Steckbrief - Tierschutz macht Schule

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Steckbrief Biber
Foto © Leopold Kanzler/www.fotopirsch.at
Biber
Lateinischer Name: Castor fiber
Größe: Länge: bis 1 Meter Kelle (Biberschwanz): 35 cm
Gewicht: bis 25 (30) kg
Sinne: Ohren, Augen und Nase sind so angelegt, dass wir sie beim
Schwimmen aus dem Wasser halten können und alles mitbekommen, was
an Land passiert. Besonders gut ist unser Geruchssinn.
Vorderpfoten: Sie sind wie Hände mit Krallen zum Festhalten von kleinen
Ästen. Unsere Hinterpfoten mit Krallen und Schwimmhäuten sind viel
größer. Mit Vorder- und Hinterpfoten können wir unseren Bau in der Erde
graben.
Mein Fell schützt vor Nässe und Kälte:
Fell-Farbe: hellbraunes bis schwarzes Fell, je nach Region
Fell-Dichte pro cm2: 12 000 bis 23 000 Haare (Vergleich: Menschen
haben im Durchschnitt etwas weniger als 300 Haare pro cm2).
Grannenhaare: Sie legen sich bei Wasserdruck dicht an den Körper und
verhindern, dass die darunter liegenden Wollhaare nass werden.
Kelle (Biberschwanz): breit, flach und unbehaart dient er zum Steuern,
zum Abstützen an Land, als Fettspeicher für den Winter und zur
Verständigung. Auf das Wasser klatschen z.B. bei Gefahr).
Zähne: Wie bei allen Nagetieren wachsen sie ein Leben lang. Sie sind gelb
bis orange, weil in ihnen Eisen eingelagert ist. Beim Nagen schärfen wir
sie.
Nahrung: Wir sind Pflanzenfresser: Im Frühling und Sommer fressen wir
Gräser, Kräuter und Wasserpflanzen, aber auch Mais, Raps und
Zuckerrüben, wenn sie nahe genug am Wasser wachsen. Im Herbst und
Winter stehen Baumrinden und Knospen am Speiseplan. Deshalb fällen wir
Bäume.
Das Bäume fällen: Es geschieht meistens in der Nacht oder in der
Dämmerung. Ein Biber nagt den Baum nicht ganz durch, damit er nicht
auf ihn fällt. Er benagt ihn und wartet dann, bis er umfällt. Einen Stamm
von 20 cm Durchmesser kann ein Biber in einer Nacht zum Umfallen
bringen. Typisch ist die Sanduhrform, die von uns benagte Stämme
haben.
Unser Revier: Mit einem Sekret markieren wir unser Revier, damit
fremde Biber Abstand halten. Das nach Moschus riechende Sekret heißt
„Bibergeil“. Es wurde in früherer Zeit von Menschen zur Erzeugung von
Parfum genützt.
So überleben wir den Winter: Wir machen keinen Winterschlaf. In der
kalten Jahreszeit verbringen täglich bis zu 20 Stunden in unserer
Wohnhöhle, wo wir uns gegenseitig wärmen. In dieser Zeit lagern wir
Zweige in der Nähe des Eingangs, damit wir auch etwas zu fressen
haben, wenn das Gewässer zufriert. Vor der Kälte schützt uns das dichte
Fell. Bereits im Sommer fressen wir uns eine drei bis vier Kilo schwere
Fettschicht an, die besonders am Bauch und in der Kelle gespeichert wird.
Sie wird im Winter verbraucht.
Fortpflanzung: Äußerlich kannst du einen weiblichen Biber nicht von
einem männlichen unterscheiden. Unsere Geschlechtsorgane liegen
versteckt in Hautfalten. Die Paarungszeit ist von Jänner bis März. Nach
circa 100 Tagen Tragzeit kommen die Jungen zur Welt. Meist sind es 2 bis
3 Junge, die noch acht Wochen gesäugt werden.
So verbringen wir unsere ersten Lebenswochen:
Schon in der zweiten Lebenswoche knabbern wir an Pflanzen und in der
dritten fressen wir schon daran. Wir können vom ersten Lebenstag an
schwimmen, aber wir bleiben circa 8 Wochen im Bau und plantschen im
Eingangsbereich herum.
Wenn wir ungefähr ein Monat alt sind, machen wir mit unseren Eltern die
ersten Ausflüge ins Freie. Bei Gefahr flüchten wir auf den Rücken der
Eltern. Im ersten Lebensjahr werden wir von ihnen rundherum versorgt.
Der Zusammenhalt in einer Biberfamilie ist sehr stark. Männchen und
Weibchen bleiben oft ein Leben lang zusammen. Alle Familienmitglieder
begrüßen einander mit Beschnuppern und kleinen Lauten. Nachts eng
aneinander gekuschelt schlafen gehört zu unserem Familienleben einfach
dazu. Auch die Fellpflege machen wir gemeinsam. Mit zwei Jahren
verlassen die jungen Biber ihren Familienbau und begeben sich auf
Wanderschaft. Sie gehen entlang der Gewässer weiter und suchen ein
eigenes Revier.
