2. - Bundesministerium für Inneres

PRESSEINFORMATION
„Tag der Kriminalitätsopfer“
auf Einladung des Bundesministeriums für Inneres
in Kooperation mit dem WEISSEN RING
20. Februar 2015, 9 bis 13:00 Uhr
Bundesministerium für Inneres, Minoritenplatz 9, 1010 Wien
PROGRAMM
BEGRÜSSUNG UND ERÖFFNUNG:
Mag. Mag. (FH) Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, BMI
Hon.-Prof. Dr. Udo Jesionek, Präsident des WEISSEN RINGS
STATEMENTS:
Rudolf Hundstorfer
Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Gabriele Heinisch-Hosek
Bundesministerin für Bildung und Frauen
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Brandstetter
Bundesminister für Justiz
a
in
MMag. Dr. Sophie Karmasin,
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
MODERATION:
in
Dr. Dina Nachbaur, WEISSER RING
FACHBEITRÄGE:
in
Dr. Dina Nachbaur, WEISSER RING
a
Mag. Barbara Unterlechner, WEISSER RING
in
DSA Monika Pinterits, Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien
Mag. Manfred Buchner, Männerberatung Wien
Oberst Wolfgang Haupt, WEISSER RING
MODERATION:
Robin Haid und Jamil Sy, Bundesgymnasium Klostergasse
1.
HINTERGRUND
I. International
In einigen europäischen Ländern wird der 22. Februar alljährlich von
Opferhilfeorganisationen als „Tag der Kriminalitätsopfer“ begangen, um auf die
persönliche, wirtschaftliche und rechtliche Situation der durch strafbare Handlungen
geschädigten Menschen aufmerksam zu machen.
Initiator war der damalige Leiter der schwedischen Opferhilfe Björn Lagerbag, der in
Erinnerung an die Ermordung von Ministerpräsident Olof Palme 1986 den 22.
Februar als Opfertag vorschlug.
Der europäische Dachverband der Opferhilfeeinrichtungen „Victim Support Europe“
plant in Kooperation mit der EU, den Opfertag europaweit zu institutionalisieren.
II. Österreich
Am 22. Februar 2011 wurde in Österreich erstmals der „Tag der Kriminalitätsopfer“
begangen. Die damalige Innenministerin Dr.in Maria Fekter hat die Anregung des
WEISSEN RINGS aufgenommen, diesen Tag künftig alljährlich im BMI zu
veranstalten. Diese Initiative wurde von Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner
fortgeführt. Die Fachveranstaltungen sollen das öffentliche Bewusstsein für die
Situation von Kriminalitätsopfern stärken und Opfer dazu motivieren, Hilfe von
einschlägigen Einrichtungen in Anspruch zu nehmen.
Der „Tag der Kriminalitätsopfer“ ist jeweils aktuellen Themen gewidmet:
 2011 stand der Opfertag anlässlich des „Europäischen Jahres der
Freiwilligenarbeit“ im Zeichen jener Vereine, die mit ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Österreich Opfer unterstützen.
 2012 gab der „Vorschlag für die Richtlinie des Europäischen
Parlaments und des Rates über die Mindeststandards für die Rechte
und den Schutz von Opfern von Straftaten sowie für die Opferhilfe“ den
thematischen Rahmen.
 2013 stand die besondere Opfergruppe der Seniorinnen und Senioren
im Mittelpunkt.
 2014 standen Zeugen von Verbrechen im Mittelpunkt des Tages der
Kriminalitätsopfer, die zwar nicht direkt Opfer einer Straftat geworden
sind, aber in den meisten Fällen nicht weniger traumatisiert sind.
 2015 widmet sich der Kriminalitätsopfer-Tag den Jugendlichen und
jungen Erwachsenen, die von Straftaten im öffentlichen Raum betroffen
sind.
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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2.
