potpourri

N R . 3 I S E P T E M B E R – N OV E M B E R 2 0 1 5
MAGAZIN
POTPOURRI
Von Ernsthaftem und Schöngeistigem
PITS & PERVERTS
WER VERTRITT UNS?
ICH SCHREIBE EINEN TEXT
SCHMÖKEROASE UNTER ARKADEN
Potpourri? Was zur Hölle?
Ein Potpourri ist laut Wikipedia ein «Gefäss mit wohlriechenden
Pflanzenteilen». So stelle ich mir den Herbst vor: Indian Summer, farbige Blätter, Zeit und Musse für entspannende Spaziergänge. Ist der Sommer die Saison der Körperlichkeiten, so stellt
der Herbst die schöngeistige Jahreszeit dar. Deswegen haben
wir für euch eine ganze Ladung für den Geist: Buch, Film,
Theater, Musik – und ein abwechslungsreiches Kinoprogramm
zum Coming Out Day 2015 am 11. Oktober.
Ein Potpourri ist aber auch «ein aus Zitaten bekannter
Melodien zusammengestelltes Musikstück». Ich gebe es
zu: Der Vergleich hinkt ein wenig, aber in dem Fall ist das
Musik­
stück der Wahlkampf – und die Zitate bekannter
Melodien wohl die verschiedenen Wahlversprechen. Denn
im Herbst wird gewählt! Deswegen hat die HAZ mit regen­
bogenpolitik.ch die Zürcher Ständeratskandidat*innen einem
Check unterzogen.
Ihr seht: Es liegt ein abwechslungsreiches Heft vor euch!
Noch dazu eines, dessen Deadline zusammengefallen ist mit
der Nachricht, dass die Rechtskommission des Ständerates Ja
gesagt hat zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle». Nun
liegt’s am Nationalrat, einen Entwurf auszuarbeiten – der an
die Urne kommt. Es bleibt also spannend.
Ich wünsche euch viel Vergnügen mit dem neuen HAZ
Magazin, dem Herbst und dem Leben so ganz generell!
«Pits and Perverts» –
eine ungewöhnliche Allianz
----------------------------- Von Marguerite Meyer -----------------------------
Ein paar Gay-Rights-Aktivist*innen unterstützen streikenden Mineure, sammeln Geld an
Schwulenparties. Die «Kumpel» wiederum stehen hinter den «Queers», als diese sie brauchen,
und kommen zur Pride. Klingt unglaublich? Die wahre Geschichte hinter dem Film «Pride».
Inhalt
03 Pits and Perverts
Ein ungewöhnlicher Schulterschluss
Ständeratswahlen Kt. Zürich
10 Ich schreibe einen Text
zum Coming Out Day
13 Die Ruhe nach dem Sommer
06 Wer vertritt uns?
Kolumne von Anna Sophie
Wendel
14 Theater: Ich, Mutter Und
15 Buch: Schmökeroase unter
13 Agenda
Arkaden
Persönliche Empfehlungen
17 Film: Victor/Victoria
Der Liebling von Paris
19 Musik: Louane
Charmanter Chanson
20 Out of the closet, into the
cinema!
Kinoprogramm zum COD 2015
22 HAZ News-Update
Marguerite Meyer
Chefredaktorin
Mitmachen?
IMPRESSUM Nr. 3/Anfang September
2015 erscheint 4 mal jährlich HAZMagazin, HAZ, Sihlquai 67, 8005 Zürich
redak­[email protected]
Redaktionsteam: Marguerite Meyer, Patrick
Hadi Huber, Hannes Rudolph, Anna
Sophie Wendel, Michi Rüegg, Julia
Kantner Cover: flickr/Let Ideas Compete
Illu­strationen/Layout: Brigitte
Schüepp
Aufl.: 2000 Ex.
Nächste
Nummer: Anfang Dezember 2015
Redak­tionsschluss: 23. November 2015
Kontakt Inserate: [email protected] Inse­
rate-Annahmeschluss: 23. November
2015 Druck: ROPRESS Zürich (klima­
neutral) Homepage: www.haz.ch
l Potpourri? Was zur Hölle? l
E
ine Handvoll Londoner Gay-RightsAktivist*­
innen haben in den Achtzigern
einen Plan: Streikende Mineure zu unterstützen, die unter der rigiden Politik der damaligen
britischen Premierministerin Margaret Thatcher
leiden. Sie sammeln Geld: auf der Strasse vor
ihrem kleinen Buchladen, an Schwulenparties
und in queeren Szenebars. Sie geben es hemdsärmeligen Minenarbeitern und ihren Familien
mitten im Nirgendwo in Wales, trinken mit ihnen,
tanzen mit ihnen, werden Freunde. Ein Jahr später revanchieren sich die Kumpel und kommen
zur Pride. Friede, Freue, Eierkuchen – ein Plot,
wie gemacht für einen fröh­lichen und euphorischen Feel-Good-Movie, entsprungen der Feder
eines zwangsoptimistischen Autors.
Doch die folgende Geschichte, die im – übrigens
äusserst empfehlenswerten – Film «Pride»
(Matthew Warchus, 2014) erzählt wird, ist keine
erfundene. Sie mag für die Leinwand etwas aus­
geschmückt worden sein. Doch es gab sie wirklich, diese Geschichte übergreifender Solidarität.
Zusammenstoss zwischen Streikbrechern und Polizei, Wales 1984
nicht mehr so einfach tun. Die britische Regierung unter Thatcher beschlagnahmte die Gelder
der Gewerkschaft. Es war unmöglich geworden,
auf die Konten der Streikenden zu überweisen.
Plötzlich musste Bargeld her.
Mark Ashton war damals ein junger Schwulenaktivist – und Mitglied der kommunistischen
Partei Grossbritanniens. Als junger Mann hatte
der Mitzwanziger Bangladesh besucht, wo sein
Vater in der Textilindustrie arbeitete. Dieser
Aufenthalt hatte in ihm das politische BewusstGrossbritannien, Anfang Achtziger: Viele Koh- sein geweckt und er solidarisierte sich stark mit
lenminen waren unrentabel geworden. Deshalb der Arbeiterklasse.
wollte die Regierung unter Premierministerin
Margaret Thatcher (im Amt 1979 bis 1990) Während des Streiks der Mineure beschloss
diese schliessen. Tausende Arbeiter in struk- Ashton zusammen mit einem Freund, Michael
turschwachen Gebieten sorgten sich um ihre Jackson, eine Unterstützergruppe für die ArbeiJobs. Mehrere Werke wurden geschlossen. Die ter und ihre Familien zu gründen. Und so entGewerkschaft der Mineure, die «National stand eine Gruppe namens «Lesbians And Gays
Union of Mineworkers», rief zum Streik auf: Er Support The Miners» – kurz LGSM. Nicht alle
dauerte von 1984 bis 1985.
