Der Hauskauf wird teurer

30
| 21. Mai 2015
Invest
Finanzmärkte
Ungemütliche Anzeichen
Was die Rekordjagd am
Kunstmarkt für die Börsen
bedeuten könnte. Seite 32
Der Hauskauf
wird teurer
Finanzierung Die Konditionen für Hypothekarkredite
sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen.
Worauf Immobilienbesitzer nun achten müssen.
P
pascal meisser
lötzlich ging es schnell auf
dem Hypothekarmarkt. Der
jüngste Ausverkauf bei den
Staatsobligationen, deren
Rendite ein Gradmesser für
langlaufende Hypotheken sind, spielte
den Banken in die Hände. Sie passten ihre
Konditionen für Festhypotheken weiter
nach oben an. Sowohl die über fünf wie
auch die über zehn Jahre laufenden Kre­
dite wurden überdurchschnittlich teurer,
wie Daten des Hypothekenvermittlers
Moneypark zeigen (siehe Grafik).
Die beiden beliebtesten Laufzeiten bei
Schweizern sind inzwischen wieder so
teuer wie vor einem Jahr. Für eine zehn­
jährige Festhypothek zahlen Wohneigen­
tümer damit wieder fast 2 Prozent. Exper­
ten gehen davon aus, dass sich dieses
­Niveau mittelfristig halten wird.
Erstmals über 900 Milliarden
Ausstehende Hypothekarkredite in der
Schweiz (in Milliarden Franken)
1000
784
800
600
604
651
865
902
712
400
200
0
2005 20072009 201120132015*
*Februar 2015
Quelle: snb
Damit endet eine aussergewöhnliche
Tiefzinsphase bei den Hypothekarzinsen,
welche die Konditionen für zehnjährige
Kredite deutlich unter 2 Prozent und in
der ersten Januarhälfte je nach Anbieter
gar unter die 1-Prozent-Schwelle gedrückt
hat. Online-Hypothekenanbieter Home­
gate.ch bot damals für kurze Zeit die
10-Jahres-Hypothek für 0,74 Prozent an.
Heute verlangt Homegate.ch für das glei­
che Produkt 1,65 Prozent – also mehr als
doppelt so viel. Auch andere Anbieter ha­
ben seit Januar ihre Zinssätze sukzessive
auf gut das Doppelte erhöht. «Solche Zins­
schwankungen auf dem Hypothekarmarkt
sind sehr aussergewöhnlich», kommen­
tiert Moneypark-Chef Stefan Heitmann
diese Entwicklung.
Die jüngste Anhebung der Hypothe­
karzinsen erfolgte zeitgleich mit den Ver­
werfungen auf den Obligationenmärkten.
Ein Ausverkauf bei Staatsanleihen führte
dazu, dass insbesondere die Renditen von
deutschen und schweizerischen Bundes­
obligationen so heftig wie kaum jemals zu­
vor in die Höhe kletterten. Renditen von
zehnjährigen Staatsanleihen sind in der
Regel massgebend für die Konditionen
von gleich lange laufenden Immobilien­
krediten.
Banken geben Kosten weiter
Doch dieses Mal können die Obliga­
tionenrenditen nicht als einziger Grund
für diese Entwicklung herhalten. Denn
trotz dem jüngsten Ausreisser nach oben
rentiert der Schweizer «Eidgenoss» der­
zeit wieder mit 0 Prozent. Im Vergleich
dazu: Als die zehnjährigen Festhypothe­
ken im Sommer 2014 letztmals zu 2 Pro­
zent verzinst wurden, lag die Rendite
Trendwende bei Hypothekarzinsen
Sprunghafter Anstieg im Mai
Durchschnittliche Konditionen (in Prozent)
5
4
Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen seit Anfang 2015
0,8
Festhypothek 5 Jahre
Festhypothek 10 Jahre
0,6
Schweiz
Deutschland
0,4
3
0,2
2
0
1
0
–0,2
2013
2012
2014
2015
Quelle: moneypark
e­ iner zehnjährigen Bundesobligation bei
0,4 Prozent – also deutlich höher als heu­
te. Heitmann hat dafür eine Erklärung:
«Die Banken haben bei ihrem Einlagen­
geschäft zum Teil massive Einbussen
­erlitten, da sie auf einen Teil ihrer Sicht­
guthaben bei der Nationalbank negative
Zinsen bezahlen müssen. Diese Kosten
geben sie nun an ihre Kunden weiter.» Zu
den Leidtragenden gehören vor allem die
Hypothekarkreditnehmer, da Banken die
Zinsen für Sparguthaben nahe bei 0 Pro­
zent belassen.
