02.03.2016 Feuerwehr wächst gegen den Trend

Feuerwehr wächst gegen den Trend
(MOZ 29.02.2016) Bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bernau stehen die Zeichen
auf Wachstum. Die Mitgliederzahlen steigen, der Frauenanteil ebenso, und mit
Neubauten wie im Ortsteil Schönow verbessern sich auch die Bedingungen für die
Feuerwehrleute.
Es waren teilweise verstörende Bilder, die zum Auftakt der Jahreshauptversammlung der
Freiwilligen Feuerwehr Bernau Freitagabend gezeigt wurden. Aufnahmen der Einsätze
des vergangenen Jahres, wobei die Alarmierung von Mitte August, als im Dreieck Barnim
gleich sieben Menschen bei einem Unfall ums Leben kamen, wohl die stärksten Eindrücke
hinterließen. "Ein arbeitsreiches Jahr liegt hinter uns", konstatierte folgerichtig
Stadtwehrführer Jörg Erdmann in seiner Bilanz des vergangenen Jahres. Immerhin 13
Personen konnten bei Einsätzen nur noch tot geborgen werden - Höhepunkt in dieser
Statistik war besagter Unfall mit sieben Toten, der an keinem der Feuerwehrleute
spurlos vorüberging. 435 Alarmierungen gab es 2015, darunter waren 119 Brände und 316
Einsätze mit Hilfeleistungen. Bei diesen Einsätzen befreiten die Kameraden 29 Personen
aus Zwangslagen.
Gegen den Landestrend konnten die Bernauer 2015 die Mitgliederzahlen steigern. 308
Mitglieder zählte die Wehr im Jahr 2014, zum Jahresende 2015 stieg die Zahl auf 326.
165 Feuerwehrleute sind aktiv bei den Einsätzen dabei, die Kinder- und Jugendwehr ist
auf 79 angewachsen, die Alters- und Ehrenabteilung zählt 54 Köpfe. Jeweils weitere 13
Kameraden zählen der Musik- und der Versorgungszug.
Und natürlich sprach Erdmann über die Investitionen, die ins Haus stehen. Beispielsweise
sollen noch in diesem Jahr zwei Mannschaftstransportwagen in Auftrag gegeben werden.
Einer ist 2017 für die Löschgruppe in Lobetal, ein zweiter für die Birkholzer Löschgruppe
bestimmt. Nicht minder wichtig, die absehbare Fertigstellung der Schönower
Feuerwehrgebäudes, das am 1. Oktober mit einem Fest und einen Tag der offenen Tür
eingeweiht werden soll. Zudem wartet der Löschzug Schönow sehnsüchtig auf ein
nagelneues Löschfahrzeug 20, das bereits bei der Firma Rosenbauer gefertigt wird und
im Mai in Bernau ankommen soll.
Was die einzelnen Löschzüge so leisteten, wurde in den Berichten der Löschzugführer
deutlich. Jeden Tag sei der Bernauer Löschzug eine Stunde im Einsatz. Dadurch kommen
die Bernauer Feuerwehrleute auf 1604 Stunden ", berichtete Löschzugführer Henrik
Jenke. "Das entspricht 200 Tagen in der Ausbildung", verdeutlichte er. Jenke nutzte die
Aufmerksamkeit, um ein Problem zu benennen und Kritik anzubringen. "Feuerwehrleute
retten und schützen, sie stehen füreinander ein und sind eine Gemeinschaft. Allerdings
nimmt die Kameradschaft ab, wenn jeder sagt, was er schon geleistet und getan hat.
Wir sollten wieder zu mehr Kameradschaft finden und nicht betonen, was ich getan
habe, sondern was alle gemeinsam geleistet haben." Dafür erntete Jenke den stärksten
Beifall des Abends.
Auf die konkreten Hintergründe seiner Kritik befragt, erklärte der Löschzugführer diese.
2. März 2016
"Es geht nicht darum, dass wir im Einsatz nicht zusammenstehen. Aber beispielsweise ist
es so, dass an diesem Abend Kameraden die Einsatzsicherheit der Bernauer Wehr
übernehmen müssen. Das sind Jahr für Jahr die gleichen, weil sich einfach keine
anderen Kameraden bereit erklären."
Jaqueline Sachs vom Schönower Löschzug konnte später vom Frauen-Boom im Löschzug
berichten. Unter den 37 Aktiven sind immerhin 13 Frauen. Sie bedankte sich
ausdrücklich für "das Vertrauen der Männer in die Ausbildung und Leistungskraft der
Frauen". Mit einem dringenden Appell wandte sich Dieter Wegener an die Stadt Bernau:
Teilweise bis zu 50 Jahre alte Exponate der Feuerwehr benötigen dringend einen
geeigneten Unterstand, da der bisherige Lagerraum vom Einsturz gefährdet sei. Diese
Bitte nahm Michaela Waigand, die stellvertretende Bürgermeisterin, auf.
Der Sportbeauftragte Matthias Wilke zeichnete schließlich noch erfolgreiche 24-StundenLäufer aus. 266 Kilometer kamen 2015 im Stadtpark zusammen, insgesamt gab es dafür
478,56 Euro in die Kasse. Dieses Geld spendet die Bernauer Freiwillige Feuerwehr der
Kindernachsorgeklinik, um Erhaltungsgeräte beim EKG anzuschaffen. Die Summe wird
demnächst übergeben.
2. März 2016