Steirische Erntebilanz 2016

Presseinformation
Graz, 18. Oktober 2016
Ernte-Bilanz der wichtigsten Kulturen
Grünland: Viel Futter – schwierige Heuernte
Beachtliche Regenfälle bringen hohe Grünlanderträge bei durchschnittlichen Qualitäten
Durch die anhaltend gute Wasserversorgung brachte jeder Schnitt gute bis sehr gute Erträge.
Aufgrund der feuchten Bedingungen war die Befahrbarkeit der Wiesen nur eingeschränkt möglich und
die Heuernte schwierig. Die Silage- und Heuqualitäten sind heuer durchschnittlich bis sehr gut. Die
Versorgungslage mit Grundfutter ist steiermarkweit ausreichend.
Zahlen und Fakten. Die steirischen Bauern bewirtschaften 175.082 Hektar Dauergrünland sowie
40.125 Hektar Almen und Bergmähder (Almfutterflächen).
Markt und Preise. Die gute Futterversorgung führt zu einer stagnierenden Nachfrage nach Raufutter
aller Art. So kostet Heu in Großballen derzeit rund 14 bis 20 Euro je 100 Kilogramm (2014: 16 bis 18
Euro), Silageballen rund 25 bis 31 Euro bei einem Durchmesser von 125 Zentimetern ab Hof (2014:
28 bis 33 Euro).
Mais: Sehr unterschiedliche Erträge – Ursache: Frost und Hagel!
13.000 Hektar durch Frost und Hagel geschädigt
Auslöser dieser großen Ertragsunterschiede sind die Frosttage im April und Mai sowie die
Hagelereignisse, die rund 13.000 Hektar Maisfläche schädigten. Der Maiswurzelbohrer zeigte sich,
wie im Vorjahr, nur auf sehr wenigen Flächen von seiner gefährlichen Seite mit Lagerschäden. In
nicht geschädigten Gebieten war der Maisertrag um fünf bis zehn Prozent über dem
Vorjahresniveau.
Der Körnermais lieferte im vergangenen Jahr, laut Statistik Austria, in der Steiermark
durchschnittlich 11,75 Tonnen pro Hektar. Für 2016 wird der Hektarertrag trotz großer
Unterschiede auf einem Niveau von zwölf Tonnen pro Hektar landen. Für viele Maisflächen auf
schweren Böden wird vermehrt, die seit Jahren fehlende gute Frostgare, über dem Winter zum
Problem. Der Luftmangel auf diesen Standorten führt zu empfindlichen Ertrags einbußen. Zum
größten Problem arten jedoch die immer häufiger werdenden Unwetter und Extremtemperaturen
aus. Bei den Hagelschäden werden nicht nur Ertragsausfälle von 70 bis 100 Prozent verzeichnet,
sondern auch gravierende Qualitätsmängel.
Maiswurzelbohrer zeigt auch heuer nur kleinräumig Schäden. Die umfangreichen
Bekämpfungsstrategien gegen den Maiswurzelbohrer zeigen auch heuer ihre Früchte. Eine frühe
Aussaat, Fruchtfolge, der Einsatz von Granulaten und die Bekämpfung der Käfer zur Zeit der
Maisblüte haben das Schadausmaß im heurigen Jahr praktisch auf wenige liegende Maisflächen
reduziert.
Zahlen und Fakten. Die steirischen Ackerbauern setzen verstärkt auf Fruchtfolge. Trotz einer
leichten Steigerung der Anbaufläche von Körner- und Silomais um sechs Prozent im Vergleich
zum Vorjahr auf 55.154 Hektar, nimmt die Maisfläche weniger als 50 Prozent der steirischen
Ackerfläche ein. Im Vergleich zu 2013 ergibt sich nach wie vor eine Reduktion von 22,2 Prozent
(2013: 70.812 Hektar). Trotz allem ist Mais damit immer noch die wichtigste Ackerkultur und
gleichzeitig eine unverzichtbare Futtergrundlage für Schweine, Rinder und Geflügel.
Markt und Preise. Die Rekorderträge bei Getreide im Osten Europas und sehr gute Maiserträge in
Übersee haben die Maispreise, trotz katastrophaler Ertragslage bei Getreide in Mitteleuropa, sinken
lassen. Österreich ist Nettoimporteur von Mais, die Produktion kann den Eigenbedarf nicht decken.
