der Geburt die Luft anhält. Wichtig ist, dass sie
trotz Schmerzen weiteratmet.
- Zum zweiten sorgt die Atmung für Entspannung.
- Außerdem hilft die richtige Atmung dabei, während der Geburt in eine
Trance zu kommen – ein wichtiger Zustand, um den Körper ungestört
arbeiten zu lassen.
Astrid Giesen: „Jeder Sportler weiß: Da, wo ich hin atme, ist der Muskel locker.
Und wir leiten die Frauen in der Geburtsvorbereitung dazu an, bis ins kleine
Becken hinein zu atmen. Es gibt Frauen, die machen das von Anfang an, aber
es gibt auch Frauen, die nicht übers Zwerchfell hinauskommen mit der Atmung.
In den Kursen lernen sie, diese Blockade zu lösen und dahin zu atmen. Denn
dort kann man dann nicht verspannen, und so kommt dieser SpannungsSchmerz-Kreislauf nicht zustande.“
2. Bewegung
Jeder, der schon einmal versucht hat, einen engen Ring vom Finger zu ziehen,
weiß: Bewegung hilft. Und auch das Kind muss bei der Geburt durch einen
engen Kanal. Deshalb ist es gut, wenn sich die Frau während der Geburt so
bewegen kann, wie sie es für richtig empfindet. Auch hier geht es wieder
darum, dass die Frauen in der Geburtsvorbereitung ein Gefühl für ihre
Körpersignale bekommen. Hierbei kann auch Schwangerschaftsgymnastik oder
-yoga helfen. Während der Geburt machen Hebammen auch Vorschläge, zum
Beispiel das Becken zu kreisen oder die Knie nicht durchzudrücken. Astrid
Giesen: „Die Bewegung der Frau hilft dem Kind, in den Geburtskanal
hineinzukommen. Frauen haben eine gute Intuition, was die Geburt voranbringt.
Da habe ich schon die verrücktesten Sachen erlebt, dass Frauen einfach
bestimmte Dinge getan haben – wenn sie das Vertrauen zum eigenen Körper
haben und den Mut, das bei der Geburt dann auch zu tun.“
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3. Entspannung
Während einer Geburt wird unausweichlich immer wieder Spannung aufgebaut,
deshalb ist es wichtig zu lernen, sich in den Wehenpausen schnell zu
entspannen. Dazu können Atmung oder Bewegung helfen – oder auch
Techniken wie Autogenes Training oder Eutonie.
Die vier Phasen der Geburt
Seit ein paar Jahren beobachten Geburtshelfer, dass Schwangere immer früher
ins Krankenhaus kommen – meistens zu früh. Sehr häufig werden sie noch
einmal nach Hause geschickt. Es gilt die Regel: Sinnvoll ist ein Eintreffen in der
Klinik dann, wenn der Muttermund sich etwa drei Zentimeter weit geöffnet hat.
1. Latenzphase
Diese erste Phase beginnt mit dem ersten Wehen-Ziehen im Bauch. Der Körper
beginnt, seine Muskeln für die Geburt zu trainieren. Diese Vor-Wehen kommen
unregelmäßig und dauern nicht sehr lange, weniger als 30 Sekunden. Jetzt
heißt es: Ruhe bewahren. Am besten nochmal hinlegen und schlafen, Kraft
sammeln für die bevorstehende Geburt. Diese Phase kann durchaus bis zu
zwei Nächte lang dauern. Astrid Giesen: „Früher sollten die Frauen in dieser
Phase ein Bier trinken, und das war gut. Der Hopfen beruhigt, und weil die
Frauen während der Schwangerschaft keinen Alkohol getrunken haben, sind
sie nach einem Glas Bier ins Bett gefallen und haben geschlafen! Das hat dazu
geführt, dass die Frauen die Latenzphase zu Hause einfach halb verschlafen
haben. Und am Morgen war dann der Muttermund zwei, drei Zentimeter auf –
und sie hat das gar nicht so als schlimm empfunden. Heutzutage weiß man,
dass Alkohol in der Schwangerschaft unbedingt komplett zu vermeiden ist. Aber
vielleicht hilft ja schon der Hopfen aus einem alkoholfreien Bier.“
2. Die Eröffnungsphase
Den Übergang von der Latenz- zur Eröffnungsphase markiert ein „Signalsatz“,
ein Gefühl: Wenn die Frau spürt: „Jetzt möchten wir nicht mehr damit alleine
sein“, ist der Zeitpunkt gekommen, ins Geburtshaus oder in die Klinik zu fahren.