Heitmann geht deshalb davon aus,
dass die im vergangenen Winter erreich­
ten Tiefstwerte bei den Hypo-Zinsen nicht
–0,4
Januar
Februar
März
April
*bis 18.5.2015
mehr erreicht werden. «Es ist aktuell das
Ende der sehr tiefen Hypothekarkonditio­
nen. Viele, wenn auch noch nicht alle Ban­
ken haben den Schritt der Preiserhöhung
vollzogen», sagt Heitmann.
Noch keine Torschlusspanik
Diese Meinung teilt auch Florian Schu­
biger vom unabhängigen Finanzbera­
tungsunternehmen VermögensPartner.
«Die tiefen Zinskonditionen von Anfang
Jahr werden wir kaum wieder sehen», sagt
Schubiger. Trotz dieser Kehrtwende am
Hypothekarmarkt stellt Schubiger noch
keine Torschlusspanik bei seinen Kunden
fest. «Wir haben bislang kaum Anfragen
Mai*
Quelle: bloomberg
erhalten, ob man jetzt von Libor- in Fest­
hypotheken wechseln soll», so der Finanz­
berater. Gerade in Tiefzinsphasen gelten
Libor-Hypotheken als attraktiv, da diese
sich aus dem Libor-Satz plus der Banken­
marge zusammensetzen. Seit dem Anstieg
der Zinsen bei Festhypotheken ist die Dif­
ferenz zwischen Libor-Hypotheken und
zinsfixierten Hauskrediten wieder deut­
lich höher geworden. «Wer die notwen­
dige Risikotoleranz hat, fährt mit LiborProdukten so lange noch günstig, wie das
Negativzinsumfeld noch Bestand hat»,
sagt Schubiger.
Gerade die vergangenen Wochen ha­
ben aber die Risikofähigkeit von Hausbe­
Geldfrage Claudio Saputelli
«Von einer Zinswende kann nicht die Rede sein»
Claudio Saputelli ist Chefanalyst für Im­
mobilien bei der UBS, Zürich. Trotz der
Korrektur in Hochpreisregionen rät er
noch vom Kauf von Objekten ab.
Die Hypothekarzinsen sind 2015 leicht gestiegen, zuletzt haben sich Staatsanleihen
verteuert. Kommt jetzt die Zinswende?
Claudio Saputelli: Der Zinsanstieg war
auf kurzfristige Anleihenverkäufe zurück­
zuführen. Inzwischen geht es mit den
Zinsen bereits wieder abwärts. Solche Be­
wegungen gibt es immer wieder. Von ei­
ner Zinswende kann nicht die Rede sein,
zumal sich Europa in einer geldpoliti­
schen Lockerung befindet. In ein bis zwei
Jahren könnte es aber durchaus zu einem
Zinsschub kommen. Darauf müssen die
Immobilienbesitzer vorbereitet sein.
Die Beruhigung hält seit Anfang 2014 an.
Einerseits machen sich die Selbstregulie­
rungsmassnahmen der Banken bemerk­
bar. Die Käufer müssen mehr Eigenkapi­
tal einbringen, wenn sie Immobilien kau­
fen wollen. Dadurch hat die Nachfrage
jener Haushalte, die sich ein Eigenheim
nur knapp leisten können, nachgelassen.
Gleichzeitig hält die hohe Bautätigkeit an.
Inzwischen gibt es vermehrt Leerstände,
insbesondere bei Neubauten. Der dritte
Grund ist, dass die Preise seit 2010 stark
gestiegen sind. Die Käufer müssen mehr
Eigenkapital einzahlen und mehr Hypo­
theken aufnehmen, weshalb ein höheres
Einkommen nötig ist. Die Löhne sind
aber nicht im Gleichschritt mit den Prei­
sen gestiegen. Deshalb können sich viele
Leute eine Immobilie nicht mehr leisten.
