Dada und die Magie der Gu-Maske

Datum: 09.04.2016
Tages-Anzeiger
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Seite: 60
Fläche: 33'836 mm²
Das Exponat Von Martin Läubli
Dada und die Magie der Gu-Maske
Ihre mandelförmigen Augen strahlen etwas
Liebliches aus. Sie ist fein aus Holz geschnitzt,
mit einem Schwung von der Stirn bis zum Kinn.
Sie ist eine einnehmende Schönheit. Die GuMaske der Guro, eines Volksstamms in der Elfenbeinküste, ist eine von verschiedenen afrikanischen Kunstwerken, die derzeit in der Ausstellung
«Dada Afrika» im Museum Rietberg ausgestellt
sind. Die Guro sind wahre Schnitzkünstler, der
Tanz mit Masken an rituellen Festen gehört zu
ihrer Tradition.
anonymen Handwerkern über Jahrhunderte ohne
Einfluss von aussen reproduziert wurde. Mit
dieser Einstellung interessierte sich die Wissenschaft nur wenig für kunsthistorische Entwicklungen. Afrikanische Künstler wurden selten in
Museen und Galerien eingeladen. Inzwischen
sind diese Urteile revidiert worden. Wie reich die
afrikanische Kunst ist, zeigt die Sammlung im
Museum Rietberg - mit Masken und Figuren der
Elfenbeinküste.
Museum Rietberg, Dada Afrika, 18. März bis 17. Juli.
Dadaisten liessen sich unter anderem von der
afrikanischen Kunst inspirieren. Sie stand für Unerklärbares und Magie und passte zum Protest der
Dadaisten gegen die westliche Gesellschaft, die sich
nur nach einem rationalen Weltbild orientiert. So
hat sich die deutsche Künstlerin Hannah Höch für
ihr «Denkmal I» (Zeichnung links) einer Gu-Maske
bedient. Diese Masken sind eine Kombination von
menschlichen und animalischen Formen. Beim
ausgestellten Exponat fallen zwei schmale Hörner
einer Antilope auf. Auch wenn die Masken ein weib-
liches Gesicht hätten, sie müssten nicht unbedingt
den weiblichen Geist repräsentieren, heisst es in
einem Auktionstext von Sotheby's. Wenn getanzt
werde, so werde nicht Würdevolles und Elegantes
erkennbar.
Doch Gu ist die sanfte Frau von Zamble, einem
anderen Maskentyp, der ein mythisches Wesen
darstellt - mit Eigenschaften des Menschen,
des Krokodils, der Antilope und des Leoparden.
Gemeinsam treten sie auf Hochzeiten, bei
Bestattungen und Toten-Erinnerungsfesten auf.
Die Gu-Maske im Rietbergmuseum ist von
Meisterhand gemacht worden. Der Name des
Künstlers ist aber wie bei vielen afrikanischen
Kunstwerken nicht bekannt. Nur so viel: Stilistische Eigenarten wie die schrägen, sichelförmigen
Augen und der lippenlose, leicht lächelnde Mund
verraten die Region, wo die Maske entstanden
sein muss, heisst es im Buch zur Ausstellung
«Dada Afrika». In der Nähe der Stadt Buafle in der
Elfenbeinküste. So wird die Maske dem Meister
von Buafle zugeordnet.
Die Liste der namenlosen afrikanischen Kunst
ist lang. Der Westen konnte lange Zeit nichts mit
diesem Kunstschaffen anfangen. «Bis in die
Illustration: Sandra Niemann
1960er- Jahre galt die Prämisse <One tribe = one
style>», schreibt die Kuratorin Michaela Oberho-
fer. Jede ethnische Gruppe sei durch einen bestimmten Kunststil gekennzeichnet, der von
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