Dort wird die Frau von den Geburtshelfern betreut.
Stärkere Wehen
Die Wehen sind jetzt stärker, kommen regelmäßig und können bis zu einer
Minute lang dauern. Der Muttermund sollte sich allmählich auf etwa zehn
Zentimeter öffnen. Diese Phase dauert sehr unterschiedlich lange. Beim ersten
Kind ist der Durchschnitt zehn Stunden, es kann aber auch drei bis 24 Stunden
dauern. Wichtig ist, dass die Gebärende so wenig wie möglich gestört wird,
sodass sie in einen Trance-Zustand finden und das Geschehen an ihren Körper
abgeben kann. Astrid Giesen: „Neurologisch gesehen findet eine Geburt im
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ältesten Teil des Gehirns, im Stammhirn statt. Dort werden alle
Überlebensfunktionen, wie die Atmung, gesteuert, und eben die Geburt. Das
Stammhirn arbeitet am allerbesten, wenn es der andere Teil des Gehirns nicht
überlagert. Dieser andere Teil, der Neocortex, ist durch die gemachten
Erfahrungen gespickt. Deswegen ist die Trance auch während der Geburt so
wichtig. Wenn ich in eine Trance komme, dann arbeitet das Stammhirn, und der
Neocortex ist nicht dominant. Wir lassen es heute nur nicht mehr zu, dass der
Neocortex ‚weg‘ ist. Diesen Zustand kennen wir gar nicht mehr, er macht uns
Angst, und wir versuchen krampfhaft, ihn zu verhindern.“
3. Die Austreibungsphase
Jetzt sind die Wehen am stärksten. Es wird Zeit, die Gebärposition
einzunehmen. Welche Möglichkeiten es gibt, lernen die Frauen im
Geburtsvorbereitungskurs. Auch hier ist es wichtig, dass die Gebärende auf
ihre Instinkte vertraut und den Mut hat, das zu tun, was ihr Körper ihr sagt.
Auch das Kind hilft während der Geburt mit, indem es sich so windet, dass es
gut durch den Geburtskanal kommt. Astrid Giesen: „Für die Hebammen sind
manche Gebärpositionen sehr anstrengend, weil sie dann beispielsweise auf
dem Boden sein müssen. Und je älter man wird, desto schwieriger ist das. Aber
auch hier finde ich, dass wir Geburtshilfe falsch verstehen. Wir meinen immer,
wir müssten alles unter Kontrolle haben, dabei machen Frau und Kind das ganz
alleine. Und unsere Aufgabe ist es, ein unterstützendes Netz herum zu
spannen. Das sorgt dafür, dass einerseits die Frau in Ruhe gebären kann und
dass andererseits die Hebamme gar nicht so viel zu tun hat, es nicht so
anstrengend ist.“
Das Neugeborene
Am besten ist es, wenn die Mutter das Baby gleich nach der Geburt zu sich
nimmt, wenn sie so weit ist. Die Nabelschnur sollte möglichst so lange zwischen
Mutter und Kind bestehen bleiben, bis die Placenta gelöst ist. Das Kind wird so
in der Übergangsphase neben der eigenen Atmung noch von der Mutter
versorgt. So kann damit begonnen werden, eine Bindung aufzubauen. Erste
Versuche werden unternommen, das Kind an die Brust anzulegen.
