„Eine Reise von tausend Meilen beginnt zu deinen Füssen“

„Eine Reise von tausend Meilen beginnt zu deinen Füssen“.
Laotse
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Herberge
Womit assoziieren Sie reisen? Ganz sicher mit etwas Erfreulichem. Denn selten fühlen wir uns so
vogelfrei und offen Neues zu erfahren wie dann, wenn wir auf Reisen sind. Ob mit Laotses Aussage
eine Urlaubsreise gemeint ist? Wohl kaum! Wahrscheinlich eher eine Lebensreise oder eine Reise
durch den Alltag, wie er zum Beispiel in der Herberge für Frauen Tag für Tag stattfindet.
Von unseren Reiseschwerpunkten durch das Jahr 2010 möchten wir Ihnen hier gerne erzählen.
24 Frauen und 7 Kinder waren es, die übers Jahr verteilt 10 Tage bis 7 Monate im Haus Hagar
Aufnahme gefunden und vom Team unterstützt, beraten, mit den Ämtern vernetzt: kurz
zusammengefasst, begleitet worden sind. Doch lassen Sie uns von vorne beginnen.
Ruhige Zeiten – strenge Zeiten
Der Start ins Jahr 2010 gestaltete sich mit nur zwei Eintritten ruhig. Fürs Team gerade willkommen,
weil doch erst vor kurzem eine strenge Phase mit gleich mehreren aufeinander folgenden Austritten
ihren Abschluss gefunden hatte.
Zwischendurch schätzen wir durchaus mal ruhige Zeiten, denn jetzt können vertagte sekundäre
Aufgaben aufgearbeitet werden. Wir tanken auch wieder neue Energie auf, die uns darin
unterstützt, sich von neuem bereit und frisch auf neue Begegnungen einzulassen.
Dieses Mal, so schien uns, die über mehrere Wochen anhaltende ruhige Zeitspanne doch gar lange
anzudauern. Ein Grund zur Sorge? Nein! Rückblickend und im Vergleich mit früheren Jahren
mussten wir feststellen, dass sich diese irritierende Situation mit Regelmässigkeit wieder einstellt.
Phänomen der Gruppenbildung und -auflösung
Immer wieder beobachten wir das Phänomen, wie sich bestehende Gruppen plötzlich auflösen und
später neue ebenso schnell wieder bilden. Genauso spannend nehmen wir wahr, dass sich
Gruppen von Frauen mit ähnlichen biographischen Thematiken zusammenfinden.
Gemeinsame biographische Thematiken
Im 2010 fanden bei uns überraschend viele Frauen mit körperlichen Beschwerden, mit Heim
Erfahrungen, Frauen, die an einem geschützten Arbeitsplatz arbeiten oder Frauen, die ihr Zimmer
infolge der Schliessung des Personalhauses Eichhof verloren hatten, Aufnahme.
Hingegen verzeichneten wir im vergangenen Jahr bedeutend weniger Frauen mit Gewalt Erfahrungen
und auch weniger Mütter mit Kindern.
Für drei Frauen bot unsere Herberge zu wenig Struktur. Dank der guten Beziehungen zu ähnlichen
Institutionen mit einem strukturierten Tagesablauf konnten wir die Frauen weiter vermitteln.
Bereichernde Zeit mit traurigem Abschied
Gerne aber etwas traurig erinnern wir uns an jene liebenswürdige und schwerkranke Frau, welche
sich von uns aus einer Krebsbehandlung unterzogen und die letzten Monate ihres Lebens mit uns
verbracht hatte.
Zeigen sich neue Bedürfnisse?
Im Jahr 2010 nahmen die Belegungstage der Frauen zu (Vorjahr 1081, aktuell 1501) jene der
Kinder massiv ab (Vorjahr 895, aktuell 403).
Um Ihnen ein Bild der kulturellen Vielfalt zu geben, möchten wir Ihnen die Herkunftsländer der
Frauen und Kinder, die wir aufgenommen hatten, aufzeigen.
Kuba, Schweiz, Mazedonien, Kroatien, Bolivien, Peru,
Portugal, Kamerun, Spanien, Thailand, Albanien, Angola
Argentinien, Serbien
Stabsübergabe
Ein einschneidender und sicher auch mit vielen Emotionen verbundener Schritt für Sr. Heidi Kälin,
als Mitbegründerin und langjährige Bereichsleiterin des Haus Hagar wie auch für die
St. Anna Gemeinschaft, deren Projekt die Herberge ist, fand am 1. Oktober statt.
Sr. Heidi Kälin übergab Monika Schnellmann die Leitung des Haus Hagar. Mit dieser Übergabe an
eine erste weltliche Frau ging eine 16 Jahre dauernde Ära zu Ende.
Ein herzliches Dankeschön an dich, Heidi, die du Haus Hagar mit viel Liebe und Engagement, mit
viel Weitsicht geführt hast. Ich freue mich, dass du weiterhin im kleinen Pensum administrative
Aufgaben ausführst und Präsenzdienste übernimmst.
Meinen herzlichen Dank auch für das entgegen gebrachte Vertrauen an die Gemeinschaft der
St. Anna Schwestern und an die Trägerschaft, die St. Anna Stiftung.
Mit Frauen und für Frauen
Heidi Kälin und Monika Schnellmann haben im Herbst an einer Zusammenkunft des Netzwerks
Frauenhaus und Bildungsstelle häusliche Gewalt teilgenommen.
Im November besuchten die Teams vom Haus Hagar, des Frauenhaus und der
Opferberatungsstelle eine gemeinsame Weiterbildung zum Thema: „Erfahrungen mit dem
Ausländergesetz“.
Unser Team
Besteht aus Mitarbeitenden, die viele Lebenserfahrungen mitbringen. Eine junge Studentin war im
Sommer für ein Kurzpraktikum bei uns.
Fabienne Durrer arbeitet als Praktikantin der Schule für Sozialbegleitung mit einem
30 Prozent Pensum bei uns und trägt als junge Mutter wertvolle Impulse bei zur Begleitung unserer
Frauen und Kinder.
Maria Todorovic vom Hauswirtschaftsteam hat ihren Einsatz bei uns beendet. Jeden Freitag arbeitet
nun Lina Rodriques bei uns.
Freunde und Gönner
Zu unseren 800 Freunden und Gönnern zählen wir Pfarreien und Frauengruppierungen, die uns
regelmässig unterstützen. 12 Jahre lang durften wir auch von der Fondazione Raffaela jedes Jahr
einen grossen Betrag entgegennehmen. Nun ist die Stiftung aufgelöst. Das wird in unserer
Buchhaltung ins Gewicht fallen. Wir sind auf Hilfe angewiesen.
Danke für so vieles
Wir danken sehr herzlich allen die unsere Herberge seit 1994 mittragen, uns ermutigen,
beschenken und unterstützen. Das Haus Hagar ist und bleibt für viele Frauen die Oase in der
Wüste. Der Ort der Hoffnung auf Leben.
Damit endet unsere so farbige Jahresreise durch das 2010, die uns viele fröhliche und auch traurige
Momente bescherte, die uns arg herausforderte und doch reich erfüllte und uns erkennen lässt; was
für eine tolle Aufgabe es doch ist, Frauen und Kinder aus allen Kulturen der Welt auf einem
Wegstück ihrer Lebensreise zu begleiten.
Ihr Hagar Team
Haus Hagar, Herberge für Frauen, Taubenhausstrasse 28, 6005 Luzern
[email protected]
Postkonto: 60-22667-0