Oberflächenblasen

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Fehlerbeschreibungen: Oberflächenblasen
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Entscheidungshilfe ➝ S. 148
Sandsteuerung ➝ S. 180
Beschreibung der Merkmale
Mögliche Ursachen
Hohlräume einzeln oder in Gruppen. Meist großflächig mit glatten
Wänden.
Kunstharzgebundene Formstoffe
• zu geringe Kernentlüftung
• zu große Freisetzung von Kerngasen
• zu hohe Feuchtigkeitsaufnahme der Kerne
• zu geringe Gasdurchlässigkeit des Kernsandes
Vorkommen des Fehlers
Abb.24:
Gußteil aus GGL. Schnitt durch eine Oberflächenblase. Das herausgetretene Segment liegt auf dem restlichen Gußstück.
Blase ist an der Oberfläche kaum erkennbar. Vergrößerung: 10 mm Bild = 8 mm
Vom erstarrenden Metall eingeschlossene Gase an der Oberfläche
des Gußstückes, die eine gerundete oder längliche Blase als Hohlraum ergeben. Häufig mit Schlacken oder Oxiden vergesellschaftet.
Die Fehlstellen befinden sich fast immer im Oberkasten der
Form, in schlecht entlüfteten Taschen und Hinterschneidungen.
Die Blasenbildung ist bei GG stärker als bei GGG-Gußstücken.
Tongebundene Formsande
• zu hohe Sandfeuchte, bzw. zu schnelles Freisetzen des
Wassers
• zu geringe Gasdurchlässigkeit des Sandes
• Sandtemperatur zu hoch
• zu hohe Bentonitgehalte
• zu hohe Gasfreisetzung aus Glanzkohlenstoffbildner
Formanlage
• Verdichtung der Formen zu hoch
Anschnitt- und Gießtechnik
• Gießtemperatur zu niedrig
• metallostatischer Druck beim Gießen zu niedrig
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Abhilfen
Kunstharzgebundene Formstoffe
• Kernentlüftung verbessern, Luftkanäle anbringen, Kernmarken frei von Schlichte halten
• Gasmengen reduzieren. Langsam reagierende Binder einsetzen. Bindermenge reduzieren. Evtl. eine gröbere Sandkörnung wählen.
• Schlichten der Kerne, dadurch Verlangsamung der Aufheizung und Reduzierung des Gasdruckes.
• Kerne trocknen und trocken lagern, dadurch Verminderung
der Wasseraufnahme und Abnahme des Gasdruckes.
Tongebundener Formsand
• Sandfeuchte vermindern. Aufbereitung des Sandes verbessern. Inertstaubanteile reduzieren.
• Gasdurchlässigkeit erhöhen. Gröbere Sandkörnung anstreben. Staubanteile reduzieren. Bentonit- und Kohlenstoffträgeranteile reduzieren.
• Sandtemperatur reduzieren. Evtl. Sandkühler einbauen.
Sandmenge erhöhen.
• Bentonitgehalt reduzieren. Bentonite mit hohem Montmorillonitgehalt, hoher spezifischer Bindefähigkeit und guter thermischer Stabilität einsetzen.
• langsam reagierende Glanzkohlenstoffbildner oder Kohlenstoffträger mit höherem Glanzkohlenstoffbildungsvermögen
einsetzen. Im letzeren Fall kann der Gehalt an Kohlenstoffträgern im Formsand gesenkt werden.
Abb.25:
Gußteil aus niedrig legiertem GGL. Bildung von Oberflächenblasen im Oberteil des Gußstücks.
Vergrößerung: 10 mm Bild = 33 mm
Abb.26:
Gußteil aus GGL. Bildung einer größeren Blase im Oberteil des Radiators.
Vergrößerung: 10 mm Bild = 8 mm
Formanlage
• Verdichtung der Formen vermindern. Durch bessere Sandverteilung für gleichmäßigere Formverdichtung sorgen.
Anschnitt- und Gießtechnik
• Erhöhen der Gießtemperatur evtl. Gießgeschwindigkeit reduzieren
• Erhöhen des metallostatischen Druckes durch Änderung des
Anschnittsystems. Falls möglich Erhöhen des Oberkastens.
Hintergrundinformation
Die Entstehung von Gasblasen hängt von der Menge der entstehende Gase und dem Gasdruck ab. Gelingt es nicht, die Gase
aus dem Formhohlraum abzuführen, können diese im flüssigen
Metall eingeschlossen werden.
Bei Kernen ist die Gefahr von Blasenfehlern groß, da Kerne
vom flüssigen Metall umgeben sind, und die gasförmigen Reaktionsprodukte im Normalfall vor allem durch Kernmarken abgeführt werden. Beim Einsatz kleiner Kerne werden häufiger Gasblasen beobachtet. Empfohlen wird der Einsatz grober Sande und
ein entsprechendes Aufbringen von Formüberzugsstoffen.1 In
Kernen, die eine ungünstige Gestalt aufweisen, sollen Abgaskanäle enthalten sein. In einer grundlegenden Arbeit werden die
notwendigen Gasabführungsquerschnitte von Kernen in Abhängigkeit von Kernbindern und Geometrie untersucht.2 Bei behinderter Gasabführung werden Blasen im Metall eingeschlossen. Bei
Einsatz von Phenol-Harnstoffharzen treten auch bei großen Gasabfuhrquerschnitten diese Fehler auf. Hygroskopische Binder wie
Wasserglas erfordern große Querschnitte zur Gasabführung. Umgekehrt kann beim Auftreten von Gasblasen ein Trocknen der
Kerne Abhilfe schaffen. Der Einsatz kalter Kerne in warme Formen kann bei hygroskopischen Bindern zu Wasseradsorptionen
führen. Dieses kann beim Gießen explosionsartig verdampfen
und zu Fehlern führen.
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Bei bentonitgebundenen Sanden treten Gasblasen ebenfalls vor
allem durch Wasserdampfbildung auf.3 Als Gegenmaßnahme
wird die Verminderung der Gießgeschwindigkeit und das Vermeiden des Aufpralls von Metallströmen auf die Formwand beim Gießen angeführt. Die Gasdurchlässigkeit der Sande soll beim Auftreten dieser Fehler hoch, der Wassergehalt hingegen so niedrig wie
möglich sein. Alle wasseradsorbierenden Stoffe wie Inertstaub,
Bentonit und Kohlenstoffträger sollen so niedrig wie möglich eingestellt sein. Dies macht unter Umständen den Einsatz hochmontmorillonithaltiger Tone sowie hochaktiver Kohlenstoffträger
notwendig. Weiter wird empfohlen, den Formsand so gut wie
möglich aufzuschliessen. Gut aufgeschlossene Sande benötigen
weniger Wasser und setzen dieses bei Erhitzung langsamer frei.
Das Auftreten von kondensiertem Wasser soll vermieden werden. Kerne und Formen sollen keine Temperaturunterschiede
aufweisen. Auch an Kernstützen oder Kokillen kann sich Wasser
niederschlagen und wegen der fehlenden Gasdurchlässigkeit zu
Gasfehlern führen. Häufig eingesetzte Kokillen können Haarrisse
aufweisen. Hier kann Kapillarkondensation von Wasserdampf
auftreten und beim Gießen zu Gasfehlern führen.
Wichtig ist, eine zu hohe Verdichtung an der Formanlage zu
vermeiden. Bei hoher Verdichtung soll geprüft werden, ob der
Verdichtungsdruck reduziert werden muß.
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Literatur
Weitere Literatur
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