Für die derzeitige Ernte werden Erzeugerpreise von etwa 125 Euro je Tonne trocken, netto, frei
Landesproduktenhandel erzielt.
Getreide: Die Erträge standen im Zeichen des Frostes und des
späten Schnees
Die Gerste überraschte trotz Frost im Durchschnitt positiv, während der Weizen und Triticale
im Ertrag verloren
Bei Gerste gab es auch heuer Spitzenerträge von bis zu zehn Tonnen je Hektar. Im Durchschnitt ist
der Ertrag jedoch um fünf Prozent zum Vorjahr (Durchschnittsertrag laut Statistik Austria 2015:
62,3 Tonnen pro Hektar) gefallen. Bei Weizen waren Ertragsminderungen von durchschnittlich zehn
bis 15 Prozent unerwartet höher (Durchschnittsertrag laut Statistik Austria 2015: 67,8 Tonnen pro
Hektar), weil der Frost auch die Kornfüllung negativ beeinflusste und damit deutlich niedrigere
Tausendkorngewichte von nur 25 bis 30 Gramm (langjähriger Durchschnitt 40 bis 45 Gramm)
auslöste. Am schlimmsten erwischte es Triticale aufgrund der Frostschäden in der Obersteiermark.
Ausfälle von über 15 Prozent im Durchschnitt waren leider keine Seltenheit.
Pflanzenschutz aufgrund der hohen Niederschläge ertragsentscheidend. Die permanenten
Niederschläge machten auch den Pflanzenschutz bei der Pilzbekämpfung zum unverzichtbaren
Werkzeug im Getreidebau. Ertragsausfälle von über 50 Prozent ohne Pflanzenschutz waren in der
Praxis und in Exakt-Versuchen feststellbar.
Zahlen und Fakten. Die Getreideanbaufläche betrug in der Steiermark im Erntejahr 2016 rund
27.818 Hektar und ist somit gegenüber 2015 (29.471 Hektar) um 5,61 Prozent gefallen.
Ausschlaggebend dafür waren die guten Vertragspreise für Ölkürbis (Flächenzunahme: 7,26 Prozent)
und der wieder leicht gestiegene Maisanbau.
Markt und Preise. Die Erzeugerpreise waren im Vergleich zum Vorjahr, wie bereits erwähnt,
deutlich niedriger. Die Futtergetreidepreise erreichten auf Erzeugerebene 110 Euro exklusive
Umsatzsteuer je Tonne. Besser bezahlt mit über 140 Euro je Tonne exklusive Umsatzsteuer, aber
dennoch unter dem Niveau des Vorjahres, wurde Qualitätsweizen. Dieser findet im Rahmen der
Vulkanlandweizen-Produktion immer größere Beliebtheit.
Rapsflächen haben zugelegt
Viele Bestände durch Schnee geknickt. Überraschend gute Erträge bei Flächen,
die sich erholt haben
Raps war von dem Frostereignis Ende April und von den Schneefällen im Süden besonders stark
betroffen. Der schwere Schnee hat viele Bestände unter dieser Last zum Knicken gebracht. Jene
Rapsflächen, welche sich wieder erholt und aufgerichtet haben und nicht umgebrochen werden
mussten, erreichten überraschend hohe Erträge von bis zu vier Tonnen je Hektar. Immer beliebter
wird der Rapsanbau nach frühräumenden Mais.
Zahlen und Fakten. Die Erntefläche 2016 betrug 319 Hektar, das waren 431,67 Prozent mehr als im
Vorjahr. Damit liegen wir aber noch weit von den hohen Flächenausmaßen vergangener Jahre mit
mehr als 600 Hektar entfernt.
Markt und Preise. Raps wird vermehrt vermarktet, in der Steiermark wird immer weniger zu
Biodiesel verarbeitet. Der Erzeugerpreis liegt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 310 Euro je
Tonne exklusive Umsatzsteuer.
Hopfen: Durchschnittliche Ernte
Von Frost halbwegs erholt
Die Erntemenge 2016 beträgt heuer 172 Tonnen. Der Gesamtertrag der Ernte liegt damit um
43 Tonnen über dem Ertrag des schlechten Jahres 2015. Das Wetter für die Hopfenkultur war heuer
ideal. Von den Frostschäden hat sich die Kultur aber wieder halbwegs erholt. Außerdem gab es auch
noch Hagelschäden.
