„Das Kino ist die wahre Schule des Lebens.“François Truffaut

Institut für Geschichte der Medizin
(Leiter: Dr. phil. H. Bettin)
Medizinethik im Spielfilm
„Das Kino ist die wahre Schule des Lebens.“ François Truffaut
Darstellung medizinethischer Themen im aktuellen Spielfilm
Welche medizinethischen Themen sind in aktuellen Spielfilmen präsent?
Wie können diese Filme den GTE (Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin)-Unterricht
bereichern?
Themen mit medizinethischem Bezug sind seit Anbeginn des Films in diesem präsent. Ob als Haupt- oder
Nebenhandlung werden Ärzte, Schwestern, Krankheiten und Patientenschicksale dargestellt. Sie bieten eine
gute Möglichkeit, die Spannung zu steigern. Mithin spiegeln sie die Gesellschaft mit ihren Werten, das Arztbild
sowie den derzeitigen Kenntnisstand in der medizinischen Forschung wider. Gleichzeitig wirken diese Filme auf
die Gesellschaft zurück. Einige Themen werden in bestimmten Zeiträumen gehäuft aufgegriffen, andere
kommen so gut wie nie vor. In einigen Fällen ist die Problematik nur in einer Nebenhandlung verarbeitet und
findet in der Wahrnehmung von Zuschauern und Kritikern wenig Beachtung oder es werden wichtige filmische
Details übersehen. In den letzten Jahren haben die zweifellos komplexeren und filmisch spannenderen
Zugänge zu ethischen Fragen im Zusammenhang etwa mit Krankheit, Sterben, Tod und Genetik im Spielfilm
zunehmend stärkeres analytisches Interesse gefunden.
Filmplakat AMOUR (F 2010)
METHODEN
• Einarbeiten in den aktuellen Wissensstand (Medizinethik)
• Suche nach relevanten Filmen
• Einteilung der Filme nach Genre, Thema,
Herkunftsland, Produktionsjahr, dargeTEXT...
stelltem Konflikt und
gezeigter Haltung,
möglichem Nutzen für den GTEUnterricht
• Ausformulierung einer Arbeitsthese
• Themen- und Filmauswahl
• Szenenauswahl und Analyse
• Fazit
Schema zur Interpretation
1.Rahmenbedingungen:
Erscheinungsjahr, Produktionsland, Länge, Zielpublikum, Titel
2. Subjektive Wahrnehmungen und Seherfahrungen:
Eigene Lesart/Kontext und kultureller Hintergrund
3. Feinanalyse anhand des Handlungsprotokolls (Sprache/Ton/Bild):
a) deskriptive Ebene/Situationsanalyse:
– Erfassung der sprachlichen, gestisch-mimischen Information
und des ethischen Problems
– Aktivierung von Wissensbeständen und parallelen
Ereignissen/persönlichen Erfahrungen des Zuschauers
– Analyse der Konstruktion ethisch relevanter Bedeutungen
und Botschaften
– Perspektive aller am Fall beteiligten Personen
– alternative Handlungsmöglichkeiten und ihre Folgen für die
Betroffenen
– Rekurs auf „allgemeingültige“ ethische Vorgaben und
Werthaltungen
– Bedeutung interkultureller Werthaltungen und/oder
internationaler Gesetzgebung, Praxisvergleiche
– Wirkung
b) Ethische Reflexion:
– Formulierung normativer Orientierungen und übergeordneter
Prinzipien in Bezug auf das dargestellte medizinethische
Problem
– Verantwortungsebenen: persönlich, gesellschaftlich etc.
c) Ergebnisse:
– ethisch begründete Beurteilung, Konsens/Dissens
– nötige praktische Konsequenzen/Durchsetzung
Das Schema wurde basierend auf der
Analyse nach Gisela BockenheimerLucius und Matthias Kettner erstellt
und mit Hilfe des Modells für die
ethische Reflexion von Marianne Rabe
sowie mit eigenen Punkten ergänzt.
Szene aus GATTACA (USA 1997). Treppe in
Form der DNA-Doppelhelix
Szene aus DAS MEER IN MIR (2004)
ZUSAMMENFASSUNG
• Die vorgestellte Arbeit behandelt eine Auswahl an Filmen zu den Themen Autonomie, Sterbebegleitung, Sterbehilfe und
Präimplantationsdiagnostik. Das Material wurde analysiert, bewertet sowie für den GTE-Unterricht brauchbare Szenen ausgewählt
und in den aktuellen Kontext medizinischer Forschung gesetzt. Die Filmanalyse hebt zudem verborgene gestalterische Details heraus.
• U.a. analysierte Filme: HALT AUF FREIER STRECKE (D 2011), MAR ADENTRO (DAS MEER IN MIR, ES 2004), AMOUR (LIEBE, F 2010), MILLION
DOLLAR BABY (USA 2004) sowie GATTACA (USA 1997), MY SISTER’S KEEPER (BEIM LEBEN MEINER SCHWESTER, USA 2009), DIE DRACHEN
BESIEGEN (D 2009)
• Ausblick: Es wären weitere Analysen zu den Themen Hirntod/Transplantationsmedizin, Enhancement-Medizin, Klonen (zahlreiche
Spielfilme!), Arztbild und Darstellung des Arzt-Patienten-Verhältnisses im Spielfilm, interkulturelle Unterschiede, Medizin und Gender
im Film, Dokumentationen usw. möglich und wünschenswert.
Institut für Geschichte der Medizin ● Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ● W.-Rathenau-Str. 48, D-17475 Greifswald
Rückfragen und Feedback: Frau Annette Luther ([email protected]), Herr Dr. H. Bettin ([email protected])