TAG DER KRIMINALITÄTSOPFER 2015
Junge Opfer von Straftaten im öffentlichen Raum
Der Tag der Kriminalitätsopfer 2015 widmet sich dem Thema „Jugendliche als
Betroffene von Straftaten im öffentlichen Raum“. Internationale Studien und die
Erfahrungen von Opferhilfeeinrichtungen zeigen, dass junge Menschen im Alter von
15 bis 25 Jahren von dieser Art der Kriminalität besonders betroffen sind. Die Praxis
zeigt aber auch, dass Angehörige dieser Altersgruppe nur selten spezialisierte
Einrichtungen aufsuchen, um Hilfeleistungen und Unterstützung in gerichtlichen
Verfahren und darüber hinaus zu erhalten.
Die diesjährige Veranstaltung zum Tag der Kriminalitätsopfer greift diese Problematik
nicht nur thematisch auf, sondern bindet die betreffende Zielgruppe aktiv ein.
2.1. BEGRÜSSUNG UND ERÖFFNUNG
MAG. MAG (FH) KONRAD KOGLER
GENERALDIREKTOR FÜR DIE ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene waren 2013 in fast vierzig Prozent der
Fälle Opfer von Gewaltverbrechen. Zu den häufigsten Delikten zählen:
Körperverletzung, Gefährliche Drohung, Nötigung und Raub. Auch wenn es in den
letzten fünf Jahren gelungen ist, diese Zahl um mehr als fünf Prozent zu senken, ist
jedes einzelne Opfer zu viel. Aus diesem Grund unterstützen wir seitens des
Innenministeriums beispielsweise das KIRAS-Projekt JA_SICHER, bei dem es um
mobile Jugendarbeit als Sicherheitsmaßnahme im öffentlichen Raum geht. Das
Bundeskriminalamt unterstützt die ORF Initiative Rat auf Draht und seit Dezember
2014 gibt es ein gemeinsames Projekt zwischen dem Bundeskriminalamt und allen
Mobilfunkbetreibern zum Schutz vor Handyraub. In der Zusammenarbeit mit Schulen
sensibilisieren unsere speziell ausgebildeten Präventionsbeamtinnen und
Präventionsbeamten gemeinsam mit Eltern und Lehrer die jungen Menschen zu
Themen wie Gewalt, Sucht und Internet.
In Justizanstalten wurden Justizwachebedienstete von Angehörigen des
Verfassungsschutzes im Hinblick auf Früherkennung und Prävention von
Radikalisierung sensibilisiert.
Wer Opfer von Gewalt oder anderem kriminellen Verhalten wurde, empfindet oft
Scham und gibt sich selbst am Geschehenen die Schuld. Oft dauert es, bis Opfer
ihre Hemmung überwinden und über das Erlebte sprechen. Wenn diese Opfer ihre
Sprache wiedergefunden haben, sind wir als Gesellschaft gefordert, ihre Sorgen und
Nöte ernst zu nehmen und Hilfe und Unterstützung bei der Rückkehr in ein normales
Leben anzubieten. Eine Veranstaltung wie der Tag der Kriminalitätsopfer zeigt, dass
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Opferschutz nicht bloß ein Lippenbekenntnis ist, sondern Ausdruck einer
nachhaltigen und gemeinsamen Opferschutzpolitik. Opferschutz und Opferhilfe sind
eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der die österreichischen Ministerien
gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und privaten Einrichtungen an einem Strang
ziehen müssen.
HON.-PROF. DR. UDO JESIONEK
PRÄSIDENT DES WEISSEN RINGS
Im Rahmen der Veranstaltung zum Tag der Kriminalitätsopfer wollen wir uns jungen
Menschen als Opfer situativer Gewalt widmen. Wie die Kriminalitätsstatistik zeigt,
sind gerade Jugendliche und junge Erwachsene in diesem Bereich überrepräsentiert,
was ich aus meiner langjährigen Tätigkeit als Präsident des Jugendgerichtshofes
Wien bestätigen kann.