Die Premiummarke „Reininghaus Jahrgangspils“ wird ausschließlich mit Leutschacher Hopfen
gebraut, aber auch für die anderen klassischen, traditionellen Biere der großen steirischen
Brauereien wird bereits großteils heimischer Hopfen verwendet.
Zahlen und Fakten. Der steirische Hopfen wird von 13 Landwirten auf einer Fläche von 95 Hektar
im Vertragsanbau erzeugt.
Sehr gute Niederschläge sichern hohe Sojaerträge
Fläche wegen schlechter Vorjahres-Ernte zurück gegangen
Die Sojabohne hat am deutlichsten durch die neue EU-Agrarpolitik durch ihre Anerkennung als
Greening-Kultur profitiert. Die Fläche ist heuer dennoch, aufgrund der schlechten Erträge des
Vorjahres, auf 3.561 Hektar gefallen. Das bedeutet ein Minus von 32,39 Prozent. Die Erträge waren
heuer, anders als im Vorjahr, von den hohen Niederschlägen begünstigt. Während im Vorjahr laut
Statistik Austria durchschnittlich 3,59 Tonnen je Hektar geerntet wurden, dürften heuer zehn bis 20
Prozent mehr an Ertrag möglich sein. Die Vier-Tonnen-Marke könnte fallen.
Hirse: Sehr gute Erträge mit hoher Qualität
Hirse kann Mais als Schweine- und Geflügelfutter teils ersetzen
Die günstigen Befruchtungsbedingungen haben die Ertragsbildung positiv beeinflusst, sodass Erträge
zwischen neun und ausgezeichneten zwölf Tonnen trocken je Hektar eingebracht werden. Die
Qualitäten sind durchwegs hervorragend. Hirse wurde auf rund 1.732 Hektar angebaut, gegenüber
2015 (2.569 Hektar) ist das eine Reduktion um 32,5 Prozent. Fütterungsversuche zeigen, dass Hirse
Mais als Geflügel- und Schweinefutter in hohem Umfang ersetzen kann.
Erdäpfel: Gute Erträge bei späten Kartoffeln
Frost bei Frühkartoffeln – Preise im Keller
Die Erträge bei Frühkartoffeln standen im Zeichen des Frostes. Einerseits wurde um 33 Prozent
weniger geerntet (2015: 26 Tonnen je Hektar) und andererseits kam die Ware später auf den Markt.
Die Preise hielten sich aber auf dem Vorjahresniveau von 36 Cent je Kilogramm. Bei den späten
Kartoffeln waren die Erträge mit plus zehn Prozent sehr gut (2015: 45 Tonnen je Hektar). Die Preise
sind jedoch auf elf Cent von 18 Cent im Vorjahr eingebrochen.
Die Kartoffelfläche ist von 586 Hektar auf 706 Hektar (plus 20,48 Prozent) deutlich gestiegen.
Zuckerrübe: Gute Ernte durch gute Niederschlagsverteilung
Die Ernte ist noch im Laufen. Es ist aber generell mit einer guten Ernte zu rechnen. Heuer wurde
teilweise schon ein Rübenertrag von über 100 Tonnen pro Hektar erzielt.
Obstbau: Frost zerstört Großteil der Ernte
Betroffen sind alle Obstarten. Die Schäden und der Produktionsausfall
differieren nach Obstart, Lage und Standort. Gesamthaft sind die
Produktionsausfälle aber enorm groß
Beerenobst
Erdbeeren im Schnitt minus 50 Prozent. Die Erdbeerernte fiel um durchschnittlich 50 Prozent
niedriger aus als im langjährigen Schnitt, einzelne Betriebe verzeichneten auch einen wirtschaftlichen
Totalausfall. Erdbeeren wurden im heurigen Jahr während der Hauptsaison um zehn Prozent höher
abgerechnet als im Vorjahr.
Stachelbeeren im Schnitt minus 40 Prozent. Im heurigen Jahr wurden durchschnittlich um etwa 40
Prozent weniger Strauchbeeren geerntet als im Vorjahr. Die Schwankungsbreite der Ausfälle war je
nach Lage groß – so gab es Anlagen mit irrelevantem Ertragsverlust ebenso wie Totalausfälle. Die
stärksten Verluste waren bei Stachelbeeren und Schwarzen Johannisbeeren zu verzeichnen.
