Rheinpfalz 08.08.2016 Moslems in Neustadt distanzeren sich von

DIE RHEINPFALZ
— NR. 183
A KT U EL L NO TI ER T
Flüchtlinge distanzieren sich
von Gewalt und Terror
Die Terrorattacken in den vergangenen Wochen in Deutschland und Frankreich haben
unter den Flüchtlingen in Neustadt große Sorge ausgelöst, besonders unter den Muslimen.
Sie haben Angst, von einer größer werdenden
Gruppe der deutschen Bevölkerung abgelehnt
zu werden. Einige Flüchtlinge haben deshalb
die Initiative ergriffen und ein Zeichen gesetzt:
Mit Unterstützung des Arbeitskreises Asyl formulierten sie einen Text, in dem sie sich von jeder Form von Gewalt und islamistischem Terror distanzieren. Mit dem Schreiben, das in
acht Sprachen übersetzt wurde, zogen sie
durch alle Flüchtlingsunterkünfte, um Unterschriften zu sammeln. In knapp zwei Wochen
kamen 320 Unterschriften zusammen. In dem
Schreiben heißt es unter anderem: „Wir sind
friedliche Moslems und dankbar für die Aufnahme in Deutschland, besonders hier in Neustadt. Wir respektieren das deutsche Grundgesetz. Ein friedliches Miteinander ist sehr wichtig für uns, und wir werden versuchen dazu
beizutragen, dass sich in unserem Umfeld niemand radikalisiert oder Hass und Verachtung
verbreitet. Wenn die Europäer nicht so tolerant wären, wären viele von uns jetzt tot oder
in einem vom Krieg zerrissenen und zerstörten
Land.“ Die Unterschriftenliste wurde dem Arbeitskreis Asyl übergeben. Dessen Sprecherin
Ulrike Gauglitz kann die Sorge der Flüchtlinge
gut verstehen. Auch bei der Wohnungssuche
stießen die ehrenamtlichen Helfer des AK
Asyls immer häufig auf offene Ablehnung. „Es
wird ist sehr schwierig, Wohnungen zu finden“, so Gauglitz. |kkr
S P O RT A M MO NTA G
Aufsteiger klettert auf Platz fünf
Nach seinem 5:1-Heimsieg über den FC 08
Haßloch ist Bezirksliga-Aufsteiger TSG Deidesheim auf Tabellenplatz fünf geklettert. 08 ist
noch immer ohne Punkte.
LOKALSPORT
B I T TE U M BLÄT TE RN
Tollkühn auf Kisten und Brettern
Haßloch: Ein internationales Fahrerfeld hat
sich am Wochenende auf der Dirt-Bahn bei
der 3. Elektroskateboard-Meisterschaft spannende Wettkämpfe geliefert.
LOKALSEITE 3
Problemlos auf Umleitungsstrecke
Land: Die Motorraddemonstration mit rund
250 Bikern kam problemlos über die Umleitungsstrecke in Frankeneck. Viele Anwohner
waren dennoch unzufrieden.
LOKALSEITE 5
Mit Lässigkeit und Herz
Kultur regional: Das Ensemble JaworekReinhardt hat das Publikum bei einer SintiJazz-Soiree im Maikammerer Weingut August
Ziegler begeistert.
LOKALSEITE 6
S ER VI C E
Auf einen Blick
LOKALSEITE 4
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MONTAG, 8. AUGUST 2016
„Montag ist mein Neustadt-Tag“
RHEINPFALZ-SOMMERINTERVIEW (3): Ein lockeres Gespräch – nicht drinnen im Konferenzraum, sondern
draußen in der freien Natur. Dazu haben wir uns Interviewpartner für die Sommerferien ausgesucht.
Heute ist es Frank Sobirey. Womit die Themenpalette fast endlos sein kann, von Liedertafel bis Bürgerstiftung.
Herr Sobirey, wir sitzen hoch oben
über Neustadt und auch über Ihrem
Haardter Schloss, auf einer kleinen
Terrasse. Warum ausgerechnet hier,
wo es doch – gefühlt – Hunderte Sitzgelegenheiten im Schlosspark gibt?
Die Antwort wäre: Den Platz haben
Sie ausgesucht. (lacht) Darum sitzen
wir hier, das ist die ganze Wahrheit.
Es gibt in der Tat viele schöne Plätzchen hier.
zweiten „Ball für Neustadt“ aus? Abgesehen davon, dass die Gäste viel
Spaß hatten: Was hat er gebracht für
das Projekt „Wasser in die Stadt“?
