Moringa – ein interessanter Rohstoff

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Moringa – ein interessanter Rohstoff
Die Tropenpflanze Moringa ist wenig bekannt. Sie hat bei ihren Anhängern den Ruf einer Wunderpflanze. Die Thurgauer Firma Vitarbo will sie in
der Lebensmittelindustrie etablieren.
Die gebräuchlichste Verkaufsform ist das grüne Moringa-Pulver.
ROLAND WYSS-AERNI. «Moringa lässt andere
Powerfoods verblassen», schrieb das Gratisblatt
20 Minuten Mitte Mai, und weiter: «Moringa
trägt den Spitznamen ‹Baum der Unsterblichkeit .» Das Onlineportal superveganer.de weiss:
Moringa für die Hühner
Weil Moringa proteinreich ist, ist die Pflanze
auch als Futtermittel für verschiedene Tierarten ein Thema. Zu Brathähnchen gab es
auch schon Fütterungsversuche am Aviforum, dem Beratungsdienst für Geflügelproduktion in Zollikofen. Moringa eignet sich
grundsätzlich als Futtermittelbestandteil,
muss aber noch weiter erforscht werden. wy
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«Moringa, die Wunderpflanze bietet vollwertige Ernährung und beinahe alle Nährstoffe,
die der Mensch zum Leben braucht.» Und die
britische Modezeitschrift «Vogue» berichtete,
«a detoxifying, nutrient-packed powder made
from vitamin-rich Moringa leaves is redefining
beauty from within.» Was auf Deutsch übersetzt ungefähr heisst: «ein entgiftendes, mit
Nährstoffen vollgepacktes Pulver, gewonnen
aus den vitaminreichen Moringa-Blättern, definiert Schönheit von innen ganz neu.»
Moringa, ein Wunderbaum also? Das Nahrungsmittel der Zukunft? Fast scheint es so,
wenn man liest, was die Presse so schreibt. Auf
die Bezeichnung «Baum der Unsterblichkeit»
kommt allerdings nur, wer «never-die-tree»
falsch versteht. Die ursprüngliche Bezeichnung
meint nämlich den Überlebenswillen der
Pflanze selber, die auch unter sehr unwirtlichen
Bedingungen gedeiht - es geht nicht um eine
lebensverlängernde Wirkung für MoringaKonsumenten.
Keine Wunderpflanze, aber allemal
interessant
Auch Wolfgang Moritz von der Thurgauer
Firma Vitarbo findet Moringa eine interessante
Pflanze, hält aber nicht viel vom GesundheitsHype, den manche Kreise um Moringa machen.
Sein Interesse gilt Moringa als neuem Lebensmittel und als Zutat für die Lebensmittelindustrie. Vitarbo, eine kleine Firma aus Arbon
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wurde 2013 gegründet und befasst sich mit
Frucht- und Gemüsepulvern als Spezialitäten
für die Lebensmittelindustrie. Sie möchte die
Moringa-Pflanze in Europa bekannt machen
und als Bestandteil auf dem Speisezettel etablieren. «So kann auch die Wertschöpfung in den
Anbauländern gesteigert werden», sagt Moritz.
Die Produzenten hätten so konstante Absatzkanäle für grössere Mengen von qualitativ hochwertiger Moringa. Vitarbo hat Kontakte zu pro-
Uralter Proteinschub
Moringa olifeira wächst in seiner Heimat am
Fuss des Himalaya seit Jahrhunderten. Die
Pflanze mit farnartigen Blättern ist im ganzen
Tropenraum verbreitet. Aus der Pflanze
wachsen Bäume, die bis zu 10 Meter hoch
werden, Moringa wird aber als Büsche kultiviert. Alle Teile der Pflanze sind nutzbar: Blätter und Früchte können als Gemüse gegessen
werden, aus Blüten kann Tee gekocht werden. Moringa oleifera ist reich an Protein und
enthälte Kalzium und b-Karotin. wy
Bilder: zvg
zwar viel geforscht, man vermute, dass Senföle
und enthaltene Polyphenole positiv für die
Gesundheit seien. «Aber Wunder sollte man von
Moringa keine erwarten», sagt Moritz. Die Auslobung von allfällige Gesundheitswirkungen ist
zur Zeit kein Thema für Vitarbo, zu aufwändig
und kostspielig ist das Prozedere für Health
Claims. Hingegen ist Moringa in Europa als
Lebensmittel zugelassen und auch in der
Schweiz kann Moringa ohne Einschränkung in
Verkehr gebracht werden.
