Predigt Römer 12, 1-8 Liebe Gemeinde! Ändert euch! Macht doch endlich alles richtig. Warum könnt ihr nicht endlich zu Vorzeigechristen werden, die ihrer Gemeinde alle Ehre machen – solche, auf die wir zeigen können und sagen: „Seht ihr: die haben es schon kapiert, die wissen, wie es geht. Ist doch eigentlich ganz einfach – jetzt seid ihr dran.“ Stattdessen – was geben wir denn für ein Bild ab? Eine Kirche, in der sich die Gruppen Sind wir eigentlich ein Skandal? Sind unsere Gemeinden Skandalgemeinden? Haben wir nicht die Bibel als Richtschnur unseres Lebens? Gibt uns unser Glaube nicht genug Kraft? Was ist eigentlich los mit uns? Ich möchte an dieser Stelle einen Blick in die Bibel werfen, auf den Predigttext für heute, bei dem mir all diese Fragen in den Sinn gekommen sind. Römer 12, 1-8 Ich ermahne euch nun, liebe Brüder (und Schwestern), durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Erst einmal so weit. Da steht es ja deutlich, was der Paulus den Römern vorschlägt, um eine Mustergemeinde zu sein: Gebt eure Leiber hin als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Und nun frage ich Euch: wie sieht das aus, wenn Paulus von lebendig, heilig und Gott wohlgefällig spricht? Meint Paulus damit genau das, was in unserem inneren Auge passiert – dass wir uns zu Menschen verwandeln, die in ihrem Leben nur noch Heiligkeit haben, Menschen, die schon Morgens beim Aufstehen mit einem Gebet auf den Lippen erwachen, bevor sie sich an die Lesung der Tageslosung machen? Menschen, die nur noch in sanften Tönen mit anderen sprechen, denen die Liebe schon aus den Augen sprüht – die mildtätig alle Probleme der Welt nicht nur erkennen, sondern auch zu lösen beginnen? Menschen, die aufgrund dieser wichtigen Aufgaben nun nicht nur keine Zeit sondern auch keine Lust mehr haben, sexuelle Gefühle zu er- oder gar auszuleben? Das soll unser Gottesdienst sein? Wenn wir die nächsten Zeilen im Römerbrief hören, dann wird vielleicht deutlicher, warum Paulus geschrieben hat: das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Es ist wahr: Paulus möchte die Christen in Rom dazu ermutigen, ihr Leben komplett zu ändern. Und dazu gehört vor allen Dingen eines – und ich glaube, das ist genau der Punkt, der auch uns heute wieder helfen und gut tun würde: ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes – so schreibt Paulus Predigt Römer 12, 1-8 und da heißt: Nehmt die Welt doch anders wahr! Nehmt sie wahr mit den Augen eines gläubigen Menschen. Das heißt doch aber: Nehmt sie mit den Augen eines Menschen an, der Gottes Güte glaubt, der seine Barmherzigkeit kennt. Nehmt sie mit den Augen eines Menschen wahr, der von Jesus Christus weiß, der von der Verwandlung der Angst und der Trauer in Freude und Hoffnung zu singen weiß. Dann können wir tatsächlich ohne Probleme dem folgen, was Paulus davon redet, was Gottes Wille ist. Gott will nämlich das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene für uns, nicht von uns. Wer Gottes Güte und Gnade in sich aufnimmt, der rennt nicht umher und sagt: „Ätsch, ich bin ein viel besserer Mensch als du – Gott hat mich bestimmt viel lieber!“ Nein - Wer die Tragweite des Glaubens verstanden hat, freut sich daran, dass er oder sie so unverdient teilhaben darf an Gottes Güte und Vollkommenheit. Und der freut sich daran, dass auch sein Nachbar, mit dem er Streit hat, nicht ausgeschlossen ist von Gottes Güte – dass keiner abhängig ist von dem Urteil eines Menschen, um zu Gottes Güte zu gelangen. Denn das Urteil hat Gott in Jesus gesprochen: ohne es verdient zu haben sind wir alle gerecht geworden durch die Erlösung, die in Jesus Christus geschehen ist – so schreibt es Paulus im dritten Kapitel des Briefes an die Gemeinde in Rom. Und so passt auch die Ermahnung, die Paulus an diese Worte anknüpft: Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern. Haben Sie es gehört? Paulus verlangt gar nicht, so wie ich am Anfang meiner Predigt, dass wir alles perfekt machen. Denn dazu sind wir doch zusammen gekommen als eine Gemeinde unter dem Wort Gottes: weil wir in erster Linie Gottes Zuspruch brauchen. Denn wir sind als Gemeinde zwar Heilige, weil wir Schwestern und Brüder sind, die sich verbunden wissen durch den, der heilig ist. Aber wir sind auch immer wieder „Schein-Heilige“, also fehlbare Heilige, solche, die immer wieder vergessen, dass Gott uns alle ernsthaft meint mit seiner Liebe. Er meint mich, wenn ich an mir zweifle, wenn ich mir nichts zutraue in meinem Leben. Er meint mich, wenn ich Angst habe vor dem nächsten Tag, weil ich nicht weiß, ob genug Geld da sein wird für das Essen auf dem Tisch für meine Familie. Er meint mich, wenn ich mich von allen verlassen fühle und nicht mehr weiß, ob mich überhaupt noch jemand liebt auf dieser Welt. Er meint mich, wenn ich vor Schmerzen nicht mehr aus und ein weiß. Er meint mich, wenn mich die Diagnose meiner Krankheit mit Schreck und Angst erfüllt. Predigt Römer 12, 1-8 Er meint mich, wenn ich in der Schule nicht mehr klar komme und nur noch Bockmist baue. Er meint mich, wenn ich daran verzweifle, dass ich kein Zuhause mehr in meiner Heimat habe und fliehen muss vor lauter Ausweglosigkeit. Alle und jeden von uns meint er mit seiner Liebe. Deshalb dürfen wir uns ganz entspannt zurücklehnen als Christen und Christinnen in unserer Gemeinde. Gott möchte uns nicht zu Vorzeigechristinnen machen, sondern Gott will uns da begleiten, wo wir immer wieder daran scheitern, die Welt mit seinen Augen zu sehen. Und Paulus – er möchte uns Mut machen: geht in diese lebendige Welt und vergesst nie: ihr seid ein Teil von ihr, aber ihr habt einen anderen Blickwinkel. Ihr wisst: Gott begleitet euer Leben. Und das macht es möglich für euch wie für jede andere Gemeinde auch, den Problemen ins Auge zu sehen: dass sich unsere Gruppen gut miteinander verständigen, dass wir das Gästehaus für unbegleitete Flüchtlinge öffnen, dass wir versuchen, Veränderungen in unserer Gemeinde mitzutragen und kreativ umzusetzen, dass wir weiterhin ausprobieren, was alles dazu gehört, eine gastfreundliche Gemeinde zu sein. Und so sind wir schließlich ganz biblisch fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, aber beharrlich im Gebet. Wir freuen uns mit den Fröhlichen und weinen mit den Weinenden. Und wenn es möglich ist, so viel an uns liegt, halten wir mit allen Menschen Frieden. Amen. Der Friede Gottes…
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