Später Winter drückt Wachstum – Konzentration schreitet voran

Pressemitteilung / ISPO MUNICH 2016
Später Winter drückt Wachstum – Konzentration schreitet voran
Statement zum Outdoor-Markt von Andy Schimeck, Geschäftsführer der Marmot Mountain Europe
GmbH, Vizepräsident des BSI und Sprecher der FGO – Fachgruppe Outdoor
(München, 24. Januar 2016) Bis Ende Oktober lag das Segment Outdoor im deutschen Sport- und OutdoorFachhandel noch auf gutem Wachstumskurs. Bis dahin verbuchte die Branche Umsätze, die deutlich über
dem Vorjahresniveau lagen. Doch dann schwächte sich die Nachfrage der Konsumenten ähnlich wie im Vorjahr ab. Der späte Winter sorgte dafür, dass wir insgesamt wohl mit einem Umsatz nur knapp über dem
Ergebnis aus dem nicht überragenden Outdoor-Jahr 2015 gehen werden.
Auf die einzelnen Bereiche heruntergebrochen zeigt sich, dass Schuhe weiterhin sehr gut laufen und stabil
im Plus liegen. Auch bei Kletterhartware, Rucksäcken, Zelten und Schlafsäcken beobachten wir einen positiven Trend. Der im Vorjahr unter Druck geratene Absatz bei Outdoor-Bekleidung verzeichnet in 2015 wieder
eine leichte Aufhellung mit Licht am Horizont.
Im Gesamtblick setzt sich ein Trend fort, der sich schon seit 2012 durch die Branche zieht. Die letzten vier
Winter hat uns das Wetter in Deutschland und Europa nicht unbedingt in die Karten gespielt.
Online setzt Vormarsch fort
Outdoor ist ungebrochen ein sehr wichtiger Faktor innerhalb des Geschäftsbereichs Sportartikel und Sportbekleidung. Der Markt zeigt sich weiterhin sehr stabil, wobei die Zeiten stürmischen Wachstums mit zweistelligen Zuwächsen inzwischen der Geschichte angehören. Lediglich im Online-Handel geht es noch deutlich
bergauf, auch wenn dort die Bäume nicht in den Himmel wachsen. So registrieren wir beim Internet-Handel
mit Outdoor-Produkten ein leicht abgeschwächtes, aber immer noch sehr beachtliches Wachstum von etwa
25% bis 30%. Dabei zeigt sich, dass die im Online-Geschäft stark aufgestellten Outdoor-Spezialisten immer
besser werden und traditionelle Key-Player aus dem stationären Bereich und ehemals starke Versender
bedrängen.
Die Gründe für das anhaltende Online-Wachstum sind aus unserer Sicht ganz klar zu benennen und gelten
sicher auch für andere Sortimente:
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Die Markensortimente sind online nahezu lückenlos verfügbar. Es gibt nichts, was es im Netz nicht
gibt
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Lieferung „on Demand“ während der gesamten Saison und über das gesamte Produktsortiment
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Von überall aus unkompliziert bestellbar – von der Arbeit, unterwegs, 24/7, vom Smartphone, Pad,
Tablet oder Computer
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Die Online-Beratungsqualität wird weiter verbessert
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Online sind individualisierte Werbemaßnahmen möglich und erfolgreich, für die es keine vergleichbare „traditionelle“ Entsprechung gibt
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Online kennt kaum Grenzen. Geschäfte finden über Landesgrenzen, ja sogar über Kontinente hinweg statt
Stationärer Handel nutzt seine Stärken
Der traditionelle Einzelhandel nimmt diese Herausforderung inzwischen aktiv an. Viele Händler besinnen
sich auf ihre Stärken im direkten und persönlichen Kontakt mit ihren Kunden vor Ort. Dazu zählen die Erarbeitung und Schärfung des eigenen Profils sowie die Verbesserung der Beratungs- und Servicequalität. Die
große Nachfrage nach den Schulungsangeboten der Industrie unterstreicht das. Darüber hinaus nutzt auch
der stationäre Handel zunehmend die Möglichkeiten, die ihm Online-Marketingmaßnahmen bieten.
Handelsforscher sprechen inzwischen davon, dass es zu einer gewissen Umkehr im Verhalten der Verbraucher komme. Während sich bis vor kurzem viele Konsumenten in den Geschäften beraten ließen, um dann
online zu kaufen, gebe es inzwischen eine umgekehrte Entwicklung. Demnach nutzten die Verbraucher das
Internet sehr intensiv, um sich über Produkte zu informieren, um diese dann bei einem Händler ihres Vertrauens in dessen stationärem Geschäft zu kaufen. Das Einkaufserlebnis rücke wieder stärker in den Fokus,
so die Ergebnisse einer Studie, die beim BSI-Forum vorgestellt worden waren.
