Helaba Volkswirtschaft/Research WOCHENAUSBLICK 30. September 2016 Neue Sorgen REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos Tel.: 0 69/91 32-46 19 [email protected] HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 1 Die Woche im Überblick............................................................................................................. 1 1.1 Wochen-Quartals-Tangente ................................................................................................... 2 1.2 Finanzmarktkalender KW 40 mit Prognosen .......................................................................... 3 2 Im Fokus...................................................................................................................................... 4 2.1 Deutschland: Solides Geschäftsklima .................................................................................... 4 2.2 USA: Spannende Daten ......................................................................................................... 5 2.3 Bundesländer: Im 1. Halbjahr eindeutig im Plus .................................................................... 6 3 Charttechnik ............................................................................................................................... 7 4 Prognosetabelle ......................................................................................................................... 8 1 Markus Reinwand, CFA Tel.: 0 69/91 32-47 23 Die Woche im Überblick Mexikanischer Peso als Seismograf für die US-Wahl Pesos pro USD Differenz in %-Punkten 20,5 4 2 Mexikanischer Peso (linke Skala) 20,0 19,5 0 -2 19,0 -4 18,5 -6 18,0 -8 Umfragewerte Trump minus Clinton (rechte Skala) 17,5 17,0 -12 J Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. -10 F M A M J J A S O Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research Die scharfe Rhetorik Donald Trumps gegenüber Mexiko macht den Peso zu einem Seismografen für die Wahlchancen des Republikaners. Nach dem ersten Rededuell, das Hillary Clinton nach Mehrheitsmeinung der Medien für sich entscheiden konnte, legte der Peso gegenüber dem USDollar zwar kurzzeitig zu, gab allerdings rasch wieder einen Teil der Gewinne ab. Auch aus Sicht der Märkte ist das Rennen um die US-Präsidentschaft weiter offen. Der Vorsprung Clintons in den Umfragewerten ist schließlich hauchdünn und es folgen noch zwei Rededuelle. Auch den Aktienmarkt lässt die immer näher rückende US-Wahl nicht kalt. Schließlich laufen US-Aktien historisch betrachtet unter Demokraten deutlich besser als unter Republikanern (Durchschnitt seit 1945: 1 S&P 500 +10,2 % DEM vs. +4,8 % REP). 1 Siehe dazu ausführlich Aktienmarkt Aktuell „US-Wahl – Richtungsentscheid für Aktien?“ vom 16.09.2016 H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 1 W OCHENAUSBLICK Claudia Windt Tel.: 0 69/91 32-25 00 1.1 Wochen-Quartals-Tangente Beinahe hätten die Aktienmärkte den Krisenmonat September einigermaßen gut überstanden. Selbst wenn sich der deutsche Leitindex DAX mit einem Minus aus der abgelaufenen Handelswoche verabschiedet, so verbleibt im Vormonatsvergleich immerhin ein geringer Zuwachs. Hatte zunächst die überraschende Einigung der OPEC auf eine Kürzung der Ölförderung die Aktienanleger beflügelt, so