Lesen Sie hier den Bericht der Organisatorin Frau Ewald

C´est reparti! Der Schüleraustausch zwischen Schriesheim und Uzès nimmt endlich wieder
Fahrt auf (Schriesheim 3. – 9. Dezember 2014, Uzès: 8. – 14. Juni 2015), Katja EWALD
Am Ende der Sommerferien erreichte uns eine unwiderstehliche Email aus Uzès, Absender war Christian Divry, der seit nunmehr zwei Jahren am Lycée Charles Gide und am Collège Lou Redounet in
Uzès Deutsch unterrichtet. Sehr schnell war klar, dass wir eine Gewissheit teilen: Der Austausch
muss wieder in Fahrt kommen!
Gesagt, getan. Schon bald konnten wir eine Gruppe von 24 Zehntklässlern aus Uzès bei uns begrüßen. „Gebe ich denen dann einfach die Hand oder muss ich diese Küsschen machen?“ – Solche und
andere Fragen sollten sich bald klären. Am Abend des 3. Dezember 2014 harrten die deutschen Austauschpartner, ausgestattet mit einem Willkommensplakat (danke, Aylin!), vor dem KGS aus, bis der
französische Bus nach einer kurzen Odyssee durch das Wohngebiet um die Ecke bog. Nun blockierten insgesamt 48 fröstelnde Schüler die Hirschberger Straße; dank Facebook und Co. waren die Austauschpartner aber schnell gefunden und machten sich auf zu ihren Schriesheimer Gastfamilien, in
denen eine Flut von Weihnachtsplätzchen und sagenhafte adventliche Dekoration Eindruck machten.
Beim Besuch des Unterrichts am KGS erstaunte unsere Gäste (unter anderem) die Offenheit der
Schule; die Vorstellung, dass hier jeder kommen und (durch)gehen kann, ist für die französischen
Schüler ungewohnt; das gilt auch für die Tatsache, dass deutsche Schüler offenbar permanent essen.
Die französischen Gäste passten sich aber problemlos an; eine erste Gelegenheit bot der kleine Imbiss, zu dem der Schulleiter Herr Nortmeyer die Schüler einlud. Brezeln einer stadtbekannten Bäckerei könnten sich zu einem partnerschaftlichen Exportschlager entwickeln.
Der Besuch im Rathaus und die Begrüßung durch Bürgermeister Höfer boten eine erste Begegnung
mit Schriesheim; der richtige Durch- und Überblick bot sich natürlich erst nach dem anstrengenden,
aber immerhin wärmenden Aufstieg auf die Strahlenburg. Nicht weniger obligatorisch war der Besuch
in Heidelberg, wo Jean-Philippe Loddo die französischen Schüler zu einem spannend-heiteren Spaziergang durch die Stadt einlud. Unser besonderer Dank gilt dabei dem Partnerschaftsverein, der auf
Initiative von Claudia Ebert die Kosten für die Stadtführung übernahm. Die deutschen Essgewohnheiten schienen stark ansteckend zu sein: Eine Gruppe unerschrockener französischer Schüler verschlang schon gegen 10 Uhr die ersten Feuerwürste auf dem Heidelberger Weihnachtsmarkt; der
Genuss von Glühwein konnte nur durch unser beherztes Eingreifen verhindert werden.
Von Freitag Abend bis Sonntag war dem Backen und dem Verzehr von Weihnachtsplätzchen und
anderen Köstlichkeiten keine Grenzen gesetzt; die Schüler verbrachten das Wochenende in ihren
Gastfamilien und entdeckten den deutschen Alltag, garantiert unbehelligt vom wachsamen Auge ihrer
Lehrer.
Am Montag fiel unsere beachtlich große deutsch-französische Busladung im friedlichen Speyer ein,
wo man bekanntlich so manchen Dom(e) besuchen kann; auch hier bot der Weihnachtsmarkt wieder
reichlich Gelegenheit zu landestypischer Verköstigung und zum Kauf von mehr oder weniger nützlichen Mitbringseln.
Nach der Abschiedsparty am Montag Abend bevölkerten wir am Dienstag Morgen (leicht) verschlafen
erneut die Hirschberger Straße, zwar gesitteter an der Bushaltestelle, dafür aber traurig (vereinzelte
Tränen wurden gezählt), denn der Rückbesuch sollte noch recht lange auf sich warten lassen.
Der große Vorteil war dabei aber: Sommer in Südfrankreich! Am 8. Juni 2015 kamen wir nach zwölf
Stunden Busfahrt unter den beruhigenden Klängen des Schriesheimer und des Badener Liedes (Johannes, Lukas, Philipp – chapeau!) in Uzès an. Die Vorfreude auf eine echte deutsch-französische
Woche mit vielen gemeinsamen Ausflügen war groß, denn die französischen Schüler hatten aufgrund
des Baccalauréat ihrer älteren Mitschüler so gut wie keinen Unterricht mehr.
