GQ (4/2016) - Die Onleihe

l e b e n ss t i l f ü r m ä n n e r m i t a n s p r u c h
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Gentlewoman
film
Brie
Larson
schAuspieLerin
Im Drama „Raum“ (Kinostart: 17.3.)
ist die neue Hollywoodhofnung mit
ihrem kleinen Filmsohn eingesperrt.
Hier schwärmt ihr Regisseur über
Brie Larson
Es war schwierig, eine Schauspielerin für so
eine rolle zu fnden: eine Mutter, die mit ihrem
Sohn jahrelang in einer fensterlosen Hütte gefangen ist und ihm mit Fantasiegeschichten
dennoch ein erfülltes leben ermöglichen will.
in dem engen raum musste ich oft mit Closeups arbeiten. Dafür brauchte ich nicht nur das
Gesicht einer hübschen Frau, sondern vor allem
eine Schauspielerin, die warmherzig, verspielt
und heiter sein konnte. Brie war für uns ein
Glücksfall. Man fühlt sich in ihrer Nähe sofort
wohl. Mir war klar, dass besondere Charaktereigenschaften gefragt sind, um das Vertrauen
eines Achtjährigen zu gewinnen. Bevor wir
mit dem Drehen anfngen, gab ich Brie drei Wochen Zeit, die sie mit Jacob Tremblay verbringen
sollte. Wir stellten den beiden ein ähnlich winziges Set zusammen wie den Schuppen im
Film, wo sie miteinander abhängen konnten. Sie
spielten zum Beispiel lego, und aus der Ferne
hörte man sie oft lachen. Am Ende hatte es Brie
geschaft, Jacob fühlte sich ihr sehr nah. in einer
Szene weigerte er sich dann fast, sie aus Wut
anzubrüllen, weil er Brie zu lieb gewonnen hatte.
– Lenny AbrAhAmson, Regisseur
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FoTo: pETEr liNDBErGH
l
Gentlemen
Vater und sohn
Leben
Der Schauspieler
Manfred Zapatka,
73, machte in den
70er-Jahren am
Theater Furore. Seit
den 80ern zählt
er zu den gefragtesten Charakterdarstellern im
deutschen Kino
und Fernsehen. Er
mordete bei „Derrick“, intrigierte
im „Großen Bellheim“, spielte Helmut Schmidt im
rAF-Doku-Drama
„Todesspiel“. Bekannt sind auch
die Kinoflme, die
er mit romuald
Karmakar drehte
(„Das Himmlerprojekt“, „Die Nacht
singt ihre lieder“).
Sein Sohn Fabian
kam 1978 zur Welt
– daneben hat
Manfred Zapatka
drei weitere Kinder
und einen Adoptivsohn. Fabian arbeitet als Fotograf.
Seine reportagen
(aus dem Kaukasus oder aus illegalen Technoclubs)
sind ebenso vielseitig wie die rollen seines Vaters.
Fabian Zapatka
Obwohl mein Vater tagein,
tagaus durch unsere Alt­
bauwohnung lief und Texte
probte, habe ich als Kind
nicht begriffen, dass er ein berühm­
ter Schauspieler ist. Ich habe es
später in der Schule erfahren. Nach
jeder Premiere an den Münch­
ner Kammerspielen haben unsere
Lehrer leidenschaftlich darüber
gestritten – und mein Vater kam
oft in den Diskussionen vor. Die
Theaterwelt löst bis heute ein hei­
meliges Gefühl in mir aus, auch
die Persönlichkeiten, die bei uns
zu Hause ein und aus gingen. Ich
5 8 G Q.de /A p r il 2 01 6
ManFred Zapatka
muss als Kind schon gespürt haben, dass das besondere
Geister waren. Später habe ich selbst angefangen zu
spielen, darin aber nicht die Erfüllung gefunden, die es
für meinen Vater bedeutet. Heute bin ich Fotograf und
arbeite visuell – vor allem mit Tageslicht. Die Theater­
welt ist dagegen eher düster, all die Arbeit läuft auf den
Abend hinaus und fndet in fensterlosen Räumen statt.
Wir sind beide recht feißig. Und es gibt noch etwas, das
wir teilen: die Leidenschaft fürs Reisen. Das hat früh
angefangen, wie das Foto zeigt. Da kommen wir gerade
auf Ibiza an. Was ich für meinen jetzigen Beruf aber
ganz sicher von ihm gelernt habe, ist, zu jeder Aufgabe
eine eigene Herangehensweise zu entwickeln. So eigen­
willig, wie er seine Rollen interpretiert, gehe auch ich
an meine Aufträge heran. Ich will mit meinen Fotos kei­
nem zeitgenössischen Anspruch genügen, sondern nur
meinem eigenen. –Fabian Zapatka
FoTo: priVAT
l
Gentlemen
E i n E r, d E n w i r v E r m i s s E n
Giovanni
aGnelli
UNterNehmer
1921–2003
Italia-IndependentMacher Lapo Elkann über
seinen Großvater, den
großen Industriellen, FiatChef und Lebemann
l Mein Großvater hat mir das Wichtigste
im leben beigebracht: nicht aufzugeben,
bis zur letzten Minute zu kämpfen, die
große Herausforderung, die das leben
ist, bestehen zu wollen. Er war ein leiden­
schaftlicher Segler, ich erinnere mich
noch gut daran, wie wir einmal in den
letzten Jahren seines lebens an der eng­
lischen Fastnet­regatta teilnahmen. Er
war schon alt und außerdem zu der Zeit
krank. Aber er hatte in jedem Moment
diesen Blick in den Augen, die Energie
und Vitalität, die nur jemand hat, der
gewinnen will. Wir segelten also wie die
irren dahin, die italienische Tricolore an
unserem Heck ließ alle anderen hinter
sich, nur die deutsche Jacht – sie gehörte
dem Unternehmer Hasso plattner – konn­
ten wir schwer einholen. Vor dem Start
hatten plattner und einige der Konkur­
renten noch Witze über die mediterrane
Mentalität gemacht, was meinen Groß­
vater nur noch mehr motivierte. Wir über­
holten alle. So war Gianni Agnelli, er hatte
einen besonderen Drive bis zuletzt. Er
war das Gegenteil von denen, die frei nach
Andy Warhol ihre 15 Minuten ruhm ha­
ben wollen, er forderte diesen Anspruch
für jede einzelne Minute seines lebens ein.
ich weiß, dass ich nicht wie er sein kann,
aber ich habe diesen Gedanken über­
nommen, dass wir nur eine kurze Zeit auf
der Erde haben und diese nutzen müssen,
nicht nur bei unseren Geschäften, son­
dern weit darüber hinaus. Wir müssen uns
die eigene Begrenztheit des lebens stän­
dig bewusst machen, umso erfolgreicher
und intensiver leben wir.
FoTo: AcTion prESS
–Lapo eLkaNN, Designer
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