dämpfte am Ende die Skepsis, ob die Festlegung nationaler Quoten gelingen könne. Trotz positiver Konjunkturnachrichten aus dem Euroraum waren am Ende der abgelaufenen Handelswoche Staatsanleihen als sicherer Anlagehafen stark gesucht. Zu groß ist derzeit die Verunsicherung über den Zustand der deutschen Bankenlandschaft, in deren Mittelpunkt die Deutsche Bank steht. Gerüchte über mögliche starke Einlagenabflüsse schürten die Sorge vor einer erneuten Bankenkrise. Die Rentenmärkte verzeichneten in diesem Sog kräftige Kursgewinne, was die Zinsen für 10-jährige Bundesanleihen spürbar in den negativen Bereich absacken ließ, während 10-jährige US-Treasuries wieder in der Nähe ihres Allzeittiefs rentieren. Konjunkturseitig überwiegen derzeit die positiven Meldungen. Chinas Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe hat sich im September leicht auf 50,1 Punkte verbessert. Seit drei Monaten hält sich dieser Index auf der Expansionsmarke von 50 Punkten, was auf etwas mehr Dynamik in der Produktion schließen lässt. Im Euroraum senden die Frühindikatoren ebenfalls klare Wachstumssignale. So hat das europäische Wirtschaftsvertrauen ein Jahreshoch erreicht, während der ifo-Geschäftsklimaindex seine Vormonatsrückgänge ausgeglichen hat. In der Berichtswoche werden die Daten zu den deutschen Auftragseingängen und zur Industrieproduktion zeigen, ob die negativen Vormonatswerte ebenso ausgeglichen werden können (S. 4). In den USA (S. 5) dürften uns ein weiterer solider Arbeitsmarktbericht sowie eine Rückkehr des ISM-Index in den Expansionsbereich darin bestätigen, dass das BIP-Wachstum im zweiten Halbjahr deutlich besser ausfällt. Zudem hat sich die Angst vor einem Präsidenten Trump zuletzt nicht weiter verstärkt (S. 1). All das spräche für einen gelungenen Oktoberauftakt an den Aktienmärkten, eigentlich. Doch die Sorgen um die europäischen Banken könnten einen Herbststurm entfachen. Finanzmarktrückblick und -prognosen Veränderung seit... 31.12.2015 22.09.2016 aktueller Stand* jeweils gg. Euro, % jeweils gg. Euro Q4/2016 Q1/2017 Q1/2017 US-Dollar -2,6 -0,3 1,12 1,05 1,05 1,05 Japanischer Yen 16,2 -1,0 113 110 115 115 Britisches Pfund -14,7 -0,8 0,87 0,90 0,90 0,90 Schweizer Franken -0,3 0,5 1,08 1,08 1,10 1,10 -0,30 -0,30 -0,30 -0,30 in Bp 3M Euribor -17 % 0 3M USD Libor 23 -3 0,84 0,90 0,90 1,15 10 jähr. Bundesanleihen -75 -12 -0,12 0,10 0,15 0,25 10 jähr. Swapsatz -74 -8 0,25 0,60 0,60 0,70 10 jähr. US-Treasuries -73 -9 1,56 1,90 1,90 2,10 11.200 11.700 12.000 45 48 50 1.500 1.400 1.450 % DAX -4,2 Index -0,3 10.406 % Brentöl $/B 35,1 5,1 49 Gold $/U 24,4 -1,0 1.320 *Schlusskurse vom 29.09.2016 Bei Prognoseänderungen sind die vorherigen Werte in Klammern gesetzt Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 2 W OCHENAUSBLICK 1.2 Finanzmarktkalender KW 40 mit Prognosen Zeit Land Periode Indikator HelabaBloom berg Vorperiode Prognose Consensus Montag, 03.10.2016 16:00 US Sep PKW-Absatz; JR, Mio. 17,3 17,4 16,9 US Sep ISM-Index Verarb. Gew erbe 50,5 50,2 49,4 Aug Erzeugerpreise % m/m % y/y -0,1 -2,1 -0,1 -2,2 0,1 -2,8 Dienstag, 04.10.2016 11:00 EZ 14:05 US Richmond Fed Präsident Lacker Mittw och, 05.10.2016 01:50 US Chicago Fed Präsident Evans 11:00 EZ Aug Einzelhandelsumsätze % m/m, s.a. % y/y, s.a. -0,5 1,5 -0,2 k.A. 1,1 2,4 14:30 US Aug Handelsbilanzsaldo, Mrd. $ -40,0 -41,5 -39,5 15:30 US 16:00 US Sep ISM-Index außerhalb des Verarbeitenden Gew erbes 53,0 53,0 51,4 16:00 US Aug Aufträge in der Industrie; % m/m 0,1 -0,5 1,9 19:00 US 0,3 1,6 0,3 k.A. 0,2 -0,5 255 k.A. 254 1,0 0,5 0,9 k.A. -1,5 -1,2 Minneapolis Fed Präsident Kashkari Richmond Fed Präsident Lacker Donnerstag, 06.10.2016 08:00 DE Aug 14:30 US 01. Okt Auftragseingänge % m/m, s.a. % y/y, s.a. Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Tsd Freitag, 07.10.2016 08:00 DE Aug Industrieproduktion % m/m, s.a. % y/y, s.a. 14:30 US Sep Beschäftigung außerhalb der Landw irtschaft; m/m Tsd. 220 175 151 14:30 US Sep Arbeitslosenquote; % 4,8 4,9 4,9 16:30 US 17:30 US 0,3 2,7 0,2 2,6 0,1 2,4 18:45 US 21:00 US 22:00 US Fed Vize-Präsident Fischer Sep Durchschnittliche Stundenlöhne % m/m % y/y Cleveland Fed Präsidentin Mester Kansas City Fed Präsidentin George Fed Gouverneurin Brainard Quellen: B lo o mberg, Helaba Vo lkswirtschaft/Research H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 3 W OCHENAUSBLICK 2 Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 Im Fokus 2.1 Deutschland: Solides Geschäftsklima Trotz temporärem Gegenwind vom Außenhandel wächst die deutsche Wirtschaft solide. Die Industrieproduktion dürfte im August nach dem Rückgang im Vormonat wieder zulegen. Uneinheitliche Indikatoren Nach dem für die Industrieunternehmen misslungenen Start in das dritte Quartal dürften die Produktionsdaten für August mit einem Vormonatsplus von schätzungsweise 1 % wieder positiver ausfallen (Juli: -1,5 %). So hat sich die Auftragslage in den vergangenen Monaten tendenziell seitwärts entwickelt. Stärkere Produktionsrückgänge sollten deswegen in der Folge wieder aufgeholt werden können. Sowohl das Geschäftsklima als auch der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe zeigen darüber hinaus, dass sich die Situation seit Anfang des Jahres tendenziell verbessert. Dies ist überraschend, da sowohl die deutschen Warenexporte als auch die Importe in den vergangenen Monaten rückläufig waren. Offensichtlich besteht die Erwartung, dass es sich hierbei nur um ein temporäres Phänomen handelt. So notiert das Exportklima auf einem soliden Niveau. Es hat sich in den vergangenen Monaten zudem kaum verändert. Positiv schlägt zu Buche, dass sich die Lage in den Schwellenländern verbessert hat. Die Exporte nach China, die im vergangenen Jahr noch rückläufig waren, legen wieder zu. Unerfreulich für die Außenhändler ist weiterhin die Lage in den USA und die Eurozone erholt sich nur zögerlich. Lage in der Industrie bessert sich leicht Saldo Der deutsche Außenhandel läuft nicht rund Saldo Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Binnennachfrage stabilisiert Nominale deutsche Warenaus- und einfuhren, % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Zur Entspannung in der Industrie dürfte die stabile Binnennachfrage beitragen. Vor allem baunahe Industriebranchen profitieren vom Aufwärtstrend im Wohnungsbau. Die Auftragseingänge signalisieren auch im Wirtschaftsbau eine zunehmende Dynamik. Die Lage im öffentlichen Bau ist volatil. Nach deutlichen Auftragssprüngen zu Jahresbeginn hat sich die Lage dort zuletzt beruhigt. Zunehmende Einkommen und eine günstige Beschäftigungslage führen darüber hinaus zu steigenden Kfz-Neuzulassungen, nicht nur in Deutschland. Auch europaweit sind hier deutliche Zuwächse festzustellen. Der Konsum sorgt weiterhin für ein stabiles Wachstum der deutschen Wirtschaft. Dies gilt sowohl für den privaten als auch für den öffentlichen Bereich. 