Das Programm, das Monsieur Divry zusammengestellt hatte, war beeindruckend: Wir begaben uns
auf die Spuren der Stierkämpfer in die Arenen von Nîmes, konnten die Stadt genießen und bei einem
Picknick in den Jardins de la Fontaine entspannen, um schließlich in der Maison carrée die Entstehung der Stadt in einem Film ganz plastisch zu entdecken.
Am Lycée Charles Gide wurden wir vom Schulleiter Alain Boyer und seiner Stellvertreterin Emmanuelle Lorant-Raze begrüßt: Der Brezel-Imbiss in Schriesheim wurde mit köstlichen Viennoiseries (kleine
Croissants und Pains au chocolat) mehr als wettgemacht! Vor unserem Rendez-vous im Rathaus
blieb Zeit für einen kurzen Besuch des Mittwochsmarktes auf der Place aux Herbes: Die Vielfalt der
feilgebotenen Köstlichkeiten, aber auch die Stimmung ganz allgemein waren wohl dafür verantwortlich, dass erste Stimmen laut wurden, man könne auf eine Rückkehr nach Schriesheim vielleicht verzichten. Auf dem Markt trafen wir bekannte Schriesheimer Gesichter wieder: Die Eheleute Martha und
Hans Berg und Therese und Günter Lang schlossen sich uns spontan an, um das Uzès-SchriesheimRendez-vous im Rathaus nicht zu verpassen. Die Partnerschaft zwischen beiden Orten ist eben keine
Schulangelegenheit, sondern ein lebendiger Austausch über alle Generationen hinweg, den auch die
beiden Partnerschaftsvereine mit vielfältigen Aktivitäten beleben und bereichern. Im Rathaus erwartete uns Gérard Bonneau, Mitglied des Gemeinderats, der uns mit sehr sympathischen Worten begrüßte
und uns ebenfalls mit allerlei konditorischen Köstlichkeiten verwöhnte.
Am darauf folgenden Tag umrundeten wir auf den berühmten Festungsmauern die kleine Stadt Aigues Mortes; bei aller Bewunderung für die bauliche Attraktivität machte sich gegen Ende aber doch
eine gewisse Unruhe bemerkbar, der Strand wartete! Unsere Wahl fiel auf Le Grau du Roi. Als Opfergabe für einen sehr schönen Tag und im Sinne der freundschaftlichen Beziehungen zur Partnerstadt
Dossenheim hinterließen wir in den Tiefen des Strandes von Le Grau du Roi einen einsamen Turnschuh (Schuhgröße 45?), der trotz länderübergreifender Suche unauffindbar bleiben sollte.
Das Highlight der Woche, sofern Steigerung überhaupt denkbar ist, sollte die Kanufahrt auf dem Gardon sein. Im schönen Collias wollten wir die Boote besteigen, um bis zum Pont du Gard zu fahren, wo
ein Bade- und Picknick-Stop geplant war, bevor die Reise weiter bis nach Remoulins gehen sollte. Ein
schlechtes Wortspiel beschreibt unser Malheur: Der Tag fiel ins Wasser; schwere Unwetter waren
angekündigt. In Konkurrenz mit einem Tag auf dem Gardon vor sensationeller Kulisse hatte es die
Stadt Arles mit ihrer herrlichen Altstadt und dem Musée de l´Arles antique (unser Alternativprogramm)
bei Regen nicht ganz leicht, hielt sich aber wacker und soll unbedingt wieder besucht werden. Der
kurze Halt am Pont du Gard war natürlich obligatorisch (n´est-ce pas, Sophie?) und erwies sich am
Ende als voller Erfolg, da wir trotz Dauerregens im Moment des Gruppenfotos vor bekannter Kulisse
fünf Sekunden Sonnenschein verbuchen konnten, ein Zeichen.
Die Abschlussparty, die die französischen Eltern und Schüler in St. Hippolyte de Montaigu organisiert
haben, hat uns fast beschämt; hier müssen wir beim nächsten Besuch der Franzosen in Deutschland
unbedingt nachbessern! Die Feier war ein weiterer Höhepunkt: deutsch-französische Gesänge und
Choreographien, Stimmung, gutes Essen ... toll!
Nach einer zum Teil sehr kurzen Nacht versammelten wir uns am Sonntag morgen um unseren gelbschwarzen Bus und traten sehr schweren Herzens die Heimreise an, nicht ohne ein garantiert unfreiwilliges Abschiedsgeschenk in Uzès zu lassen, das für große Erleichterung sorgte und über das wir
nicht weiter sprechen möchten.
Ich bedanke mich bei meinem Kollegen Christian Divry, seiner Frau und Deutschkollegin Isabelle Divry und bei unserer Sekretärin Patricia Junker, die den Austausch mit ihrer zupackenden und kommunikativen Art (und mit der Unterbringung meiner französischen Kollegen!) sehr bereichert hat. Unser
ganz großer Dank gilt neben dem Partnerschaftsverein auch der Stadt Schriesheim, die mit einem
besonders großzügigen Zuschuss dazu beigetragen hat, dass der Schüleraustausch zwischen dem
Kurpfalz-Gymnasium und Schulen in Uzès wieder lebendig ist.
Katja Ewald, Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim