Wirtschaftsbericht

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12. Januar 2016
Singapore Economic Outlook 2016
Die Wirtschaftslage in Singapur sieht zurzeit nicht rosig aus. 2015 hat der Stadtstaat mit einem
Wachstum von 2,1% ein verhältnismässig schwaches Jahr hinter sich; insbesondere der lokale
Industriesektor schrumpfte um 3%.
Für 2016 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2% gerechnet, wobei die aktuelle
Wirtschaftssituation des wichtigsten Handelspartners China noch einige Fragen offen lässt.
Review 2015: Erneute Abkühlung
Eine tiefere Wachstumsrate in China, die anhaltend schwache Wirtschaftsentwicklung in Europa,
Japan und anderen Industrienationen sowie die fallenden Rohstoffpreise haben die Wirtschaftslage
des stark exportabhängigen Singapur auch 2015 geprägt. Das Ministerium für Handel und Industrie
erwartet ein Gesamtjahreswachstum von 2.1%, also das niedrigste Wachstum seit der
Finanzkrise 2008/2009. Besonders das zweite und dritte Quartal waren belastend: Noch war das
Wirtschaftswachstum im ersten Quartal bei 2.8%, im zweiten fiel es auf 1.8% und blieb auch im
dritten Quartal mit 1.9% auf niedrigem Niveau. Für das vierte Quartal wird ein Wachstum von 2%
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prognostiziert. 2014 betrug das Wirtschaftswachstum noch 2.8%.
Der mit 72% des BIP dominierende Servicesektor verzeichnete 2015 stabile Wachstumsraten und
bleibt treibende Kraft des Wirtschaftswachstums. Insbesondere die Finanz- und
Versicherungsdienstleistungen trugen zur positiven Entwicklung bei. Für 2015 wird im
Finanz- und Versicherungssektor, sowie auch im Gross- und Einzelhandel mit einem Wachstum
von 5.9% gerechnet.
Die stark exportabhängige verarbeitende Industrie litt 2015 an schwachen
Auftragseingängen. In der herstellenden Industrie schrumpfte das Wachstum um 4.8% im
Gesamtjahr, im vierten Quartal sogar um 6%. Auch im Bausektor ist eine deutliche
Abschwächung zu erkennen, die auf einen Rückgang privater Aufträge zurückzuführen ist.
Aufgrund der Verschärfung der Anstellungsbedingungen für ausländische Arbeiter konnten auch
die sehr grossen öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur (neue U-Bahnlinien, Schnellstrassen
und öffentlicher Wohnungsbau) der Entwicklung im privaten Sektor nur teilweise entgegenwirken.
Auch die Börse verzeichnete eine Abkühlung. Der Straits Times Index schloss 2015 mit einem
Minus von 14.3%. Das Handelsvolumen sank mit einem Minus von 19%. So wenige Börsengänge
wie im vergangenen Jahr hat es seit dem Bestehen der Singapore Exchange nicht gegeben.
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Die Inflationsrate ist seit 2012 rückläufig von 4.6% in 2012 über 2.4% in 2013 und 1.1% in 2014.
Für 2015 wird mit einem Rückgang der Konsumentenpreise von -0.5% gerechnet. Bei der
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Kerninflation (ohne Miet- und private Transportkosten) war der Anstieg 0.5% (2014: 1.9%).
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Monetary Authority of Singapore (MAS): Economic Developments December 2015
(http://www.mas.gov.sg/~/media/MAS/Monetary%20Policy%20and%20Economics/The%20Singapore%20Economy/RED/20
151204%20Recent_Economic_Developments_of_Singapore.pdf)
Monetary Authority of Singapore (MAS): Survey of Professional Forecasters December 2015
(http://www.mas.gov.sg/News-and-Publications/Surveys/MAS-Survey-of-Professional-Forecasters.aspx)
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Singstat: Annual Consumer Price Index and Inflation Rate (http://www.singstat.gov.sg/statistics/browse-by-theme/prices)
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Die Arbeitslosenquote blieb 2015 mit 2.1% auf konstant tiefem Niveau.
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Outlook 2016: Stabiler Servicesektor - unsichere internationale
Nachfrage
Das Ministerium für Handel und Industrie rechnet für 2016 mit einem Wirtschaftswachstum von
2.2%. Auch wenn diese Prognose höher ist als in anderen industrialisierten Nationen, zeigt sie das
Stocken des Wirtschaftsmotors Singapur. Ein fragiles internationales Wirtschaftsumfeld,
insbesondere die sinkende Nachfrage aus China, ist für den stark exportabhängigen Stadtstaat ein
bestimmender Konjunkturfaktor.
Wichtigste Handelspartner im Exportgeschäft von Singapur waren 2014 China/Hong Kong
(23.6%), Malaysia (12%), Indonesien (9.4%), die EU (7.8%) und die USA (5.6%), weshalb das
Wachstum in diesen Regionen für Singapur von besonderem Interesse ist. Vor allem das
stagnierende Wirtschaftswachstum in China sowie die Schwankungen der chinesischen Börse
haben keinen positiven Effekt auf den Stadtstaat. Auch von den grossen, regionalen
Handelsverträgen wie dem TPP oder seit dem 1. Januar 2016 der ASEAN Economic Community
erwartet Singapur in naher Zukunft keinen wirtschaftlichen Stimulus. Die wichtigen, internationalen
Wachstumsfaktoren sind zurzeit also begrenzt.
Aber nicht nur die verhaltenen Wachstumsaussichten der wichtigsten Handelspartner, auch der
Erdölpreis beeinflusst das Wachstum der Weltwirtschaft und somit Singapurs. Die starke
Verflechtung mit der Ölindustrie (ca. 17% des BIP in Singapur sind direkt oder indirekt vom
Erdöl abhängig: Raffinerien, Bau von Öl-Plattformen, Transport, Handel aber auch
Finanzdienstleistungen) wirkt sich zurzeit negativ aus.
Der Finanzplatz dürfte die Wachstumslokomotive der singapurischen Wirtschaft bleiben. Für
2016 wird in diesem Sektor mit einem Wachstum von 5.9% gerechnet, begünstig durch das sich
gut entwickelnde Vermögensverwaltungsgeschäft. Hier profitiert Singapur weiterhin von der
wachsenden Mittelschicht in (Südost-) Asien.
Die inländische Nachfrage nach Dienstleistungen wird stabil erwartet, während im Bausektor
sowie Nahrungsmittelbereich mit niedrigeren Wachstumsraten gerechnet wird (1.2% und 0.8%).
Grossprojekte im Transport, Infrastruktur und Wohnungsbau bleiben auch 2016 ein wichtiger
Pfeiler der Wirtschaftspolitik Singapurs.
Inländische Risiken für das Wirtschaftswachstum stellen die tiefe Produktivität, steigende
Produktionskosten und die abnehmende Inflationsrate dar. Die Regierung wird die Erhöhung der
Produktivität weiterhin durch vermehrten Einsatz von Technologie und höherem Bildungsniveau
fördern.
Der verschärfte Arbeitsmarkt und die damit verbundene Knappheit qualifizierter Arbeitskräfte
wird teilweise politisch bewusst in Kauf genommen, um der zunehmenden Skepsis der
Bevölkerung gegenüber dem wachsenden Anteil an ausländischen Arbeitskräften vorzubeugen.
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2015 waren 39.5% der Bevölkerung Ausländer. Obwohl die Wirtschaft nach wie vor darüber klagt,
dass die striktere Kontingentierung ausländischer Arbeitskräfte hohe Zusatzkosten verursacht, ist
für 2016 keine Lockerung dieser Politik geplant.
Der tiefe Erdölpreis, die damit verbundenen niedrigeren Transportkosten sowie abnehmende
Immobilienpreise werden 2016 erwartungsgemäss dafür sorgen, dass die Inflation zwischen 0.5-
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Monetary Authority of Singapore (MAS): Economic Developments December 2015
(http://www.mas.gov.sg/~/media/MAS/Monetary%20Policy%20and%20Economics/The%20Singapore%20Economy/RED/20
151204%20Recent_Economic_Developments_of_Singapore.pdf)
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Ministry of Manpower: Unemployment Summary
(http://stats.mom.gov.sg/Pages/UnemploymentTimeSeries.aspx); Singapore Business Review:
(http://sbr.com.sg/economy/news/here%E2%80%99s-how-singapore-economy-will-perform-in-2016)
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Singstat: Population Latest Data
(http://www.singstat.gov.sg/statistics/latest-data)
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1.5% ausfallen dürfte. Zudem wird die Regierung voraussichtlich an ihrem Kurs festhalten, den
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Singapur-Dollar schrittweise aufwerten zu lassen.
Die Arbeitslosenquote wird für 2016 auf 2.1% prognostiziert.
Emi Georgieva / 1. Mitarbeiterin
Cathie Nyvlt / Academic Intern
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Monetary Authority of Singapore (MAS): Survey of Professional Forecasters December 2015
(http://www.mas.gov.sg/News-and-Publications/Surveys/MAS-Survey-of-Professional-Forecasters.aspx)
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