Ehrlicherweise muss man feststellen, dass die Resonanz geringer war
als bei unserem ersten Ball vor zehn
Jahren zugunsten der StiftskirchenSanierung. Man merkt auch da, wie
sich die Zeiten geändert haben,
langsam zwar, aber doch sehr deutlich. Aber wir haben einen Betrag im
niedrigen fünfstelligen Bereich für
das Projekt zusammenbekommen.
Immerhin war der Ball ja auch keine
alltägliche Veranstaltung.
Also so können Sie das jetzt wirklich
nicht sagen! Nur weil ich mich ein
wenig am Schatten orientiert habe ...
Aber es ist Ihnen nicht unangenehm,
ausgerechnet hier zu sitzen?
Im Gegenteil. Sehr schön!
„Wasser in die Stadt“ ist auch kein
alltägliches Projekt. Sind Sie optimistisch, dass es verwirklicht wird?
Da bin ich nach wie vor sehr zuversichtlich. Weil die Stadt es auch will,
und weil eine breite Zustimmung
aus der Bürgerschaft da ist. Ich habe
das Gefühl, das könnte so ein Projekt werden, wo beide Seiten an einem Strang ziehen und etwas Schönes daraus machen werden. Und wir
sind natürlich auch angestachelt
vom Erfolg vor zehn Jahren: Mit der
Sanierung hat sich die Stiftskirche
geöffnet, gehört heute sozusagen allen. Da hat sich viel zum Positiven
entwickelt.
Sitzen Sie oft hier?
Viel zu selten. Mehr Sitzgelegenheiten als Gelegenheiten, sie zu nutzen.
Das Sommernachtsfest der Liedertafel ist ja eigentlich die einzige, bei
der das Gelände fast ganz ausgenutzt wird und viele Leute sich daran erfreuen können.
Sommernachtsfest war erst vor kurzem wieder. Wie ist das denn so,
wenn ganz viele Menschen plötzlich
zu Hause einfallen?
Das ist ja durchaus beabsichtigt. Das
ist ein Abend, an dem die Schönheit
des Parks vielen Menschen offensteht. Und ich mache das gerne. Es
ist auch für mich eine Freude, abgesehen von der Arbeit danach beim
Aufräumen. Zumal ich merke, dass
das Bücken mir doch schon etwas
schwerer fällt als früher. Die Liedertäfler werden eben auch nicht jünger. Deshalb sind wir auch sehr froh,
dass die Pfadfinder mithelfen.
Sie haben mir mal erzählt, dass beim
ersten Fest vor 60 Jahren die Besucher in großer Robe kamen und in
muffigen Armeezelten saßen. Heute
ist es eher umgekehrt, das Ambiente
ist stilecht, der Dresscode aber nicht
wirklich streng. Selbst drei RadlerOutfits waren am 16. Juli zu sehen ...
Das war aber ein Novum! Und ich
habe sie auch angesprochen. Sie haben dann brav ihre Eintrittskarten
gezeigt und erklärt, sie hätten es
nicht mehr geschafft, sich umzuziehen. Aber ich schätze mal, sie kommen 2017 nicht mehr in dieser Kleidung. Ich betrachte es als einen Ausrutscher, und wir wollen auch nicht
signalisieren, dass man zum Sommernachtsfest in Badekleidung
kommt. Dieses Jahr war übrigens
auch erstmals ein Hund dabei.
Der kaum Spaß gehabt haben dürfte
angesichts der Menschenmenge ...
Ach, einerseits ist es ja schön, dass
es auch immer ungezwungener
wird, dass es mehr aufs Verhalten
als aufs Äußerliche ankommt. Andererseits gibt es natürlich Grenzen.
Die Liedertäfler werden auch nicht
jünger, haben Sie gerade gesagt. Ich
muss mir da immer bewusst machen,
mit welchem Frank Sobirey ich gera-
Mit traumhafter Aussicht: Frank Sobirey, der gern etwas bewegt und sich daher vielfach engagiert.
de spreche: dem Liedertäfler, dem Lions-Club-Mitglied oder jenem der
Bürgerstiftung ...
Ja, das kann man wirklich oft nicht
unterscheiden. Bei unserem „Ball
für Neustadt“ Ende Mai dieses Jahres zum Beispiel waren auch alle
drei beteiligt. Und dann entsteht ja
auch noch Neues daraus, wie der
Bau- und Förderverein für die Stiftskirche, den wir vor zehn Jahren nach
dem ersten Ball gegründet hatten.