Gay-Aktivist*innen waren dem Vorhaben einverstanden: Sie glaubten, dass die Solidarität
Solidarität als Einbahnstrasse?
mit den «Kumpels» eine Einbahnstrasse werde.
Wer die streikenden Kumpel finanziell unter- Die Mineure würden sich niemals im Gegenzug
stützen wollte, konnte dies jedoch plötzlich für die «Queers» einsetzen.
l «Pits and Perverts» – eine ungewöhnliche Allianz l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich l 3 l
Breiter Widerstand gegen Thatcher
Doch Ashton sah das Engagement als Teil
eines breiten Widerstands gegen die verhasste
Politik Thatchers. Darunter litten nicht nur die
Arbeiter*innen in den Fabriken und Bergwerken, sondern auch die Mitglieder der LGBTQCommunity. Der Regierung wurde vorgeworfen, einerseits nicht genug im Kampf gegen
HIV/AIDS zu tun, andererseits auch die Gewalt
gegen Schwule, Lesben und Transgender-Menschen zu ignorieren. Tatsächlich sagte Thatcher
1987 – ironischerweise in dem Jahr, als Mark
Ashton mit 27 an AIDS starb – vor ihrer Partei: «Kindern wird beigebracht, sie hätten ein
unveräusserliches Recht darauf, homosexuell
zu sein. All diese Kinder werden um einen
gesunden Start ins Leben betrogen.»
sagen: Ich bin schwul und werde die Gay-Community verteidigen, aber alles andere kümmert
mich nicht», soll der charismatische Ashton zu
Beginn der LGSM-Aktion gesagt haben. Der
Drehbuchautor des Filmes, Stephen Beresford,
erklärte der britischen Zeitung The Guardian:
«In Wales sprechen sie heute noch über Mark
Ashton als sei er Jeanne d‘Arc.»
«Lesbians Against Pit Closures»
So begann der politische Schulterschluss zweier auf den ersten Blick sehr unterschiedlicher
Lager: Auf der einen Seite die streikenden
Kohlearbeiter aus Wales, auf der anderen
die Gay-Rights-Aktivist*innen aus London.
Der Streik, der auch bei den verschiedenen
Gewerkschaftssektionen umstritten gewesen
war und von manchen Sektionen gebrochen
«Eine Community sollte sich solidarisch mit wurde, dauerte knapp ein Jahr. In diesem Jahr
einer anderen zeigen. Es ist nicht logisch zu hatten die «Lesbians And Gays Support The
Miners» elf Gruppen in ganz Grossbritannien
------------------------------------------- anzeige ------------------------------------------- gegründet.
Die ursprüngliche Londoner
Gruppe um Mark Ashton sammelte alleine
Für alles, was Recht und 11’000 Britische Pfund – eine Menge Geld.
gerecht ist.
jositsch.ch
Mineure führten Pride-Demo an
Komitee Daniel Jositsch, Rämistrasse 74/25, 8001 Zürich
l 4 l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
Doch all das reichte nicht. Die Sektionen der
Gewerkschaften waren zerstritten, die Streikenden waren müde und lenkten in die wenigen
Zugeständnisse von Regierungsseite ein, damit
sie teilweise ihre Jobs zurückerhielten. Im März
1985 beendeten auch die letzten Streikenden die
erfolglose Unternehmung; sie gaben nicht zuletzt
auf vor Hunger – ihre Familien litten im Winter
bitterlich unter dem fehlenden Einkommen.
Doch mochte auch der Streik der Mineure
erfolglos gewesen sein, so trug die ungewöhn-
17.08.15 14:04
l «Pits and Perverts» – eine ungewöhnliche Allianz l
Am Parteitag der sozialdemokratischen LabourParty im selben Jahr wurde über eine Motion
abgestimmt, welche gleiche Rechte für Lesben
und Schwule forderte. Sie wurde angenommen:
Die Gewerkschafter der «National Union of
Mineworkers» und ihre Verbündeten stimmten
geschlossen dafür. Die Solidarität blieb doch
keine Einbahnstrasse.
--------------------------------------------------------------------------------------------- anzeige ---------------------------------------------------------------------------------------------
Es gab eine lesbische Splittergruppe namens
«Lesbians Agains Pit Closures», die sich vor
allem auch mit den Anliegen der Frauen in den
Minenarbeiter-Familien solidarisierte. Einer der
Höhepunkte der LGSM-Aktivitäten war eine
Benefizveranstaltung mit dem selbstironischen
Namen «Pits and Perverts» – mit einem Konzert
der bekannten Synthpop-Band Bronski Beat.
STÄNDERAT
DANIEL JOSITSCH
HAZ_Anz_Jositsch_65x98.indd 1
liche politische Koalition für die Gay-RightsBewegung in England Früchte. Wie Ashton
gehofft hatte, hatte der Schulterschluss zur
Folge, dass schwullesbische Rechte auf die sozialdemokratische, politische Agenda kamen. Die
Gewerkschafter der Mineure kamen an GayRights-Anlässe. Nicht nur besuchten die Minenarbeiter und ihre Familien 1985 die «Lesbian and
Gay Pride» in London – sie führten den Zug an.
GRÜNE
LISTE 5
Rosmarie
Quadranti
(bisher)
Liste 6, Kanton Zürich oder 2x auf Ihre Liste
Als Nationalrätin will ich mich weiterhin dafür einsetzen, dass LGBT’s gleichgestellt sind. Also die
gleichen Rechte gelten, die Heterosexuellen zustehen.
KATHARINA
BER
PRELICZ-HU
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IN DEN NATIO nnung für
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Gleiche Rechte
bereichen!
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LGBT-Mensche
l «Pits and Perverts» – eine ungewöhnliche Allianz l
Das bedeutet z.B. keine Sondergesetze für die LGBTGemeinschaft sondern die gleichen für alle, unabhängig der sexuellen Orientierung.
Danke für Ihre Stimme.
Rosmarie Quadranti
«Mit Freude und Leidenschaft für Familie, Bildung,
Gesellschaft und Umwelt»
www.rosmarie-quadranti.ch
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich l 5 l
Ständeratswahlen Kanton Zürich:
Wer vertritt uns?