Wie lautet Ihre Zinsprognose?
Bis Ende Jahr erwarten wir Zinsen von 0,1
bis 0,2 Prozent für zehnjährige Staatsan­
leihen. Die Zinsen werden wohl auf tie­
fem Niveau verharren, die Volatilität
­dürfte aber zunehmen.
Wo sehen Sie die stärksten Korrekturen?
In Regionen wie am Pfannenstil bei Zü­
rich, um den Genfersee oder im Engadin,
wo die Preise zuvor sehr hoch waren. In
der Ostschweiz, Schaffhausen oder um
Bern steigen die Preise weiterhin.
Worauf führen Sie die Abkühlung am
Schweizer Immobilienmarkt zurück?
Wo würden Sie heute noch investieren?
Von den Hochpreisregionen ist sicherlich
Claudio Saputelli
Chefanalyst
Immobilien UBS
«Die Zinsen werden bis
Ende Jahr wohl auf tiefem
Niveau verharren.»
SMI
9700
in Punkten
RB Immofonds
3900 in Punkten
9200
3700
8700
3500
8200
3300
7700
3100
30.5.14 19.5.15
30.5.14 19.5.15
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abzuraten. Dort scheint die Korrektur
noch nicht zu Ende, auch wenn man heu­
te einen grossen Verhandlungsspielraum
von bis zu 20 Prozent hat. Wegen den ge­
ringen Kapitalkosten sind die Preise noch
nicht eingebrochen. Interessanter sind
daher Regionen, die auf den ersten Blick
etwas abgelegen erscheinen. Hier handelt
es sich um klassische Wohnlagen, für die
eine stabile Nachfrage besteht.
Vor allem Hypotheken mit langen Laufzeiten waren zuletzt sehr beliebt. Weshalb?
Der Anstieg der Hypothekarzinsen ist
2015 auf die Kosten der Banken für die
zusätzliche Eigenmittelhinterlegung und
die Negativzinsen zurückzuführen. Den­
noch sind die Zinsen nach wie vor sehr
attraktiv, sodass es sich auszahlen kann,
zumindest eine Teilschuld langfristig zu
einem festen Zins abzuschliessen.
Viele private Käufer haben mangels Alternativen in Immobilien investiert, in Erwartung von steigenden Preisen. Wie stark
sind sie von der Korrektur betroffen?
Immobilienkäufer investieren in der Re­
gel mit einem längerfristigen Anlagehori­
zont. Sie werden derzeit kaum eine Um­
schichtung vornehmen, da sich die Lage
am Markt nicht verändert hat. Die Zinsen
sind weiterhin sehr tief und es fehlen al­
ternative Anlagemöglichkeiten. Deshalb
nehmen sie heute auch tiefe Renditen
von 3 Prozent in Kauf. Manche Investoren
leisten sich gar einen Leerstand und Ren­
diten von 2 Prozent, da dies immer noch
attraktiver ist, als Anleihen zu kaufen.
Sollten die Zinsen aber steigen, kann sich
die Situation schnell ändern.
Inwieweit lohnt sich derzeit eine Amortisation der Hypotheken?
Das macht Sinn, wenn jemand auf Cash
sitzt und keine Investitionen tätigen will.
Worauf müssen Immobilienkäufer heute
noch achten?
Besonders wichtig ist heute, dass man
sich bei einem Immobilienkauf von ei­
nem Experten beraten lässt. Es sind der­
zeit viele überteuerte Objekte auf dem
Markt. Scheinbar günstige Liegenschaf­
ten können sich aber als Fass ohne Boden
entpuppen. Bei neueren, exklusiveren
Objekten sollte man zudem unbedingt
den Verhandlungsspielraum nutzen.
Interview: Roberto Stefano
31
Fakten zum thema
49
Prozent Um so viel ist das Gesamtvolumen
an Hypothekarkrediten in der Schweiz in
den vergangenen zehn Jahren gestiegen.
25
Jahre Mit der längsten in der Schweiz
erhältlichen Festhypothek verschulden sich
Immobilienkäufer über ein Vierteljahrhundert.
