Medizinstudium: Ärztenachwuchs fühlt sich oft überfordert

Psychologie aktuell: Medizinstudium: Ärztenachwuchs fühlt sich oft überfordert
15-04-16
Medizinstudium: Ärztenachwuchs fühlt sich oft überfordert
Mehr als ein Drittel der Medizinstudierenden leidet an Burnout, ergab eine Studie der
Universität Ulm. Die Folgen sind für künftige Ärzte und ihre Patienten riskant. Dr. Lucia
Jerg-Bretzke und Kollegen berichten Details in der Fachzeitschrift "Verhaltenstherapie und
Verhaltensmedizin".
Burnout wird definiert als Zustand physischer, geistiger und emotionaler Erschöpfung. Drei
Dimensionen gelten als relevant:
• Emotionale Erschöpfung zeigt sich in dem Gefühl, durch Arbeit und persönliche Kontakte
überfordert bzw. ausgelaugt zu sein
• Depersonalisation bedeutet eine distanzierende, evtl. sogar zynische Haltung gegenüber der
Umwelt
• Eine reduzierte Leistungsfähigkeit zeigt sich in dem subjektiven Eindruck, weniger kompetent
und leistungsfähig zu sein; psychosomatische Beschwerden kommen oft hinzu
Bei den Burnout-Betroffenen waren in der Ulmer Studie nicht jeweils alle drei Dimensionen
gleichmäßig erkennbar: Am häufigsten ist das Empfinden reduzierter Leistungsfähigkeit, am
seltensten eine emotionale Erschöpfung.
In allen drei Dimensionen sind v.a. Studierende mit einer hohen Neurotizismus-Tendenz gefährdet.
Betroffene lassen sich leicht aus dem Gleichgewicht bringen, sind nervös und ängstlich; die
Stresstoleranz ist gering, der kontraproduktive Umgang mit Stress liegt nahe. Erschöpfung ist die
Folge.
Studierende mit einer geringen Empathiefähigkeit fühlen sich v.a. von den komplexen,
anspruchsvollen Anforderungen an ihre Kommunikation überfordert; daraus folgt ein hohes Risiko, in
eine distanzierende Haltung bishin zu Zynismus und Depersonalisation zu verfallen.
Die Ulmer Psychologen folgern aus diesen Befunden, "dass insbesondere eine gezielte Unterstützung
von Studierenden mit hohen Werten in Neurotizismus und niedrigen Werten in Verträglichkeit sinnvoll
erscheint. Interventionen sollten auf eine Vermeidung maladaptiver Stressverarbeitungsstrategieen,
insbesondere resignativer und aggressiver Verhaltensweisen, abzielen ..."
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Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin 4/2015
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