---------------------------- Von Patrick Hadi Huber -----------------------------
In den kommenden vier Jahren werden in Bern die Weichen für viele der LGBTIQ-Themen
gestellt. Die «Ehe für alle», das Adoptionsrecht und die Fragen des Diskriminierungsschutzes sind bereits auf der Agenda des Parlaments. Im Kanton Zürich könnte die Ausgangslage
nach dem Rücktritt der beiden bisherigen Felix Gutzwiller (FDP) und Verena Diener (GLP)
spannender kaum sein. Die HAZ hat deshalb bei den Kandidierenden über die Plattform
regenbogenpolitik.ch ihre Position zu den Anliegen der LGBTIQ-Community abgefragt und
die Übereinstimmung ausgerechnet.
Bastien Girod, Grüne
(Übereinstimmung: 100%)
zu 100% und hat im Nationalrat immer zu
unseren Gunsten abgestimmt. Sein Slogan «Für
eine Schweiz mit Zukunft – jetzt erst recht»
steht im Zusammenhang mit der Entwicklung
einer diskriminierungsfreien Gesellschaft und
der Öffnung der Ehe für sich selbst. Mit Girod
hätte der Kanton Zürich einen der jüngsten
Vertreter im Ständerat und er wäre, was unsere
Anliegen betrifft, ein starker Verbündeter.
«Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuel­
len Identität» ein, die allerdings weder vom
Bundesrat noch vom Parlament mehrheitlich
unterstützt wurde. Jositsch teilt unsere Ziele
aber uneingeschränkt.
Einen minimen Punkteverlust erhält er, weil er
an der Abstimmung über einen «Bericht zum
Recht auf Schutz vor Diskriminierung» (Postulat von Nationalrat und HAZ-Vorstand Martin
Naef) abwesend war. Beim Einreichen des Postulats gehörte er zu den Mitunterzeichnern. Sein
Slogan: «Ich setze mich ein für qualitativ hochstehende Bildung, öffentliche Sicherheit und
den konsequenten Schutz der Menschenrechte
und eine gesunde Wirtschaft im Interesse des
ganzen Landes.» Auch Daniel Jositsch wäre bei
einer Wahl ein Vertreter der Anliegen der Community im Ständerat.
Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass
er sich mit seinem Abstimmungsverhalten die
vergangenen vier Jahre für unsere Themen ausgesprochen hat.
Der Grund, warum man ihn gemäss eigenen
Worten wählen soll: «Ich möchte meine langjährigen Erfahrungen als Politiker auf allen
Ebenen und mein Wissen neu auch im Ständerat
einbringen.» Für die Anliegen der Community
wäre Martin Bäumle ein guter Verbündeter im
Ständerat.
Barbara Schmid-Federer, CVP
(Übereinstimmung: 79%)
Martin Bäumle, GLP
(Übereinstimmung: 97%)
Daniel Jositsch, SP
(Übereinstimmung: 99%)
Der engagierte Umwelt- und Naturwissenschaftler aus dem Kanton Zürich wurde einst
bekannt, als er sich mit seinem Sixpack bei
einem Polizeiauto ablichten liess, um gegen die
repressiven Massnahmen der Ordnungshüter
zu demonstrieren. Daraufhin machte er schnell
Karriere: 2006 als Gemeinderat und im Jahr
darauf mit seiner Wahl in den Nationalrat. Mittlerweile ist er Vizepräsident der Grünen Schweiz.
Bastien Girod unterstützt unsere Anliegen
l 6 l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
Der Strafrechtsprofessor und pointierte Redner
machte nicht nur durch seine klaren Worte am
Zurich Pride Festival auf seine äusserst offene
Haltung gegenüber der Community aufmerksam. Bereits 2009 reichte er eine Motion zum
l Ständeratswahlen Kanton Zürich: Wer vertritt uns? l
Der Parteipräsident der GLP Schweiz unterstützt die Anliegen der Community beinahe
vollständig. Nur mit seiner Antwort «keine
Position» betreffend die Aufhebung des Verbots
der künstlichen Befruchtung für eingetragene
PartnerInnen hat er etwas an Boden verloren.
l Ständeratswahlen Kanton Zürich: Wer vertritt uns? l
Bei der Unternehmerin und Familienfrau aus
Männedorf fällt auf, dass sie zu vielen Themen
noch keine Position hat. Betreffend der Adoption
formuliert sie: «Die Adoption von Kindern des
Partners oder der Partnerin sollte möglich sein.
Ob dies auch für jede andere Art der Adoption
gelten soll, dazu habe ich mir noch keine Meinung gebildet. Wir führen diese Diskussion im
Moment in einer Arbeitsgruppe in der Partei.»
In der Tat hat sie der Stiefkindadoption im
Nationalrat bereits zugestimmt.
Zur Ehe für alle sagt sie im Grundsatz Ja, weil
«die Zivilheirat von homosexuellen Paaren
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich l 7 l
ein wichtiger Schritt dazu wäre, dass gleich­
geschlechtliche Paare rechtlich weniger diskriminiert werden.» Betreffend die CVP-Initiative
zur Abschaffung der Heiratsstrafe äussert sie
sich so: «Zusammen mit der CVP Kanton
Zürich habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir
auf das Festsetzen des Ehebegriffs in der Verfassung verzichten sollten. Leider hatten wir damit
kein Erfolg in der Mutterpartei.» Im Nationalrat war sie bei der Abstimmung über die eigene
Initiative abwesend.
Maja Ingold, EVP
(Übereinstimmung: 60%)
schaft ein neues Institut definiert, das die
‹heutige› Ehe ablösen soll, wird auch neu festgelegt, für wen es gilt.»
Nationalrätin Ingold unterstützte die Stiefkindadoption und findet es ebenfalls richtig,
wenn gleichgeschlechtliche Paare Pflegekinder aufnehmen können. Bei der Abstimmung
über die CVP-Initiative (Heiratsstrafe, bei der
gleichzeitig die Ehe als Verbindung zwischen
Mann und Frau in die Verfassung geschrieben
werden soll) gewichtete sie das erste Anliegen
höher und stimmte im Nationalrat noch zu. Sie
findet diese Definition aber ebenfalls falsch und
antwortet in unserem Fragebogen deshalb
«Keine Position».
Hans-Ueli Vogt, SVP
(Übereinstimmung: 58%)
Bestimmungen des Völkerrechts.» Nötigenfalls
seien völkerrechtliche Verträge zu künden. Vogt
stellt sich gegen «schweizweit bis hin zu den
einzelnen Themen vereinheitlichte Lehrpläne»,
es reiche, wenn im «Sexualkundeunterricht
gesagt wird, dass es verschiedene Formen der
Sexualität gibt». Entgegen der Haltung seiner
Partei sagt er Ja zur Öffnung von Adoption und
Ehe, möchte allerdings einen anderen Begriff
für die «Ehe» verwenden. Bei der eingetragenen
Partnerschaft stellt er sich als einziger Kandidat
gegen die erleichterte Einbürgerung.