Für die Fälle situativer Gewalt, also der Gewalt außerhalb des häuslichen
Nahbereichs und des Sexualbereiches, worunter vor allem die Opfer von
Raubüberfällen, schweren Körperverletzungen, etc. fallen, fehlen immer noch eine
Reihe von gesetzlichen Begleitmaßnahmen. Der WEISSE RING widmet sich dieser
Deliktsgruppe als einem Schwerpunkt der Opferarbeit und bemüht sich, den Opfern
situativer Gewalt – im aktuellen Fall jungen Menschen, die Opfer von Raub aber
auch anderen Überfällen geworden sind – zu helfen.
Mir ist es daher wichtig, gerade heute und hier zu erwähnen, dass wir uns in nächster
Zeit ganz speziell dieser Opfergruppe zuwenden werden und ich darf Sie alle, vor
allem aber die Mitarbeiter der einschlägigen Ressorts schon heute bitten, uns dabei
tatkräftig zu unterstützen.
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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2.2. STATEMENTS DER MINISTERINNEN UND MINISTER
RUDOLF HUNDSTORFER
BUNDESMINISTER FÜR ARBEIT, SOZIALES UND KONSUMENTENSCHUTZ
Die inzwischen mehr als 40-jährige Geschichte des Verbrechensopfergesetzes ist
eine Geschichte des ständigen Ausbaus und der Verbesserung seiner Leistungen.
Im Vorjahr waren rund fünf Prozent aller Opfer Jugendliche. Sie waren überwiegend
männlichen Geschlechts. Bei den Delikten dominierten Überfälle im öffentlichen
Raum, Auseinandersetzungen in Lokalen und Sexualdelikte.
Auch wenn diese Zahl nicht sehr hoch erscheinen mag, begrüße ich den
Schwerpunkt dieser Tagung, denn es geht nicht nur um bestmögliche Betreuung der
Opfer – sondern auch um Prävention, sei es in der gemeindenahen Jugendarbeit
oder in den Schulen. Hier ist es ganz besonders wichtig, dass alle betroffenen
Akteure gut zusammenarbeiten, um drohender Radikalisierung und
Gewaltbereitschaft vorzubeugen.
Was die Betreuung der Opfer nach einem Verbrechen betrifft, stehen wir kurz davor,
die Leistungen bei der Übernahme der Kosten von psychischen Behandlungen zu
optimieren. Den seelischen Schmerz, den ein Verbrechensopfer ertragen muss, kann
der Staat nicht ungeschehen machen, aber er kann helfen – schnell und effizient,
durch professionelle Unterstützung. Wir kommen damit dem Auftrag des
Regierungsprogramms nach, in dem die Weiterentwicklung des
Verbrechensopfergesetzes vorgesehen ist. Wie wichtig die Leistungen des
Verbrechensopfergesetzes sind, sieht man auch an der 16-prozentigen Steigerung
des Aufwandes im Vorjahr.
GABRIELE HEINISCH-HOSEK
BUNDESMINISTERIN FÜR BILDUNG UND FRAUEN
Gewalt muss bereits vor ihrem Entstehen verhindert werden. Dazu ist es notwendig
Präventionsarbeit in seiner ganzen Breite wahrzunehmen. Mahatma Gandhi sagte
bereits: „Gewalt ist die Waffe des Schwachen.“ Präventionsarbeit darf nicht nur
informieren, sondern muss stark machen. Wir wollen selbstbewusste Kinder und
Jugendliche, die in der Lage sind, sich mit Worten bemerkbar zu machen und fähig
sind, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Wir wollen starke, selbstbewusste Frauen, die sich
gegen Gewalt zur Wehr setzen und wissen wohin sie sich wenden können, wenn sie
Hilfe brauchen.
Bei der PädagogInnenausbildung Neu haben wir mit der Einführung von
verpflichtenden Lehrveranstaltungen zu Konflikt-Prävention, Persönlichkeitsbildung,
Sozialem Lernen, Interkulturalität und Interreligiosität hier schon einen wichtigen
Schwerpunkt gesetzt. Um die Abwehrkräfte der Schülerinnen und Schüler gegen
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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destruktive Ideologien und Gewalt zusätzlich zu stärken, haben wir außerdem erst
kürzlich 300 Workshops für Schulen bereitgestellt.