Himbeeren, Brombeeren, Rote Johannisbeeren (Hauptsorte Rovada) und Heidelbeeren wurden in der
Regel zwischen 30 und 50 Prozent geschädigt.
Markt und Preise: Preismäßig wirkte sich der Frost unterschiedlich aus. Sommerhimbeeren wurden
nur unwesentlich besser als im Vorjahr, jedoch um zehn Prozent besser als im langjährigen Schnitt
abgerechnet. Für Schwarze Johannisbeeren für den Frischverzehr wurde sogar geringfügig weniger
als im Vorjahr, jedoch immer noch gute vier Euro pro Kilo bezahlt. Die für die Steiermark wichtigen
Roten Johannisbeeren und Heidelbeeren wurden mit rund zehn Prozent über dem guten
Vorjahresniveau abgerechnet.
Zusammenfassend konnten die höheren Preise die niedrigeren Erntemengen nicht wettmachen,
jedoch – vor allem bei den Strauchbeeren – die Einnahmenverluste etwas verringern. Im Bereich
Erdbeeren wurde die allgemein schwierige wirtschaftliche Situation durch das heurige Jahr nochmals
verschlimmert.
Steinobst: Vielfach Totalausfälle
Marille, Kirsche, Zwetschke. Beim Steinobst liegen die Produktionsausfälle bei Marille,
Kirsche und Zwetschke, mit Ausnahme einzelner Anlagen, meist zwischen 80 und 100 Prozent –
vielfach gab es Totalausfälle. Die Erntemengen sind häufig so gering, dass keine „Vermarktung“
stattfindet – die kleinen Mengen werden verarbeitet oder finden im nahen Umfeld des Betriebes
Aufnahme.
Pfirsiche: Minus 75 Prozent. Nur geringfügig besser ist die Situation beim Pfirsich – aber auch hier
ist ein Produktionsausfall auf mehr als 90 Prozent der Fläche von über 75 Prozent
(Schadensfeststellung durch Sachverständige) zu registrieren.
Kernobst: Extrem kleine Apfelernte wegen Frost
Die Kernobsternte 2016 fällt frostbedingt wie erwartet extrem klein aus
Äpfel: Beim Apfel besonders stark betroffen sind die Sorten Gala, Elstar, Jonagold, Idared und
Braeburn. Die Sorten Golden Delicious und Pinova/Evelina sowie ohnehin geringe Mengen von
Kronprinz Rudolf scheinen dem Frost noch am besten standgehalten zu haben, wobei auch hier
neben deutlich geringeren Erntemengen vor allem extreme Qualitätseinbußen zu verzeichnen sind.
Wo Früchte vorhanden waren, kann oftmals Tafelobstqualität durch Berostung, Frostzungen und
Fruchtdeformationen nicht erreicht werden.
Gedämpfte Preiserwartungen. Die Preiserwartungen sind trotz geringer österreichischer
Erntemenge gedämpft, da durch die Kleinräumigkeit des Frostereignisses viele große Anbaugebiete
unberührt blieben und die europäische Erntemenge dementsprechend hoch ist.
Überdurchschnittliche Erntekosten. Die Ernte selbst gestaltet sich nach diesem herausfordernden
Produktionsjahr ebenso schwierig: Durch fehlende Mengen und dadurch schwierigere Auslastung von
Personal und Maschinen kommt es zudem zu überdurchschnittlichen Erntekosten pro Kilogramm,
wobei auch das Sortieren der unterschiedlichen Qualitäten (Tafelobst, verschiedene
Verarbeitungsqualitäten wie Schäl- oder Musware, Pressobst) zusätzliche Kosten verursacht
Birnen: Situation hoch prekär. Bei Birnen ist die Situation aufgrund der höheren
Frostempfindlichkeit noch prekärer. Nahezu alle Sorten sind stark betroffen, äußerlich schöne Ware
weißt aber große Qualitätsmängel auf.
Holunder: Vor allem Frühsorten stark von Frost geschädigt
Bei der mit rund 1.250 Hektar flächenmäßig zweitstärksten steirischen Obstart hat sich die
ursprüngliche Hoffnung, dass der Holunder durch den Frost nicht geschädigt ist, leider nicht bestätigt.
