Es läuft viel

Freizeitsport
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Die Zahl an Laufgruppen
wächst stetig. So findet jeder
leicht Anschluss und kann
seinen Bedürfnissen und Zielen
entsprechend wählen.
Von Robert Peterhans
Die Liebe zum Laufen begann bei Patrick
Wälty mit dem Umzug ins Grüne. Er fing an,
die Gegend um den Pfäffikersee auf sport­
liche Weise zu erkunden. Aus dem primären
Ziel, fit zu bleiben und das Gewicht unter
Kontrolle zu halten, entstand der Wunsch,
einen Marathon zu laufen. Für das Training
suchte der 48-Jährige im Internet nach Lauf­
gruppen. «In Gesellschaft zu rennen, macht
mir einfach mehr Spass», sagt er. «Die
Gruppe zwingt einen auf positive Weise,
auch dann dranzubleiben, wenn man sich
alleine nicht motivieren könnte.»
Die Marathon­Premiere verlief erfolgreich.
Heute trainiert Wälty in vier, fünf verschie­
denen Angeboten, je nach aktuellem Ziel.
Ein traditioneller Laufverein ist nicht unter
seinen Favoriten. Er suche keine professio­
nelle Betreuung oder höhere Leistung, sagt
er. Die Möglichkeit, mit dem Laufen Gleich­
gesinnte kennenzulernen und Geselligkeit zu
erleben, ist ihm aber trotz der ungebunde­
nen Struktur seiner Treffpunkte wichtig.
Individualist bleiben und doch gelegent­
lich in eine Gruppe eintauchen, um zusätz­
liche Motivation zu tanken und Kontakte zu
knüpfen – diese Kombination wird einem bei
der heutigen Vielfalt leichtgemacht. Ange­
fangen beim Joggen mit dem Partner oder
mit Arbeitskollegen über zeitlich begrenzte
Packages und Trainingswochen bis zu ganz­
jährig aktiven Lauftreffs oder Vereinen ist die
Auswahl für gemeinsames Laufen riesig. Und
wenn partout nichts Passendes vorhanden
ist, erleichtern soziale Netzwerke die Grün­
dung einer eigenen Gruppe.
«Abschalten und über Mittag rauskom­
men» nennt die 36­jährige Martina Flockerzi
als Gründe, warum sie sich regelmässig mit
Arbeitskollegen von der Universität St. Gal­
len fürs Joggen verabredet. Der Plausch steht
im Vordergrund. In der Wettkampfvorberei­
tung ist die erfahrene Sportlerin mit ihrem
Mann und Freunden unterwegs.
Grössere Laufvereine bieten in der Regel
abgestufte Leistungsgruppen, mehrere Treff­
punkte in der Woche und eine professionelle
Infrastruktur. Dies hat beispielsweise die
Vorteile, dass man in persönlichem Tempo
laufen und vor dem abrundenden Beizenbe­
such duschen kann. Wer keine andauernde
Verpflichtung eingehen möchte, fühlt sich
eher von zeitlich begrenzten Trainingsge­
STEFFEN SCHMIDT / KEYSTONE
Esläuftviel
Beim gemeinsamen
Laufen kann man
sich austauschen,
Motivation tanken
und das eigene Training variieren.
O
Sportberatung
Natina Schregenberger
Schmerzen in
der Schulter
meinschaften angesprochen. Diese umfassen
oft klar definierte Leistungen und Ziele wie
etwa die Vorbereitung für einen Wettkampf.
Im Vergleich zu einem jährlichen Vereins­
beitrag sind solche Packages meist teurer.
An der Frage, ob und wie viel ein Lauf­
training kosten darf, können sich die Geister
immer wieder scheiden. Sara Hübscher, 35,
zahlt den Jahresbeitrag von 150 Franken
für die Laufgruppe Cham der Leichtathletin
Patricia Morcelli gerne. Auch weil darin
zusätzlich die Möglichkeit eines persön­
lichen Trainingsplans enthalten ist. Hüb­
scher hat bewusst nach einer Gruppe mit
leistungsorientierten Inhalten gesucht. «Ein­
fach eine Runde drehen kann ich gut alleine,
aber Intervalle fallen mir in der Gruppe leich­
ter», sagt sie. Spass und Geselligkeit stehen
bei ihr dennoch hoch im Kurs.
b Tennisspieler, Schwimmer,
Kraftsportler oder auch sport­
lich Inaktive: Viele Menschen
haben Schulterschmerzen. Fast
täglich sagt in meiner Praxis
jemand: «Seit einigen Monaten
habe ich Schmerzen im meiner Schulter nach
dem Sport. Anfänglich ging der Schmerz
jeweils nach ein paar Stunden weg, neuer­
dings bleibt er jedoch auch über Nacht beim
Draufliegen, und die Schulter schmerzt tags­
über bei gewissen Bewegungen. Ich habe
schon versucht, für eine Weile eine Sport­
pause einzulegen, und habe entzündungs­
hemmende Medikamente eingenommen.
Das nützt aber jeweils nur für kurze Zeit, bei
der Wiederaufnahme von Sport habe ich
sofort wieder ähnliche Beschwerden.»