Gefahr auf der Wanderschaft: Da der Platz an den Gewässern begrenzt
ist, kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit anderen Bibern. Dabei
verletzen sich manche von uns so schwer, dass sie daran sterben. Das hat
die Natur so vorgesehen, damit es nie zu viele Biber auf einer FlussStrecke gibt. Eine Biberfamilie benötigt viele Bäume und Wasserpflanzen
in ihrem Revier, deshalb braucht sie einen großen Abstand zur nächsten.
Durchschnittliche Biber-Teichgröße: 4 Hektar
Biber-Grenze: Wir gehen maximal 15 bis 20 Meter vom Ufer weg, wenn
wir Bäume fällen. Wenn Flüsse einen breiten Uferstreifen haben, können
wir dort gut leben. Bei Gärten oder Felder, die sehr nahe am Wasser
liegen, kann es passieren, dass wir dort fressen, was uns schmeckt.
Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen uns an Flüssen einen breiten
Uferstreifen überlassen. Dann können wir in Ruhe leben und stören
niemanden.
Unsere Bauwerke:
Biberbau:
Unsere Wohlhöhlen liegen beim Gewässerufer. Wir graben unter Wasser
eine Röhre ins Ufer. Am Ende legen wir eine Höhle an. Das ist der
Wohnkessel. Er liegt im Trockenen. Wir legen ihn mit Holzspänen aus. Das
ist wie ein Teppich und hält den Boden warm, trocken und sauber. Wir
Biber gehen nur im Wasser aufs WC. Manche Biberbauten haben auch
mehrere Wohnkessel.
Wir haben drei verschiedene Behausungstypen:
A) Erdbau: Er liegt am Ufer tief unter der Erde. Nur an einer Stelle
legen wir ein kleines Luftloch nach oben an. Von außen ist der
Erdbau kaum erkennbar.
B) Mittelbau: Er entsteht an Ufern, an denen die Böschung (über dem
Wasserspiegel) nicht mehr als einen Meter hoch ist. Wir können dort
eine Wohnhöhle graben, aber die Decke bricht häufig ein. Deshalb
decken wir sie mit Ästen ab, damit ein Dach entsteht.
C) Biberburg: Der Wohnkessel ist in einem großen Haufen aus Ästen.
Dieser Bau wird oft errichtet, wenn das Gewässer ein sehr niedriges
Ufer hat.
Warum bauen wir an manchen Stellen im Gewässer einen Damm?
Mit dem Dammbau verhindern wir, dass Gewässer austrocknen und auch
dass ein Gewässer zufriert. Mit dem Damm können wir den Wasserstand
erhöhen und Flussbereiche besiedeln, die sonst wenig Wasser hätten. Wir
wissen genau, wo die besten Stellen zum Dammbau sind. Dort, wo das
Wasser langsam fließt und seicht ist, können sich schnell angeschwemmte
Zweige und Schlamm ansammeln. Beim Bauen hilft die ganze Biberfamilie
mit. Die Dämme können bis zu 100 Meter breit werden. Die normale
Länge ist meist zwischen ein bis 10 Meter.
So transportieren wir Schlamm: Wir tragen den Schlamm in den
Vorderpfoten und klemmen ihn zwischen Kinn und Vorderpfoten.
Wir schaffen mit unseren Bauwerken Lebensraum für viele
Tierarten!
Nahe beim Damm fließt das Wasser langsamer. Dort können sich junge
Flussfische in Ruhe entwickeln. Kröten, Frösche und Molche finden einen
Lebensraum. Eisvögel und Wildbienen bevölkern den Uferabbruch, der
durch Biberbauten entsteht. Unsere Landschaftsgestaltung zieht viele
Tierarten an. Langweilige Flussabschnitte werden durch uns Biber schön
wild!
Die Anwesenheit des Bibers hilft auch den Menschen!
Wenn Biber an Flüssen Bereiche mit ruhigen Gewässern schaffen, kann
das ein Hochwasserschutz sein.
So funktioniert das Zusammenleben zwischen Menschen und uns:
Unser Wunsch an euch: Bitte beachten!
Haltet großen Abstand zu uns und nehmt eure Hunde an die Leine. Wenn
wir uns bedroht fühlen, flüchten wir nicht immer. Wir können uns mit
Beißen wehren.
Das kannst du für uns tun:
Halte dich an den Biber-Wunsch und gib dein Wissen weiter.
Erkläre den Menschen, warum eine Landschaft mit Bibern besonders
lebendig ist. Setze dich für Biber ein!
Schutz für das Ufer und einzelne Bäume:
In der 15 bis 20 Meter- Uferzone: Wenn Ufer nicht abgegraben werden
sollen oder wenn wir einzelne Bäume in Ruhe lassen sollen, können
Menschen
- sogenannte Drahthosen um Baumstämme wickeln.
- Gitter in Teiche und Ufer einbauen.
Bitte gebt uns Platz am Ufer und habt Verständnis für unsere Bautätigkeit!
Zusammenstellung des Steckbriefs: Mag. Daniela Lipka, Verein
Tierschutz macht Schule
Fachliche Durchsicht: Ass. Prof. Dr. Rosemarie Parz-Gollner
Herzlichen Dank an Leopold Kanzler für die Bereitstellung des Fotos.