Oder der Casimir-Sozialfonds, an
dem sich viele Künstler aus der Region beteiligen.
Und wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
An jedem Wochentag setze ich einen anderen auf, allerdings nicht jede Woche. Also Montag ist der Liedertafel-Tag, Dienstag ist Lions-Tag,
Mittwoch ist der Stiftskirchentag,
im Wechsel mit der Bürgerstiftung.
Aber Montag ist auch der Ich-erledige-alles-was-sonst-noch-anfälltTag. Wie unsere Sommerplauderei?
Da haben Sie Recht. Vielleicht sollte
ich besser sagen, Montag ist mein
Neustadt-Tag.
Und im Anschluss fahren Sie dann
noch nachts die Post aus, wie ich mitbekommen habe.
Ja, mal sehen, wie lange ich das noch
so mache (lacht). Die Einladungen
der Liedertafel nach auswärts gehen
mit der Post, aber das Porto bei den
Neustadter
Innenstadt-Adressen
kann man sparen. Und wenn ich sie
quasi ausfahre, dann will ich das ohne viel Verkehr auf den Straßen.
Sie fahren dann Moped?
Ja, ja, das stimmt. Wenn ich bei gutem Wetter mit Jackett fahre, dann
nehme ich den Motorroller, sonst
das Motorrad.
Roller Jackett, Motorrad Lederkluft?
Lederkluft eigentlich weniger. Ich
bin wirklich kein ambitionierter
Motorradfahrer, wir machen vor al-
FOTO: MEHN
lem kleinere Touren, bei denen wir
gemütlich durch die Gegend tuckern. Da sieht man natürlich viel
mehr als im Auto. Wahrscheinlich
würde man zu Fuß noch mehr sehen, aber das dauert dann doch zu
lange ... Aber witzig, dass ich Ihnen
das mal mit dem Briefeausfahren erzählt habe. Ich bin eben ein Nachtmensch, daher arbeite ich auch
nachts, und wenn das dann fertig ist,
dann ist die gute Zeit, um die Briefe
wegzubringen.
Kommen wir zurück zum Lions Club.
Wie ging das eigentlich mit dem
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Zur Sache: Sobirey und das Wasser
Der Neustadter Frank Sobirey (58)
ist Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in
Mannheim und dort Prodekan der
Fakultät Wirtschaft. Ehrenamtlich
engagiert er sich in mehreren Vereinen, darüber hinaus schlägt sein
Herz für die Pfadfinder, deren
Stamm Franz von Sickingen Hambach er selbst angehört hat.
Das jüngste Projekt, für das sich
Sobirey einsetzt, ist „Wasser in die
Stadt“, gemeinsam initiiert von der
Bürgerstiftung Neustadt und dem
Lions Club. Dabei soll zum einen
Wasser des Speyerbachs oberirdisch vom Casimirianum bis zum
Marktplatz fließen und dort wieder
in der Erde verschwinden. Zum anderen soll es sozusagen am Kriegerdenkmal wieder auftauchen und in
einer breiten, wenig tiefen Rinne bis
zu der kleinen Grünanlage bei der
RHEINPFALZ-Geschäftsstelle fließen. Aus dieser würde dann ein
Teich. Indes wäre es nicht mehr das
Wasser des Speyerbachs, sondern
das Grundwasser, das permanent
unter dem Klemmhof abgepumpt
werden muss. Die Stadt will 2018
mit der Sanierung der Fußgängerzone zwischen Kriegerdenkmal und
Klemmhof beginnen. Und plant dabei „Wasser in die Stadt“ mit. |ahb
Läuft alles wie geplant, würde das
Wasser-Projekt Mitte 2018 starten.
Muss sich bis dahin endlich etwas
am Klemmhof tun? Das Projekt soll
ja auch ihn beleben.
Also ich habe schon die Hoffnung,
dass dort Gastronomie wiederbelebt werden kann, dass auch Geschäfte wieder einziehen könnten.
Aber klar, es ist Sache der Klemmhof-Eigentümer, sich da einzubringen. Und was den Anschluss der
Pumpen betrifft, wollen sie das Projekt ohnehin unterstützen. Das ist ja
so ein kleiner Extracharme, dass das
Wasser, das bislang unnütz herausgepumpt werden muss, dann noch
einer guten Sache dient. Wobei tatsächlich schon die Frage aufgekommen ist, ob dadurch, dass es dann
nicht mehr direkt in den Kanal
fließt, es eine andere Art von Abwasser ist und Abwassergebühren anfallen könnten.
