Mirabellen - Mein schöner Garten

Nutzgarten
Gute Sorten für Ihren Garten
cken zuckersüß und entwickeln
nur einen Hauch köstlich erfrischender Fruchtsäure. Die Mini-­
Pflaume stammt ursprünglich
aus Asien und gelangte als „Gelbe Zwetschge“ vor 400 Jahren
über Frankreich nach Mitteleuropa. Die meisten Mirabellenbäume wachsen noch heute im
Landstrich Lothringen, und von
dort stammt auch die berühmte
‘Mirabelle von Nancy’. „La Reine
de Lorraine“ ist bis heute das
kulinarische Wahrzeichen der
Region und Basis zahlreicher
köstlicher Rezepte (siehe S. 43).
Die ‘Mirabelle von Metz’ sollte
man dagegen besser den Konservenfabriken und Herstellern
edler Obstbrände überlassen.
Die ‘Mirabelle von Nancy’
stand auch Pate für neuere
Züchtungen wie ‘Bellamira’ oder
‘Miroma’. Beide verbinden exzellentes Aroma mit einer hohen
Widerstandsfähigkeit gegen Pilzbefall und das im Pflaumen­
anbau oft auftretende Scharka-­
Virus. Ansonsten sind Mirabellen
Neue Züchtungen sind
sehr widerstandsfähig
Erntezeit für
Mirabellen
Kugelrund und saftig-süß – die kleinste aller
Pflaumenarten erobert ihren Platz in den
Gärten zurück. Dabei spielen traditionelle
Sorten eine ebenso große
Rolle wie aromatische
Neuzüchtungen
Pflücken Sie die Früchte nach und nach und beginnen
Sie auf der Sonnenseite. Tipp: Im Kroneninnern reifende
Mirabellen enthalten mehr Säure und gelieren besser
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Das saftige Fruchtfleisch
umgibt einen kleinen, flachen, spitz
zulaufenden Stein. Bei vielen Sorten
ist die Schale auf der Sonnenseite
rot gesprenkelt, Schattenfrüchte
sind durchweg grün- oder gelbschalig
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verwandtschaftlichen
Beziehungen der Pflaumen – und dazu zählen
auch Mirabellen – sind vielfältig.
Die verschiedenen Unterarten
sind selbst für Botaniker nicht
leicht zu bestimmen. Von Laien
werden
Mirabellen
(Prunus
domestica subsp. syriaca) oft mit
der wilden Kirschpflaume (Pru­
nus cerasifera) oder der vor allem
im Süden Deutschlands heimischen Zibarte (Prunus domestica
subsp. prisca) verwechselt. Beide haben jedoch eine glattere
Schale, sind vor allem nach dem
Erhitzen ziemlich sauer und der
Stein löst sich selbst bei Vollreife
kaum vom Fleisch.
Mirabellen hingegen verströmen schon am Zweig einen
betörenden Honigduft, schme-
ziemlich pflegeleicht und werden
auch von den Maden des Pflaumenwicklers weit seltener heimgesucht als Pflaumen, Zwetschgen oder Renekloden. Auch
Zwetschgenrost ist beim Anbau
im Garten keine Gefahr und
meist werden nur die Blätter,
nicht aber die Früchte befallen.
Noch recht neu ist eine als
„Aprikosen-Mirabelle“ beworbene Züchtung. Inzwischen wurde
jedoch nachgewiesen, dass es
sich bei ‘Aprimira’ keinesfalls
um eine Kreuzung aus Mirabelle
und Aprikose, sondern um eine
besonders aromatische KulturPflaume handelt. Als Muttersorte
gilt die ‘Mirabelle von Herrenhausen’, die vom Pollen einer bisher
nicht nachgewiesenen Pflaumensorte bestäubt wurde. Der
Geschmack und das feinzellige
Fruchtfleisch erinnern tatsächlich
an Aprikosen, und das rechtfertigt den Anbau auch dort,
wo die extrem wärmebedürftigen „echten“ Aprikosen kaum
gedeihen.
Grundsätzlich eignen sich alle
Mirabellen auch für den
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‘Miragrande’ ist eine
großfrüchtige, widerstandsfähige Züchtung aus
dem Rheingau. Die festen,
saftigen, in der Vollreife
goldgelben Früchte reifen
ab Ende August
‘Berudge’ wächst nur
mittelstark, die Ernte
fällt umso reicher aus.
Die kleinen, zuckersüßen,
rosaroten Früchte verleihen
Kompott und Konfitüre
eine appetitliche Farbe
‘Mirabelle von Nancy’
trägt kleine, runde,
sehr süße Früchte mit
roten Bäckchen. Diese
schmecken frisch vom
Baum ebenso köstlich
wie auf dem Kuchen
‘Bellamira’, eine Kreuzung aus Pflaume und
Nancy-Mirabelle ist regenfest. Die kugelrunden, gelbgrünen Früchte schmecken
feinsäuerlich und lassen
sich vielseitig verwerten
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Fotos: Fotolia/Christian Jung, GAP/Maddie Thornhill, Grüner Gartenshop, Häberli (2), Shutterstock/Bergamont, MSG/M. Staffler/Prod.: A. Doll/J. Lammers/K. Wiegert
Mirabelle, oder italienisch
Mirabella, bedeutet „die
Wunderschöne“. Kein Zweifel, das zu den Pflaumen
zählende Steinobst trägt
seinen Namen zu Recht!
Doch auch der Gaumen
kommt auf seine Kosten.
Genießen Sie die mundgerechte Naschfrucht
möglichst oft und am
­besten frisch gepflückt
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