Als Frauenministerin ist mir aber auch der Kampf gegen Gewalt an Frauen und
Mädchen ein besonderes Anliegen. Mit dem Nationalen Aktionsplan werden wir den
Gewaltschutz in Österreich weiter vorantreiben. Er umfasst konkrete Maßnahmen auf
allen Ebenen, um die Situation der Frauen zu verbessern.
Gewaltschutzeinrichtungen werden bekannter gemacht, Präventionsmaßnahmen
werden ausgebaut und der Opferschutz gestärkt. Dazu gehört beispielsweise auch
die anstehende Reform des Strafrechts 2015 und die laufende
Sensibilisierungskampagne GewaltFREI leben.
Handeln ist das Gebot der Stunde und Präventionsarbeit und Bildung ist im Einsatz
gegen Gewalt ein wirksames Werkzeug. Unser Weg ist Bildung gegen Extremismus,
Konfliktlösung gegen Streit, eine neue Friedenskultur gegen Intoleranz und Hass.
Selbstbewusste, gesunde Kinder und Jugendliche brauchen keine destruktiven
Ideologien und keine Gewalt.
UNIV.-PROF. DR. WOLFGANG BRANDSTETTER
BUNDESMINISTER FÜR JUSTIZ
Nach den jüngsten tragischen Ereignissen in Paris und Kopenhagen, wo Personen
wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer persönlichen Einstellung Opfer von
Terroranschlägen geworden sind, ist es mir ein besonderes Anliegen, am Tag der
Kriminalitätsopfer dabei zu sein. Der heutige Tag gilt all jenen Personen, die durch
eine Straftat Leid und Trauer erfahren mussten und mitunter noch immer zu wenig
beachtet werden.
Dabei fällt besonders bei Jugendlichen die Trennung zwischen Opfern und Tätern oft
schwer. Hier sind Täter manchmal zugleich Opfer, nämlich Opfer mangelnder
Erziehung oder verfehlter Integration und in jüngster Zeit oft genug auch Opfer von
Hasspredigern. Das Bundesministerium für Justiz hat bereits vergangenes Jahr
deutliche Verbesserungen im Bereich der Haft für Jugendliche umsetzen können und
arbeitet weiter daran. So soll heuer noch das Jugendgerichtsgesetz reformiert
werden. Unter anderem sind die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für die
Sozialnetzkonferenz, die Adaptierung der gesetzlichen Grundlagen für die
Jugendgerichtshilfe und mehr gemeinnützige Leistungen als alternative Form des
Vollzugs geplant.
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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MMAG.A DR.IN SOPHIE KARMASIN
BUNDESMINISTERIN FÜR FAMILIEN UND JUGEND
Um zu verhindern, dass Jugendliche Opfer von Straftaten werden, unterstützt das
BMFJ zahlreiche Präventions- und Hilfsmaßnahmen zugunsten junger Menschen.
Einen wesentlichen Beitrag zur Gewaltprävention leistet die außerschulische
Jugendarbeit. Weil Prävention immer auch Beziehungsarbeit ist, muss dabei die
Individualität und Vielfalt der jungen Menschen besonders berücksichtigt werden.
Daher fördert das BMFJ das Bundesnetzwerk Offene Jugendarbeit (www.boja.at)
und dessen Bemühungen für die verstärkte Qualifikation der Jugendarbeiterinnen
und Jugendarbeiter, die für die gezielte Beratung und Unterstützung Jugendlicher
notwendig sind.
Die neu eingerichtete Beratungsstelle Extremismus bietet Beratung, Prävention und
Intervention im Krisenfall an, wenn Jugendliche sich von Ideologien und Religionen
leiten lassen, die mit den Grundsätzen des demokratischen Rechtsstaates nicht in
Einklang zu bringen sind. Die Medien-Jugend-Info des BMFJ vermittelt in
Kooperation mit der Initiative „Saferinternet.at“ jungen Menschen Medienkompetenz
für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet.