fessionellen Landwirten in Indien und weiteren
Ländern. Dort wird in Anbauversuchen getestet,
welche Sorten am produktivsten sind und die
besten Eigenschaften für die Weiterverarbeitung haben. Über diesen Kanal ist auch die
Lebensmittelsicherheit und die Rückverfolgbarkeit gewährleistet. In der Elfenbeinküste ist
auch der als «Ananaskönig» bekannt gewordene Johann Dähler daran, eine Moringa-Produktion aufzubauen.
«Moringa ist eine der vielseitigsten Pflanzen
für Mensch und Tier», sagt er. Als Gemüse enthält die Pflanze viel Protein, Beta-Karotin, Kalzium und andere Mineralstoffe, sowie scharfe
Senföle. Wegen letzteren wird Moringa auch
«Meerrettichbaum» genannt. Zu Moringa werde
Eine Art Pilotprodukt: Die Moringa-Curry-Suppe.
und getrocknet. Dann werden sie in die
Schweiz importiert und zu Moringa-Blattpulver gemahlen. Parallel zur Optimierung der
Produktion in Indien will Vitarbo nun hierzulande das Moringa-Pulver bei den einschlägigen Lebensmittelherstellern aus der Suppen-,
Ökologische und soziale Argumente
Wolfgang Moritz ist überzeugt, dass Moringa Saucen- und Würzmittelindustrie und aus
zukunftsträchtig ist, nicht nur wegen seiner anderen Branchen ins Bewusstsein bringen.
Nährwert-Eigenschaften, sondern auch aus Für die Industrie könnte Moringa eine interesökologischen und sozialen Gründen: Mit der sante Zutat sein, weil sie eine gute Geschichte
Pflanze soll langfristig auf knappen Agrarflä- und einen exotischen Hintergrund bietet, weil
chen ein hoher Ertrag an Protein erzielt werden, sie keine Zusatzstoffe enthält - und wegen ihrer
es soll die Urwaldrodung, die beim Proteinträ- Nährwerteigenschaften.
ger Soja ein Problem ist, vermindert und ver- www.vitarbo.com
brauchte Soja-Flächen sollen rekultiviert
[email protected]
werden. Durch faire und dauerhafte Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren AnbaubeMoringa im Fondue
trieben sollen Arbeitsplätze in den Tropen aufMoringa hat aufgrund der enthaltenen Senfgebaut und gesichert werden. Das sei die beste
öle einen leicht scharfen Geschmack. Es wird
Entwicklungshilfe, findet Moritz. Die in Indien
meist als grünes Blattpulver verwendet und
geernteten Moringa-Blätter werden gereinigt
«Moringa ist eine
der vielseitigsten
Pflanzen für
Mensch und Tier»,
sagt Wolfgang
Moritz von Vitarbo.
kann für Suppen, Saucen, Dips oder als
Gewürz verwendet werden. Auch die Verwendung in Teigwaren, Backmischungen,
Tees oder Erfrischungsgetränken oder Süsswaren ist möglich. Sehr gut passt es
geschmacklich in Currys und Dals. Es harmoniert auch mit Pfeffer, Chili, Ingwer, Jasmin,
Spinat, Kokos oder Zitrone. In der Kochbroschüre von Vitarbo sind sogar Rezepte für ein
Moringa-Omelett oder für ein Moringa-Fondue enthalten. Ferner hat Vitarbo ein
Moringa-Curry-Suppenpulver herstellen lassen, dass sich einfach anrühren und aufkochen lässt. wy
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Le moringa une plante fascinante
L’avantage du moringa est de convenir aux
hommes comme aux animaux, mais pas seulement. Consommée en légume, la plante est
riche en protéines, en bêta-carotène, en calcium, en minéraux ainsi qu’en huiles épicées de
moutarde. Les chercheurs sont actuellement
nombreux à se pencher sur le moringa. On suppose en effet que les huiles de moutarde et les
polyphénols qu’il contient ont un effet positif
sur la santé.