4. Die Nachgeburt
Etwa eine halbe Stunde, nachdem das Kind auf die Welt gekommen ist, folgt
die Plazenta. Erst wenn sie ausgeschieden ist, ist die Geburt beendet.
Kaiserschnitt
Die Gründe, die schon während der Schwangerschaft oder aber in der
Eröffnungsphase der Geburt für einen Kaiserschnitt bzw. Notkaiserschnitt
sprechen, sind vielfältig. Beispielsweise dann, wenn das Kind trotz vieler
Versuche nicht durchs Becken geht oder wenn es dem Kind nicht mehr gut
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geht. Ein Kaiserschnitt wird immer von einem Arzt durchgeführt, entweder mit
Leitungsanästhesie oder in Vollnarkose. Auch nach einem Kaiserschnitt wird,
wenn mit dem Kind alles in Ordnung ist, gleich der Körperkontakt zur Mutter,
bzw. im Fall einer Vollnarkose zum Vater hergestellt.
Wochenbett
Im Krankenhaus finden entweder ambulante oder stationäre Geburten statt. Bei
einer ambulanten Geburt kann die Frau nach etwa vier Stunden nach Hause,
nach einer stationären Geburt sind es etwa zwei bis drei Tage. In den ersten
zehn Tagen kann eine Hebamme bis zu zwei Mal täglich vorbeikommen, dann
sind acht Wochen lang acht Besuche möglich – und schließlich bis zum
Abstillen nochmal acht Besuche. Wie häufig die Hebamme tatsächlich kommt,
hängt davon ab, wie viel Unterstützung und Beratung die Mutter möchte oder
braucht.
Aufgaben der Hebamme
- Die Hebamme übernimmt die medizinische Versorgung der Frau, wie die
Beobachtung der Rückbildung und Heilung der Geburtswunden. Dann begleitet
sie den Prozess der Michbildung.
- Beim Kind werden die Farbe, die Atmung, die Bewegung und das Abheilen
des Nabels überprüft. Außerdem misst die Hebamme das Gewicht des Babys,
um zu sehen, ob es ausreichend ernährt wird. Astrid Giesen: „Die
Wochenbettbetreuung ist in Deutschland zum Glück sehr ausgeweitet worden.
Dennoch denken wir Hebammen, dass sie länger dauern müsste. Denn heute
sind die Mütter nicht mehr in ein familiäres Netzwerk eingebunden, sondern viel
mit ihren Säuglingen alleine. Diese Einsamkeit ist ein Problem. Ich rate Frauen,
schon während der Schwangerschaft Netzwerke zu schaffen, um sich nach der
Geburt gemeinsam treffen zu können.“
Babyblues
Auch die psychische Verfassung der Mutter wird berücksichtigt. Klappt die
Hormonumstellung oder wird aus dem Babyblues eine leichte depressive
Verstimmung oder gar mehr? Die Hebamme vermittelt bei Bedarf an
professionelle Berater. Astrid Giesen: „Am häufigsten hatten Frauen Babyblues
in den 60-er und 70-er Jahren, als ihnen die Kinder nach der Geburt
weggenommen und nur zum Stillen gebracht wurden. Das Zusammensein mit
dem Kind hilft also, den Babyblues zu vermeiden. Gleichzeitig muss die Frau
gut unterstützt werden, sodass sie sich in der ersten Zeit nur um ihr Kind
kümmern muss. Was auch hilft, ist daran zu arbeiten, dass die Frau nicht zu
hohe Ansprüche an sich als Mutter stellt.“
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Postpartale Depression
Bei leichten depressiven Verstimmungen können Hebammen durch Gespräche
helfen. Sobald der Zustand aber ernster wird, sollte man nicht versuchen, es zu
verstecken oder zu leugnen. Dann ist es wichtig einzusehen, dass man
professionelle Hilfe braucht, dann sollte man sich an eine entsprechende
Anlaufstelle wenden.
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