2016 dürften die öffentlichen Konsumausgaben mit 3,5 % deutlich zulegen, nachdem bereits im Vorjahr ein Plus von real 2,7 % erreicht worden war. U.a. führen zusätzliche Kapazitäten im Bildungswesen und der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu höheren Staatsausgaben. Die extrem starke Flüchtlingszuwanderung 2015 hat aufgrund der notwendigen Bereitstellung von Dienstleistungen im Gesundheits- und Bildungsbereich hierzu beigetragen. Der aktuell deutliche Rückgang der Flüchtlingszahlen sollte allerdings die Dynamik des Staatsverbrauchs bremsen. Trotzdem dürfte allein diese Komponente 2016 rund 0,7 und 2017 etwa 0,3 Prozentpunkte zum deutschen Wirtschaftswachstum beitragen. Unsere Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum von kalenderbereinigt 1,8 % für dieses und 1,6 % für nächstes Jahr hat weiterhin Bestand. H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 4 W OCHENAUSBLICK 2.2 USA: Spannende Daten Patrick Franke Tel.: 069/91 32-47 38 In der Berichtswoche liegt der Fokus klar auf den wichtigsten monatlichen Konjunkturindikatoren: den ISM-Stimmungsbarometern und dem Arbeitsmarktbericht. Die ISM-Einkaufsmanagerindizes für den August lieferten vor vier Wochen Schockergebnisse. Unerwartet fiel der Index für das Verarbeitende Gewerbe unter die Expansionslinie von 50. Der Index außerhalb dieses Sektors ging um vier Punkte auf 51,4 zurück, ein Sechsjahrestief. Diese Werte passen zwar grob zur aktuellen Vorjahresrate beim realen Bruttoinlandsprodukt (1,2 % im Q2, erwartet 1,5 % im Q3), sie werfen aber Fragen hinsichtlich der allseits erwarteten konjunkturellen Belebung im zweiten Halbjahr 2016 auf. Kommt die wirklich? Was sagen uns die ISM-Indizes? Hierbei sollte die Vorlauffunktion dieser Indikatoren nicht überschätzt werden. Die Einkaufsmanagerindizes sind vor allem deshalb „Frühindikatoren“, weil sie zeitlich vor den Wachstumszahlen veröffentlicht werden. Für die Quartalsveränderung des realen BIP haben sie nur einen sehr geringen Erklärungsgehalt. Stattdessen weisen sie eine Gleichbewegung vor allem mit der Vorjahresra2 te auf. Diese ist aber – konstruktionsbedingt – noch nicht mal „gleichlaufend“, sondern nachlaufend, denn für drei Viertel des Jahres, über das der Anstieg berechnet wird, liegen die Daten ja schon lange vor. Dennoch gibt der kräftige Rückgang der Indizes im August, für den kein klarer Grund erkennbar ist, Anlass zur Sorge. Sollten sich die Indizes für September nicht wie prognostiziert verbessern, wäre vor allem unsere Wachstumsprognose für Q4 zu überprüfen. Für Q3 deuten die harten Indikatoren bereits auf eine Wachstumserholung hin (annualisiert rund 3 % gegenüber Vorquartal). Für den September rechnen wir mit einer leichten Erholung des Index für das Verarbeitende Gewerbe (50,5) und einem deutlicheren Anstieg außerhalb dieses Sektors (53,0). ISM: Bisher kein Wendesignal fürs Wachstum Veränderung gegenüber Vorjahr in % 6 Arbeitsmarkt: Passt genau! Index 65 Gewichteter