Darüber hinaus unterstützt das BMFJ Kinderschutzzentren und Beratungsstellen, die
psychosoziale und juristische Prozessbegleitung für Opfer von Straftaten sowie
Maßnahmen zur Elternbildung für eine gewaltfreie Erziehung anbieten. Informationen
und Hilfestellungen rund um das Thema Gewalt können unter www.gewaltinfo.at
abgerufen werden.
MODERATION:
DR. DINA NACHBAUR, WEISSER RING
Juristin und Soziologin; Teamleiterin des WEISSER-RING-Fachbereichs Opferhilfe und
Opfer-Notruf, zuständig für Opferbetreuung (inkl. Prozessbegleitung) sowie Aus- und
Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEISSEN RINGS.
IN
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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2.3. FACHBEITRÄGE
DR.IN DINA NACHBAUR, WEISSER RING
MAG. BARBARA UNTERLERCHNER, WEISSER RING
A
Präsentation der Ergebnisse der Workshops an Schulen
Von Straftaten im öffentlichen Raum sind junge Menschen im Alter von 15 bis 25
Jahren besonders betroffen. Der Tag der Kriminalitätsopfer greift diese Problematik
nicht nur auf sondern erreicht durch die Einbindung von Jugendlichen einen
partizipativen Ansatz.
Zu diesem Zweck wurden insgesamt vier halbtägige Workshops in der Berufsschule
für Verwaltungsberufe Castelligasse und im Bundesgymnasium 18 in Wien
durchgeführt. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler waren zwischen 15 und
23 Jahre alt, das Geschlechterverhältnis war ausgewogen.
Die zentralen Fragestellungen in den Workshops lauteten:
• Was bedeutet „Opfer sein“ für Jugendliche?
• Welche Bilder und Informationen haben Jugendliche zu diversen Delikten, wie
Stalking, Mobbing und Gewalt?
• Welche Bedürfnisse haben Verbrechensopfer nach einer erlittenen Straftat?
• Was braucht eine Opferhilfeeinrichtung, um Jugendliche anzusprechen?
Dazu wurden Plakate erstellt und per Video kurze Statements von den Jugendlichen
eingeholt. Diese sollen im Zuge der Fachveranstaltung präsentiert werden.
DSAIN MONIKA PINTERITS
KINDER- UND JUGENDANWALTSCHAFT WIEN
Kinder- und Jugendliche als Opfer und als Täter
Zur besonderen Wahrung der Interessen von Kindern und Jugendlichen wurde
basierend auf der UN-Kinderrechtskonvention in jedem Bundesland Österreichs eine
weisungsfreie Kinder- und Jugendanwaltschaft eingerichtet. Wir sehen uns als
Sprachrohr für junge Menschen, arbeiten für sie parteilich, vermitteln bei Konflikten
und bieten Kindern und Jugendlichen rasche und unbürokratische Beratung und
Unterstützung in schwierigen Situationen.
Der Tag der Kriminalitätsopfer befasst sich mit Jugendlichen, die in unterschiedlichen
Bereichen mit dem Gesetz in Berührung kommen. Sehr wichtige Punkte sind hierbei
die Implementierung eines Kinderbeistandes (vor dem 15. Lebensjahr) und die
Prozessbegleitung.
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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Sind Jugendliche straffällig geworden, verbringen sie die U-Haft oft in der
Justizanstalt Wien Josefstadt. Die Situation der Jugendlichen dort erfordert eine
gewissenhafte Beobachtung und Verbesserung der Bedingungen. Die Task Force
Jugendhaft wurde eingerichtet, um zur Verbesserung beizutragen.
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft fordert mehr Geld für Resozialisierung –
eigentlich benötigen Jugendliche nach einem Aufenthalt in einer Justizanstalt eine
Sozialisierung – und mehr Prävention. Weitere Forderungen sind die Schaffung eines
Hauses des Jugendstrafrechts, wie es bereits in Frankfurt am Main besteht, und
unabhängige Monitoring-Instrumente der Kinderrechte.