15
Jahre lnnerhalb dieser Zeit müssen die
­Hypothekarschulden auf zwei Drittel des
Anfangsbetrags reduziert werden.
7,5
Jahre Die durchschnittliche Hypothekarlaufzeit liegt in der Mitte der zwei beliebtesten
Festhypotheken-Laufzeiten der Schweizer.
Worauf Immobilienkäufer achten müssen
Strategie festlegen Wichtig ist, dass sich Hauskäufer
eine Hypothekarstrategie zurechtlegen. Wie bei der
Anlage des Vermögens gilt es dabei, je nach Lebenssituation Risiken und Chancen abzuwägen. Wer LiborHypotheken übergewichtet, ist tendenziell grösseren
Zinsschwankungen ausgesetzt, fährt langfristig aber
meist günstiger.
Mehrere Offerten einholen Es zahlt sich immer aus,
nicht auf das erstbeste Angebot der Hausbank einzugehen. Hauskäufer sollten auch von anderen Instituten Offerten einholen und diese miteinander vergleichen. Auch wer eine bestehende Hypothek ablöst,
sollte sich um eine zweite oder gar eine dritte Offerte
bemühen.
KEYSTONE/Pascal Mora
Deshalb empfiehlt Schubiger: «Wer bei
diesen schwankenden Zinsen Sicherheit
sucht, befindet sich nun an einem guten
Zeitpunkt, um von einer Libor- in eine
Festhypothek zu wechseln.»
Deutlich wichtiger geworden ist auch
der Vergleich von verschiedenen Offerten.
Kunden sollten stets mehrere Angebote
von Banken und anderen Hypothekar­
anbietern anfordern. Denn schon kleine
Zinsdifferenzen können je nach Laufzeit
zu einer Ersparnis von mehreren tausend
Franken führen.
Die Abkehr von den Tiefstzinsen bei
Hypotheken veranlasst zudem immer
mehr Hauseigentümer, sich sehr langfristig zu verschulden. Eine Studie von Moneypark zeigt, dass die Zahl der Abschlüsse von Hypotheken mit Laufzeiten über
zehn Jahre seit 2013 massiv zugenommen
hat. Für diese Zeitperiode hat der Hypothekenvermittler eine Zunahme von 4200
Prozent festgestellt – unter der Annahme,
dass das rasante Wachstum des ersten
Quartals 2015 bis Ende Jahr andauert. «Inzwischen haben wir sogar mehrere Kunden, die Festhypotheken mit einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren abgeschlossen
haben. Das ist in der Schweiz ein absolutes Novum», sagt Stefan Heitmann.
sitzern, die auf Libor-Hypotheken setzen,
auf die Probe gestellt. Der rasante Anstieg
der Renditen von Staatsobligationen hat
gezeigt, wie schnell die Kapitalmarktzinsen in die Höhe schnellen können.
Ein Blick in die Vergangenheit offenbart, dass auch der Libor-Satz sehr schwankend sein kann. Zwischen 1988 und 1990
sind die Libor-Zinsen innerhalb weniger
Monate von 3 auf 11 Prozent hochgeschossen. Noch massiver fiel der Anstieg zehn
Jahre zuvor aus. Von 1979 bis 1981 kletterte
der Libor-Zinssatz von 1 auf 12 Prozent.
Hausbesitzer, die damals nicht rechtzeitig
in eine Festhypothek wechselten, kam dieser Anstieg sehr teuer zu stehen.
IN
Schweiz
Swissquote
««««
Swissquote
Kein allgemeiner Zinsanstieg erwartet
Den Grund für diese Flucht in sehr
langfristige Hypotheken sieht der Moneypark-Chef in der abgeflachten Zinskurve. Das bedeutet, dass für länger laufende
Hypotheken nur geringfügig höhere Kosten hinzukommen, da die Anbieter weiterhin keinen dramatischen Zinsanstieg in
den nächsten Jahren erwarten. Teilweise
sind die Unterschiede zwischen 10- und
Lussers
AktienTipp
Vorwoche ««««
in Franken
38
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Sinn. Laufzeiten von über zehn Jahren
empfehlen sich nur für Schuldner, die mittelfristig mit steigenden Zinsen rechnen
und keine Teilrückzahlung der Hypothek
in Betracht ziehen. Hinter den angestiegenen Hypothekarzinsen steht aber auch
OUT
Schweiz
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28
23
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Amortisation hinterfragen In der Regel lohnt es sich,
zuerst die Schulden zu reduzieren – auch bei Hypotheken. Denn derzeit sind nicht nur die Zinsen tief,
sondern auch die Renditen sicherer Finanzanlagen.