Besonders bei Frühsorten mussten (oft erst während der Ernte) beträchtliche Ernteminderungen
festgestellt werden: Kleine Dolden, schwacher Behang, starkes Ausrieseln. Die Steirische
Beerenobstgenossenschaft bündelt fast 100 Prozent der steirischen Holunderproduktion und
verzeichnet bei einem theoretischen Produktionspotential von rund 10.000 Tonnen heuer eine
tatsächliche Holunderernte in der Steiermark von weniger als 6.000 Tonnen.
Dramatische Auswirkungen für Obstbauern und
Vermarktungsorganisationen
Die Folgen für viele Obstbaubetriebe sind dramatisch: Keine Obsternte bedeutet einen
Einkommensausfall für ein ganzes Jahr, die Kosten für die Kulturführung, für Pflanzenschutz und
Betriebsführung sowie die Lebenshaltungskosten für die bäuerliche Familie sind aber fast unverändert
zu bestreiten.
Beispielhaft für viele andere sei ein Acht-Hektar-Vollerwerbs-Obstbaubetrieb genannt, der
durchschnittlich 40.000 bis 50.000 Kilo Äpfel je Hektar erntet. Heuer erntet er im Durchschnitt 1.000
bis 1.500 Kilo je Hektar – aufgrund der geringen Menge und wegen äußerer Qualitätsmängel durch
den Frost (Berostungen, Fruchtdeformierungen, Frostringe) ist eine Vermarktung über den
Lebensmitteleinzelhandel nicht möglich.
Hingewiesen wird auch auf die Auswirkungen dieser Frostkatastrophe bei VermarktungsOrganisationen: In den Vermarktungs-Betrieben muss der Personalstand im nächsten Jahr zumindest
zeitweise reduziert werden, um dann hoffentlich mit der Ernte 2017 wieder voll weiterlaufen zu
können.
Wein: Kleinste Weinernte seit 50 Jahren – aber kostbarer
Tropfen
Voraussichtlich nur ein Fünftel einer Normalernte. Weinjahr 2016 verspricht einen auffallend
fruchtbetonten Jahrgang mit harmonischer Säure
Zweiter Austrieb: Viel kleinere Trauben. Auf Grund des Frostereignisses und des daraus
resultierenden zweiten Austriebes waren die zu erntenden Trauben viel kleiner als in den
vergangenen Jahren. Laut derzeitigen Schätzungen wird die steirische Ernte maximal 50.000
Hektoliter betragen.
Normalernte liegt bei 250.000 Hektoliter. Eine mengenmäßige Normalernte für die Steiermark liegt
mittlerweile auf Grund der aktuellen Weinbauflächen bei etwa 250.000 Hektolitern. Das heißt fünf
Jahre hintereinander (2012 bis 2016) waren die steirischen Weinernten mengenmäßig unter den
Erwartungen.
Die Weinernten im Vergleich: 214.040 Hektoliter (2015), 198.700 Hektoliter (2014), 220.000 Hektoliter
(2013), 213.000 Hektoliter (2012), 295.000 Hektoliter (2011, historisch größte Weinernte der
Steiermark), 177.000 Hektoliter (2010), 155.700 Hektoliter (2009), 215.000 Hektoliter (2008), 220.000
(2007), 184.363 Hektoliter (2006), 175.668 Hektoliter (2005), 167.321 Hektoliter (2004), 164.379
Hektoliter (2003), 179.316 Hektoliter (2002).
Zuerst mild und warm, danach Frost und Frust. Nach einem milden Winter mit ausreichender
Winterfeuchte konnten die Reben ins Frühjahr starten. Bereits um den 10. April erfolgte der Austrieb,
gefolgt von für diese Jahreszeit hohen Temperaturen mit Tageshöchstwerten von über 20 Grad
Celsius. Vor Eintritt des verheerenden Frostereignisses in der letzten Aprilwoche erreichten die jungen
Rebtriebe oftmals bereits bis zu 20 Zentimeter. Diese jungen grünen Triebe sind durch das
Frostereignis massiv geschädigt worden. Nach einer Phase des Stillstandes der Reben erfolgte Ende
Mai der Wiederaustrieb durch schlafende Knospen beziehungsweise Nebenaugen, die nur in sehr
geringem Umfang fruchtbar sind.