ISM-Einkaufsmanagerindex (rechte Skala) 4 2 % -80 60 -60 55 -40 50 -20 45 0 40 20 35 40 30 60 1980 12 Arbeitsmarkteinschätzung der Verbraucher* (LS) 10 8 6 0 -2 reales BIP (linke Skala) -4 -6 2002 Saldo, invertierte Skala 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 * Wert für Q3: Durchschnitt aus Juli und August Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Stimmung und Lage gut Arbeitslosenquote (RS) 4 2 0 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 * Umfrage des Conference Board Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht für den September. Die extrem niedrige Zahl von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe (nachhaltig bei einem Wert von 260.000, relativ zur Zahl der Beschäftigten ein Allzeittief) lässt einen Stellenaufbau gegenüber dem Vormonat von über 200.000 erwarten (oder eine Aufwärtsrevision der Augustwerte). Die Arbeitslosenquote könnte im Vollbeschäftigungsbereich leicht sinken. Obwohl Donald Trump die Leute von etwas anderem überzeugen will, ist die Einschätzung der Arbeitsmarktlage durch die Haushalte aktuell so gut wie auf dem Höhepunkt der letzten Expansion und wie Mitte der 1990er, also kurz bevor der Dotcom-Boom in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts noch mal einen Nachbrenner einschaltete. Was die Lohnentwicklung angeht, spricht einiges dafür, dass demografische und strukturelle Sondereffekte die gemessenen Stundenlöhne in diesem Zyklus merklich gedämpft haben. Im August kam noch ein Kalendereffekt hinzu (der Lohntermin „15. des Monats“ lag nicht in der Umfragewoche). Wir gehen davon aus, dass die Vorjahresrate im September wieder auf 2,7 % anzieht. Bei den kontinuierlich beschäftigten Arbeitnehmern liegt der Median des Lohnanstiegs sogar eher bei 3,5 %. 2 Wobei das Verarbeitende Gewerbe etwas Vorlauf hat: Der durchschnittliche Index im Quartal X liefert die besten Informationen über die Vorjahresrate des BIP im Quartal X+1. H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 5 W OCHENAUSBLICK 2.3 Bundesländer: Im 1. Halbjahr eindeutig im Plus Barbara Bahadori Tel.: 0 69/91 32-24 46 Am 26. September wurden die Daten zum Wirtschaftswachstum der einzelnen Bundesländer im ersten Halbjahr 2016 von den Statistischen Landesämtern bekannt gegeben. Sie zeigen ein positives Bild und zwischen den Bundesländern eine recht geringe Spannbreite. Die Angaben zum ersten Halbjahr dienen zur groben unterjährigen Einschätzung. Sie sind allerdings nicht in den Prozess der Überprüfung und Korrektur einbezogen. Zudem werden sie weder mit dem Jahresergebnis rückwirkend abgestimmt, noch wird das Wachstum für das zweite Halbjahr errechnet. Ebenso wie die jährlichen Werte aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden die Angaben auf der Ebene der Bundesländer nicht saison- und arbeitstäglich bereinigt. Das gesamtdeutsche Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betrug im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahr real 2,3 %. Dabei war die Spannweite der Bundesländer um diesen Mittelwert diesmal sehr eng: Sie reichte von 1,5 % bis zu 3,3 %. Die Spitzengruppe mit Werten zwischen 2,9 % und 3,3 % setzt sich aus Brandenburg, Bremen und Bayern zusammen. Dann folgt die Mehrzahl der Bundesländer mit Raten +/- 0,5 Prozentpunkte um den Durchschnitt. Aber auch das Saarland, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wuchsen mit 1,5 % bzw. 1,7 % noch spürbar. Enge Bandbreite der regionalen Wachstumsraten Bundesländer im 1. Halbjahr auf Wachstumskurs Schwergewicht Konsum Reales BIP 1. Halbjahr 2016, % gg. Vj. Deutschland: Anteil der Verwendungsaggregate am BIP 2015, % 3,3 3,1 2,9 2,6 2,5 2,4 2,3 2,3 2,3 2,2 2,1 2,0 2,0 2,0 2,0 Außenbeitrag 8% 1,8 1,7 1,7 1,5 Bruttoinvestitionen 19% Saarland Sachsen-Anh. Hamburg Niedersachs. Thüringen Hessen Schlesw.-Holst. NRW Meckl.-Vorp. ABL Rheinland-Pf. Deutschland Baden-Württ. Sachsen NBL+ Berlin Berlin Brandenburg Bayern Bremen Privater Konsum 54% Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Wachstum vor allem konsumgetragen Staatskonsum 19% Quellen: Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Zu diesem Gleichlauf der Wachstumsraten in den Bundesländern dürfte der Hauptimpulsgeber Konsum erheblich beigetragen haben. Er stimuliert nicht nur die Nachfrage nach Gütern, sondern auch den gesamten Dienstleistungssektor. Steigende Reallöhne und Einwohnerzahlen dürften den konjunkturellen Schub in Gang halten. Für die Kernregionen der Helaba folgen Erläuterungen der jeweiligen statistischen Landesämter zum Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr 2016. Hessen: Wichtige Wachstumsimpulse vom Baugewerbe und von Unternehmensdienstleistern – negative Entwicklung des Großhandels – Wachstumsrückstand im Verarbeitenden Gewerbe. Thüringen: Wachstumsimpulse vor allem aus dem Handel und dem Gesundheitswesen – Verarbeitendes Gewerbe mit verhaltener Entwicklung – Baugewerbe mit dämpfendem Einfluss. Nordrhein-Westfalen: Maßgeblich positiver Beitrag von Dienstleistungen, darunter Logistik sowie Informations- und Kommunikationstechnik – sinkende Industrieproduktion. Brandenburg: Produzierendes Gewerbe als Antriebsfeder für überdurchschnittliches Wachstum. Die konjunkturelle Dynamik war im ersten Quartal dieses Jahres sehr hoch. Danach setzte eine gewisse Beruhigung ein, die sich im zweiten Halbjahr fortsetzen dürfte. In Deutschland ist deshalb für 2016 insgesamt mit einem Wirtschaftswachstum von kalenderunbereinigt 1,9 % (bereinigt: 1,8 %) zu rechnen. H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 6 W OCHENAUSBLICK 3 Charttechnik Bund-Future: Ausblick verbessert Widerstände: 166,27 166,55 166,92 MACD Unterstützungen: 165,60 165,00 164,85 Bund-Future (daily) Der Bund-Future hat sich innerhalb eines kurzfristigen Aufwärtstrendkanals weiter erholt und die seit Wochen zu beobachtende Konsolidierungsspanne nach oben verlassen. Bei 166,36 wurde heute ein neues Kontrakthoch markiert. Die technische Verfassung ist gut. So stehen MACD und DMI im Kauf, zu einer überkauften Marktlage ist es bislang aber nicht gekommen. Einzig das schwache Niveau des ADX lässt noch zu wünschen übrig. Die nächsten Widerstände sind bei 166,55, 166,92 und 168,42 zu finden. Erste Unterstützungen lokalisieren wir bei 165,50 und um 165,00. Quellen: Reuters, Helaba Volkswirtschaft/Research Ulrich Wortberg (Tel.: 069/9132-1891) Euro: Trendlose Marktverfassung Widerstände: Unterstützungen: MACD EUR-USD (daily) 1,1278 1,1158 1,1326 1,1119 1,1365 1,1043 Der Euro notiert weiterhin oberhalb seiner 200-Tagelinie, der 