Mit dem Thema Trans* hat er sich zu wenig
auseinander gesetzt, um dort eine Haltung
einzunehmen. Über den Diskriminierungsschutz sagt er: «Im privaten Bereich bin ich
allgemein gegenüber Diskriminierungsverboten
kritisch eingestellt. Hier hat meines Erachtens
der Gedanke der Vertragsfreiheit Vorrang.»
In extremen Fällen greife zudem der Persön­
lichkeitsschutz. Bei seiner Kandidatur liegen
keine Daten zum Abstimmungsverhalten im
Nationalrat vor. Die SVP-Fraktion hat sich bei
den betreffenden Fragen (mit Ausnahme der
CVP-Initiative) aber immer gegen die Anliegen
der Community gestellt.
Ruedi Noser, FDP
(Übereinstimmung: 55%)
Die langjährige Nationalrätin aus Winterthur
tritt mit dem Versprechen an, «in unserer
Schweiz Gesetzgebungen so zu gestalten, dass
sie ein solidarisches Zusammenleben ermög­
lichen auf der Grundlage von Werten, die
Menschenrecht und Würde sowie Verantwortung für unsere nachfolgenden Generationen
wahrnehmen.» Gerade bei der Frage der «Ehe
für alle» basieren ihre Entscheidungen auf
den Werten und sie stellt sich somit gegen die
Öffnung der Ehe. Sie spricht für die Zukunft
aber davon, dass «wenn dereinst die Geselll 8 l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
Überraschend konservativ fallen die Antworten des FDP-Kandidaten Ruedi Noser aus, der
nach zwölf Jahren in der grossen Kammer in
den Ständerat wechseln möchte. Als einer der
wenigen Unternehmer im Parlament betont
er seinen Einsatz «für Arbeitsplätze, die nicht
nur der Grundpfeiler des Wohlstands unseres
Landes sind, sondern auch unsere Gesellschaft
Die SVP schickt den Professor für Wirtschaftsrecht und Kantonsrat Hans-Ueli Vogt ins
Rennen, der offen zu seinem Schwulsein steht.
Er setzt sich gemäss eigenem Slogan «für eine
freie, unabhängige Schweiz» ein. Aus seiner
Feder stammt die Selbstbestimmungsinitiative,
die im Wesentlichen fordert: «Die Bundes­
verfassung steht über dem Völkerrecht und
geht ihm vor, unter Vorbehalt der zwingenden
l Ständeratswahlen Kanton Zürich: Wer vertritt uns? l
zusammenhalten.» Betreffend unserer Themen:
Er ist gegen die künstliche Befruchtung, und
gegen die Gleichstellung beim Adoptionsrecht.
Bei der Ehe für alle sagt er: «Homosexuelle
Paare sollen in allen partnerschaftlichen Rechten gleichgestellt werden und sich bei der
Angabe des Zivilstands als verheiratet bezeichnen können. Das Wort Ehe sollen wir aber
für heterosexuelle Paare reservieren.» Und er
macht mit seinem Nein zum Adoptionsrecht
gleich nochmal eine weitere Unterscheidung:
«Ich finde es für ein Kind wichtig, dass es
mit einer Mutter und einem Vater aufwachsen
und beide Geschlechter erleben kann.» Dieser
Widerspruch, seine Haltung gegen eine Ausweitung des Diskriminierungsschutzes und gegen
die Thematisierung von LGBTIQ im Lehrplan
erklären den tiefen Wert bei der Übereinstimmung.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Die genaue Berechnungsmethode sowie die Antworten der Kandidierenden für den National- und Ständerat: www.regenbogenpolitik.ch
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------l Ständeratswahlen Kanton Zürich: Wer vertritt uns? l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich l 9 l
Ich schreibe einen Text zum
Coming Out Day
----------------------------- Von Hannes Rudolph -----------------------------
Ich schreibe diesen Text als weisser, nicht-behinderter, schwuler Transmann, dessen Eltern
auch schon studieren durften und der als Deutscher in Zürich lebt. Der in einem beruflichen
Umfeld arbeitet, wo er sich eher outen müsste, wenn er hetero wäre. Oder wenn er cis1 wäre.
A
ndere würden ganz andere Texte schreiben.
Zum Beispiel die bisexuelle Frau, die mit Mann
und Kindern lebt und die ständig auf völliges
Erstaunen trifft, wenn sie von ihrer Ex-Freundin
erzählt.
Oder der ungeoutet lebende Transmann, der
eigentlich der Frau, mit der er zusammen sein
möchte, sagen sollte, dass er trans ist. Der aber
fürchtet, dass sie es dann (oder falls die Beziehung auseinandergeht) weitererzählt.
Oder die junge Frau mit den religiös dog­
matischen Eltern, die ihr Druck machen, dass
sie endlich heiraten soll.
Oder der Mann, der in der Schweiz Asyl
beantragt hat und dessen Landsleute nicht erfahren dürfen, dass er schwul ist.
Oder die Transfrau, die schon mehrfach erlebt
hat, dass Männer, mit denen sie sich getroffen
hat, völlig ausgerastet sind, als sie erfahren
haben, dass sie keine Cis-Frau ist.
Oder der bisexuelle Cis-Mann im mittleren
Alter, der noch nie ein Coming-out und noch nie
eine Beziehung mit einem Mann hatte.
Oder die Person, die weder Mann noch Frau
ist und sich immer outen und ihr Umfeld auf­
klären muss, wenn sie nicht falsch angesprochen werden will.
Oder die LGBT-Menschen, die in Jamaika, in
Uganda, in Russland, in Albanien, in Tunesien,
im Oman, in Saudi-Arabien, in Aserbaidschan
und anderen Ländern mit homo- und transphober Gesetzgebung leben.
Meine Perspektive ist alles andere als universell. Das vergesse ich selbst oft.
Ich möchte nicht über mein anstrengendstes
Coming-out schreiben. Das hier meine ich:
«Hallo Leute, ihr werdet es nicht glauben, ich
bin gar keine Frau. Haha, ja, das gibt es. Nein,
ich lasse mich jetzt nicht operieren. Ich bin einfach ein Mann, weil ich weiss, dass ich einer
bin. Nennt mich doch bitte Hannes.»
Ich kann auch nicht, obwohl ich schwul bin,
über das Coming-out schreiben, was vielen
bei «schwules Coming-out» sofort in den Sinn
kommt. Ich musste nie denken: «Bitte verstosst
mich nicht, weil ich auf Jungen stehe.» Meine
Eltern erwarteten, dass ich später mal einen
Mann heirate. (Ich habe sie nicht enttäuscht.)
Ich war nie in einen Jungen in meiner Klasse
verknallt und hatte Angst, dass er es merkt. Ich
hatte nie Angst, dass mich jemand «Schwuchtel» nennt.
Ich will von den alltäglichen und unspektakulären Coming-outs erzählen, die trotzdem oft
eine Mutprobe sind. Der Alltag ist ja gespickt
mit Situationen, in denen uns die Erwartung,
wir seien hetero (und cis) entgegenschlägt. Und
in diesen Zufallsbegegnungen offen zu sein, ist
eine ziemliche Herausforderung.
Als schwuler Mann mit Familie mache ich die
Erfahrung, dass es a) überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass ich einen Mann und keine
Frau habe und b) dass es sich oft lohnt, sich bei
der ersten Gelegenheit zu outen.
Zum Beispiel: Spielplatz, wochentags. Ein
anderer Vater fragt: «Und, wie macht ihr das mit
der Arbeitsteilung zu Hause?» Jetzt kann ich
sagen: «Wir machen das 50:50.» und hoffen,
dass er nicht weiterfragt. Wenn er tatsächlich
nicht weiterfragt, hab ich das Problem, dass er
jetzt denkt, ich hätte eine Frau. Wenn er weiterfragt, was meine Frau arbeitet, muss ich mich
wieder entscheiden, ob ich mich oute. Die
Christopher Park, NYC (flickr/wallygobetz)
Cis ist das Gegenteil von trans. Menschen, die nicht trans sind, können
als Cismenschen bezeichnet werden. Ich benutze cis und trans immer
dann, wenn es relevant ist. Wenn ich Frau schreibe, sind immer sowohl
Cisfrauen als auch Transfrauen gemeint bzw. es spielt keine Rolle.
1 Schritt für Schritt (flickr/Ulbrecht Hopper)
l 10 l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
l Ich schreibe einen Text zum Coming Out Day l
l Ich schreibe einen Text zum Coming Out Day l
Jede Geschichte ist anders (flickr/Zack)
Alternative zum Outen wird dann leugnen,
lügen. Das fühlt sich ziemlich mies an.
Ich kann aber auch sagen: «Mein Mann und
ich teilen uns das 50:50 auf.» und schauen, was
dann passiert. Meistens nichts. «Ach, ah, so,
zwei Väter, das ist noch speziell.» Das wusste
ich zwar schon, aber der folgende Smalltalk
hat wenigstens mit mir zu tun und sorgt dafür,
dass Familien wie meine selbstverständlicher
werden.
Es gibt unzählige Situationen, in denen ich
mich nicht selbstverständlich fühle. Nehme ich
am Bahnhof die Hand meines Mannes? Korrigiere ich Leute, die mein Kind nach seiner
Mama fragen? Beeile ich mich in der Umkleide,
damit niemand merkt, dass ich trans bin? Versuchen wir im mit Fussballfans gefüllten Tram
so zu tun, als gehörte jeweils ein Kind zu einem
Papa? Gehe ich jetzt zu diesem neuen Arzt, auch
wenn ich mich wieder als trans outen muss? Es
gibt Situationen in denen ich mich nicht oute.
Aber die Selbstverständlichkeit wächst mit
jedem Offen-Sein. Für mich, aber auch für mein
Gegenüber. Und damit für die, die nach mir
kommen.
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich l 11 l
alan DaviD
SangineS
angelo
Barrile
Martin
naef bisher
Patrick HaDi
HuBer
AGENDA
Die Ruhe nach
dem Sommer
Ich sitze im Zug und höre mir, wie so oft, den
3. Satz des Sommerkonzerts von Vivaldis Vier
Jahreszeiten an. Zu diesem Stück kann man
nicht auf dem Sofa sitzen, finde ich. Da muss
sich etwas bewegen, Bäume und Gebäude
müssen vorbeiwirbeln, Schwalbenschwärme
auftauchen und im nächsten Moment wieder
verschwinden.
Und wie immer nehme ich mich unheimlich
zusammen, dass ich nicht komplett den Verstand verliere und kopflos in meinem Abteil
herumdirigiere. Hört euch zum Beispiel die
Rekomposition von Max Richter an und versucht, beim Stillsitzen nicht zu platzen. In
dieser Rekomposition kommt dann, nach der
drückenden Hitze und dem virtuosen Sommergewitter, die Ruhe nach dem Sturm. Fast genau
eine Minute und dreissig Sekunden lang.
SP: Seit JaHrzeHnten
konSequent für unSere
recHte. unS BraucHt eS
aucH Morgen.
Ein passendes Gefühl für das Ende des Sommers, bei dem die Stadt wie verkatert aus der
Wäsche schaut und wir wehmütig sagen: «Es
härbschtelet.» Und jetzt, wo ich auch nicht mehr
herumdirigieren muss, male ich mir Ausflugsziele für den Oktober in Zwei- (oder Mehr-)
samkeit aus. Ich empfehle ein Picknick in den
Alpilles, Rotwein in der Toskana, eine
Fahrt im Ruderboot auf den
Plitvicer Seen oder – gleich vor
der Haustür – Nichtstun im
Klöntal.
SZENE
FR 25.09.15
Offstream @ Zukunft
ab 23.00 Uhr
Info: offstream.ch
HAZ-EVENTS
FR 11.09.15
HAZ Kultur:
Der Besuch der alten Dame
Stürmereihuus Schlieren,
19.00 Uhr
Info: haz.ch/kultur
FR 11.09.15
FreitagsCentro
Leckeres Essen in netter Runde
Centro, 19.30 Uhr
DO 24.09.15
Schwubliothek offen
Bücher und Filme
20.00 – 21.30 Uhr
SA 26.09.15
HAZ Outdoor:
Bergwanderung Wägital
Info: haz.ch/outdoor
DO 01.10.15
bi-Treff
Café Rathaus, Limmatquai 61
19.00 Uhr
FR 09.10.15
gay: my way
Coming-Out-Gesprächsgruppe
20.00 Uhr
SO 08.11.15
deshalb am 18. oktober liste 2 wählen
und in Zürich Daniel Jositsch in den Ständerat
l 12 l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
für alle
Statt
für wenige
l „Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert“ l
Anna Sophie
Wendel
l Die Ruhe nach dem Sommer l
HAZ-Outdoor:
Herbstwanderung
Zürcher Stadtgrenze
Info: haz.ch/outdoor
Details zu allen Events unter
www.haz.ch
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich l 13 l
«Ich hatte leider eine sehr
unkomplizierte Mutter»
Schmökeroase unter Arkaden
----------------------------- Von Marguerite Meyer -----------------------------
----------------------------- Von Marguerite Meyer -----------------------------
Die meisten Schwulen hätten eine spezielle Beziehung zu ihren Müttern, meint Michi Rüegg. Sein
Stück «Ich, Mutter und» handelt von der grauenvollen Mutter, die er sich immer gewünscht hatte.
I
m November kommt das Einpersonenstück
mit Samuel C. Zinsli in der Hauptrolle wieder
zurück auf die Bühne. Buch und Regie kommen
von Rüegg: Es sei «ein Blick auf die Beziehung
zwischen einem schwulen Mann und seiner
Erzeugerin». Das Publikum werde dabei zum
Zeugen einer längst überfäl­ligen Emanzipation.
Stichwort Inspiration? «Ideen kommen uneingeladen. Manchmal knalle ich ihnen die Tür
vor der Nase zu, ab und zu lasse ich sie auf
eine Tasse Tee hinein. Dann erzählen sie endlos
von sich, und wenn sie mich nicht langweilen,
schreibe ich mit.»
Die Zusammenarbeit zwischen Zinsli und
Rüegg besteht seit bald 20 Jahren. «Er ist der
Grund warum ich mich überhaupt auf Theater eingelassen habe», so Rüegg. Das merkt
man vermutlich auch dem Stück an. «Wir sind
über die Jahre ein immer schulligeres Gespann
geworden und halten uns gegenseitig kaum
mehr aus, sehr erfrischend.»
--------------------------------------------------------------------------Reservationen: keller62.ch // Eintritt 35.–,
Rabatt für AHV & Studierende
---------------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------------------------------- anzeige ---------------------------------------------------------------------------------------------
ICH,
MUTTER
UND
Wer auf der Suche nach guten Büchern ist, bahnt sich seinen Weg bezeichnenderweise durch
das Berner Bibliotheksgässchen. Weit weg vom Trubel der Einkaufsstrassen der Altstadt
befindet sich unter steinernen Lauben die queere Buchhandlung queerbooks.ch.
S
ie gehört eigentlich zur Buchhandlung Weyermann, die
sich zwischen Casinoplatz und
Münstergasse versteckt. Hier
arbeitet Patrick Roth, der für die
Abteilung queerbooks.ch zuständig ist. Das HAZ Magazin war
neugierig.
Wir sind die queere Abteilung –
also online und der Laden –
der Buchhandlung Weyermann.
Den Ursprung haben wir
im Zusammenschluss mit der
damaligen Berner Frauenbuchhandlung, die Bücher zu Frauenthemen und Feminismus sowie
lesbische Literatur anbot.
HAZ Magazin: Patrick, was
ist deine Funktion bei queer- Früher waren die Webshops nach Geschlechtern
books.ch?
Patrick Roth: Ich bin zuständig getrennt?
für…ehm, eigentlich alles. Ich
wähle das Sortiment für den
Laden aus, füttere den Webshop mit neuen Titeln, pflege
Kontakte zu Kund*innen,
Verlagen und Autor*innen,
plane Lesungen, schmiede neue
Aktionen, bearbeite Bestellungen und versende Geschichten
in die ganze Schweiz.
Wie ist queerbooks.ch
eigentlich entstanden?
Durch den Zusammenschluss
der beiden Seiten unter neuem
Namen ist dann queerbooks.ch
entstanden. Zum einen ist es
ganz einfach weniger auf­
wändig, nur einen Shop zu
betreuen. Zum anderen boten
sich dadurch viel mehr Möglichkeiten, was die Gestaltung
und Ausweitung des Sortiments betrifft. Ein eher persönlicher Grund für diesen
Zusammenschluss war, dass
ich generell kein grosser Fan
von Separation bin.
Was habt ihr im Angebot?
Wir führen hauptsächlich
Bücher – Romane, Sach- und
Fachbücher – und Filme mit
queerem Inhalt oder Zusammenhang. Auch haben wir
ergänzende Produkte wie Zeitschriften, Postkarten, Buttons
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und ja, auch Gleitmittel. (lacht) Zu unserem
Service gehört auch die Suche nach vergriffenen Büchern, generelle Recherchearbeit. Und
wir können auch E-Books anbieten. Im Onlineshop gibt es eigentlich alle Titel mit queerem
Zusammenhang; für den Laden treffe ich eine
Auswahl.
an Tagungen. Und ein ganz besonderes Highlight
ist unser Angebot «einschliessen&geniessen» –
mensch lässt sich nach Ladenschluss in unsere
Buchhandlung einschliessen, kann in aller Ruhe
stöbern und geniesst dazu ein wunderbares
Apéro.
Klingt gut! Und zu guter Letzt: Das Beste
Ausser online und im Laden Bücher kaufen: an deinem Beruf als Buchhändler?
Was kann man sonst noch tun bei euch?
Ich mag es, gemeinsam mit Kund*innen über
Wir führen immer wieder Lesungen durch, ver- Gelesenes oder Gesehenes zu schwärmen und
kaufen Bücher an Prides, machen Büchertische Tipps auszutauschen!
Persönliche Schwärmereien
----------------------------- Von Patrick Roth -----------------------------
Edouard Louis: Das Ende Ingeborg Boxhammer:
Rae Spoon & Ivan E. Coyote:
von Eddy
Marta Halusa und Margot Liu Goodbye Gender
«Ich rannte weg, ganz auf
einmal. (…) Ich kam zu den
Feldern und wanderte einen
Grossteil der Nacht herum (…)
Die ganze nacht über entwarf
ich mein neues Leben fern von
hier.»
Die Tänzerinnen Marta Halusa
und Margot Holzmann werden
in Berln von den Nazis verfolgt: Holzmann wegen ihrer
jüdischen Herkunft, beide
wegen Prostitution und «lesbischer Betätigung». Das Paar
überlebt den NationalsozialisMit unglaublicher Sprachgewalt mus.
erzählt der junge französische
Literaturstar die Geschichte Eine bewegende Geschichte
einer Befreiung aus einer uner- über zwei Frauen, zwei Leben
träglichen Kindheit – inspiriert und eine ganz grosse Liebe.
von seiner eignen.
l 16 l
Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich
Geht das, ein Leben ohne Gender? Die beiden kanadischen
Künstlxs Spoon und Coyote
erzählen in kurzen, sich abwechselnden Berichten von
ihrer Reise durch unterschied­
liche Phasen eines geschlechtlichen und sexuellen Lebens
bis hin zu dem Punkt, an dem
sie Geschlecht als Identifi­
kation für sich ganz aufgeben.