Unterschiedliche Blütezeit. Die Folge war eine verzettelte Blüte. Das heißt: Die wenigen nicht
abgestorbenen Blüten auf den Erstaustrieben verblühten bereits Mitte Juni, wobei die Gescheine aus
dem Nachtrieb bis in den Juli hinein blühten. Ab diesem Zeitpunkt befanden sich unterschiedliche
Reifestadien auf den Rebstöcken. Es konnte davon ausgegangen werden, dass die Weinernte spät
einsetzen würde und in mehreren Lesedurchgängen durchgeführt werden müsste.
Mehr Laubarbeiten. Ausreichende Niederschläge über die Sommermonate und üblich hohe
Sommertemperaturen, kombiniert mit äußerst niedrigen Traubenmengen auf den Rebstöcken,
förderten die Reifeentwicklung der spät blühenden Trauben. Ein weiterer Effekt war, dass durch den
geringen Fruchtansatz die Rebstöcke verstärkt vegetatives Wachstum zeigten und daher mehr
Laubarbeiten in den Weinbergen erforderlich waren.
Kleine Trauben. Die Monate August und September waren eher unterdurchschnittlich feucht und mit
ausreichend Sonnenstunden und Wärme ausgestattet, sodass bereits ab der zweiten Septemberhälfte
mit der Ernte begonnen werden konnte. Die Qualität der geernteten Trauben war hervorragend.
Ausreichend Zuckergehalt bei frischer, lebendiger Säure und wunderbare Fruchtaromen waren
vorherrschend. Mengenmäßig mussten die steirischen Weinbauern zur Kenntnis nehmen, dass zwar
die Anzahl der Trauben auf eine etwas größere Ernte hinwies, jedoch das Gewicht der einzelnen
Trauben weit hinter den Schätzungen lag. Daher konnte heuer die Lese in sehr kurzer Zeit
abgeschlossen werden. Der Jahrgang 2016 wird mit der kleinsten Menge seit über fünfzig Jahren,
aber mit absolut gesunden Trauben sowie hohe Reifegrade mit in die Geschichte eingehen und ein
äußerst kostbarer Tropfen sein.
Zahlen und Fakten: Sauvignon blanc im Vormarsch. Die Sorte Sauvignon blanc ist in der
Steiermark weiter im Vormarsch. Rund die Hälfte der Neupflanzungen macht Sauvignon blanc aus.
Mit 14,7 Prozent ist sie zur zweitwichtigsten Sorte der Steiermark geworden. In der Südsteiermark
führt sie die Pflanzungsstatistik mit 21,1 Prozent bereits an. In der Steiermark kultivieren 2.300
Weinbauern etwa 4.630 Hektar Rebfläche.
Gemüse und Gartenbau
Heuer gutes Käferbohnenjahr
Ernte im November, Zertifizierung für EU-Herkunftsschutz eingeleitet
Im Vergleich zum Vorjahr ist in diesem Jahr mit guten bis sehr guten Erträgen zu rechnen. Lang
anhaltende Hitzeperioden sind ausgeblieben und es war genug Feuchtigkeit vorhanden. Vom Frost
waren nur sehr wenige Betriebe betroffen. In der Steiermark werden auf rund 600 Hektar Käferbohnen
angebaut. Im Käferbohnenanbau gewinnt der Spalieranbau wieder an Bedeutung. Jedoch ist die
Mischkultur mit Mais eindeutig vorherrschend. Die Käferbohne wurde in diesem Jahr auch mit dem
Herkunftsschutz „geschützte Ursprungsbezeichnung g.U.“ ausgezeichnet.
Umsetzung der Herkunftsbezeichnung: In den wenigen Wochen seit der Registrierung im EUHerkunftsschutzregister konnte das Kontrollsystem aufgebaut werden, rund 130 Betriebe mit rund 450
Hektar Anbaufläche sind darin eingebunden. Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, bereits die
Ernte 2016 zertifizieren lassen zu können.
Markt und Preise: durchschnittlich 4,50 Euro
Erntemenge: 544 Tonnen
Grazer Krauthäuptel und andere Salate
Viele Betriebe von Hagel schwer betroffen, aber gute Qualitäten
Aufgrund sehr früher Pflanzung wurde in diesem Jahr im Tunnel früher geerntet. Von den
Frostschäden waren Neupflanzungen sowie „vorgeschädigte“ Bestände stärker betroffen und durch
den Frost war die Ernte zum Teil nicht möglich. Im Mai waren die Qualität und der Absatz gut, jedoch
gab es im Juni bereits durch ein Überangebot Absatzprobleme. Viele Betriebe waren von schwerem
Hagel und Starkregen (200 Liter Niederschlag) betroffen. Trotz häufig schwieriger Anbaubedingungen
konnten die Salatbauern in Summe aufgrund ihrer Erfahrung eine gute Qualität produzieren.