Wie kommt es dazu? Ganz allgemein
gefasst, könnte man sagen, dass sich die
Schulter im Verlauf der Evolution leider
nicht ganz optimal an unsere aufrechte Kör­
perhaltung angepasst hat und gewissermas­
sen eine funktionelle Schwachstelle dar­
stellt. Für alle Tätigkeiten, bei denen wir den
Arm über die Horizontale anheben oder über
zirka 60 Grad abwinkeln (beispielsweise
Klimmzüge, Service beim Tennis, Kraulen
usw.), wird der Raum zwischen Oberarmkopf
und dem gut tastbaren Gelenk zwischen
Schlüsselbein und Schulterblatt (dem soge­
nannten AC-Gelenk) ziemlich eng, und es
kann dabei zu einem Einklemmen und
Scheuern der darunterliegenden Sehnen und
Schleimbeutel kommen.
Das Risiko
einer Entzündung erhöht
sich, wenn die
Bewegungen
über dem Kopf
nicht ganz
sauber oder
einfach viel zu
häufig ausgeführt werden.
Laufgruppen finden
Wer sich gelegentlich oder regelmässig
anderen Läufern anschliessen möchte,
kann sich beispielsweise beim lokalen oder
kantonalen Sportamt nach bestehenden
Gruppen erkundigen. Ebenfalls hilfreich:
• www.laufkalender.ch
• www.lauftreff.ch
• www.meetup.com
Wenn eine kostenpflichtige Infrastruktur
geboten wird, ist es naheliegend, dass ein
Lauftraining nicht gratis sein kann. Profes­
sionell arbeitende Coaches sind ein weiteres
Argument dafür, dass ein Beitrag bezahlt
werden muss. Allgemeingültige Ausbil­
Diese Sehnen und Schleimbeutel ent­
zünden sich, das schmerzt. Das Risiko einer
solchen Entzündung erhöht sich, wenn die
Bewegungen über dem Kopf nicht ganz
sauber oder einfach viel zu häufig ausge­
führt werden. Wenn zum Beispiel durch
ganztägige Schreibarbeit an einem Büro­
tisch die Haltung leidet und die Brustwir­
belsäule sich nach vorne krümmt zu einem
Buckel, dann gleitet das am Brustkorb recht
lose, nur durch Muskeln und Bindegewebe,
befestigte Schulterblatt nach aussen und
kippt nach vorne. Dadurch verschiebt sich
auch das Schultergelenk, und der Raum
zwischen AC-Gelenk und Schulterkopf
wird enger.
Geht man nun nach acht Stunden
Schreibtischarbeit in dieser (oft unbewuss­
ten) Fehlhaltung am Feierabend zum Sport,
dann ist das subtile Zusammenspiel der
beteiligten Muskeln erschwert. Für die
Schulter ist es dann etwa so, wie wenn eine
Marionette an einer Mischung aus zu
langen und zu kurzen Fäden tanzen müsste
und dabei immer wieder mit dem Kopf an
die Decke stösst.
Versuchen Sie deshalb bei Sportarten,
bei denen die Schulter zum Einsatz kommt,
sehr bewusst auf Ihre Haltung zu achten
und jegliche Bewegungen über dem Kopf
kontrolliert und massvoll auszuführen.
Natina Schregenberger arbeitet als
Sportärztin in der Stadt Zürich und
ist Mutter von zwei Töchtern.
dungs­ und Qualitätskriterien für Lauftrainer
existieren hierzulande jedoch nicht. Und
ehemalige oder aktive Leistungssportler sind
nicht automatisch auch talentierte Pädago­
gen. Empfehlenswert ist darum die Verein­
barung eines kostenlosen Probetrainings, um
zu schauen, ob einem Atmosphäre und Ton
zusagen.
Wenn man sich an einem Ort wohl fühlt,
sind gemeinsam absolvierte Einheiten eine
gute Option, um das eigene Training zu
variieren. Ein Vereinsmeier muss man dafür
nicht sein. Im Gegenteil. Wer die Freiheit
des Laufens schätzt, kommt nicht in Versu­
chung, übertriebene Erwartungen an die
Gemeinschaft zu entwickeln. Nicht aus­
schliesslich alleine zu laufen, ist für Freizeit­
sportler letztlich vor allem ein zusätzlicher
Spassfaktor.
Gadget
Motivierender
Lesegenuss
Sandra Mastropietro: Läuferleben
Erhältlich für 17 Franken im Buchhandel.
Wenn man nur stets
so locker dahinlaufen
könnte, wie diese
174 Seiten geschrie­
ben sind. Äusserst
kurzweilig werden
Stationen eines
Läuferlebens dar­
gelegt. Die Autorin
nimmt die Leser
beispielsweise mit an
Marathons in fernen
Ländern, zeigt Lust,
Frust und Wahnsinn von angefressenen
Läufern und vermittelt auch theoretisches
Wissen. Das Buch ist motivierend, informativ
und bringt manch laufenden Leser zum
Schmunzeln, wenn er sich in Geschichten
wiedererkennt. (ajk.)