«Ich bin nicht im falschen
Körper geboren. Ich bin in der
falschen Welt geboren.» Rae
Spoon
l Persönliche Schwärmereien l
«Victor/Victoria» –
Der Liebling von Paris
Es ist eine köstliche Verwechslungskomödie: Die stets entzückende Julie Andrews spielt eine
arbeitslose Sängerin, die sich als Mann ausgibt – der aber auf der Bühne ein Damenimitator
ist. Die Kolleg*innen der HAB Bern haben sich den Klassiker für euch angeschaut.
I
m Paris der frühen 30erJahre ist Victoria Grant eine
arbeitslose Opernsängerin. Bei
einem erfolglosen Vorsingen in
einem Nachtklub lernt sie den
schuwlen Chansonnier Carol
Todd – «Toddy» – kennen, der
etwas später ebenfalls gefeuert wird. Beide treffen sich in
einem Restaurant wieder, wo
der Versuch, mit Hilfe einer
Kakerlake die Zeche zu prellen, einen etwas ungewöhn­
lichen Verlauf nimmt.
Die beiden tun sich zusammen.
Toddy kommt eine geniale
Geschäftsidee: In dem Anzug,
den Toddys Ex-Liebhaber bei
ihm vergessen hat, geben sie
Victoria als Damenimitator
Victor aus, um ein Engagement als Frauendarsteller in
einem Nachtklub zu bekommen.
Julie Andrews als Victoria in der Rolle des Victor
Aus Victoria wird also «Graf
Victor Grazinski» und aus
Toddy dessen Liebhaber. Mit
seinem ersten Auftritt wird
«Victor» zum Liebling von
Paris.
Fasziniertes Zweifeln eines
Zwielichtigen
Während dieses Auftritts sitzt
auch er zwielichtige Nachtklubkönig King Marchand
aus Chicago im Publikum.
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Charmanter Chanson à la Louane
----------------------------- Von Julia Kantner -----------------------------
Gute Französischkenntnisse sind nicht nötig, um mit der sympathischen Dame aus Nordfrankreich warm zu werden. Auf ihrem Debüt glänzt Louane mit dem Mix aus klassischem
Chanson Française und stimmigen Pop-Beats: 18 süße Songs Marke «Sweet Little Eighteen».
Louane
Gemeinsame Sache: Toddy (Robert Preston) und Victoria/Victor
Tête-à-tête: Verwirrende Beziehung für King (James Garner)
Zunächst abgestossen von einem Mann, der
eine Frau darstellt, ist er mehr und mehr fasziniert – und beginnt, an seiner eigenen sexuellen
Orientierung zu zweifeln. Als er dann allerdings
die Wahrheit erkennt, beginnen die beiden –
zunächst heimlich – eine Beziehung.
Was dann geschah?
Es handelt sich hier um eine Beziehung
zwischen einer Frau, die vorgibt, ein Mann
zu sein, der auf der Bühne eine Frau darstellt
und einem Geschäftsmann, der Geschäfte mit
Gangstern macht, aber vorgibt, kein Gangster zu sein. Diese heimliche und verklemmte
Beziehung scheint aussichtslos und gerät in
eine Sackgasse.
Was dann geschah? Seht selbst! «Victor/
Victoria» ist eine sehr unterhaltsame Verwechslungskomödie, die auf dem Original von 1933
basiert: Viel Slapstick und witzige Dialoge,
dazu das Gay-Life im Paris der 30er-Jahre; ein
Streifen mit Humor, Herz und Spannung. Packt
den Martini und die salzigen Nüssli raus – ein
wunderbarer Filmabend ist garantiert.
Dann allerdings taucht Kings rachsüchtige
Ex-Geliebte mit dessen Gangster-Geschäftspartner auf. Dieser will die scheinbare Homosexualität von Victorias Geliebtem nutzen, um
King geschäftlich auszubooten.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Victor/Victoria,1982, Regie: Blake Edwards
Mit: Julie Andrews, James Garner, Robert Preston
ASIN: B006LUL8KY
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
D
er Krieg auf dem französischen Musikmarkt ist leichter zu gewinnen, wenn du
dem Nationalstolz schmeichelst. Am Erfolgs­
rezept à la Piaf scheint kaum ein Weg vorbeizuführen. Eine Ode an die französische Sprache
mit all ihren Facetten, ihrer Authentizität, ihrer
Zärtlichkeit. Genau das ist Louane Emera,
bürgerlich Anne Peichert, auf den Leib
geschneidert.
formulierte Regisseur Eric Lartigau treffend:
«Sie hat dieses gewisse Etwas, das man sich
nicht erarbeiten kann. Auf ihrer Stimme liegt
ein kleiner Schleier, eine winzige Unvollkommenheit, die sie unverwechselbar macht.»
Die Sängerin trug in der Hauptrolle seines
Films «La Famille Bélier» («Verstehen Sie die
Béliers?») zu dessen Erfolg bei. Die ehemalige The-Voice-Teilnehmerin wird von
manchen schon als zweite Vanessa Paradis
gehandelt.
Kommerzchanson vom Feinsten
«Chambre 12» klingt, als sei es von den
Chartstürmern der letzten Jahre inspiriert. Zumindest, was die Begleitung der teils lebenslustig-schwungvollen, teils melancholisch-herzzerreißenden Vocals betrifft. Wer sich in einen
Ohrwurm wie «One Day» verlieben konnte,
kann das auch beim eingängigen «Avenir». Ein
bisschen Adele meint man hier wiederzuerkennen. Ohne Beats, Elektro und Stimmverzerrer
Verstehen Sie das Geschäft?
würde es auch nicht funktionieren. In diesem
Gemäss älteren Youtube-Videos klappt es zwar Fall stört der Kommerzmix nicht. Louane verauf Englisch genauso – doch das französische leiht dem etwas angestaubten Chanson einen
Gesamtpaket ist perfekt. Was dahinter steckt, notwendigen modernen Anstrich.
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Gäbe es heute noch B-Seiten,
wäre das eine Sammlung der
langweiligsten «Wird-wohl-nichtsSongs». Offiziell als «Album für
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Nach sechs Jahren Abstinenz mit
einem Cover-Album wieder da.
Klingt mutig, aber überraschend
positiv: 12 Songs, ursprünglich
von männlichen Interpreten, sind
reduziert aufs Wesentliche. Für
Erfrischte. JKa
Heisser Scheiss aus Dänemark!