Markt und Preise (KW 40): Grazer Krauthäuptel: 32 bis 35 Cent/Stück, Endiviensalat: 36 bis 30
Cent/Stück, Vogerlsalat: 3,97 bis 4,02 Euro/Kilo, Butterhäuptel: 23 bis 33 Cent/Stück.
Geschätzte Erntemenge Salat gesamt: 5.994 Tonnen, Vogerlsalat: 151 Tonnen, Häuptelsalat: 1.188
Tonnen, Endiviensalat: 349 Tonnen, Eissalat: 3.680 Tonnen.
Chinakohl: Ernte Ende Oktober und November. In der Karwoche war Verkaufsende für Lagerware
aus der Ernte 2015. Bei Sommerchinakohl waren zu Beginn der Ernte die Qualität und das
Preisniveau zufriedenstellend. Den Hauptanteil macht jedoch weiterhin der Herbstanbau aus. Trotz
schwieriger Bedingungen ist er gut gewachsen. Die warme Herbstwitterung war zwar optimal für
Herbstchinakohl, jedoch war das Wachstum durch die fehlenden Niederschläge im Herbst gebremst.
Vieles hängt somit noch von der weiteren Witterung ab. Die Ernte erfolgt erst Ende Oktober und
November.
Zahlen und Fakten: Auf rund 200 Hektar produzieren etwa 50 Bäuerinnen und Bauern.
Erwartete Erntemenge: 9.000 Tonnen
Fruchtgemüse: Paradeiser, Paprika
Sehr durchwachsene Saison. Anbau von Cocktail- und Cherryparadeiser nicht
mehr rentabel
Der Start in die Fruchtgemüse-Saison war heuer geprägt von den Frosttagen Ende April. Die meisten
Paradeiser, aber auch viele Paprika und Melanzani waren bereits gesetzt und so mussten
„Heiznotmaßnahmen“ durchgeführt werden. Die Schäden hielten sich so in Grenzen, es gab nur
einzelbetrieblich starke Ausfälle. In diesen Fällen konnte meist noch rasch nachgesetzt werden. Die
Folgeschäden der Kältetage, aber auch der verhaltenen Temperaturen im Mai, zeigten dennoch im
Verlauf der Saison ihre Auswirkungen. So zeigten sich bei Paradeisern wenige Wochen nach den
Frosttagen an den Früchten erste Kältesymptome und bei Melanzani oder Paprika war das gesamte
Wuchsverhalten der Pflanzen über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt. Der Erntebeginn war im
Vergleich zum Vorjahr in allen Kulturen meist um eine Woche verschoben. Die restliche Saison war
geprägt von starken Temperaturschwankungen innerhalb weniger Tage. Trotz dieser
„durchwachsenen“ Saison wären die Erntemengen zufriedenstellend gewesen. Der Absatz und der
Preis im Lebensmittelhandel waren aber teilweise extrem schlecht. Vor allem bei Paradeisern war, wie
auch in den letzten Jahren schon öfter, der Absatz der limitierende Faktor in der Produktion. So ist
beispielsweise der Anbau von Cocktail- oder Cherryparadeisern bei der heurigen Preissituation künftig
nicht mehr rentabel.
Zahlen und Fakten: Rund 200 Bäuerinnen und Bauern produzieren auf rund 43 Hektar
Fruchtgemüse.
Markt und Preise (KW 40): Paprika grün: 21 bis 25 Cent/Stück, Melanzani: 40 bis 42 Cent/Stück,
Paradeiser: 52 bis 68 Cent/Kilo, Rispenparadeiser: 0,97 bis 1,02 Euro/Kilo.