CSR und Nachhaltigkeit bleiben wichtige Themen
Der Ausstieg aus der Verwendung von fluorierten Kohlenwasserstoff-Verbindungen (PFOA) in OutdoorBekleidung beschäftigt die Branche nach wie vor. Der BSI und die vor allem betroffene Fachgruppe Outdoor
ist hier unvermindert aktiv. Die deutsche Outdoor-Industrie arbeitet sowohl auf individueller Firmenebene
als auch gemeinsam auf Verbandsebene mit Nachdruck daran, den PFC-Ausstieg in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden zu lassen.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die FGO seit 2013 Mitglied im internationalen Interessenverbund großer internationaler Firmen ist, der „Zero Discharge of Hazardous Chemicals“. Hier engagiert sich die
FGO insbesondere in einem umfassenden Projekt für die „Substitution von PFC“. Klares Ziel ist es, bis 2020
auf die Nutzung gefährlicher Chemikalien in der Textil-Produktion zu verzichten.
Darüber hinaus haben sich mehrere Mitgliedsfirmen aus der Fachgruppe Outdoor im BSI dem „Responsible
Down Standard“ angeschlossen, darunter Adidas, Mammut, Marmot und Vaude. Auch beim Textilbündnis
der Bundesregierung sind verschiedene BSI-Mitglieder engagiert.
Euro-Schwäche zwingt zum Handeln
Durch die Schwäche des Euro im Vergleich zum US-Dollar sind die Margen für die deutschen Unternehmen
im Outdoor-Business 2015 deutlich unter Druck geraten. Die Deckungsbeiträge sind nicht zufrieden stellend,
da die Rohwaren und die Produktionskosten zum allergrößten Teil in der für Euro-Märkte teuren DollarWährung zu begleichen sind. Für 2016 haben die Marken die Preise nur sehr strategisch der veränderten
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Währungs- und Einkaufspreissituation angepasst. Daher bleibt die Situation angespannt und Investitionen
werden zurückgehalten.
Mittelfristig wird dies sicher dazu führen, dass über Produktionsverlagerung zurück nach Europa nachgedacht wird. Dies ist aber ein längerfristiger Prozess und kann nicht von heute auf morgen bewältigt werden.
Immerhin hilft uns der niedrige Ölpreis in dieser Situation ein wenig, auch wenn dieser Rohstoff ebenfalls in
Dollar gehandelt wird.
Ausblick
Bei einer aktuellen Betrachtung der gesamten Outdoor-Branche sieht der BSI eine weitere Internationalisierung und Globalisierung der Märkte. Das gilt sowohl auf Handels- wie auch auf Industrieseite. Damit einhergehend erwarten wir, dass sich die Firmen- und Unternehmensstruktur in unserer Branche weiter wandeln
wird.
Die Integration von Maier Sports in die Schwan-Stabilo-Gruppe oder auch der Verkauf von Marmot durch
unseren Inhaber Jarden Group an Newell Rubbermaid ist ein klares Indiz für diese Entwicklung. Auf Handelsseite gibt es eine vergleichbare Entwicklung. Die Fenix Gruppe hat mit ihrer Handelstochter Frilufts den
Hamburger Outdoor-Pionier Globetrotter zu 100% übernommen und die AS Adventure Group hat sich den
britischen Filialisten Snow&Rock gesichert.
Die Marktsituation wird eindeutig komplexer. Wir gehen davon aus, dass sich Marken genauso wie Händler
überregional, paneuropäisch, wenn nicht sogar global aufstellen werden und müssen. Dazu werden sie mit
Sicherheit entsprechende Strategien entwickeln und sich entsprechend positionieren. Hinzu kommt: Der
Online-Handel macht nicht an der Landesgrenze halt. Wir haben bereits jetzt viele multinational ausgerichtete Händler im Markt.
Pressekontakt:
Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. (BSI)
Nicole Espey
Geschäftsführerin
Adenauerallee 134
D-53113 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 926593-0
Fax: +49 (0) 228 / 926593-29
[email protected]
www.bsi-sport.de
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BSI – Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. ist der 1910 gegründete Unternehmensverband der
deutschen Sportartikelhersteller, -importeure und -großhändler. Ihm gehören 150 führende meist mittelständisch
geprägte Firmen an. Die deutsche Sportartikelindustrie erwirtschaftet einen Jahresumsatz von ca. 25 Milliarden Euro.
Der BSI ist Mitglied des Verbandes der europäischen Sportartikelhersteller FESI mit Sitz in Brüssel und damit auch
Mitglied im Weltverband der Sportartikelindustrie WFSGI mit Sitz in Bern. Der BSI ist Mitgründer und ideeller Träger
der Köln-Messen spoga und spoga horse und ideeller Träger der ISPO Munich, der Welt-messe des Sports. Gleichzeitig
ist er Förderer der Fachmessen FSB in Köln und der Golf Europe in Augsburg.
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