MAG. MANFRED BUCHNER
MÄNNERBERATUNG WIEN
Burschen in Not? Erfahrungsbericht und Überlegungen aus über zehn Jahren
Unterstützung für gewaltbetroffene Jugendliche
Wenn sich Kinder oder Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind, Erwachsenen
anvertrauen, dann brauchen es ein Gegenüber, das den jungen Menschen zuhört,
diese ernst nimmt und eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft.
Neben Verständnis und Trost brauchen Betroffene eine unaufgeregte, aber klare
Haltung, die ihnen bestätigt, dass erlebte Gewalt Unrecht und nicht in Ordnung ist.
Gemeinsam sollten konkrete Hilfestellungen für die jeweilige Notlage entwickelt
werden. Die Kontaktaufnahme mit einer professionellen Opferberatungsstelle ist hier
ein sinnvoller und oft auch notwendiger Schritt.
In der Männerberatung Wien gibt es seit ca. zehn Jahren Unterstützung für Männer,
die von Gewalt betroffen sind. In einem Fach-Input wird ein Orientierung gebender
Einblick geboten; mit eingeschlossen werden Anregungen für „Laien“ sein, zum
Umgang mit (jungen) Menschen, die sich anvertrauen.
OBERST WOLFGANG HAUPT
WEISSER RING
Opfern eine Stimme geben
Der Begriff des Opfers ist überaus geläufig und scheint zumindest in der
Alltagssprache keiner Erklärung zu bedürfen. Strafprozessual verwendet die
Strafprozessordnung NEU diesen Begriff aber erst seit 2008. Der WEISSE RING
sieht sich als Stimme aller Verbrechensopfer, insbesondere aber der Opfer von
situativer Gewalt. Ungeachtet von Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion, ethnischer
Herkunft oder der Art des Verbrechens hilft der WEISSE RING mit vertraulichen
Gesprächen, kostenloser Rechtsberatung, psychosozialer und juristischer
Prozessbegleitung sowie mit finanzieller Unterstützung in Notfällen. Er stellt seine
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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Erreichbarkeit auch durch seinen weithin bekannten Opfer-Notruf 0800 112 112
sicher.
Bei Gewaltdelikten sind Jugendliche und junge Erwachsene am meisten gefährdet,
zum Beispiel Opfer einer Körperverletzung oder eines Raubes zu werden. "Die
Anzeigebereitschaft ist vor allem bei männlichen Opfern von Raubüberfällen in einem
Alter bis 21 Jahre höher, als bei weiblichen Opfern. Die Gründe für ein
Nichtanzeigen, sind sehr unterschiedlich. Deshalb ist es mein vordringliches Ziel vor
allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Stimme zu geben. Dies kann aus
Sicht der größten österreichischen Opferhilfeorganisation nur gesamtgesellschaftlich
gelöst werden", sagt Oberst Wolfgang Haupt.
Deshalb möchte der WEISSE RING, gemeinsam mit den anderen Stakeholdern,
jene, die einen direkten Zugang zu Jugendlichen haben, motivieren, informieren und
schulen. Als anerkannte Opferhilfeeinrichtung für situative Gewalt täte sich der
WEISSE RING dabei natürlich viel leichter. Denn seine großteils ehrenamtlichen
Professionisten sichern die Qualität der Arbeit durch ihre langjährige Erfahrung,
fundierte Ausbildung und vorbildhaftes Engagement. Schon Johann Wolfgang von
Goethe sagte: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll!“
MODERATION:
ROBIN HAID UND JAMIL SY, BUNDESGYMNASIUM KLOSTERGASSE
Schüler und Workshop-Teilnehmer
3. ÜBER DEN WEISSEN RING
Der WEISSE RING setzt sich seit 1978 für die permanente Verbesserung der
Situation von Verbrechensopfern ein. Österreichs größte Opferhilfeorganisation
unterstützt Opfer mit professioneller Beratung und Betreuung, psychosozialer und
juristischer Prozessbegleitung und leistet im Notfall substanzielle materielle Hilfe.