«Il ne faut toutefois pas en attendre des
miracles», indique Wolfgang Moritz. L’allé­
gation d’éventuels bienfaits pour la santé
n’intéresse pas Vitarbo, la procédure d’autorisa­
tion des allégations de santé étant trop compliquée et onéreuse. Le moringa est en revanche
autorisé comme denrée alimentaire en Europe.
En Suisse, il peut être commercialisé sans
autres.
zvg / Fotolia
Mal connue, le moringa est une plante tropicale réputée faire des
miracles. L’entreprise thurgovienne Vitarbo s’est fixé pour objectif de
l’établir dans l’industrie alimentaire.
Plantation de moringa à Tamil Nadu, au sud de l’Inde.
ROLAND WYSS-AERNI. Le moringa fait actuellement les gros titres de la presse du monde
entier, où les journalistes ne lésinent pas sur les
superlatifs pour décrire cette plante exotique,
encore peu connue sous nos latitudes: super-aliment, powerfood, arbre de l’immortalité, plante
miracle ou encore ingrédient beauté, pour n’en
citer que quelques-uns. S’agit-il réellement de
l’aliment du futur? D’une plante aux propriétés
inédites? En y regardant de plus près, il apparaît
que la désignation d’arbre de l’immortalité est
plutôt le fait d’une erreur de traduction: «never
die tree» caractérise davantage la volonté de
survie de la plante, qui s’épanouit même dans
les conditions les plus difficiles, que des propriétés miraculeuses qui seraient les siennes.
messes farfelues circulant dans certains milieux
à son sujet. Le moringa est surtout intéressant
en tant que nouvelle denrée et comme ingrédient pour l’industrie alimentaire. Fondée en
2013 à Arbon, Vitarbo est spécialisée dans les
poudres de fruits et de légumes destinées aux
industriels du secteur alimentaire. Elle souhaite
faire connaître le moringa en Europe et l’établir
comme ingrédient courant. «De la sorte, nous
pourrons aussi accroître la création de valeur
dans les pays cultivateurs», affirme Wolfgang
Moritz. Les producteurs auraient ainsi des
canaux de distribution constants pour écouler
des quantités plus importantes. Vitarbo est en
contact avec des agriculteurs professionnels en
Inde et dans d’autres pays. Des tests de culture
sont actuellement effectués pour tenter d’identifier les variétés les plus productives et les meilPas de miracle, mais une plante
leures propriétés pour la transformation ultéintéressante.
Wolfgang Moritz de l’entreprise thurgovienne rieure de la plante. Ce type de collaboration est
Vitarbo, est d’avis que le moringa est une plante également une manière d’assurer la sécurité
intéressante. Il se distancie toutefois des pro- alimentaire et la traçabilité des produits.
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Arguments écologiques et sociaux
Wolfgang Moritz est convaincu que le moringa
a de l’avenir, pas seulement en raison de ses
propriétés nutritives, mais aussi pour des raisons écologiques et sociales: la plante doit permettre de produire une quantité élevée de protéines sur des surfaces agricoles toujours plus
rares. Elle doit également minimiser le défrichage des forêts vierges, problématique dans la
culture des protéines de soja, et recultiver les
surfaces utilisées auparavant pour cette même
culture. Une collaboration équitable et durable
avec de petites et moyennes exploitations doit
en outre créer et assurer les places de travail
dans les pays tropicaux. Aux yeux de ce spécialiste, il s’agit là de la meilleur manière d’apporter son aide au développement dans les pays
émergents.
Les feuilles de moringa récoltées en Inde
sont nettoyées et séchées sur place avant d’être
importées en Suisse, ou elles sont moulues, afin
d’obtenir de la poudre. Parallèlement à l’optimisation de la production en Inde, Vitarbo projette de faire connaître la poudre de moringa
aux industriels du Vieux-Continent, quel que
soit leur secteur d’activité. Les fabricants de
soupes, de sauces et de condiments sont toutefois les premiers visés. Pour l’industrie, le
moringa pourrait en effet devenir un ingrédient
fort intéressant, puisqu’il est auréolé d’une
excellente histoire. Sa provenance exotique,
l’absence d’additifs dans sa composition et ses
excellentes propriétés nutritives devraient en
outre séduire les consommateurs.
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