Unter diesen Vorzeichen ist der Hausbesitzer mit der
Amortisation seiner Hypothek im Vorteil. Je nach
15-jähriger Laufzeit fast inexistent, da insbesondere Versicherer die Zinsen bis zu
­einer gewissen Dauer festgefroren haben.
Deshalb sind Versicherungsunternehmen
vor allem bei länger laufenden Hypotheken unter den attraktivsten Anbietern, bei
zwei- bis fünfjährigen Hypotheken haben
meist Banken die Nase vorn.
Allerdings machen derart lange Hypotheken nicht für alle Schuldner tatsächlich
89
33
«Goldene Fessel» vermeiden Ein beliebter Trick von
Banken ist, die Hypothek auf verschiedene Laufzeiten
zu tranchieren. Das verunmöglicht es dem Kunden,
bereits nach Ablauf der ersten oder zweiten Tranche
den Anbieter zu wechseln. Wer dennoch seine Hypothek splittet, sollte darauf achten, dass zwischen der
kürzesten und der längsten Tranche maximal zwei
Jahre liegen.
53
2015
Zeithorizont, Lebenssituation und Risikofähigkeit ist
es aber überlegenswert, anstelle einer Amortisation
das freie Geld in Wertschriften anzulegen. Auch ältere
Eigenheimbesitzer müssen sich eine Amortisation gut
überlegen. Banken sind gegenüber Pensionierten oft
restriktiv, wenn ein Finanzbedarf mit einer Wiederaufstockung der Hypothek gedeckt werden soll.
Vorsicht bei Spezialhypotheken Verschiedene Banken bieten Spezialhypotheken an, die sich aus Liborund Festhypotheken zusammensetzen. Allerdings
sind die Modelle meist wenig transparent und nur
schwierig vergleichbar. Das schwächt die Verhandlungsposition des Kreditnehmers. Sinnvoller ist, selber
einen passenden Hypo-Mix zusammenzustellen.
noch ein anderer Grund. Sie sind eine
­Folge der verstärkten Regulationen, die
sich mit mehrmonatiger Verzögerung
­bemerkbar machen.
Warnung vor einer Überhitzung
Seit Jahren warnen der Bundesrat, die
Finanzmarktaufsicht (Finma) sowie die
Nationalbank vor den gestiegenen Risiken
auf dem Hypotheken- und Immobilienmarkt. Infolgedessen wurden schrittweise
strengere Regeln für die Vergabe von
­Hypothekarkrediten eingeführt. Als eine
der wirkungsvollsten Massnahmen gilt die
Auflage, dass Wohneigentümer nach Abzug der Pensionskassengelder mindestens
zehn Prozent Eigenkapital einbringen
müssen. Zudem entfaltet der antizyklische
Kapitalpuffer seit Januar 2014 seine Wirkung, als er von ursprünglich 1 auf 2 Prozent erhöht wurde. Dieser verlangt von
den Banken, dass sie zusätzliche Eigenmittel in der Höhe von 2 Prozent für
Wohnbauhypotheken halten müssen. Das
soll einerseits die Widerstandskraft der
­Finanzinstitute im Falle einer Immobi­
lienkrise stärken und gleichzeitig zu einer
­zurückhaltenden Kreditvergabepolitik
führen. Denn die Bildung zusätzlicher
­Eigenmittel führt zwangsläufig zu höheren Kosten und so zu steigenden HypoZinsen.
Ob diese Massnahmen das Wachstum
des Hypothekarvolumens in der Schweiz
(siehe Grafik links) wirklich eindämmen,
darüber sind sich die Experten nicht einig.
