Hochschule Magdeburg-Stendal, Standort Magdeburg
Steffen Knopf Bezugsgruppe 1 Ersatzleistung
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Betr.:
Magdeburg, 10.02.2016
15. Vorlesung vom 10.02.2016
Im Arbeitsbündnis professionell Handeln „Schlüssel zum Sozialen“
In der Vorlesung ging es um die lebensweltorientierte soziale Arbeit nach Hans Thiersch. Die Lebenswelt ist durch die
gelingende Klärung des individuellen Alltags des Subjekts bestimmt. Er verdeutlichte, dass soziale Arbeit die Lebenswelt des
Subjekts und dessen Lebensweltorientierung berücksichtigen muss, um die sozialen Gegebenheiten ganzheitlich zu
verstehen und das Subjekt effektiv an sozialer Teilhabe zu befähigen. Aus diesem Verständnis ergeben sich Prinzipien
lebensweltorientierter Arbeit. Erklärt an dem Beispiel der Chaostage in Hannover im Jahr 1980.
1. Prävention (vermeiden von gesellschaftlich Spannungslagen, vermeiden von Schädigungen jeglicher Art)
2. Dezentralisierung (Regionalisierung) Kooperation (Unterstützungsnetzwerk z. Bsp.: Bahnhofsmission)
3. Alltagsorientierung (Alltag der Punks ist entscheidend für die Lebensweltorientierte soziale Arbeit)
4. Integration (Bahnhofsvorplatz nicht isolieren/absperren, sondern Treffpunkt der Punks legitimieren)
5. Partizipation (nach Meinungen fragen, systematisch empowern und zu Emanzipation befähigen)
6. Koordination, Planung, Abstimmung (Hilfeformen abstimmen und nicht zufällig erfolgen lassen)
7. Handlungsmaxime „Einmischung“ (politischer Auftrag des Sozialen zur Gestaltung der Lebensbedingungen)
8. Reflexive soziale Arbeit (Lebensbedingungen und gesellschaftliche Verhältnisse wissenschaftlich einbeziehen)
Die Prinzipien der lebensweltorientierten sozialen Arbeit setzen professionelle und personale Kompetenzen beim
Sozialarbeiter/ der Sozialarbeiterin voraus. Neben den Fähigkeiten des beruflichen Selbstverständnisses, der Sach- und
Systemkompetenzen, sowie das Wissen über Methoden und Verfahren der sozialen Arbeit kommen auch
Grundvoraussetzungen wie ausgeprägte Kooperationsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Kontaktfähigkeit,
Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, gute Umgangsformen und die Fähigkeit zur Reflexion große Bedeutung zu.
Personale Kompetenzen sind die Kompetenzen, welche einen Eigensinn haben Lebenswelten zu erschließen und dabei
Kleinigkeiten wie z. Bsp. einen Unterton oder nebenbei Erzähltes zu erfassen und daraus neue Ressourcen zu gewinnen.
Echtheit und Akzeptanz bedeuten, dass man sich als Sozialarbeiter/Sozialarbeiterin nicht nur auf den Gegenüber einlässt
ohne sich zu verstellen, sondern auch Wertschätzung entgegenbringt. Die Bereitschaft eine fremde Lebenswelt zu
verstehen erfordert Takt und Respekt. Hierbei ist abzuwägen, ob die Thematisierung eines Ereignisses notwendig ist. Der
Sozialarbeiter/ die Sozialarbeiterin sollte ebenso für sich internalisieren, dass soziale Arbeit Menschenrechte vertritt und
somit auch auf kommunaler Ebene eine politische Verantwortung mit sich bringt. Dieses Bewusstsein ermöglicht es
Sozialplanung aktiv mitzugestalten und zu überprüfen wem das angestrebte Ziel am meisten nützt. Reflexivität hilft dabei zu
beurteilen, ob der Sozialarbeiter/ die Sozialarbeiterin wie nah er/sie am Menschen ist, ob die Gefahr des Verstrickens
gegeben ist und es vielleicht schon so weit ist, dass er/sie die Arbeit mit nachhause nimmt und einen zu der Erkenntnis
bringt, dass professionelle Beziehungen auch Probleme mit sich bringen können. Die Kolonialisierung meint, dass soziale
Dienstleistungen soziale Verhältnisse verändern. Eigene Vorstellungen bestimmen die Tätigkeit des Sozialarbeiters/der
Sozialarbeiterin. Unbedachte Aussagen und Bewertungen rufen Momente des „Rauschens“, Scham und Beschämung hervor
und stören die Kommunikation innerhalb des Arbeitsbündnisses. Dem Helfen eines Menschen steht dessen Kontrolle
gegenüber und nennt man doppeltes Mandat. Inwiefern ist ein Sozialarbeiter/eine Sozialarbeiterin in der Lage verwirrende
Neuerungen in seine/ihre Arbeit einzubeziehen. Es haben sich drei Typen herauskristallisiert. Zum einen gibt es den/die
Sozialarbeiter/in, welche sich schon immer auf Neuerungen eingelassen und in ihre Arbeit einbezogen haben. Dann gibt es
die geschlossenen Typen, die nichts verändern, weil sie ansonsten unsicher werden und die autistischen Typen, welche
ebenfalls nichts an ihrer Arbeitsweise verändern, weil sie schon immer so gearbeitet haben, wie sie arbeiten. Ein Problem
eines Sozialarbeiters/ einer Sozialarbeiterin, welches sich aus dessen/derer Biografie ergeben könnte, ist das des
Helfersyndroms. Dabei besteht ein Verlangen nach Dankbarkeit und Anerkennung, was zu Frustration führt, wenn Dank und
Anerkennung ausbleiben. Etwas das sich der Biografie und dem Verständnis des Sozialarbeiters/ der Sozialarbeiterin
entzieht ist der sogenannte „Blinde Fleck“. In Anbetracht der verschiedenen Kompetenzen, die es erfordert um
Lebenswelten zu verstehen, kommt man zu dem Schluss, dass soziale Arbeit Kunst ist. Der Umgang mit dem Leben auf eine
Art und Weise wie sonst Niemand und die Bewältigung der Aufgaben mit der Grundeinstellung der Offenheit, also auch
dem Fakt, dass jeder Fall unterschiedlich und neu ist, stellt eine Besonderheit dar, welcher man mit wissenschaftlichen
Methoden, aber auch mit nicht methodisierbarer Intuition begegnet und dabei auf „Schubladen-Denken“ verzichtet.
Lebenswelten entwickeln sich dynamisch. Abschließend gab es noch Informationen zur Klausur am 17.02.2016 und eine
Evaluation zur Lehrveranstaltung mit Blick auf das erste Semester.
Den Vermerk erhält Prof. Dr. Wendt
gez.: Steffen Knopf