Nichts mehr hinzuzufügen ausser: hörenswert! Von vorne bis
hinten durchdacht, ein Paket
voller Feel-Good-Indie-RockMomente. Für Abtanzende und
Mitsingende. JKa
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COD 2015: Out of the closet,
into the cinema!
Tiger Orange
Bereits zum dritten Mal wird der Coming Out Day (COD) mit einem besonderen Kinoprogramm
gefeiert: Am 11. Oktober präsentieren die HAZ und Pink Apple in Zusammenarbeit mit dem
Kino Xenix zwei Spielfilme und verschiedene Kurzfilme.
nen sofort zueinander hingezogen. Während
eines Sommers wird aus ihrer anfangs zögerlichen Freundschaft langsam mehr. Dabei
lernen die beiden nicht nur sich selbst besser
kennen, sondern stellen sich auch lange unterdrückten Ängsten.
Für ihr berührend ehrliches Debüt liess
sich Regisseurin Kate Lane von ihrer eigenen
Coming-out-Story inspirieren. Entstanden ist
ein wunderschöner Film über Selbstfindung,
erwachende Sexualität und die Suche nach
Unabhängigkeit.
Fear of Water
A
m Coming Out Day macht die LGBTIQCommunity international darauf aufmerksam, dass es auch heute noch nicht selbstverständlich ist, lesbisch, schwul, bisexuell, trans*,
inter* oder queer zu sein. In Alltagsbegegnungen davon zu sprechen, erfordert Mut. Es bringt
aber gerade gegenüber Menschen, die wissentlich keine Lesben, Bisexuellen, Schwulen,
Trans*menschen, Inter*personen oder queer
lebende Menschen kennen, Sichtbarkeit und
eine wachsende Selbstverständlichkeit in
Sachen Vielfalt von Liebe und Geschlecht. Der
Coming Out Day will diesen Mut feiern, uns
aber auch ermutigen, dazu zu stehen, wer wir
sind.
Big Time
Big Time
Sonali Gulati, USA 2015; 12' E
Maya ist ein 13-jähriges Mädchen, das in
den Achtzigern in Indien aufwächst und seine
geheimsten Gedanken und Gefühle dem Tagebuch anvertraut.
Coming-out-Kurzfilme
Brace
Alicia Eyo / Sophy Holland, Grossbritannien
2014; 24' E
Adam trifft im Ausgang mit Freunden auf
Rocky. Sie fühlen sich unmittelbar voneinander
angezogen – doch Ungesagtes steht zwischen
den beiden.
Best Buddies
Irene Ledermann, Schweiz 2014; 31' Dialekt/e
Luc und Milo sind beste Freunde. Als Luc mit
Milos Schwester rummacht, flippt Milo total
aus. Ihm wird bewusst, dass er für Luc mehr
empfindet.
De Beslissing / The Decision
Wahid Sanouji, Niederlande 2015; 18' OV/e
Karims Freund hat genug vom Versteckspiel
und droht, Schluss zu machen. Hat Karim
den Mut, seinem Vater sein Schwulsein einzugestehen?
So 11. 10. // 16.45 Uhr
So 11. 10. // 19.00 Uhr
PREMIERE Tiger Orange
Wade Gasque, USA 2014; 74' E. Mit Mark Strano,
Frankie Valenti, Gregory Marcel, Ty Parker.
Die beiden Brüder Chet und Todd könnten nicht
verschiedener sein. Chet, der Ältere, lebt noch
immer in der kalifornischen Kleinstadt, wo er den
Laden seines verstorbenen Vaters weiterführt.
Dass er schwul ist, weiss kaum jemand. Todd
hingegen ist früh nach Los Angeles gezogen
und führt dort ein ausschweifendes schwules
Leben. Als Todd plötzlich vor der Tür seines
grossen Bruders steht, um ein paar Tage bei ihm
zu leben, prallen die unterschiedlichen Lebensweisen aufeinander. Der kleine Bruder bringt
zwar das geordnete Leben des verklemmten
Chet durcheinander, verhilft ihm aber auch zum
längst fälligen Coming-out.
Regisseur Wade Gasque gestaltet die Um­gebung
und den Alltag im Laden und der Kleinstadt mit
grosser Sorgfalt und zeigt in seinem feinfühligen Spielfilm, wie ein Coming-out jenseits der
Teenagerjahre sein kann.
So 11. 10. // 21.15 Uhr
Best Buddies
PREMIERE: Fear of Water
Kate Lane, GB 2014; 100' E/d. Mit Lily Loveless,
Chloe Partridge, Sara Stewart, Alex Macqueen,
Marcia Warren.
Als sich die Wege von Alexia und Eleanor
kreuzen, ändert sich alles. Obwohl sie aus
völlig unterschiedlichen Welten stammen,
fühlen sich die beiden jungen Aussenseiterinl 20 l
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Brace
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ZÜRINDERS
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Strasse:
Ort:
Jahrgang:
Nun ist es offiziell. In den letzten Sommerwochen werden auf der Werdinsel probeweise
Schilder aufgestellt, die eine Nacktzone aus­
weisen. So ist für alle Beteiligten klar, wo man
sich nackt aufhalten darf und wo nicht. Grün
Stadt Zürich hat diese Massnahme mit dem
Checkpoint und der Unterstützung der HAZ
erarbeitet. Mehr dazu auf stadt-zuerich.ch
PLZ: Werdinsel:
Email:
Mit dem Verein queerAltern haben wir ein
neues, schlagkräftiges IG-Mitglied gewonnen.
Der Verein unterstützt in Zürich die Förderung von Dienstleistungsangeboten für queere
Menschen in den Bereichen Altern, Wohnen
und Generationenbeziehungen. Wir freuen uns
auf die Zusammenarbeit!
Ich möchte HAZ-Mitglied werden
IG Regenbogenhaus:
Ich bin interessiert, bitte haltet mich auf dem Laufenden.
Ein kurzer Überblick über Vergangenes und Geschehenes!
Ich möchte spenden, bitte schickt mir einen Einzahlungsschein.
HAZ News-Update
----------------------------- Von Hannes Rudolph -----------------------------
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Redaktor*innen gesucht!
Schreibst du?
Schreibst du gerne?
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BITTE
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FRANKIEREN
Infos und mehr: [email protected]
HAZ
Ob Texte zu aktuellem politischem und gesellschaftlichem Geschehen, interessante
Kulturtipps oder Herumblödeln auf hohem Niveau: Das Redaktionsteam des HAZ
Magazins setzt sich die Themen selbst und lässt seiner Kreativität freien Lauf. Und es
sucht neue Menschen, die das auch wollen!
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1. bis 31. Oktober 2015 bei teilnehmenden Teststellen
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