Aus allgemeiner Lebenserfahrung
würde ich so etwas nie ausschließen
wollen ...
Aber die beteiligten Fachleute wollen sich dafür einsetzen, dass sich
das vermeiden lässt. Der Teufel
steckt natürlich im Detail, es gibt
viele Auflagen. Die Stadtplanung
steht indes auf jeden Fall dahinter.
Wäre dann noch die Frage, die Sie
mir stellen wollen ...
Was gefällt Ihnen an Neustadt?
Dass es übersichtlich ist.
Und was gefällt Ihnen nicht?
Dass es zu übersichtlich sein kann.
| INTERVIEW: ANKE HERBERT
Trend zum Gymnasium führt zu größeren Klassen
DIE SCHULENTWICKLUNG (4): In der Kernstadt gibt es weniger Gymnasialempfehlungen – Schülerrückgang an den Realschulen plus
Wo kommen die künftigen Gymnasiasten her? Und wie entwickeln
sich die Schülerzahlen an den Neustadter Schulen bis 2022? Antworten darauf finden sich im Entwurf
zum Schulentwicklungsplan.
Den in Relation zur Größe der Schule höchsten Anteil an künftigen
Gymnasiasten in einer Grundschule
stellt die Hans-Geiger-Schule. 83
Prozent der Abgangsschüler auf der
Hambacher Höhe sind zwischen
2012 und 2016 nach der vierten
Klasse auf ein Gymnasium gewechselt. Es folgen die Michael-EndeSchule in Haardt (77 Prozent), die
Albert-Finck-Schule in Hambach
(68 Prozent), die Mußbacher
Grundschule (67 Prozent) und die
Brüder-Grimm-Schule in Diedesfeld
(61 Prozent).
Die geringsten Quoten für die
Gymnasien stellen die Schulen in
der Kernstadt: die EichendorffSchule (34 Prozent), die Heinz-Sielmann-Schule (36 Prozent) und die
Über 80 Prozent der Schüler der Hans-Geiger-Schule besuchen anschließend ein Gymnasium.
ARCHIVFOTO: LM
Ostschule (43 Prozent). Die Gutachter von Biregio schreiben, die Gründe dafür seien vielschichtig, von der
„ökonomischen Aufstellung“ über
die Bildungsambitionen der Eltern
bis zu den vorsichtigen oder offenen
Empfehlungen der Grundschulen.
Bei der Prognose der künftigen
Schülerzahlen rechnet Biregio das
bisherige Schülerverhalten weiter
bis ins Jahr 2022, also unter der Prämisse, dass keine Veränderungen in
der Schullandschaft vorgenommen
werden, auch nicht die von den Gutachtern empfohlene Umwandlung
der Neustadter Realschule plus in
eine Integrierte Gesamtschule.
Demnach fallen die Schülerzahlen in dem Zeitraum an allen Realschulen plus. In Neustadt von 553
auf 389, in Lambrecht von 307 auf
232 und in Maikammer/Hambach
von 371 auf 349.
Die Gymnasien entwickeln sich
laut der Prognose unterschiedlich.
Das „Käthe-Kohlwitz“ steigert sich
in den fünf Jahren von 910 auf 916,
das „Leibniz“ von 961 auf 977. Am
„Kurfürst-Ruprecht“ sinkt die Schüleranzahl von 991 auf 910.
Der vorausgesagte Trend ist einer
der Gründe dafür, warum Biregio
künftig eine gemeinsame Oberstufe
von Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
und Realschule plus, dann als Integrierte Gesamtschule, empfiehlt.
Der Trend zum Gymnasium geht
bereits aktuell mit größeren Klassen
einher. Die durchschnittliche Klassenstärke an der Neustadter Gymnasien liegt zwischen 26 und 28
Schülern, bei der Realschulen plus
in Neustadt und Maikammer 23, in
Lambrecht nur 19. |wkr
DIE SERIE
Die Bonner Firma Biregio hat im Auftrag
der Stadt Vorschläge zur Schulentwicklung gemacht. Das Gutachten soll
Grundlage sein für den Schulentwicklungsplan, über den der Stadtrat im November entscheidet. Wir berichten in loser Folge über die Bestandsaufnahme
und die Empfehlungen.
neu_vp25_lk-stadt.01