Ziel ist die rasche und unbürokratische Unterstützung von Opfern von Straftaten.
1. Ziel der gesamten Tätigkeit des Vereines ist es, die von der öffentlichen Hand
oder von privaten Organisationen entfalteten Bemühungen um soziale Hilfe für
Kriminalitätsopfer und im Interesse der Verhütung strafbarer Handlungen zu
unterstützen.
2. Der WEISSE RING sieht es als seine Aufgabe, sich für Anliegen von Opfern
krimineller Verhaltensweisen einzusetzen, die Ursachen zu erforschen, die
Personen zu Opfern strafbarer Handlungen machen, und präventive
Maßnahmen zu fördern.
3. Der WEISSE RING hilft dabei, dass der Zugang und die Inanspruchnahme
von Unterstützungen gewährleistet ist, und unterstützt Opfer bei der
Durchsetzung ihrer Rechte.
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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4. Ziel des WEISSEN RINGS ist außerdem, ein Klima des respektvollen
Umgangs mit Opfern zu schaffen und die Opferrechte auf nationaler und
internationaler Ebene kontinuierlich zu verbessern.
Im Jahr 2014 verzeichnete der WEISSE RING insgesamt rund 24.000 Opferkontakte.
Der WEISSE RING setzt sich für alle Opfer von Verbrechen ein, ungeachtet des
Alters, des Geschlechts, der Nationalität oder der Art des Verbrechens. Einer der
Schwerpunkte der Opferhilfe liegt in der Unterstützung junger Verbrechensopfer.
JUNGE VERBRECHENSOPFER
Von Straftaten im öffentlichen Raum sind vor allem junge Menschen im Alter von 15
bis 25 Jahren betroffen. Das belegen aktuelle, internationale Studien, die
Erfahrungen vieler Opferhilfeeinrichtungen und die Ergebnisse zahlreicher Gewaltund Kriminalitätsstudien. Die Praxis zeigt, dass diese Altersgruppe jedoch nur selten
spezialisierte Einrichtungen aufsucht, um Hilfeleistungen und Unterstützung in
gerichtlichen Verfahren zu erhalten. Junge Menschen schämen sich oft, ein „Kinder“Schutzzentrum aufzusuchen.
Gerade in der Zeit des Erwachsenwerdens beeinträchtigt die Erfahrung von Angst
und Ohnmacht drei für dieses Alter wichtige Entwicklungsschritte: Die Herausbildung
der eigenen Identität, die Ablösung von der Ursprungsfamilie und die Entdeckung
größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge. Jungen Erwachsenen bietet daher der
WEISSE RING die Möglichkeit, sich vollkommen vertraulich und anonym beraten zu
lassen.
OPFER-NOTRUF
Im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz betreibt der WEISSE RING
den jederzeit erreichbaren, gebührenfreien Opfer-Notruf 0800 112 112 als
erste, zentrale Anlaufstelle für Opfer und deren Angehörige. Der WEISSE
RING ist auch über die Europäische Hotline 116 006 erreichbar.
4. LINKS
www.bmi.gv.at
www.bmask.gv.at
www.bmj.gv.at
www.bmwfj.gv.at
www.boja.at
www.frauenhaeuser-wien.at
www.gewaltinfo.at
www.kija.at/
www.maenner.at/
www.weisser-ring.at
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5. PRESSEKONTAKT
Bundesministerium für Inneres
Abteilung I/5 (Kompetenzcenter Kommunikation)
1010 Wien, Herrengasse 7
Tel.: +43-1-53126-2488
[email protected]
WEISSER RING
Mag.a Elisabeth Sandbichler
1090 Wien, Nussdorfer Straße 67
Tel.: +43-699-134 34 021
[email protected]
Tag der Kriminalitätsopfer, 20. Februar 2015
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