«Wir befinden uns noch immer in einer
­attraktiven Zinsphase», sagt MoneyparkChef Heitmann. Noch vor zwei Jahren
­kostete eine zehnjährige Festhypothek 2,5
Prozent, vor vier Jahren gar über 3 Prozent.
Versicherer unter den Besten
Festhypothek 10 Jahre
Richtzins
Anbieter
(in Prozent)
Crédit Agricole Financement (Suisse)1,57
AXA Winterthur
1,62
Homegate.ch1,65
Hypomat.ch1,68
Swissquote1,71
LGT Bank (Schweiz)
1,73
Migros Bank1,75
Spar + Leihkasse Münsingen1,75
Swiss Life
1,76
Zurich Versicherung
1,80
Allianz Suisse
1,80
Appenzeller Kantonalbank1,80
Generali Versicherungen1,80
Glarner Kantonalbank
1,88
Obwaldner Kantonalbank1,90
Postfinance
1,90
Alpha Rheintal Bank
1,90
Clientis Zürcher Regionalbank
1,90
Raiffeisen
1,92
Urner Kantonalbank
1,95
Acrevis Bank
1,95
Basler Kantonalbank
1,95
St. Galler Kantonalbank1,95
Graubündner Kantonalbank 1,96
Zuger Kantonalbank
1,97
Baloise Bank SoBa
1,99
Coop Bank
1,99
Helvetia Versicherungen1,99
Regiobank Solothurn
2,00
Credit Suisse2,03
Zürcher Kantonalbank
2,03
Valiant Bank 2,06
WIR Bank
2,06
Banca Popolare di Sondrio (Suisse)2,08
quelle: vermögenspartner, Anbieter, Stand: 19. Mai 2015
Anlegerfrage
«Gategroup ist ein Rohdiamant»
Wie schätzen Sie das Anlage­
klima derzeit ein?
Rudolf Bohli: Aktien sind die
­attraktivste Assetklasse. Europa
profitiert vom schwachen Euro
und dem substanziellen Anleihenkaufprogramm der EZB. Tiefe Inflation und nachhaltig tiefe Zinsen rechtfertigen die nicht mehr
günstigen Bewertungen. Aus
­Risikoüberlegungen lohnt es sich,
Long-Short-Aktien-Hedgefonds
anzuschauen.
Rudolf Bohli
RBR Capital
Advisors
wusst. In diesem Sinne ist Gate­
group ein Rohdiamant.
Welche Positionen stossen Sie
ab?
Wir glauben, dass Aktien, die im
Wo kaufen Sie derzeit zu?
Zulieferbereich von Öl und Gas
Bei Firmen, die ein grosses Poten- sind, noch für längere Zeit mit
zial zur Verbesserung der eigenen Überkapazität und Preisdruck
Effizienz haben. Da ist Gategroup kämpfen werden.
ein Favorit. Seit Jahren wurde das
Kostenmanagement vernachläsWelches war Ihr erfolgreichster
sigt. An der Generalversammlung Anlageentscheid der letzten
wurde die Mehrheit des Verwal­Wochen?
tungsrats mit unabhängigen Kan- Die Aktien von Dialog Semicondidaten besetzt. Der neue CEO
ductor sind inzwischen mit einem
und der neue Finanzchef sind sich Kurs-Gewinn-Verhältnis von über
des Auftrags der Aktionäre be20 für 2015 hoch bewertet. Den-
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noch sind sie für uns noch immer
ein Kauf. Als Apple-Zulieferer
profitieren sie vom Erfolg des
iPhone 6. Bei jeder neuen Smartphone-Generation gewinnen sie
weitere Marktanteile. Der Trend
zu immer grösseren Telefonen
und höheren Datenraten hält an.
So bleibt das Wachstumsprofil
­attraktiv.
Und welches der schlechteste?
Wir haben zu früh an einen Turn­
around der Aktien von Bilfinger
Berger geglaubt. Die Gesellschaft
hat mit den Erstquartalszahlen
ein weiteres Mal enttäuscht. Da
die Servicemärkte im Power- und
Industriebereich nach wie vor
schwach sind, wird sich der erwartete Turnaround viel länger
hinziehen als gedacht. Als Kon­
sequenz haben wir die Aktien
verkauft.
Interview: pascal meisser