100-Tagedurchschnitt wurde aber unterschritten. Dennoch kommt durch die charttechnische Dreiecksformation zum Ausdruck, dass ein größerer Richtungsimpuls abzuwarten ist. Die Widerstandslinie verläuft derzeit bei etwa 1,1260, die Unterstützungslinie bei 1,1130. Derweil lässt das weiter sinkende Niveau des ADX auf eine trendlose Marktverfassung schließen. Weitere Widerstände sind bei 1,1326 und 1,1365 zu finden, auf der Unterseite sind die 1,1158 und die Marke bei 1,1119 entscheidend. Quellen: Reuters, Helaba Volkswirtschaft/Research Ulrich Wortberg (Tel.: 069/9132-1891) DAX: Trendbrüche drohen auf allen Zeitebenen Widerstände: 10.377 10.453 10.543 DMI / Ichmoku Unterstützungen: 10.198 10.092 9.980 DAX (daily) Mit dem Rutsch unter das wichtige Retracement bei 10.543 Zählern beschleunigte sich die Abwärtsbewegung des DAX merklich. In der Folge wurden weitere, wichtige Supports wie die lineare Regressionslinie (10.477), eine ansteigende Gannlinie (10.460), die 55-Tagelinie (10.453) und eine markante Strukturmarke (10.377) durchbrochen. Aktuell wird die 100-Tagelinie (10.198) einem Test unterzogen. Sollte dieser nicht erfolgreich verlaufen, müssten Kurse unterhalb der 10.000er-Marke ins Kalkül gezogen werden. Damit würden die Trends über alle Zeitfenster hinweg negativ. Quellen: Reuters, Helaba Volkswirtschaft/Research Christian Schmidt (Tel.: 069/9132-2388) Bitte beachten Sie: Die Ausführungen auf dieser Seite basieren ausschließlich auf der Technischen Analyse und sind kurzfristig orientiert. Die fundamentalen Analysen mit einer mittel- und langfristigen, strategischen Ausrichtung gehen nicht in diese Betrachtungen ein. H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 6 · © H E L A B A 7 W OCHENAUSBLICK 4 Prognosetabelle Bruttoinlandsprodukt Verbraucherpreise reale Veränderung gg. Vorjahr, % Veränderung gg. Vorjahr, % 2014 2015 2016p 2017p 2014 2015 2016p 2017p 1,1 1,9 1,6 1,5 0,4 0,0 0,4 1,4 1,6 1,5 1,8 1,6 0,9 0,3 0,6 1,5 Frankreich 0,7 1,2 1,4 1,4 0,6 0,1 0,4 1,4 Italien -0,3 0,6 0,9 1,2 0,2 0,1 0,2 1,3 Spanien 1,4 3,2 3,0 2,1 -0,2 -0,6 -0,1 1,3 Niederlande 1,4 2,0 1,7 1,6 0,3 0,2 0,2 1,0 Österreich 0,6 1,0 1,3 1,4 1,6 0,9 1,1 1,6 Griechenland 0,7 -0,3 -0,7 1,4 -1,4 -1,1 -0,1 1,0 Portugal 0,9 1,5 0,9 1,2 -0,2 0,5 0,7 1,1 Irland 8,4 26,3 4,7 3,0 0,3 0,0 0,1 1,4 Großbritannien 3,1 2,2 1,3 0,7 1,5 0,1 0,9 2,7 Schw eiz 2,0 0,8 1,3 1,5 -0,1 -1,1 -0,3 0,6 Schw eden 2,6 4,1 3,1 2,5 -0,2 0,0 0,9 1,4 Norw egen 1,9 1,6 1,3 1,4 2,0 2,1 3,4 2,2 Polen 3,3 3,6 3,0 2,7 0,0 -0,9 -0,6 2,0 Ungarn 3,7 2,9 2,0 2,7 -0,2 -0,1 0,3 2,2 Tschechien 2,7 4,5 2,4 2,5 0,4 0,3 0,8 1,9 Russland 0,6 -3,7 -1,2 1,2 7,8 15,5 7,5 5,5 USA 2,4 2,6 1,6 2,5 1,6 0,1 1,2 2,2 Japan -0,1 0,6 0,4 0,7 2,7 0,8 0,0 0,5 Asien ohne Japan 5,7 5,4 5,1 5,0 3,6 2,5 2,8 3,1 China 7,3 6,9 6,5 6,0 2,1 1,5 2,0 2,3 Indien 7,2 7,5 7,0 6,8 6,7 4,9 5,1 5,5 1,3 0,1 -0,5 1,8 10,7 13,0 17,0 14,0 0,1 -3,8 -3,0 1,0 6,3 9,0 8,5 5,5 3,2 3,0 2,7 3,2 3,4 3,0 3,5 3,7 Euroland Deutschland Lateinamerika Brasilien Welt p = Prognose; BIP-Wachstum soweit verfügbar kalenderbereinigt Quellen: EIU, Macrobond, Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research H E L A B A V O L K SW I R T S C H A F T / R E S E A R C H · 3 0 . 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