Erwartete Erntemenge: Paprika: 435 Tonnen, Melanzani: 42 Tonnen, Paradeiser gesamt: 5.534
Tonnen, Paradeiser Freiland: 14 Tonnen, Rispenparadeier: 1.400 Tonnen, Sonstige Paradeiser: 4.120
Tonnen
Steirischer Ölkürbis: Leicht überdurchschnittliche Ernte,
aber auch starke Ausfälle
Top Kürbiskernöl-Qualitäten werden erwartet
Heuer wurden in der Steiermark 16.746 Hektar angebaut, das sind plus sieben Prozent mehr als im
Vorjahr. Rund 3.000 Hektar sind dem Frost Ende April zum Opfer gefallen, sie wurden aber
überwiegend nachgesetzt, was zu zusätzlichen Kosten geführt hat. Aufgrund der regnerischen
Witterung zu dieser Zeit – sie erschwerte den Neuanbau extrem! – und den Hagelschlägen sind rund
2.000 Hektar der Anbaufläche total ausgefallen. Massive Hagelschäden im Juli und August schädigten
rund 4.000 Hektar in Graz- Umgebung, der West- und Südsteiermark sowie im Hartberger Raum. Die
nicht von Wetterkapriolen betroffenen Kürbisflächen entwickelten sich im Steiermark-Schnitt sehr gut.
Die guten Witterungsbedingungen zur Blüte und zur Ernte wirten sich sehr positiv aus. Die Kernqualität
ist hervorragend, die Ernte leicht überdurchschnittlich. Wir erwarten Top Kürbiskernöl-Qualitäten.
Die Erntesaison startete heuer Ende August/Anfang September. Jene Bestände, welche weder von
Frost und Hagel geschädigt wurden, entwickelten sehr gut und es kam zu einer optimalen
Ausreifung der Kürbisse. Die dunkelgrünen, dickbauchigen Kerne mit hohen Ölgehalten brachten
eine herausragende Kernqualität.
Die Bandbreite der Erträge 2016 liegt zwischen 200 bis knapp über 1.200 Kilogramm. Der
Durchschnittsertrag liegt derzeit bei etwa 700 Kilogramm Kernen je Hektar. Die Versorgung mit
Steirischem Kürbiskernöl g.g.A. ist somit trotz der weiter stark steigenden Nachfrage gesichert.
Zahlen und Fakten: Die steirischen Kürbisbauern haben heuer ihre Kürbisanbauflächen auf knapp
16.745 Hektar ausgeweitet. Das ist ein Plus von 7,25 Prozent.
Markt und Preise: Steirische Kürbiskerne g.g.A. Vertragsware: 3,80 bis 4 Euro inklusive
Umsatzsteuer
Erntemenge: 10.655 Tonnen
Kren
Die Ernte beginnt im November beziehungsweise erst im Frühjahr (auch von der Witterung abhängig).
Genaue Angaben sind erst nach der Ernte möglich. Es werden von den Landwirten derzeit gute
Ertragserwartungen gemeldet.
Zahlen und Fakten: Rund 80 Bäuerinnen und Bauern produzieren auf rund 300 Hektar Kren.
Erwartete Erntemenge: 3.945 Tonnen
Zierpflanzen
Aufgrund des schönen Wetters ist der Verkauf von Frühjahrsblühern in der Woche vor Ostern gut
gelaufen. Dieses Jahr war ein früher Verkaufsbeginn der Beet- und Balkonpflanzen (Anfang bis Mitte
April). Der Wintereinbruch in der Kalenderwoche 17 bedingte einen Verkaufsstopp. Danach war ein
schleppender Absatz fast bis Mitte Mai. Nach den Eismännern wurden Beet-, Balkon- und
Gemüsepflanzen bis weit in den Juni verkauft. Der Absatz bei Schnittblumen lief nicht so gut.
Bei Staudenkulturen gab es einzelbetrieblich starke Frostschäden. Eher schleppender Absatz war
beim Gemüse des Jahres (Süße Sissi) und bei der Blume des Jahres (Sunshine reaggee) zu
verzeichnen.
Baumschulen
In vielen Baumschulkulturen wurden enorme Frostschäden festgestellt, vor allem bei Ahorn und
anderen Ziergehölzen. Ein starker Rückschnitt war notwendig. Vor allem Nuss, Kiwi und Wein wurden
stark geschädigt. Später kam es noch zu Spätfolgen des Kälteeinbruchs, dies war am Absterben
ganzer Pflanzen beziehungsweise von Pflanzenteilen zu erkennen. Bedingt durch die Frostschäden
Ende April konnte die starke Nachfrage nur durch Zukauf gesunder Pflanzen abgedeckt werden.