Verhandlungen richtig managen

BERATEN & GEKAUFT
Verhandlungen
richtig managen
Top-Ergebnisse und zugleich die Zufriedenheit
aller Beteiligten zu erreichen, setzt scharfsinnige
und ausgereifte Verhandlungsmethoden voraus.
V
ielmehr als die Rhetorik bestimmen wirkungsvolle Maßnahmen zur Entscheidungsbeeinflussung den Verlauf von
Verhandlungen. Nicht umsonst
steckt in dem Verb „verhandeln" das
Wort „handeln“.
Und Handlungen kann man eher
durch Anreize und Sanktionen
beeinflussen – ob es nun um Einoder Verkaufsverhandlungen, um
Kooperationen oder gar Streitfragen
geht. Dennoch verlassen sich die
meisten Manager eher auf ihre eigene Wortgewalt und stellen sich nicht
auf ihren Partner ein.
Nach einer Studie vom „Hernstein
International Management Institute“
in Wien bereiten sich etwa 54 % der
Führungskräfte für eine einstündige
Verhandlung höchstens 30 Minuten
vor. Den Persönlichkeitsmerkmalen
des Verhandlungspartners widmen sie
gerade einmal 16 % der Zeit. Dabei
ist bei Verhandlungen „einer der
wichtigsten Punkte, seinen Gegenüber und seine Motive zu kennen“,
wusste schon der chinesische General
und Militärstratege Sunzi (ca. 534 bis
ca. 453 v. Chr.), der auch das Buch
„Die Kunst des Krieges“ verfasst hat.
Hier setzt die Arbeit eines Ghost
Negotiators, Verhandlungsberaters,
ein: Wie ein Profiler erstellt der
Verhandlungsberater zunächst ein
Persönlichkeitsprofil. Für ein solches
Distance Profiling kommt Know-how
aus der Tiefenpsychologie, Verhaltensforschung und insbesondere
Verhaltensdeutung zum Einsatz.
Darauf aufbauend wird dann eine
Strategie für die Verhandlungsführung entwickelt, welche mit taktischen Maßnahmen umgesetzt wird.
Im Vordergrund steht dabei die
Zielerreichung, ohne dass die Beziehung belastet wird, um so von
machtkampforientierten Handlungen weg zu kommen. Häufig werden dabei Punkte angesprochen, mit
denen insbesondere die mitteleuropäische Kultur häufig Berührungsängste hat: Belohnung, Sanktionen,
Interessen und Albträume!
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Sofern es die Aufgabe erfordert, wird
der Verhandlungsberater im Hintergrund aktiv, als Ghost Negotiator und
coacht seinen Mandanten. Es ist aber
auch denkbar und – in manchen Situationen sinnvoll – dass der Berater
die Verhandlung selbst führt; beispielsweise um so mehr „Neutralität“
in das Gespräch zu bringen, wenn
dieses in eine Sackgasse zu führen
droht, falls zwischen den Verhandlungspartnern allzu große kulturelle
Gräben zu überbrücken sind oder
mal die Chemie nicht stimmen sollte.
Im konkreten Fall sah das einmal so
aus, dass eine Firma Risikokapital
suchte. Da noch kein Kundenvertrag
existierte, zierten sich die interessierten Venture-Capital Geber.
Durch geschicktes Verhandlungsmanagement gelang es einerseits
nicht nur die zähen Verhandlungen
mit den Kunden abzuschließen und
gerade hierdurch das Tauziehen mit
den Investoren um Gründungsgeld
zum Erfolg zu führen, sondern auch
noch weitere Venture-Capital Geber
zu gewinnen. Der Neugründung
stand somit nichts mehr im Weg.
Foad Forghani,
Gründer und Inhaber von
FORGHANI NEGOTIATIONS,
www.forghani-negotiations.de
capNess | 06/2007