NPInterview VW muss sich jetzt bei Dieselgate beeilen von Claudia Brebach HANNOVER. Der Automarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Uni DuisburgEssen, sieht nach der US-Wahl erhebliche Probleme vor allem auf Volkswagen zukommen. Im NP-Interview beschreibt er auch die weltweiten Auswirkungen einer möglichen protektionistischen Haltung der USA. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen erwarten Sie nach der Wahl von Donald Trump? Dudenhöffer: Es wird schwerer für Nicht-US- Unternehmen, in den USA zu verkaufen. Trump könnte versuchen - oder wird versuchen -, Handelshemmnisse aufzubauen. Das hat er seinen Wählern im Rust Belt ja versprochen. Damit sind die Autobauer mit US-Fabriken auf der Gewinnerseite. Davon profitieren ganz klar die Opel-Mutter General Motors, Ford, FiatChrysler. Aber auch BMW und Daimler haben wichtige Werke dort, während der VWKonzern eher außerhalb der USA - bei den Mexikanern oder in Lateinamerika - seine Werke hat. Auch Toyota, Honda, Nissan sind in den USA gut mit Werken vertreten. Schwer würde es bei Handelshemmnissen für Volvo, Jaguar-Landrover, Mazda, Mitsubishi werden. Auch für den VW-Konzern wären Handelshemmnisse nicht leicht. Wie muss Volkswagen wegen des Abgas Skandals reagieren? Dudenhöffer: Für den VW-Konzern wäre es jetzt tatsächlich sehr wichtig, die DieselgateThemen bis Frühjahr 2017 unter Dach und Fach zu haben. Ein Problem könnte da jedoch Audi mit seinen 3,0-Liter-Motoren und den neuen Vorwürfen bei Benzinern werden. Hintergrund ist: Wenn bis zum Ende der Obama Administration der Fall nicht gelöst wird, muss sich die neue Administration in das Thema einarbeiten. Das dauert. VW wäre also erstens deutlich länger mit den Problemen - auch in der Öffentlichkeit - konfrontiert. Der Konzern käme damit in den USA viel langsamer auf die Füße. Zum Zweiten wissen wir heute nicht, wie die neue Administration reagiert. "Make America great again" deutet ja nicht unbedingt auf einen netten Umgang mit "Nicht-Amerikanern" hin. Schon gar nicht mit Unternehmen, die US-Gesetze verletzt haben und im Wettbewerb zu Detroit Autos etwa aus Mexiko verkaufen. Also hat VW ein doppeltes Risiko. Trump muss seine Wahlversprechen einlösen. So wie er bisher reagiert hat, sucht er sich dafür ein Exempel. Was steht Mexikos Wirtschaft bevor? Dudenhöffer: Das neue Eldorado der Autoindustrie könnte leiden. Seit fünf Jahren erlebt Mexiko einen regelrechten Produktionsboom. Die Prognosen waren, dass bis 2025 gut fünf Millionen Autos in Mexiko gebaut werden. Das könnte jetzt gebremst werden, wenn Trump seine Mexikaner-Politik wirklich umsetzt und das Nafta-Abkommen ändern würde. Er dürfte dann ganz klar Detroit und dem Rust Belt sagen: Ihr habt mich gewählt - und ihr baut in Zukunft die Autos für die Amerikaner. Aber das wäre ein mittelfristiger Effekt. Hat die Wahl Folgen für die technologische Entwicklung? Dudenhöffer: Ich fürchte, mit Trump wird der Klimaschutz nachrangig. Das wäre eine große Bremse für das Elektroauto in den USA und damit natürlich auch für Tesla. Subventionen auf Bundesebene für Elektroautos könnten zurückgenommen werden, der Ausbau der Ladeinfrastruktur verlangsamt - kein gutes Szenario für die Gigafactory von Tesla. Die USA könnten in Kalifornien-Klima und den Rest geteilt werden, das alte Amerika mit dicken V8Motoren. In Silicon Valley dürfte der Technologiefortschritt damit gebremst werden. Das wäre die große Chance für die Chinesen. Ich fürchte, mit Trump wird der Klimaschutz nachrangig. Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer EXPERTE: Ferdinand Dudenhöffer prophezeit schwere Zeiten für VW. Mehr dazu im neuen Buch „Wer kriegt die Kurve?“
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